Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 33 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 33. Die Wahrheit Leite 7. Melodien; die zweite und dritte stimmen mit den Tonreihen der mohammedamsch-arabischen Musik überein; sie sind sehr alt, aber zweifelhaften Ursprungs. Hingegen findet die Jischtabach= Skala kein Analogon in der griechischen noch in der mohammedanischen Musik. . Ihr vindiziert demnach Singer die spezifischjüdische Originalität. Wer sich für den Stoff interessiert und darin nicht ganz fremd ist, den müssen wir auf das Buch selbst verweisen, in welchem der Verfasser ebensoviel Gelehrsamkeit wie Scharfsinn bekundet." Aus dieser kurzen Rezension ist genügend zu ersehen, mit welcher Hingabe und Aufopferung Hosrat Hcmslik selbst seinem Gesichtskreise weitabliegeude musikalische Werke studierte und beurteilte, und diese goldne Richtung war und blieb die Signatur seiner Tätigkeit, bis ins hohe Alter, bis ihn ein schweres, unheilbares Leiden vom Kampfplatze seiner umfassenden und richtunggebenden Tätigkeit, vom Schauplatze seiner Wirksamkeit abgerufen. Tief erschüttert unk) wehmutsvoll ergriffen stand auch ich an seiner Bahre, als sie ihn hiuaustrugeu auf jenes Gefilde des Nimmerwiedersehens und mußte mir nun gestehen: ..Er war mir ein hingebungsvoller Gönner, einen bessern find ich nicht!" Aus der Vergangenheit und Gegenwart Ungarn sch-Krods. (Fortsetzung.'» Sie dürsten kaum einen Erfolg erzielt haben. Denn, wie immer, nach Beendigung des Krieges stellte man die Juden als die Schuldtragenden hin, bezichtigte sie des heimlichen, verräterischen Einverständnisses bald mit den Türken, bald mit den Schweden, als Hütten sich die Mörder mit ihren Opfern schon -früher verabredet. Sie, die früher die Rebellen bekämpfen halsen, fielen nach Beendigung des Krieges in die Kategorie der Altkatholiken, gegen welche schärfere Maßregeln getroffen wurden. Mautverpachtungen und Salzverschleiß wurden ihnen entzogen. Ihre Zahl sollte eher vermindert als vermehrt werden. Die Bedingungen ihrer Existenz wurden erschwert. Es wurden gegen sie ungesetzliche Bestimmungen erlassen, die in der Ausweisung der Juden aus Wien 1670 ihren Höhepunkt erreichten. Die meisten Emigranten zogen nach dem nahe gelegenen Mähren, wo ihnen der Olmützer Kirchenfürst seine Städte öffnete, als wollte er damit bekunden, daß der angebliche Grund der Ausweisung der Juden, die Gefährdung der Religion nämlich, ungerechtfertigt ist. In Ung.-Brod ließen sich mehrere intelligente Männer nieder. Von den Wiener Emigranten machten sich dort seßhaft Jakob Abraham, Moses Oesterreicher, Lazar Scholem, Wolf Wiener, 'Toderos Veit, Moyses Doktor.*) Anfänglich wollten sich diese Männer den hiev herrschenden Sitten nicht unterordnen; sie lebten für sich abgesondert und nahmen an der öffentlichen Gemeindetätigkeit keinen Anteil. Ihr Stolz aber wurde verletzt durch den auf der Synode zu Ung.-Brod (1677) Zefaßten Beschluß mit folgendem Wortlaut: „Wiener und österreichische Eingewanderte, die bei einer Gemeinde dieses Landes sich seßhaft gemacht haben, der Herrschaft sich aber nicht untertänig gegeben haben, sondern bloß Schutzgeld bezahlten, sollen keineswegs zum Richter- und Geschworenenamt gelangen können." (§ 8.) Später schlossen sie sich als tatkräftige Mitglieder der Gemeinde an. Durch diesen Zuzug erfuhr die Gemeinde in materieller und geistiger Hinsicht einen großen Aufschwung. Das Aufblühen der Gemeinde erregte Neid und Mißgunst bei der Bevölkerung, die in Petitionen an den Fürsten, die Gewerbe der Juden und das Besitzrecht zu beschränken, zum Ausdruck kamen. Erst das gemeinschaftliche Leiden hat sie an ihre Zusammengehörigkeit ermahnt. Das Schicksal machte den Unterschied zwischen Bürgern, Untertanen und Emigranten verschwinden. Je mehr sie den Städten räumlich näher traten, desto mehr häuften sich die Reibungspunkte, welche Abstoßungen und *) Kaufmann, Die letzte Vertreibung. S. 178. Entfernung herbeiführten. Kaiser Leopold I., welcher es skandalös und gefährlich fand, daß die Juden die Zahl der Christen übersteigen sollten, ließ mit dem Reskripte vom 11. Jänner 1673 durch das k. Amt der Landeshauptmannschaft einerseits dem k. Fiskal ernstgemeffen befehlen, nicht allein in Ung.-Brod, sondern aller Orten in Mähren fleißig zu inquirieren, wo die Juden teils gar nicht, teils über die Zabl nicht gewesen und sich seiner Instruktion und dem Landtagsbeschlusse von 1650 gemäß zu verhalten, andererseits aber den Obrigkeiten von amtswegen ernstlich einbinden, daß sie die Lästerung der Juden exemplarisch abstrafen. Auf die Anzeige des k. Fiskals, daß von Seite des Dominik Andreas Grafen v. Kaunitz bezogener a. h. Resolution nicht nachgelebt werde, indem sich die Juden in Ung.-Brod von Tag zu Tag vermehren, erinnerte die mährische Landeshauptmannschaft denselben unter dem 11. März 1681, daß er dem, was Seine Majestät befohlen und der Landtagsbeschluß von 1650 wegen Abschaffung der Juden mit sich bringe, allerdings Nachkomme. Die Versuche der Ung.-Broder Juden Josef Munk und Samuel Marx wegen Einführung des polnischen Steinsalzes in Mähren gegen eine gewisse jährliche Zahlung, ferner der gesamten mähriscyen Judenschast wegen Pachtung der sich von altersher hin und wieder befindenden (ärar.) Münte (1650) blieben ohne Erfolg. (Archiv der k. Hoskammer, 11t. M. 6. D'Elvert, Zur Geschichte der Juden, S. 188.) (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Herr kaiserl. Rat Johann Lichten st a d t ist in Anerkennung seiner Tätigkeit als Schriftführer des Vereines zur Errichtung von Suppen- und Tee-Anstalten von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens ausgezeichnet worden. Wien. (K a i s e r F r a n z Josefs-Ferienheim.) In der abgelaufenen Woche fand der zweite Serienwechsel in den vom Kaiser Franz Josefs-Ferienheim erhaltenen Kolonien Tischnowitz und Petrau statt. Nach vierwöchentlichem Aufenthalte kehrten aus Tischnowitz 135 Knaben und aus Petrau 50 Mädchen prächtig aussehend und mit bedeutenden Gewichtszunahmen heim, während die gleiche Anzahl von Schützlingen für den Rest der Ferien dahin abging. Außer in diesen beiden Stationen befinden sich noch in Austerlitz und Bad Hall Kolonien des Vereines „Ferienheim", der in diesem Jahre nahezu 600 Kinder entsendet hat. Das Bureau des Vereines befindet sich IX., Türkenstraße 17. Czernowitz. Bei den anfangs des Monats stattgefundenen Landtagswahlen haben die Juden sehr glückliche Erfolge erzielt. — Der Bukowinaer Landtag besteht aus 31 Mitgliedern, und zwar aus 2 Birilstimmen, 10 Abgeordneten aus dem weltlichen und geistlichen Großgrundbesitz, aus 12 Vertretern der Landgemeinden, aus je einem Abgeordneten der Städte Suczawa, Sereth und Radautz und 2 Abgeordneten der Landeshauptstadt Czernowitz. 2 Abgeordnete wählt die Handels- und Gewerbekammer. Die Funktionsdauer der Abgeordneten dauert sechs Jahre. Die Juden haben gegenwärtig drei Abgeordnete durchgebracht, und zwar: in Czernowitz den Landes- und Gerichrsadvokaten Dr. Benno Straucher, in Suczawa den Landes- und Gerichtsadvokaten Dr. Josef Weidenfeld und Bankdirektor Wilhelm Tittinger als Abgeordneter der Handels- und Gewerbekammer. Es ist wohl überflüssig, hervorzuheben, wer Abg. Dr. Straucher ist. Aus seiner langjährigen Tätigkeit als Reichsratsabgeordneter (Dr. Straucher ist bereits zweimal in den Reichsrat entsendet worden) ist es allgemein bekannt, daß er — als einziger Parlamentarier fast der ganzen Welt - eine jüdisch-nationale Realpolitik betreibt. Dr. Benno Straucher ist Reichsratsabgeordneter, Präses der israelitischen Kultusgemeinde Czernowitz. Gemeinderat der Landeshauptstadt, Mitglied des großen Direktoriums der Bukowinaer Sparkasse rc. rc. Gegenwärtig ist er zum zweitenmale zum Landtagsabgeordneten gewählt worden. In allen Bertretungskörpern vertritt er eine zielbewußte, ausschließlich jüdische Politik. Im vorigen Jahre hat er mit dem hervorragendsten Führer des rumänischen Volkes, Abg. Aurel R. v. Onriul und dem des ruthenischen Volkes, Nikolaj R. v. Wassilko, den landtüglichen freisinnigen Klub gegründet. Die Freisinnigen haben im vorigen Landtage eine kleine Minorität gebildet. Nunmehr haben sie, wie im Fluge die Majorität errungen. Ausgenommen von der Wirksamkeit der „Freisinnigen" sind blos nationale Angelegenheiten, sonst verfügen sie über ein reichhaltiges wirtschaftliches, soziales und politisches Programm Ungemein intereffant war die Wahl in Czernowitz aus dem Grunde, weil Doktor Straucher als Gegner des Bürgermeisters von Czernowitz, Anton Freiherrn v. Kochanowski, der bis jetzt durch 35 Jahre Landtagsabgeordneter von Czernowitz war, gewählt wurde. Freiherr v. Kochanowski ist Katholik und Pole. Der Sieg Dr. Strauchers ist der Vereinigung der deutschen, rumänischen, ruthenischen und selbstredend der jüdischen Wählerschaft, die 40% der gesamten Wählerschaft ausmacht, zuzuschreiben. Schließlich will