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Die Wahrheit · 1904-09-16 · Heft 37 (16.9.1904) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 37 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr. 37. Die Wahrheit Wahrheiten, mit deren Eintreten in die Geschichte eine neue Epoche geistiger und sittlicher Entwicklung beginni. Das Judentum, dessen Ideal schon in verhältnismäßig früher Zeit die geistige Emporentwicklung der ganzen Menschheit gewesen, dessen Propheten, wie z. B. Jesajah, den Wunsch aussprachen, daß „die ganze Erde erfüllt sein möge von der Erkenntnis Gottes", (Jes. 11, 9) von einem auf Erkenntnis beruhenden Erfassen Gottes; das Judentum, das z. B. unter Anpassung au die durch die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem veränderten Verhältnisse seinen bis dahin im Vordergründe des öffentlich-religiösen Lebens gestandenen Opferkultus preisgab und sich zu der ungleich höheren Anschauung emporentwickelte, daß die Feueropfer durch religiöses Empfinden, durch Gebet und Andacht ersetzt werden sollen; das Judentum, das in einer in der Geschichte einzig dastehenden Weise aus den Trümmern seiner znsammengebrochenen Nationalität heraus zu neuem, kräftigen Leben erstand durch geistige Emporentwicklnng, durch Studium, durch Wissenschaft, von der R. Jochanan b. Sakkai eben damals den bezeichnenden Ausspruch tat, „daß der Mensch nur um ihretwillen geschaffen worden sei"; das Judentum konnte weder'in seiner Lehre noch in seinem ganzen Wesen hemmend auf die Entwicklung der Menschheit wirken. Und tatsächlich war! dies auch nicht der Fall. i Einzig durch philosophierende Naturforscher ward in neuerer Zeit die Behauptung ausgesprochen, daß z. B. gerade der biblische Schöpfungsbericht sich als ein solches Hemmnis der geistigen Entwicklung erwiesen habe und noch erweise. Ohne hier auf eine Beleuchtung des biblischen Berichtes vom Standpunkte der Naturwissenschaft einzugehen, möchte ich nur allgemein bemerken, daß er immerhin Jahrtausende lang der Menschheit genügte und diese, erst als sie hiezu reif geworden, ihren Kopernikns geboren habe. Seit dieser Zeit aber bildet der biblische Schöpfungsbericht ein Hemmnis der geistigen Entwicklung nur durch jene, die ihn wörtlich zum Dogma erhoben haben und heute noch als solches betrachten. Für das moderne, zeitgemäß entwickelte Judentum aber bildet die Verbalinspiration durchaus kein Dogma mehr. Bis auf den ja auch naturwissenschaftlich nicht gut anfechtbaren Grundgedanken, daß ein Gott, ein Gott, der jedem menschlichen Erfassen absolut entrückt ist, der Urheber des Universums ist, besitzt die biblische Schöpfungsdarstellung nur religionsgeschichtliches Interesse als Denkmal der Vorstellungen früherer Zeiten, als ein Denkmal allerdings, auf das das Judentum mit Recht stolz sein kann, einmal weil es dem religiösen Denken und Empfinden eines großen Teiles der Kulturmenschheit fast bis in unsere Zeit hinein genügte, dann aber weil es ein unentbehrlicher Vorläufer unserer heutigen geistigen Entwicklungshöhe war. Damit aber wären wir bereits da angelangt zu zeigen, womit das Judentum fördernd in die Entwicklung der Menschheit eingegriffen hat. Stellen wir dies erst auf geistigem Gebiete fest. Wir stehen heute im Zeichen der Naturwissenschaft. Deren bisherige Forschungsresultate haben uns nicht nur einen überwältigenden Einblick in die Werkstätte der Natur ermöglicht, sondern sie haben uns, was von unberechenbarer Tragweite ist, die Einheit, die innere Einheit der Natur trotz aller äußeren Mannigfaltigkeit geoffenbart. Eine Einheit bildet die organische wie anorganische Natur, eine Einheit bildet die gesamte erkennbare Welt nach einem gemeinsamen Grundgesetze, dem der Entwicklung. Diese Erkenntnis aber ist selbstverständlich wieder nur das Produkt einer vorausgegangenen, auf ungezählte Jahrtausende sich erstreckenden Entwicklung des menschlichen Geistes, in dessen Geschichte sich jeder weitere Fortschritt der Erkenntnis als eine Annäherung an den sogenannten Monismus — nicht Ladenburgscher ' Hypothesensucht — an die Lehre von der inneren Einheit der Natur darstellt. Als der entscheidendste Wendepunkt nach dieser Richtung wird aber wohl jene Periode zu betrachten sein, an der der Gedanke an eine Einheit in der Natur überhaupt zuerst auftauchte, d. h. feste Form annahm, an eine Einheit, zwar nicht in sich selbst, wohl aber in dem, der sie als Einziger gemacht hat; in ihrem alleinigen Schöpfer, in Gott. Mit der Lehre rein Gott, ohne Hilfs- oder Untergötter, ist der Schöpfer des Universums, war endgiltig die Bahn zum inneren Monismus -eingeschlagen worden. Diesem war sie ebenso unentbehrlich, wie z. B. die Erkenntnis des physikalischen Gesetzes von der Erhaltung der Kraft oder des chemischen von der Erhaltung des Stoffes. Der Monotheismus mar in gewissem Sinne der eigentliche Bahnbrecher für den Monismus. Der Monotheismus aber ist unbestreitbares Eigenprodukt des Judentums, durch das es die geistige Entwicklung der Menschheit in hervorragender Weise beeinflußt hat. (Fortsetzung folgt.) Ans der Uergnn-enheit und Gegenwart Ungarisch-Krods. (Fortsetzung.) Der Vorstand ließ sich vom Grundsätze leiten, alles zu tun, was den innern und äußern, materiellen und geistigen Bestand der Gemeinde fördert, und jedenunschädlich zu machen, der Schritte gegen die Gemeinde unternimmt. Um den von ihr gefaßten Beschlüssen Gesetzeskraft zu verleihen, ließ man kein Mittel unversucht. Bis ins Kleinlichste wurde, wie das Gemeindebuch (S. 207) zeigt, dieser Grundsatz durchgeführt. An zwei Beispielen wollen wir dies zeigen. Zur Hebung des volkswirtschaftlichen Wohles setzte der Vorstand den Preis der wichtigsten Lebensmittel sest, bestrafte jede Verteuerung derselben und ließ zur Verhütung schlechten Maßes und Gewichtes, Muster aus Brünn kommen. (1737.) So bestimmte er auch, daß Kalbfleisch, wenn der vordere Teil nicht mehr als 24 Pfund wiegt, das Pfund zu 4 kr., wenn aber weniger, zu 3^ kr., Fett zu 7 kr., Fische im Gewichte von 1V2 Pfund zu 2 Groschen, wenn sie mehr wiegen zu 7 kr. verkauft werden sollen. Den Preis des Weines, den die Herrschaft aus den Zehenttrauben in Gegenwart zweier Juden pressen ließ, setzte der Vorstand auf 1 Groschen (3 Kreuzer) per Maß fest. Die Weinschenker beharrten aber darauf, daß der Preis wie bisher 4 Kreuzer bleibe. Sie sprachen dem Vorstand das Recht ab, über die vom Fürsten den Juden zum Verkaufe übergebenen Produkte eine Bestimmung zu treffen. Die Zänker hofften um so eher ihr Vorhaben durchzuführen, als ihr Interesse mit dem des Fürsten zusammenfiel, indem durch die Verbilligung des Weines das von der Herrschaft erzeugte Bier sowohl, als auch der Branntwein am Absätze einbüßen würde. Doch der Vorstand beschloß, durch eine Deputation den Fürsten nmzustimmen und seine Einwilligung zu erlangen. Sollte dies aber nicht gelingen, dann mußten die daran schuldtragenden Zänker 12 Gulden per Faß der Gemeinde Steuer zahlen, weil sie ihren eigenen Vorteil über den allgemeien stellten und sich den Beschlüssen der Gemeinde widersetzten. Reben dem Wunsche, den Bestand der Gemeinde zu befestigen, war der Vorstand vom Gedanken erfüllt, den Fürsten zu befriedigen. Gewöhnlich trafen diese beiden Bestrebungen zusammen. Denn auch der Fürst förderte das Wohl der Gemeinde, teils in seinem, teils in ihrem Interesse; doch gerieten diese in Kollision, da galt es, ihn zu beschwichtigen oder das Vorhaben vor ihm geheim zu halten. Als er. dem Drängen der Bürger uachgebend, den Juden das Betreiben mancher Gewerbe versagte, oder ihnen verbot, für die Christen zu arbeiten, diesen Wein zu verlausen, da beschlossen die Juden in der Synagoge, ihre Bedürfnisse nicht bei den einheimischen Christen zu kaufen oder anfertigeu zu lassen. Als er auf die Beschwerde der Christen hin dem herrschaftlichen Hauptmanne, der sich von jüdischen

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