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Die Wahrheit · 1904-08-12 · Heft 32 (12.8.1904) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 32 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Administration: Wien, H/, Novaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei 15S02. Inserate 20 Hell, per Nonpareille-Zeile. Abonnementsu. Jnsertioiisbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. akrcheit ^abhängige Aeiifchrifi für jüöische Anterejfe«. Erscheint jeden Kreitag. Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Verugspreis: j Ganzjährig . . ä. 12.— | 1 Halbjährig . K. 6.— Für CnlNlsbeamre: Ganzjährig . . . >if. 10 — | Für Ausland: i Ganzjährig . . . » Mark, ü Rubel oder lü Fcs. Dtr. 32. Wien, 12. Angirst 1904. Inhalt: Aus der Woche. — Zur Hebung des Kulturzustandes der galizischen Juden. — Das jüdische Gymuasiuin. — Verschiedene Nachrichten. — Jüdische Kantoren in Deutschland und in Oesterreich-Ungarn. Aus der Woche. Herr Georg Schönerer hat der Stadt Eger ein furchtbares Ultimatum gestellt: am Tage, an welchem sie Se. Majestät den Kaiser festlich empfangt, verzichtet er auf das Ehrenbürgerrecht, welches ihm Eger verliehen. Diese Kundgebung des deutschnationalen Antisemrtenhäuptlings läßt wohl keinen Zweifel übrig, daß sie aus einem pathologischen Gehirne entsprungen. Allerdings darf man nicht übersehen, daß Herr Schönerer auch schon zu der Zeit, wo sein Geist sich in noch normaleren Geleisen bewegte, in seinen ,.U. d. 28." Enunziationen gegen die Dynastie Habsburg sich gestattete, die regelmäßig alle 14 Tage die Konfiskation des Blattes herbeiführte. Frech, impertinent, antiösterreichisch und antidynastisch hat Herr Georg Schönerer sich stets gezeigt; nun ist er, wie dies seine Kriegserklärung an Eger beiveist, auch tobsüchtig geworden. Man wird nun wohl zugeben müssen, daß der Führer der deutschnationalen Antisemiten mit dem Mechaniker Schneider, der zu den Häuptern der christlich-sozialen Partei gehört, jedenfalls Eines gemein hat: partielle Gehirnparalyse. A propos: partielle Gehirnparalyse! Dieses für führende Geister des Antisemitismus so treffende Wort hat einmal auch ein Freund und Verteidiger des Kanonikus Rohling zu dessen — Entschuldigung benützt. Graf Coudenho ve hat in seinem bekannten bedeutsamen Werke über den Antisemitismus auch ein Kapitel dem Kanonikus Rohling gewidmet, in welchem er sich sympathisch über diesen Mann äußert und dessen Stellungnahme zum Ritualmord aus — partielle Gehirnparalyse znrücksührt. Die Berechtigung eines solchen Plaidoyers aus Milderungsgründe für Antisemitenführer wird man kaum ohneweiters abweisen können. Dem „Deutschen Volksblatte" wird man anläßlich der Judenhetze, die es aus dem Attentate auf Plehwe schlägt, kaum irgendwelche Milderungsgründe zuerkennen dürfen. Das christlich-soziale Blatt ist in diesem Falle gewiß nicht so blöde, als es sich stellt, es weiß ganz gut, daß die Untersuchung in Petersburg, wenn nicht anderes, so doch Eines mir zweifelloser Gewißheit enthüllte: daß derselbe kein Jude ist. Name und Abstammung des Attentäters kann möglicherweise ein ewiges Geheimnis bleiben, kann dem Spürsinne der russischen Polizisten für immer verborgen bleiben. Wenn aber der Attentäter ein Jude gewesen wäre, so wäre dies sofort sestgestellt worden und der Attentäter hätte nicht einmal den Versuch zu leugnen unternehmen können. Das wissen die Schreiber des „Deutschen Volksblattes", die so oft höhnisch ihre Glossen über die beschnittenen Söhne Israels machen, — obwohl von dieser Bemerkung auch Jesus und die Apostel getroffen werden — ganz gut, und wenn sie trotzdem ihren Lesern die Lüge auftischten, daß der Mörder Plehwes ein Jude war, so konnten sie diese Lüge nur bewußt und absichtlich ausrecht erhalten, um mit deren Hilfe Erbitterung und Haß gegen die Juden hervorzurnfen. * * * Der Mann, der das "Attentat aus Plehwe verübte, war — glücklicherweise kein Jude. Es wäre Torheit zu leugnen, daß möglicherweise in Rußland unter den vielen todesmutigen Attentätern, welche in der letzten Zeit sich gegen blutdürstige, grausame Tyrannen erhoben, auch ein Jude hätte sein können. Aber wir wiederholen: Plehwes Mörder war glücklicherweise kein Jude und dank diesem Umstande werden für diese Tat eines Einzelnen nicht alle Juden in Rußland büßen müssen. Eine der grauenvollsten, verbrecherischesten Versündigungen an den Juden war es ja stets, daß ihnen gegenüber zweierlei Maß galt: die Vorzüge des Einzelnen wurden diesem allein als Verdienst zuerkannt; für Fehler, Laster und Verbrechen des Einzelnen wurden aber immer alle seine Glaubensgenossen verantwortlich gemacht. * * * Die antisemitische Presse möchte, um das Attentat aus Plehwe aus das Conto der Juden zu setzen, um jeden Preis Plehwe als einen edlen, großen Staatsmann hinstellen, der sich nur den Haß der Juden zuzog, weil er in ihnen gefährliche Schädlinge erkannte und verfolgte. Dieser Faustschlag in das Gesicht der Wahrheit muß als lügenhafte, böswillige Verleumdung bezeichnet werden. Das ganze Regime Plehwes ist zugleich eine ununterbrochene Reihe von grausamen, blutigen Verfolgungen gegen Deutsche, Finnen, Armenier und auch gegen unzählige Russen, die von einer freien Bewegung das Heil Rußlands erwarteten. Das ist die Wahrheit über Plehwe, die mit blutigen Lettern in der zeitgenössischen Geschichte Rußlands verewigt ist. Ungemein kennzeichnend für das Wesen und den Charakter Plehwes sind die Bemerkungen, die ein großes englisches Blatt, die „Quarterly Review" vor einiger Zeit — bei Lebzeiten

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