Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1904-06-03 · Heft 22 (3.6.1904) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 22 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3063212-3063234--03096-3069825
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 8. Nr. 22. Die Wahrheit ä L 500, 5 Plätze ä K 400) an 8 nach Wien zuständige und unter dem Schutze des Waisenvereines stehende Waisen. Zu Mitgliedern des Bethausvorstandes für den L und H. Kultusgemeindebezirk werden im Sinne des § 87 des Statutes nach Anhörung von Vertrauensmännern aus der Mitte der ständigen Besucher der in Betracht kommenden Bethäuser ernannt: Die Herren Anton Beck, Karl Lemberger und Dr. Hermann Löwy. Für die Restaurierung des Ottakringer Gemeindebethauses wird ein entsprechender Kredit eingeräumt und die Durchführung dieser Angelegenheit dem Vertreterkollegium im Einvernehmen mit dem Baukomitee übertragen. Subventionen werden bewilligt: Dem Tempelvereine im VIII. Bezirke, Neudeggergasse; dem Bethausvereine „Emunas-Awes" und dem Bethausvereine „Mikdosch m'at". Nach Erledigung einer mit den kantoralen Funktionen im Stadttempel im Zusammenhänge stehenden Personalangelegenheit wird die Sitzung um 11/2 Uhr nachmittags geschlossen. Wien. '(Wais e n-S tiftung.) Die Gesuche um Ausnahme in das Waisenhaus der „Charlotte Merores Jtzeles-Waisenhaus-Stiftung" sind an das Kuratorium zu Händen des Herrn Dr. Felix Katzau, Wien, I., Schottcubastei 3, zu richten. Näheres im.Inseratenteile der vorigen Nummer. Wien. Das Vorstandsmitglied des Brigittenauer Tempelvereines, Herr David Pollais che k, hat einen herben Schicksalsschlag erlitten. Seine treue Lebensgefährtin, Frau Anna Pollatschek, die ihm durch drei Jahrzehnte wacker zur Seite gestanden, ist Dienstag, den 17. d. M., vom Tode jäh hinweggerafft worden. Zu dem Donnerstag, den 19. d. M., stattgefundenen Leichenbegängnisse haben sich im Trauerhause die Verwandten, Freunde und Bekannten der Familie uud der Vorstand des Brigittenauer Tenipelvereines sehr zahlreich eingefunden. Die kantorale Funktion im Hause und am Friedhofe versah Oberkantor Bela Gutmann in besonders ergreifender Weise und Rabbiner Dr. Dawid hielt der Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er des Umstandes, gedachte, daß die Heimgegangene, trotzdenr sie nicht als Israelitin geboren und erzogen wurde, den später aus Herzensneigung angenommenen jüdischen Glauben treu bewahrte. Frau Anna Pollatschek, die eine ausgezeichnete Gattin und Mutter war und sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, hinterläßt 6 Kinder, drei Söhne, die alle bereits in geachteter Lebensstellung sich befinden, und drei Töchter, von denen eine verheiratet ist, eine zweite in Petersburg als Hofschauspielerin wirkt. N. Ch. Gödiug. Am 5. Juni findet in Ratibor die Trauung unseres Herrn Rabbiners Dr. Ludwig Lazarus mit Frl. Rosa Pinczower statt. Retz. An den beiden Tagen des Schewuotfestes sowie an den verflossenen Peffachtagen hat Herr Kantor Moriz Recht aus Wien als Vertreter fungiert und sich durch seinen Vortrag uud Gesang allgemeine Zufriedenheit erworben. Troppau. Die seit 19 Jahren an der Spitze der Verwaltung der hiesigen Kultusgemeinde stehenden Herren Tr. Theodor Sonnenschein und Siegmund Spitzer wurden zum siebenten Male einstimmig als Vorsteher und Borsteherstellvertreter gewählt. Ischl. (H o t e l k a u f.) Das bekannte Hotel „Erzherzog Franz Karl" in Ischl, im schönsten Teile des berühmten Kurplatzes gelegen, ist von dem renommierten Hotelier I. Sonnenschein käuflich erworben worden. Das Hotel hat 45 Fremdenzimmer, den schönsten und größten Spei-sesaal und Garten von Ischl, liegt hart am Kurparke in der Elisabeth¬ und Leitenbergerstraße, ist elektrisch beleuchtet, führt streng rituelle Küche unter Aufficht eines orthodoxen Schachet, hat Omnibus am Bahnhofe, bei billigsten Preisen, penibler Reinlichkeit, ganzjährig geöffnet. Herr Sonnenschein genießt entsprechend der Tradition seiner Familie seit Jahren ein wohlverdientes Vertrauen, das er durch die langjährige Führung des Hotels „Austria" gerechtfertigt hat. Temesvar. Frl. Irma Löwenherz, Tochter unseres Oberkantors Herrn Eduard Löwenherz, hat sich mit Herrn Leopold Guttmann aus Budapest verlobt. Hamburg. Dem hier tagenden Delegiertentag der zionistischen Vereinigungen in Deutschland wurde folgende Resolution unterbreitet: „Der Delegiertentag der deutschen Zionisten zu Hamburg faßt seine Stellungnahme zur Ostafrikafrage in folgende Leitsätze zusammen: Das Angebot der englischen Regierung ist als eminenter politischer Erfolg des Zionismus zu betrachten und in diesem Sinne freudig zu begrüßen. Ta das Ziel des Zionismus Palästina ist und bleibt, hat die Kolonisation Ostafrika mit unserm Programm nichts zu tun. Als rein philanthropische Notstandsaktion dagegen verdient das Projekt wegen seiner Größe ernstliche Erwägung. Unter diesem Gesichtspunkt aber hat nicht der Zionismus seine Ausführung in die Hand zu nehmen; seine materiellen und organisatorischen Mittel dürfen hier in keiner Weise festgelegt werden. Die Ausführung des Projektes ist vielmehr Sache der bestehenden oder zu gründenden Kolonisationsgesellschasten, falls sie überhaupt möglich ist. Indem der Zionismus so nur als politischer Vermittler zwischen der englischen Regierung und den in Betracht kommenden jüdischen Instanzen fungiert, hat er nur seinen Einfluß auf die nationale Gestaltung des Unternehmens zu sichern. Versagen die Kolonisationsgesellschasten ihre Mitarbeit, so ist das Ostafrikaprojekt von seiten des Zionismus fallen zu lasten." Petersburg. Der Minister des Innern beantragte beim Reichsrate die Aufhebuug des Gesetzes, welches den Juden die Ansiedlung und den Aufenthalt an der Grenze in einer Strecke bis zu 50 Werft verbietet. Die erschreckende ökonomische Läge der Juden in Rußland, welche in letzter Zeit einen beunruhigenden Charakter anzunehmen begann, hat die russische Regierung veranlaßt, einige unter Alexander HI. geschaffene Beschränkungen gegen die Juden, welche diese Lage herbeigeführt haben, aufzuheben. So hat die Regierung vor wenigen Monaten den Wohnrayon der Juden im sogenannten Niederlassungsgebiete dadurch erweitert, daß sie eine Anzahl von Dörfern und Städtchen den Juden zur Niederlassung öffnete. Nunmehr beantragt die Regierung auch die Aufhebung des Gesetzes, welches bis jetzt den Juden die Ansiedlung und den Aufenthalt an den Reichsgrenzen in einer Zone bis zu 50 Werft untersagt. Durch dieses Gesetz, welches bis jetzt mit der größten Rücksichtslosigkeit.durchgeführt wurde, wurden Tausende von jüdischen Existenzen vernichtet. Besonders hart wurde dieses Gesetz unter Alexander HI. gehandhabt. Die jüngsten Gutachten der Gouverneure über die nützliche Rolle der Juden auf dem Gebiete des Handels und des Gewerbes dürsten der Aufhebung des Gesetzes das Wort gesprochen haben. London. Das Fremdengesetz stößt bei den Juden in England, die wohl fühlen, daß es sich in erster Linie gegen ihre bedrückten Glaubensgenossen richtet, die bisher aus den Osten vertrieben, in England eine Zufluchtsstätte fanden, auf heftigen Widerstand. Lord Rothschild hatte bereits vor einigen Tagen an der Spitze einer jüdischen Deputation bei der Regierung Protest gegen das Gesetz erhobeu, und am Donnerstag äußerte sich ein Redner in der Synagoge von Hampstead auf das heftigste gegen den Gesetzesantrag. Literatur. Wie kam „Schmock" in die deutsche Literatur. Die Antwort auf diese Frage gibt Gustav Freytag in seinen „Erinnerungen aus meinem Leben", woselbst er folgende Episode erzählt: „Als Alfred Meißner einmal die Unterredung erzählte, welche ein uns wohlbekannter Wiener Redakteur mit einem Journalisten gehabt und wie er diesen aufgefordert hatte, prächtig und brillant zu schreiben, kaufte ich ihm das Anrecht auf die hübsche Geschichte um einige Flaschen Rüdesheimer ab, sie ist im letzten Akt der „Journalisten" durch S ch m o ck, mit der Klage des gedrückten Mitarbeiters, fast wortgetreu auf das Theater gekommen." Alfred Meißner verlebte, wie bekannt, seine Studienzeit in Prag und da dürfte er manchem Vorbild für Freytags „Schmock" begegnet sein. Babel und Bibel. Randglossen zu den beiden Vorträgen Friedrich Delitzsch' von Dr. Jakob Horowitz. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. 1904. Preis 1 Mk. 45 Seiten. Diese Schrift ist aus einem Vortrage entstanden, den der Verfasser vor einem Jahre gehalten hat. Für den Referenten gibt es nichts Unangenehmeres, als eine neue Schrift über Bibel und Babel zu bekommen. In. der letzten Zeit find fast mehr wie taufend Werke, Zeitungsartikel ausgenommen, über dieses Thema gedruckt worden. Selbstverständlich gibt cs darunter auch viel Lehrreiches und Lesenswertes, aber leider am meisten nur Arbeiten, die dem Leser die kostbare Zeit rauben. Was Referent an dieser Art von Schriften wie der obigen anszusetzen hat, ist. daß vielleicht derartiges als Bortrag für Laien nicht ohne Nutzen ist, aber für den Druck und das Lesepublikum nicht von Wert sein kann. Ist es doch nur ein Sammelwerk über diese Frage. Und wer sich 'für Babel und Bibel interessiert, kann gleich die Schriften selbst zur Hand nehmen. Da es aber, wie gesagt, vor uns schon gedruckt liegt, können sich diejenigen, die anderes nicht haben und auch nicht verschaffen können, aus dieser Schrift über „Babel und den israelitischen Monotheismus", den „Hammurabi, König der Gerechtigkeit" und den „Sabbat" Belehrung holen. Das Gebet im Judentum. Von Dr. Felix P e r l e s, Rabbiner in Königsberg i. Pr. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. 1904. 23 Seiten. Preis 1 Mk Dieser Vortrag ist denjenigen, die einiges über die Bedeutung des Wortes „Tephilla" sowie über die Gebete im allgemeinen erfahren wollen, zu empfehlen. Neues bringt er nicht. Unseres Erachtens hat sich der Vortragende zu wenig über unsere schönen Gebete verbreitet. Jedenfalls hat der Verfasser mit Gemüt und Wärme sein Thema behandelt und ist das Büchlein daher lesenswert. KONKURS. Beim Tempel-Verein in Oderflirt (Mähren) gelangt ab 1. August 1904 die Stelle eines Kantors der gleichzeitig mip und. tanuy sein muss, mit einem Jahreseinkommen von zirka Kronen 2200.— zur Besetzung. Bewerber, welche nicht über 40 Jahre alt und der deutschen Spache in Wort und Schrift mächtig sein müssen, wollen ihre Offerte mit beigelegten Zeugnisabschriften (die nicht retourniert werden) bis längstens 20. Juni 1904 an den gefertigten Obmann richten. Her Obmann: Filipp Förster. Oderfurt im Mai 1904.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.