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Die Wahrheit · 1904-06-03 · Heft 22 (3.6.1904) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 22 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 5. Nr. 22. zu: „Fürchte Dich nicht, Du Wurm Jakob, Du Häuflein Israel! Ich half Dir stets, spricht der Ewige und Dein Erlöser ist der Heiligste Israels!" - Das ewige Leiden Israels und die immerwährende Hilfe Gottes kommen hier in ergreifender Weise zum Ausdruck. Wurm Jakob! Zum Wurme hat die Tyrannei verflossener Jahrhunderte Israel gemacht; im Staub kroch es, weil es in den Staub getreten wurde. Man forderte von ihm die Kaltblütigkeit und die Stummheit des Wurmes, der sich lautlos zertreten lassen muß. Nur kriechend, nur in Windungen sich dahinbewegend, kann er das geringste Ziel erreichen, wie spottend das Lager der Feinde ruft. Aber dieser Wurm lebt auch dann noch weiter, wenn man ihn in Stücke zerreißt. Er lebt weiter, unter tausend Schmerzen zwar, aber er lebt und wird leben, so lange Gottes Sonne ihn mit ihren göttlichen Strahlen bescheint. Gott wacht über Israel, er wird es nicht verlassen. Resümieren wir nun bezüglich der eingangs erwähnten Studie, so freut es uns, feststelleu zu können, daß Stratz im allgemeinen den Juden gerecht geworden ist; allein es ist schmerzlich, eine derartige Ausnahme immer wieder rühmend hervorheben und das als Wohltat preisen zu müssen, was eine einfache Forderung der Gerechtigkeit ist. Wir bauen aus Gott und auf die Zukunft. Hoffen wir. daß die Worte, die Mommsen an Hermann Bahr schrieb, allmählig etwas von ihrer bitteren Schürfe verlieren, wenn der Boden dazu nicht mehr vorhanden ist: „Sie täuschen sich," sagte Mommsen, „wenn Sie glauben, daß man da überhaupt etwas machen kann. Ich habe das früher auch gemeint und immer und immer wieder gegen die ungeheure Schmach protestiert, welche Antisemitismus heißt. Aber es nützt nichts. Es ist alles umsonst. Was ich Ihnen sagen könnte, was man überhaupt in dieser Sache sagen kann, das sind doch immer nur Gründe, logische und sittliche Argumente. Darauf hört doch kein Antisemit. Die hören nur aus den eigenen Haß und den eigenen Neid, auf die schändlichen Instinkte. Alles andere ist ihnen gleich. Gegen Vernunft, Recht und Sitte sind sie taub. Man kann nicht auf sie wirken. Was soll man auch einem sagen, der dem „Rektor aller Deutschen" (Ahlwardt) folgt. Der ist nicht mehr zu retten. Gegen den Pöbel gibt es keinen Schutz, ob es nun der Pöbel aus der Straße oder der Pöbel im Salon (!) ist; das macht keinen Unterschied. Kanaille bleibt Kanaille, und der Antisemitismus ist die Gesinnung der Kanaille!" Soweit Mommsen. Wie recht er hat, soll hier nicht weiter berührt werden. Aber wir dürfen trotz alledem und alledem hoffen, daß die Stimmen edler Männer, die Recht und Gerechtigkeit für das jüdische Volk heischen, sich mehren und an Bedeutung und Einfluß gewinnen. Mögen die Zeitenlose fallen, wie sie fallen sollen! Gott wird sein Volk nicht verlassen, wenn es ihn nicht verläßt. Seine Güte und Liebe läßt ihm einst das Morgenrot glückseliger Zukunft strahlen. MohltiMgkeitsftnn der Inden gegenüber den christlichen Mitbürgern. Die große und munifizente Spende von 500.000 K, die der durch seinen Wohltätigkeitssinn bekannte jüdische Fabrikant, Herr kais. Rat Bernhard Pollak in Wien, dem Ministerpräsidenten Doktor von Koerber für ein Kinderspital zur? Verfügung stellte, hat angesichts des Umstandes, daß ein jüdisches Kinderspital in Wien, mangels des hiezu nötigen Fondes nicht errichtet werden kann, leider wieder einmal die Tatsache bestätigt, daß unsere konfessionellen Institutionen von unseren reichen Glaubensgenossen allzuoft aus Rücksicht für allgemeine Zwecke verkürzt werden. Aber den Herrn Antisemiten genügt dies alles nicht und sie schimpfen weiter darüber, daß die Juden nur für ihre Glaubensbrüder Herz haben. Wie ungerechtfertigt dieser Vorwurf ist, geht aus einer vom Berliner Abwehrvereine veröffentlichten stattstischen Zusammenstellung hervor, die wohl nur deutsche Verhältnisse in Betracht zieht, deren Schlüsse aber auch für Lesterreich vollste Geltung haben. Daselbst heißt es: Zu den zahlreichen ungerechten Anklagen, welche die deutschen Juden in den letzten Jahrzehnten über sich ergehen lassen mußten, gehört auch diejenige, daß sie zwar eine weitgehende Wohltätigkeit ausübten, dieselbe jedoch wesentlich nur wieder Glaubensgenossen zugute kommen ließen. Die soeben erschienenen „Statistischen Untersuchungen über private Wohltat i g k e i t s p s l e g e mit besonderer Berücksichtigung der aktiven Teilnahme der Konfessionen an derselben" (bearbeitet von Anton Bing, Verlag von Joses Baer & Co. in Frankfurt a. M.) legen im Gegensatz hierzu dar, einen wie warmen Anteil die Juden an dem Wohlergehen ihrer christlichen Mitbürger nehmen, in wie hohem Grade sie immer bereit sind, ihnen in Bedrängnis beizustehen, Ursachen von Not und Elend ihnen aus dem Wege zu räumen. Es wird hier gezeigt, wie wenig der Wohltätigkeitssinn der Juden an der engeren Slammesgenoffenschast oder der Glaubenszusammengehörigkeit eine Schranke findet. Betrachten wir zunächst die Ergebnisse ker Sammlungen für die im Jahre 1897 durch Hochwasser Beschädigten in Deutschland. In Berlin trugen 1476 Christen 121.642 Mk., 232 Juden 62.075 Mk. und 655, deren konfessionelle Zugehörigkeit unbestimmt ist, 17.943 Mk.' bei. In Breslau ergaben 2148 von christlicher Seite stammende Beitrüge 51.392 Mk., 673 von jüdischer Seite stammende 24.785 Mk. und 848 von unbestimmter Seite kommende 22056 Mk. Aehnliche Resultate ergibt die Spendenliste in Frankfurt a. M., Hamburg, Leipzig, Stuttgart und Wiesbaden. Im ganzen wurden gespendet von christlicher Seite 11.608 Beittäge im Gesamtbeträge von 433.898 Mk., von jüdischer Seite 1590 mit 120.884 und 774 von konfessionell unbestimmter Seite 7641 Beiträge mit 110.689 Mk. Die sämtlichen 20.839 Beiträge ergeben eine Gesamtsumme von 665.471 Mk. Von diesen Gaben entfielen daher auf Gaben von christlicher Seite 55-7% mit 63-2% der Beitrüge jüdischer „ 7-6% „ 18-2% „ unbestimmter „ 36*7% 16'6'% .. oder nur die bekannten Geber berücksichtigt aus christliche Geber 88% mit 78 % der Beiträge .. jüdische .. 12% „ 21-8% „ Es beträgt aber der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung in den sieben Städten nur 4-21%. Denn die Einwohnerzahl beläuft sich auf 3,573.203 und die Zahl der Juden auf 150.601. Demnach haben die Juden der Zahl nach wie nach Höhe der beigesteuerten Summe weit mehr beigetragen als nach ihrem Verhältnis zur Einwohnerzahl zu erwarten wäre. In Frankfurt a. M. kommen aus 229.279 Einwohner 19.488 Juden oder 8oO°/0. Sehen wir uns nuu die Ergebnisse verschiedener in den Jahren 1895—1902 hier veranstalteter Sammlungen an. An der Sammlung für notleidende Armenier beteiligten sich 26 Christen mit 1440 Mk.. 16 Juden mit 2106 Mk. und 45 konfessionell nicht näher bezeichnete Personen mit 2094 Mk. Berücksichtigen wir nur die bekannten Geber, so haben sich 38-l°/0 Juden mit 59*4% des Gesamtbetrages beteiligt. Als für die H i n t e r b l i e b e n e n d e r M a n n s ch a s t e n des Schisses „Iltis" gesammelt wurde, trugen 59-1°/,) Christen 48*3% des Betrages und 40*9% Juden 51*7% des Betrages bei. Zu den Gaben für die Weihuachtsbes cheerung der auf dem Laade untergebrachten Pslegettnder des Frankfurter Armenamtes steuerten 53-9° 0 Christen und 46*1% Juden 45-5 bezw. 54*50% h^i. Zu der Sammlung für die Unterstützungskasse der Frankfurter Berussfeuerwehr gaben 89 Christen 4548 Mk., 59 Juden 3486 Mk. und 12 Personen unbestimmter Konfession 491 Mk. Der aus die Juden kommende Prozentsatz betrügt 39*9 bezw. 43*4. Zu ähnlichen Resultaten kommt man, wenn man beispielsweise den Mitgliederstand, die Mitgliederbeiträge und Gaben-

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