Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 31 (5.8.1904)
- Date
- 1904-08-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Sk. 31. Aus der Vergangenheit und Gegenwart Ungarisch-Krods. (Fortsetzung.) Damals erwies sich die Broder Herrschaft Kaunitz als wahrhaft menschenfreundlich gegen die obdachlos umherirrenden Juden. Außer den ihnen in der Stadt schon im Jahre 1595 eingeräumten fünf Wohnhäusern, gestatteten sie, daß sie alle Häuser, welche von den Besitzern verlassen worden waren, einnehmen konnten und sie nur die auf ihnen lastenden Schulden zu bezahlen brauchten. Er gebot dem Bürgermeister, daß er ein zur Zeit der Herrschaft der Nichtkatholiken für ein Spital gewidmetes Haus einem Juden verkauft und das für das Haus erhaltene Geld zu der Renovierung des städtischen Spitals und der Erziehung der armen Leute verwende. Der jüdische Besitz erweiterte sich von Tag zu Tag. Im Jahre 1628 besaßen die Juden in der Stadt 48 solche verlassene Häuser, in der Komenskigasse 10, in der Tuchwebergasse, der jetzigen Judengasse, 38. Die Verhältnisse scheinen damals zu ihren Gunsten sich gestaltet zu haben. Die ihnen gut gesinnte Herrschaft bot ihnen Bürgschaft für die Sicherheit ihres Lebens und Vermögens. Und wenn auch der Krieg von außen nach wie vor weiter wütete, innerhalb der Stadtmauern herrschte Friede. Fünfzehn Jahre der Ruhe und Erholung ivaren ihnen gegönnt. Jedoch kaum hatten sie sich ein wenig vom schweren Schlage erholt, da wurden sie neuerdings von der Kriegsgeisel heimgesucht. Nach dem Siege bei Leipzig und am Tabor drang General Torstenson in Mähren, „das Herz Oesterreichs", ein. Von Kremsier aus, wo er alles niedermetzelte, schickte Torstenson den Oberst Peter Anderson gegen Ung.-Brod. Da diese Stadt keine Soldaten und Waffen hatte, ergab sie sich den Schweden. Trotzdem zündeten sie sie an und führten vier beladene Wagen fort. Das Rathaus, das Kloster und das Schloß verbrannte bis auf den Grund. M. Birgl schildert in einem Klageliede die bitteren Leiden der Juden Mährens (jüdisch Marin bitter) um diese Zeit und bezeichnet die entmenschten räuberischen Schweden (gleichlautend mit B'-itP Dämonen oder am» Räuber) als eine Gottesgeisel für die Juden Brods, welche den Unglücksbecher bis zur Neige leerten und an jedem Raubzuge der Feinde in diesem Kriege vom Anfang bis zum Ende in Mitleidenschaft gezogen wurden. Bis zum Jahre 1646 ließ Torstenson in der Umgegebung Brods zur Sicherstellung der Kriegsentschädigung eine Besatzung zurück, welche die Einwohner aussog. Erst der Friedensschluß im Jahre 1646 brachte ihnen vollständige Ruhe. Jetzt erst konnten sie den trostlosen Zustand, der über sie hereingebrochen war, deutlich wahrnehmen, den Verfall des Handels, die Vernichtung ihrer Existenz. Die Juden waren von den erhöhten Anforderungen, die an sie gestellt wurden, ganz erschöpft. Außer ihrem Anteil an den ordentlichen Kriegssteuern der Juden (seit 1629 25.000 Gulden jährlich), mußten sie noch außerordentliche Abgaben dem Lande leisten, wie z. B. einen Teilbeitrag zu den 1500 Knechten und Pferden, welche die mährischen Stände beim Einbruch der Schweden bewilligten. Zur Befestigung der Stadt mußten sie den vierten Teil, der ohnehin einige hundert Gulden ausmachte, aus eigenen Mitteln beisteuern. Doch während den Bürgern nach dem Kriege Erleichterungen bei den Steuerzahlungen gewährt wurden, leistete ihnen niemand Ersatz für ihren Schaden, den sie auf 80.000 Gulden bezifferten, eine stattliche Summe für die damalige Zeit. Sie reichten daher an die Landeshauptmannschaft eine Petition um Verminderung ihrer Kontributionen ein, in welcher sie ihn unter Berücksichtigung ihrer Leistungen während des Religionskrieges um Verminderung ihrer Kontributionen baten. Sie mußten nicht allein in der Stadt gleich denen Christen von denen die Rebellen plokiert und in allen Ausgaben zur Befestigung der Stadt Hungarisch-Brod mit einem vierten Teil, welcher etliche hundert Gulden austraget, concurrieren, sondern auch ihre vor der Stadt neben der Mauer situirt gewesene Synagog, welche bis m/12 Fr. gekostet, aus Ursachen, damit den Rebellen die! Postierung präscindiert werden möchte, totalstes und bis in Grund ruinieren, wie auch all und jedes, sowohl unter dessen Bürgern zu Hungarisch-Brod, als auch unter denen Untertanen auf etlich hundert Stück habender Rind-und Schafvieh von gedachten Rebellen fortgetrieben wurden, ferner den Garnisonen Leopoldstadt und Trentschin ihrer eigenen Mittel vorstrecken. Zu denen sie wegen der grassierenden Pest ans keine Weis gelangen können endlich ist auch vor der Hungarisch- Broder Judengemeinde über die Hälfte in dem Königreich Hungarn allwo sie in eornsrtiis ihr Vermögen gehabt, verrsperet. Die Petition hat folgenden Wortlaut: Hochloebliches koenigliches Amt der Landeshauptmannschaft! Gnädig Hochgebietendeste Herren. Ein hochloebliches koenigl. Ambt der Landeshauptmannschaft hat aus einer gnädigsten Beherzigung, daß. denen armen von den Rebellen damnificierten Unterthanen im Markgrafthum Mähren ein unersetzlicher Schaden geschehen, an denen reichenden Kontributionibus eine gnädigste Ergötzlichkeit wiederfahren lassen, unter welchen auch die Gras Kamzische Stadt Hungarisch-Brod begriffen und der gnaedigsten Consulativn sich erfreuet. Weilen dann nun wir sambentliche Hungarisch-Broder Unterthänige Juden nicht allein in der Stadt gleich denen Christen von denen Rebellen ploquirt und in allen Ausgaben zur Befestigung der Stadt Hungarisch- Brod mit einem vierten Ehest, welcher etliche hundert Gulden austraget, concurriren müssen^ sondern auch unsere von der Stadt neben der Mauer situiert gewesene Synagog. rpelche bis m/12 Fr: gekostet, aus Ursachen, damit den Rebellen bie Postieimng praescindiert werden möchte, totalster und bis in Grund ruinieren/müssen, wie auch all und jedes, sowohl unter dessen Bürgern zu Hungyrisch-Brod, als auch unter denen Unterthanen ans etlich hundert, Stück "habender Rind- und Schasvieh von gedachten Rebellen' abgetrieben worden, nicht weniger die Wachten eben mit der Stadt aus eigene Unkosten in soviel als uns betreffen, leiden müssen ja auch denen Garnisonen Leopoldstadt und Trentschin unsere Mittel vorgestrekt bisher aber weg^n der grassierenden Pest auf keine weis zu dem unserigen gelangen können, endlich auch von der Hungarisch-Broder Judengemeinden über die Hälfte in dem Königrich Hungarn, allwo wir in eonaertlis unseres Vermögen gehabt, versperet im folglichen beiderseits bis auf das eiserste damnificiert wordenwelche Damnification in allen über m/80 Fr. sich belaufet und danach an mtfem Contributionis onere nicht in dem geringsten bisher/.subleviert worden. ' Als sollen ein hochlöbl. konigl. Ambt der Landeshauptmannschaft mit einem unterthaenig gehorsambisten fuesfahl hiermit demütigst bitten, dasselbe geruhe in gnaedigsten Ansehen,, daß wir allerarmeste Hungarisch- Broder Juden in das eiserste Verderben geraten, eine gnädigste Sublevation an denen schuldige Contributionibus zue unsere Consulation uns wiederfahren zu lassen. Der Allerhöchste Hird die administrierte Gerechtigkeit zue seiner Zeit belohnen, wir aber aus derselben unterthänig getröstende nebst unterthänig gehorsambister Empfehlung verbleiben. Eines hochlöblichen königl. Ambts der Landeshaüptmannschaft, unterthänig gehorjambste sambentliche Judenschäft zu. Hungarisch-Brod. / (Mähr. Ländes-Archiv, Saec. -XVII.) (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (HofratProfessor Dr. GrünHut als Jubilar.) In vollster geistiger und körperlicher Frische begeht am 3. d. der o. ö. Profeffor für Handels- und Wechselrecht an der Wiener Universität Hofrat Dr. Karl S. G r ü n h u t seinen 60. Geburtstag und am 1. November d. I. sein 30jähriges Professorenjubiläum.' Der Jubilar, welcher zu den glänzendsten Lehiern unserer Universität zählt, wurde am 8. August 1844 zu Bur-St. Georgen in Ungarn geboren. /■>: Alt-Ofen. Oberkantor Jakob M ü n z aus Törökszentmiklos wurde in unserer Gemeinde mit Akklamation! zum hiesigen Oberkantor gewählt. Königsberg. Ein neuer charakteristischer Beitrag zur russischen Judenpolitik wird uns soeben aus Petersburg gemeldet. Dort erschienen bis j vor kurzem vier Zeitungen in hebräischer Schrift, zwei davon in hebräischer Sprache, zwei in jüdischem/Idiom./ Seit dem 1. d. M. alten Stils (14. d. M.) sind alle diese vier Zeitungen, gezwungen worden, ihr Erscheinen einzustellen. Die Ursache liegt-darin,"daß die russische Negierung die jüdischen Schriftsetzer als Künstler (!),erklärt hat, die nach dem Ansiedlungsgesetz sich nicht im Innern Rußländs^sonderu nur in den Grenzrayons aufhalten dürfen. Sämtliche jüdischen Schriftsetzer haben infolge dessen die Hauptstadt verlassen müssen,- -und'' da .andere Setzer mit den hebräischen Lettern nicht umgehen können)) > haben'die Peitungeu wohl für alle Zeit zu erscheinen aufhören müssen. . ' .; % Petersburg. Durch die russischen^ Blatter ging vor einiger Zeit die Nachricht von einer jungen Dame, der Tochter/eines in Sibirien lebenden alten Nikolanischen Soldaten, welche sich dM Kosakengeneral Rennekampf zur Verfügung gestellt hat und ihm durch Hre/KühnheD- Tapferkeit und Kenntnis der chinesischen Sprache beim PatrouillWdienst chie, heim Verkehr mit den chinesischen Behörden sehr wichtige.Menste^leiMt:'/ Nunmehr wird dem Londoner „Daily Telegraph" aus PeteWM^rdM^ihM,' daß die jungfräuliche Helden eine Jüdin namens SmoÄo M Sse zählt erst zwanzig. liTWMMra^aiTOa.iTrr^r^TTriprTTiartwu m imjiiinwyii1 nirrwm,