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Die Wahrheit · 1904-07-22 · Heft 29 (22.7.1904) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 29 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 29. Zelte 8. Die. Wahrheit Elches Recht zu besitzen, mit dem die gesetzlich rezipierten christichm Religionen bereits bekleidet sind. Wir glauben, es werde gelingen, die im Jahre 1885 in dem obenerwähnten Berichte des Abgeordnetenhaus-Ausschusses verzeichnete EnUnziation zu verwirklichen, daß „die Zukunft von selber gewähren werde, das, was unter den heutigen Verhältnissen nicht erreicht werden konnte". Erst nach erfolgter gesetzlicher Sicherung unseres Selbstverwaltungsrechtes und unserer Vertretung im Mügnatenhause werden wir sagen können, daß die rechtliche Gleichstellung unserer Konfession mit den autonomen christlichen Kirchen auf dem Gebiete der Religionsangelegenheilen eine vollständige ist. Das Vorgetragene bildet nicht so sehr einen Rechenschaftsbericht über unsere vorjährige Tätigkeit, als ein Arbeitsprogramm für unsere Zukunft. Seit unserem letzten Beisammensein konnten wir uns blos mit der Erledigung laufender Angelegenheiten befassen. Unsere wichtigen Angelegenheiten — hinsichtlich welcher wir ans die Mithilfe oder Anordnung der hohen Regierung angewiesen erscheinen — waren wir — aus den oben erwähnten Gründen — zu fördern außer stände. Nur soviel vermochten wir zu erreichen, daß in dem Staatsbudget für das laufende Jahr 1904 für israelitische kirchliche Zwecke anstatt der vorjährigen K 38.500 ein Betrag von K 44.800 und für den israelitischen Landes- Schulfond ein Betrag von K 30.000 als Unterstützung präliminiert worden ist. Uebrigens waren die traurigen Zustände, welche ein Jahr hindurch das nützliche Wirken der Legislative aufhielten, für alle Zweige der öffentlichen Verwaltung von schädigendem Einflüsse. Seit kurzem hat sich jedoch wie auf einen Zauberschlag die politische Situation geändert'; eifrige Tätigkeit hat wieder auf allen Gebieten begonnen. Wir wissen, daß zahlreich und wichtig die Aufgaben sind, deren Lösung der Legislative harren, doch die bei den christlichen Kirchen wahrzunehmenden Bewegungen gestatten zu hoffen, daß binnen kurzem auch die Ordnung der in Schwebe gebliebenen konfessionellen Angelegenheiten an die Reihe kommen werde. Und mit Vertrauen erfüllt uns das Bewußtsein, daß auf dem Gebiete der Religionsangelegenheiten alle Faktoren darnach streben, daß „bezüglich aller gesetzlich rezipierten Konfessionen dieses Landes ohne Unterschied vollständige Parität und Reziprozität zustande komme". Zur Erreichung dieses erhabenen Zieles wollen wir, soweit dies nur möglich ist, gleichfalls Mitwirken und darum bitten wir die geehrte Versammlung, unserem Bericht zur Kenntnis nehmen und die in ihm enthaltenen Vorschläge acceptieren zu wollen. Airs der Vergangenheit und Gegenwart Ungarisch-Krods. (Fortsetzung.) Die Drangsale der Inden während des Svjährigen Krieges. Der Krieg, den die Anhänger zweier Glaubensbekenntnisse 30 Jahre gegeneinander führten, hat auch vielen jüdischen Gemeinden Mährens, wie Kremsier, Leipnik und Proßnitz tiefe Wunden geschlagen. Auch wurde die Judengemeinde Ung.-Brod stark in Mitleidenschaft gezogen. Schuld daran waren die Quartiere, welche in der Vorstadt lagen und ihre Häuser, die an die Festungsmauer grenzten. Bon wo aus immer der Feind heranrückte, ob von Norden oder von Süden, immer stieß er zuerst auf die Juden. Sie wurden wie ein gehetztes Wild in ihren Wohnungen aufgescheucht, die sie während dieses Krieges mehrmals wechselten. Am meisten waren sie durch die Einquartierung belästigt, obwohl sie nach den Statuten Ottokars davon befreit sein sollten. Wie peinlich mußte es sie berühren, in ihren beengten Räumen zuchtlose Soldaten aufnehmen zu müssen, die sie bei ihren religiösen Uebungen hinderten und verhöhnten. Gewöhnlich fand sich der Vorsteher mit dem Befehlshaber durch eine als Enthebung geltende Summe ab, welche er dann ans die einzelnen Mitglieder, je nach ihren Vermögens- Verhältnissen, verteilt. Nur wiederholten sich gar zu oft solche Erpressungen; bald wurden die Juden von den Kaiserlichen, bald von den Rebellen geplündert und gebrandschatzt. Was sie durch jahrelange aufreibende Tätigkeit mühsam erspart hatten, mußten sie in einem Augenblick hergeben. Außer den gewöhnlichen Steuern waren sie laut dem Patent Dietrichsteins vom 8. November 1622 verpflichtet, noch 10 fl. pro Haus zu zahlen. Auch sollten sie Kleider für die Soldaten verfertigen und ihnen Proviant zuführen. Die Quellen aber, aus deneu ihnen Einkünfte zuströmen sollten, waren während des Krieges ganz versiegt. Durch die Unsicherheit der Wege und die Absverrung der ungarischen Grenze lag der Handel, das Lebenselement der Juden, brach darnieder; jüdische Hausierer wurden erschlagen aufgefunden, so daß die Rabbiner ihre ganze Zeit zur Vornahme von Verhören aufbieten mußten, um auf Grund von Zeugenaussagen die Identität der Getöteten zu konstatieren, und den jungen Witwen die Wiederverehelichung zu gestatten. Gleich im ersten Stadium des Krieges wurden die Juden stark heimgesucht. Hier hatte Bethlem Gabor mit einem starken Heere vom September 1620 bis zum Herbste 1621 sein Lager aufgeschlagen. Die ganze blühende Umgebung wurde in eine Wüstenei umgewandelt. Mühlen wurden angezündet, Dörfer verheert. Dazu kam noch eine Mißernte, deren Folgen eine schwere Hungersnot war. Ein Laib Brot, der früher einige Groschen gekostet hatte, stieg im Preise bis zu einem Gulden. Da die Rebellen vor der Stadt lagerten, werden die Juden die ersten gewesen sein, auf denen ihre Hand schwer lastetete. Noch vor der Ankunft des Feindes wurde ihnen befohlen, ihre vor der Stadt nächst der Stadtmauer gelegene Synagoge, die durch ihre, die Kirche überragende Höhe schon oft Anstoß erregte, „nach Genehmhaltung des damaligen Landesingenieurs Fischer und Verordnung der gnädigen Grundobrigkeit ad lucrandum publicum Bonum, Feindesgefahr halber bis in den Grund zu demolieren", damit sie nicht dem Feinde als Position zur Beschießung der Stadt diene. Da ihre Häuser zerstört waren, flüchteten die Juden in die Stadt, wo ihnen von den Bürgern die unversehrt gebliebene Tuchwebergasse, die wahrscheinlich die böhmischen Brüder bewohnten, als Quartier angewiesen wurde, die sie noch bis heute inne haben. Nach dem Friedensschlüsse zu Nikolsburg zog sich Gabor nach Trenein zurück; doch waren damit die Qualen der Broder nicht zu Ende. Die Feinde wurden von den Freunden, den Hilfstruppen, abgelöst, welche eine reichliche Nachlese hielten. 3000 Mann Reiterei und 'Fußvolk schlugen hier ihr Lager auf. Nicht Gastfreundschaft, welche nach damaliger Sitte vollständige Ernährung für die ersten drei Tage und für längere Zeit Holz, Wasser, Brot, Salz und Quartier den Freunden zu geben vorschrieb, forderten sie, sondern gänzliche Ueberlassung der Wohnung. Sie vertrieben die Wirte und bemächtigten sich der Schlüssel von Kästen und Kellern. Zwei bis drei Jahre hausten sie hier zügelloser als der ärgste Feind. Die ganze Umgebung wurde verwüstet, Felder und Aecker wurden verheert. Die Einwohner jubelten, als sie von diesen Ranbscharen befreit wurden. Die Freude war jedoch nur von kurzer Dauer. Im Jahre 1626 loderte die Kriegsflamme durch gewonnene schwedische Hilfstruppen von neuem auf. Nachdem Mansfeld am 23. April 1626 von der kaiserlichen Armee an der Dessauer Brücke geschlagen, dann am 27. August von Tilly besiegt wurde, eilte er mit deu Trümmern seiner wilden Streitschar nach Mähren. Da sich Kremsier zur Abwehr rüstete und Leipnik hartnäckigen Widerstand leistetete, eilte er nach Ungarn, um sich hier mit Bethlen Gabor zu verbinden. Plünderung und Raub waren die Mittel, die dem beutegierigen Heerführer den Weg über Ung.-Brod bahnten. Hier wohnte er den Winter über, lange genug, um seinen gefürchteten Namen der Erinnerung der hiesigen Juden einzuprägen. Doch eilte er im Frühjahre auf schnellen Rossen davon, um den Verfolgern zu entgehen. Auf die Befreiung Ung.-Brods von den räuberischen Truppen dichtete Simon Bacharach ein Akrostikon, das er in

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