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Die Wahrheit · 1904-09-02 · Heft 35 (2.9.1904) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 35 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 35. voll über diWudül äußert. AbWsHrrfreulich undHHieichelj Haft es auch,Mr bist JyWi MlMtaMdWsie^chonHnesti JbM hoch bewertwc. werÄm, erschHttt Mn UrtMl nzH Wichtiger mit Hinblick >Mf Hie AntHmitey, He es wK ein Kolbenstoß trifft. Man "Venke doch stuf der>. einen Seite die Schar der fanatisch, intellektuell unbedeutenden 'Antisemiten, die Ich heiser schreien: die Juden sind ein inferiores Volk — und nun der wohldurchdachte, scharf geprägte Ausspruch Ibsens, der das Volk der Juden als den Adel der Menschheit bezeichnet. . Den Antisemiten wird jetzt wohl nichts anderes übrig bleiben, . als die blödsinnige Luge, Ibsen ist ein Judenstümmling! Das istzwar eine Lüge, aber wie sollen die Antisemiten sonst den wuchtigen Schlag, der sie getroffen, parieren? # * * Der Antisemitismus beruht ans Lügen und er kann nur mit Lügen gestützt werden. Das wissen die antisemitischen Preßorgane ganz gut und sie versuchen es gar nicht mit anderen Waffen zu kämpfen. Das zeigt sich bei jeder, auch der unpassendsten Gelegenheit, und darin begegnen sich auch die antisemitischen Journale ohne Unterschied der Couleur, ob sie deutschnatwnal oder christlichsozial sind. So schrieb z. B. das „Alldeutsche Tagblatt", welches sonst spinnefeind dem „Deutschen Volksblatt" ist, neulich folgendes: „Wenn etwas für den gesellschaftlichen Auffchwung des österreichischen Judentums bezeichnend ist, so sind es die geänderten Ordensstatuten. Früher war mit der Eisernen Krone die Baronie verbunden. Da beschwerten sich aber die zahllosen jüdischen Freiherren von Popper u. s. w. über die Entwertung, die dadurch eintrete und es erfolgte die Streichung der Adelsparagraphe." Jedes Wort enthält eine Lüge. Aber da es sich um Juden handelt, bringt das „Alldeutsche Tagblatt" genau solche Lügen, wie sie das ..Deutsche Volksblatt" zieren könnten. Da hört jeder Unterschied auf. Folge« der Unkenntnis des hebräischen Urtertes. Der fortschrittliche Geist unserer Zeit, der rastlos und unaufhaltsam vorwärts dringt, der keinen Unterschied und keine Ausnahme kennt und vor keinem Gebiete Halt macht, ist auch in das religiöse Gebiet des Judentums gedrungen und hat daselbst einschneidende Neuerungen und Reformen zutage gefördert. Insbesondere auf dem Boden der Jugenderziehung und Jugendbildung hat dieser Zng der Zeit vollständige Metamorphosen hervorgebracht. Während in früheren Zeiten die Religion bei der Kindererziehung die Hauptrolle spielte, das Studium der Thora und der hebräischen Sprache das Haupt- und Lieblingsfach der Jugend bildete und den profanen Wissenschaften gleichsam als Grundlage diente, ist in unserer Zeit gerade das Gegenteil der Fall. Die Religion wird in den meisten jüdischen Familien bei der Kindererziehung blos als Nebensache betrachtet, und es ist bereits soweit gekommen, daß manche Eltern ihre Kinder am allerliebsten gar nicht in der Religion unterrichten ließen und sich demnach kein Kopfzerbrechen darüber machen, wenn der eine oder der andere ihrer Sprößlinge in der Schule in den Fächern der Religion zurückgeblieben ist und sich nicht einmal die Kenntnis des hebräischen Urtextes angeeignet hat. Wie schwer sich diese elterliche Indolenz bei der Jugend rächt, sobald diese einmal herangewachsen und ins reifere Alter getreten ist, davon geben die Erscheinungen Zeugnis ab, die sich im öffentlichen Leben so häufig vor unseren Augen abspielen. Wie oft kann man beispielsweise beim öffentlichen Gottesdienste die Wahrnehmung machen, daß die herangewachsene Jugend, ja sogar Männer oder Frauen teilnahmslos und apathisch dastehen, nur zum Schein die Lippen bewegen und mechanisch in den Gebetbüchern umherblättern? Wie häufig kann man Zeuge sein, daß Mitglieder der versammelten Gemeinde aus Furcht zur Thora gerufen und zum Rezitieren der Segenssprüche verhalten'zu werden, vorzeitig die Andacht unterbrechen und das GotstHaus verlassen? WitzAst^reiMt, eff-sich, ,-ßgß die öffentliche PaMizwafeier eines MnMcheHSpWlinHst die seit uralter Zeik^ein freudiges EreigrMsin Mr jüöischen Familie bildete, von Iren betresiestden Eltern' Umgängen wird^Mr; aus dem Grunde,'um dm Liebling der Mühe zu entheben, die ihm das Einstudieren des üblichen Vortrages im Gotteshanse verursachen würde? Und wie zahlreich sind die Fälle, daß Leidtragende, die einen , ihrer teuren Angehörigen, den Vater oder die Mutter, durch den Tod verlörest haben- und sonach im Trauerjahre zum Verrichten des Kaddstchgebetes verpflichtet sind, auch diesen Akt kindlicher Pietät außeracht lassen und dem Gottesdienste und dem Gotteshanse fern bleiben? Und wo sonst liegt die Ursache all dieser Erscheinungen, wenn nicht darin, daß es viele unserer Glaubensgenossen in der Jugend nicht bis zur Fertigkeit im Lesen des hebräischen Urtextes gebracht haben, daß sie seitens der Eltern nicht weiter zum Nachholen des Versäumten verhalten wurden, daß mit der Zeit auch das Wenige, das sie ihr eigen nannten, der Vergessenheit anheimfiel und ihnen jedwedes Verständnis für die Teilnahme am öffentlichen Gottesdienste und jedwedes Interesse zum Besuche des Gotteshauses verloren ging. Und doch gibt es für uns an allen Ecken und Enden der Erde zerstreuten Golusjuden keine geeignetere Stätte, wo wir die Regungen unseres Herzens durch die uns in der heiligen Sprache überlieferten Gebete und Gesänge Ausdruck verleihen, als das Gotteshaus, keinen geeigneteren Ört, wo wir im moralischen Kampfe des Lebens uns geistig und seelisch stärken, uns wieder aufrichten und erheben, als das Haus der öffentlichen Andacht. Da aber in unserer gegenwärtigen, für das Jndentmn so tiefernsten Zeit gerade das Gegenteil der Fall ist, unsere Gotteshäuser jahraus jahrein eine gleichmäßige Leere aufweisen und unter den spärlichen Besuchern auch solche sich befinden, denen es sogar an der Fähigkeit zur Teilnahme am Gottesdienste mangelt, da ist es wohl am Platze, von Zeit zu Zeit auf die Ursache dieser Erscheinungen zurückzukommen und den krassen Jndifferentismus, den religiösen Niedergang, der sich in ihnen offenbart, rückhaltlos ans Tageslicht zu fördern und dem Urteile der Oeffentlichkeit zu überantworten. Wir gehen soeben den hohen Feiertagen entgegen, jenen Tagen, an denen wir nach abgelaufener Jahresfrist wieder einmal das dringende Bedürfnis fühlen, Einkehr zu halten in uns und uns über all unser-Tun und Lassen Rechenschaft abzulegen, und da wäre dies wohl der geeignete Zeitpunkt, wo wir all das, was wir hinsichtlich der religiösen Erziehung unserer Kinder bisher außeracht gelassen und verabsäumt haben, uns vor Angen führen und einer ernstlichen Prüfung und Erwägung unterziehen. Und haben wir uns einmal dieser Aufgabe unterzogen, die Sache ernst genommen und den Vorsatz gefaßt, unseren Kindern in der Folge auch nach dieser Richtung hin unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, dann lassen wir dem guten Willen auch die Tat folgen. Geben wir unseren Kindern, damit sie uns nicht dereinst mit Vorwürfen überhäufen, das, was wir ihnen als ihre Eltern zu geben verpflichtet sind, das, was sie als Träger . unseres Namens, als Vertreter unseres Glaubens, nicht entbehren und nicht vermissen können: die Religion. Geben wir ihnen aber vor allem das, was ihnen den Weg zur Religion bahnt und ebnet, das, was die eigentliche Grundlage der .Religion bildet: die Fertigkeit im Lesen des hebräischen Urtextes, die Gewandtheit im Rezitieren der Gebete und nicht zuletzt die allgemeine K e n n t n i s u n s e r e r heiligen Sprache. Daniel Skutezky. Ist die Indenfrage lösbar? (Fortsetzung.) Die Antisemiten wollen von der Ebenbürtigkeit nichts wissen. Die „wissenschaftlichen" Antisemiten leugnen die geistige I Ebenbürtigkeit; Vermischung mit Juden oder auch nur Duldung

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