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Die Wahrheit · 1904-09-09 · Heft 36 (9.9.1904) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 36 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 36. Die Wahrheit Seite 7. sein sollten! Die neuen Bestimmungen finden keine Anwendung auf Gegenden, wo sür die Juden besondere Beschränkungsmaßnahmen bestehen. Betrachten wir einmal ganz objektiv, was diese neuen Bestimmungen den Israeliten in Rußland tatsächlich bringen. Auf den ersten Blick scheinen sie die rechtliche Stellung der Juden sehr zu verbessern. Tatsächlich bleibt alles beim alten, bis auf einige unbedeutsame Vergünstigungen, die gerade dem kleinsten Teil der Juden zu. gute kommen, während die Lage der großen Masse des jüdischen Proletermts unverändert bleibt. Immerhin ist es interessant, daß ein solcher Erlaß im heutigen Rußland zu stände kommen konnte Die Initiative. dazu hatte der Finanzminister Kokowtzew schon im Dezember v. I. gegeben, als ihm in der Stellung eines Ministergehilfen die Aufgabe zufiel, sich um die kommerziellen Verhältnisse in den Westprovinzen zu sorgen. Er hat schon damals Plehwe gegenüber die Tatsache betontdaß die Zustände im Ausiedluugsrayou geeignet seien, die Regierung und damit die russische Finanzwirtschaft in den ärgsten Mißkredit zu bringen. Plehwe soll erst nach Beginn des Krieges mit Japan, als die Plazierung der ersten Anleihe nicht so glatt vor sich ging, sein Einverständnis zu der Einbringung des Entwurfs gegeben haben Verschiedene Nachrichten. Wien. (G e d e n k t a f e l f ü r Ka i s e r in E l i s a b e t h.) Montag, den 5. d. M. nachmittags wurde im Tempel Josefstadt, Reudcggergasse 12, eine dem Andenken an die unvergeßliche Kaiserin gewidmete Gedenktafel feierlich enthüllt. Die zahlreichen Festgäste wurden vom Gesamtvorstande des Tempelvereines, mit dem Präses Herrn Hermann Beck an der Spitze, empfangen und in die festlich beleuchtete Synagoge geleitet. Anwesend waren: Stadtkommandant FML." Freund von Arlhansen, Seklionsrat Dr. Sigismund Pilat in Vertretung des Ministeriums für Kultus und Unterricht, Statthaltercirat Graf Lamezan, der Vizepräsident der israel. Kultusgcmeinde Dr. Gustav Kohn mit den Kultusvorfteheru Baurat Fleischer, Professor ■ Dr. Ehrmann und dem Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben, der Präsident der türkisch-israelitischen Gemeinde Licco Adutt, Regierungsrat Kulka, Landesgerichtsrat Dr. Spitzkopf. Polizeibezirksleiter Polizeirat Adami in Vertretung des Polizeipräsidenten, Gemeinderat Zisserer, die Rabbiner Dr. Schmied! und Dr. Feuchtwang, der stellvertretende Direktor und Generalsekretär der Aktiengesellschaft für Holzgewinuung Ludwig Horch, Lektor Friedmann, Ortsschulrat Josef Fuchs, akademischer Maler Straßer rc. Der Obmann des Tempelbauvereines in der Josefstadt, Herr Michael Straßer, über dessen Anregung dieser pietätvolle Akt stattfand, mußte in Folge Erkrankung der Feier fernbleiben. Nach Vortrag des Psalm 49 durch Oberkantor Quartin unter Assistenz von Chor und Orgel hielt Rabbiner Dr. Bauer eine^schwungvolle'Festrede. Sodann erfolgte die Enthüllung der Gedenktafel, die rechts von der Bundeslade angebracht ist. Die schwarze Marmortafel trägt in Goldlettern folgende Inschrift: „Zur ewigen Erinnerung au weiland Ihre Majestät die erhabene Kaiserin und Königin Elisabeth, allerdurchlauchttgste Gemahlin Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef I., die unvergeßliche, hochherzige Fürstin, deren Andenken gesegnet bleibt für alle Zeiten, errichtet im Jahre der Einweihung dieses Gotteshauses". Es folgte hierauf der Vortrag eines weihevollen Chorals. Mit einem Gebete für das Seelenheil der Kaiserin Elisabeth schloß Oberkantor Quartin, dessen gesangliche Leistung allgemeine Anerkennung fand, die Feier. Wien. (M i l i t är g o t t e s d i e n st.) Das k. u. k. II. Korpskommando in Wien hat an die ihm unterstehenden Truppen folgenden Befehl erlassen: „Auf Ansuchen der israelitischen Kultusgemeinde m Wien bewilligt das zweite Korpskommando, daß die Mannschaft israelitischen Glaubens der in Wien dislozierten Truppen und Anstalten Freitag und Samstag, den 9. und 10. September, von 5 Uhr 30 Minuten nachmittags bis 8 Uhr 30 Minuten abends, sowie Samstag und Sonntag, den 10. und 11. September, von H Uhr früh bis 12 Uhr mittags, der Feier des Neujahrsfestes, weiters Sonntag den 18. September von 5 Uhr nachmittags bis 8 Uhr 30 Minuten abends und Montag, den 19. September, von 6 Uhr früh bis 8 Uhr abends der Feier des Versöhnungsfestes nach Zulässigkeit des Dienstes beiwohne. Die Einjährig-Freiwilligen israelitischen Glaubens sind am Tage des Versöhnungsfestes, am 18. und 19. September l. I. tunlichst von jedem Dienste, jedenfalls aber von der Prüfung zum Reserveoffizier zu entheben. Die betreffende Mannschaft ist jedenmals geschlossen in die Heumarktkaserne führen zu lassen, wo in dem vom Kasern-Kommando zugewiesenen Lokale, Transporihaustrakt, Zimmer Nr. 43, die Andachtsübungen abgehalten werden." Wien. Da im heurigen Jahre die Möglichkeit vorlag, daß die Offiziersprüfungen der Einjährig-Freiwilligen israel. Konfession am Versöhnungstage vorgenommen werden, hat über Auftrag des Kultusvorstandes Herr Rabbiner Dr. Armin Abeles in seiner Eigenschaft als k. u. k. Feldprediger in dieser Angelegenheit beim hierortigen Platzkommando interveniert und wurde ihm in zuvorkommender Weise das Versprechen gegeben, daß nicht blos in diesem Jahre — am 19. September — sondern für die Zukunft überhaupt die Einjährig-Freiwilligen mosaischer Konfession am Versöhnungstage von jeglicher Prüfung enthoben werden. Wien. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde hat Herrn Oberkantor Salomon Silber mann aus Krems, nach mit großem Erfolge abgehaltenem Probevortrage, mit den kantoralen Funktionen im Ottakringer Tempel während der hoben Feiertage betrant. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk.) Die Einschreibungen für das am lb. d. M. beginnende Schuljahr (viertes Bereinsjahr) finden vom 12. d. M., Montag bis Donnerstag, vormittags 10—12 Uhr, nachmittags 5—7 Uhr, Freitag und Sonntag, vormittags 10—12 Uhr, im Vereins lokale, IX/1, Pramergasse Nr. 5, statt. Die Bereinsleitung bittet die Einschreibungen rechtzeitig vorzunehmen. Wien. Die Talmud Thora-Synagoge, II. Malzgaffe, wurde neu renoviert und hat der Vorstand auch tüchtige Kantoren angestellt. Betsitze sind täglich von 5—7 Uhr abends im Gotteshaus erhältlich. Nikolsburg. In unserer altehrwürdigen Gemeinde, die von jeher als eine Pflegestätte jüdischer Tradition und jüdischer Wissenschaft galt und stets einen Stolz darein fetzte, ausgezeichnete Rabbiner zu besitzen, fand Dienstag, den 30. August unter überaus reger Beteiligung der hierortigen Bevölkerung der feierliche Einzug des an Stelle Dr. D. Feuchtwangs hierher berufenen neuen Rabbiners Dr. Moritz L ew in aus Malaczka statt. Kultusvorsteher Philipp K o h n war an der Spitze einer Deputation dem Herrn Rabbiner nach Lundeuburg entgegengeeilt. Am Nikolsburger Bahnhofe selbst hatten sich zum Empfange Vertreter der politischen und der Kultusgemeinde, die Vorsteher der zahlreichen Vereine und Korporationen eingefunden. Dr. Lewin war in Begleitung seines ehrwürdigen Vaters, Rabbiners D. L e w i n aus Jllava, und seiner greisen Mutter, sowie einer Malaczkaer Deputation, bestehend aus dem Präses Leopold Weinwurm, ^ize-Präses Spitzer und dem königlichen Notar Dr. Albert Lux erschienen. Rabbiner Dr. Groß aus Lundeuburg hatte sich gleichfalls eingefunden. Um lj27 Uhr fand in der Altschulsynagoge ein feierlicher Gottesdienst statt» der vom Oberkantor Fränkel mit einem Boruch habo würdig eröffnet wurde. Herr Dr. M. Lewin hielt sodann seine durch Gedankenfülle und feurigen Schwung ausgezeichnete Antrittsrede, in welcher er auf die Aufgaben eines Rabbiners hinwies, der es mit seiner Mission ernst meint. Hierauf richtete Rabbiner Dr. Groß (Lundeuburg) an den Amtskollegen eine im klassischen Hebräisch abgefaßte Ansprache. Oberkantor Fränkl versah, vortrefflich unterstützt von einem Mäunerquartett, den gesanglichen Teil in vorzüglicher Weise. — Nach Beendigung der gottesdienstlichen Feier begaben sich sämtliche anwesende Vertreter der politischen und der Stadtbehörde, Herr Bezirkshauptmann Kuntschner, die Stadtrüte Radda und Lahner, Gymnasialprofeffor Roller, Inspektor Karger. Direktor Prinz und Oberlehrer Grzybek, die der Installation beigewohnt hatten, zu Herrn Dr. Lewin, um ihn zu dem glänzenden Erfolge seiner Antrittspredigt zu beglückwünschen. Um 9 Uhr fand im Hotel Schaffa ein Festbankett zu Ehren des Rabbiners statt. Bon den zahlreichen Toasten, die hiebei gehalten wurden, sei in erster Linie hervvrgehoben, der des greisen, ehrwürdigen Rabbiners Josef Kuövfinacher, der trotz seines hohen Greisenalters sich noch nngeschwüchter Geisteskraft erfreut. Es sprachen ferner Kultusvorsteher Philipp Kohn, der Vater des neuernannten Rabbiners, Rabbiner D. Lewin, Dr. Groß (Lundeuburg), Dr. Lux (Malaczka), Lehrer B. Krakauer, Ob »rann der Chewra-Kadischa Naran Oser, Franz Deutsch (Obmann des Ortsschulrates), Religionsprofessor Dr. Wilh. Krakauer (Budweis), Religionslehrer W. Breuer (Wien), Lehrer Zwicker rc. Erst in später Nachtstunde endete das schöne Fest, das allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Teltsch. Am 2. September wurde die neuerbaute Synagoge, das vieljährige Sorgenkind der Teltscher Gemeinde, feierlichst eingeweiht. Der Neubau ist prächtig gelungen und bildet eine neue Zierde der altertümlichen Stadt. Dr. M. L. Ster n, Rabbiner für Triesch und Teltsch, hielt die Festrede, in welcher auch der andersgläubigen Bewohnerschaft der Stadt manch schmeichelhaftes Wort gewidmet wurde. Er gab auch der Ueberzeugung Ausdruck, daß das weithin sichtbare Gotteshaus als Zeuge der israelitischen Gottesverehrung, uns die Herzen der andersgläubigen Bevölkerung näher bringen werde. Der Damenchor, unter Leitung des Herrn Kantor F r e i d, erntete großen Beifall. 11m die gelungene Ausführung dieses schönen Baues machte sich der gesammte Vorstand, mit Herrn Kultusvorsteher Ludwig Herrmann und Herrn Baurat Frischer an der Spitze, besonders verdient. Beim Entzünden des ewigen Lichtes hielt der Kultusvorsteher eine sinnvolle Ansprache. Lemberg. Der gegenwärtig in Karlsbad zur Kur weilende Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg, Reichsratsabgeordneter Dr. Byk, sendete dem Ministerpräsidenten nachstehendes Schreiben: „Eure Exzellenz! Während der Zeit Eurer Exzellenz erfreulichen Besuches meines Heimatlandes bin ich zu meinem lebhaften Bedauern auf Grund dringenden ärztlichen Rates an den Kurgebrauch in Karlsbad gefesselt, so daß es mir leider nicht vergönnt sein wird, mit jenen Körperschaften, denen ich anzugehören die Ehre habe, Eure Exzellenz ehrerbietig zu begrüßen. Ich erachte es für meine Pflicht, Eure Exzellenz deshalb um Entschuldigung zu bitten und dies ganz besonders in meiner Eigenschaft als Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, deren Repräsentanz Eurer Exzellenz persönlich vorzustellen ich mir zur hohen Ehre angerechnet hätte. Es sei mir jedoch gestaltet, brieflich die Aufmerksamkeit Eurer Exzellenz auf die erschreckende wirtschaftliche Notlage der großen Masse der so zahlreichen jüdischen Bevölkerung Galiziens zu lenken. Es fft nicht leicht, in einem kurzen Briefe die mannigfachen und vielfach verästelten Ursachen dieses Niederganges zu skizzieren, der seinen markanten Ausdruck in den rapid wachsenden Ziffern der jüdischen Emigranten findet. Doch sicher ist es, daß eine der Hauptursachen in der wirtschaftlichen Rückständigkeit unseres Landes und im Mangel an Industrie liegt. Die moderne Zeitkrankheit des Antisemitismus, welche uns Juden im größten Teile Eurovas das Dasein vergällt und vergiftet, wirkt allerdings auch mit. Der Nährboden dieser Krankheit ist manchenorts mehr die Gesinnung der Bevölkerung als die Haltung der Regierung, und ich muß es dankbarst anerkennen, daß der gegenwärtige Herr Statthalter seit seiner Ernennung

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