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Die Wahrheit · 1904-05-13 · Heft 19 (13.5.1904) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 19 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19. Die Wahrheit :eite 5. wir ihrerseits bei Betätigung des ersten hoffen. Aber wenn dem Allem auch nicht so wäre, selbst dann könnte ich als Mitglied des gesetzgebenden Körpers nur die unwandelbare Ansicht haben, die ich jetzt hege, daß es „für die Bewohner eines und desselben Landes nicht zweierlei Rechte geben kann". Ans der Wiener Knltnsgemeinde. Die Präsenzliste der am 8. d. M. unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes zeigte einige Lücken und besonders fiel der allerdings etwas schwach vertretenen Oeffentlichkeit die Abwesenheit des I. Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n auf. Wie verlautet, sollen nicht allein Erholungsbedürfnis, sondern ernstere Differenzen im Vertreterkollegium ihn bestimmt haben, sich für einige Zeit von den Gemeindegeschäften zurückzuziehen. Es wäre dringend zu wünschen, daß die zutage getretenen Meinungsverschiedenheiten baldigst ausgeglichen werden, damit die ausgezeichnete und wahrhaft unschätzbare Arbeitskraft des I. Vizepräsidenten der Kultusgemeinde und dem Vorstande noch möglichst lange erhalten bleibe. Die elektrische Spannung, die in der Luft liegt, kam auch ein klein wenig in der Debatte zum Ausdruck, die sich im allgemeinen in engen Grenzen bewegte. Im Nachstehenden der Bericht: Nach Verlesung des Einlaufes und des Spendeneinganges bringt der Vorsitzende, Präsident Dr. Alfred Ster n. zur Kenntnis, daß der Rechnungsabschluß pro 1903 statutengemäß durch 14 Tage zur öffentlichen Einsicht aufgelegen sei und Heuer zum ersten Male eine . Erinnerung", im Sinne des § 91 der Statuten, seitens eines Genieindemitgliedes eingebracht wurde. Dieselbe bezog sich auf die verhältnismäßig hohe Post für Wagen der Funktionäre bei Leichenbegängnissen, auf das Defizit in der Verwaltung des Stadttempels und die im Budget eingestellten Ausgabeposten für Konfirmationen. Die von dem betreffenden Mitgliede gegebenen Anregungen wurden im Präsidium und im Vertreterkollegium eingehend geprüft und da sie zum Teile berücksichtigungswert sind, wird der Vorstand das Nötige veranlassen. Zweiter Vizepräsident kais. Rat Moriz H i r s ch trügt hierauf den Rechnungsabschluß pro 1903 vor. In einem Vergleiche mit den Ergebnissen des vorangegaugenen Jahres und dem Präliminare pro 1903 charakterisiert er an der Hand der einzelnen Budgetposten die finanzielle Lage der Kultusgemeinde. Trotz des im Jahre 1903 erzielten Ueberschusses von L 95.942 76 machen die steigende Tendenz der Ausgaben in mannigfachen Zweigen der Kultusverwaltnng und die Aussichtslosigkeit, das Einnahmen-Konto durch eine weitere Steigerung der Steuern zu erhöhen, es dem Vorstande zur Pflicht, das in den letzten Jahren geübte Prinzip der Sparsamkeit auch weiter zu beobachten. Redner ersucht schließlich um Annahme des Rechnungsabschlusses. Präsident Dr. Alfred Stern gibt hierauf nachfolgende überaus statistische Daten: Im Jahre 1903 fanden 866 religiöse Eheschließungen statt (gegen 872 im Jahre 1902) und 106 Ziviltrauungen (gegen 85 im Vorjahre). Bei letzteren waren in 9 Fällen beide Brautleute mosaisch, in 50 Fällen der Bräutigam mosaisch, die Braut christlich und in 47 Fällen die Braut mosaisch und der Bräutigam christlich. Von den im Gotteshanse vollzogenen Trauungen fanden im Jahre 1902 570 in Gemeindetempeln und 229 in Vereinstempeln und im Jahre 1903 507 in Gemeinde- und 291 in Vereinstempeln statt. Die Zahl der Geburten im Jahre 1903 betrug 3150 (um 109 weniger als im Jahre 1902); Legitimierungen 127 (um 22 mehr); Todesfälle 1847 (um 153 weniger); Austritte 638 (um 8 weniger); Uebertritte 105 (um 7 mehr). Herr Sigm. Kauders bittet um Aufklärung bezüglich einiger Posten des Rechnungsabschlusses. Er bedauert unter anderem, daß bei dem Titel „Subventionen von Bethausvereinen" geringere Summen ausgegeben wurden, als selbe präliminiert waren, bemängelt die verhältnismäßig hohe Summe der Vertretungshonorare für Trauungen, da jeder Rabbiner seinen Vertreter selbst bezahlen sollte, und konstatiert, daß die Fleischregie die Gemeinde viel koste, ohne daß die Lösung dieser Frage irgendwie befriedigen könne. Vizepräsident kais. Rat Hirsch konstatiert, daß im Jahre 1902 an Subventionen für Vereinsbethäuser L 35.441 und im Jahre 1903 K 46.635 verausgabt wurden, somit von Ersparnissen nach dieser Richtung nicht gesprochen werden könne. Bezüglich der Honorare für Vertretungen bei Trauungen habe Herr Kauders wohl in mancher Beziehung Recht, jedoch bei Beurlaubungen von Funktionären müsse die Gemeinde unbedingt für die Kosten der Stellvertretung selbst auskommen. Kais. Rat Wilh. P o l l a k fragt an, ob die von ihm im Vorjahre gegebene Anregung, bei Scheidungen und Ehetrennungen Gebühren einzuheben, die in die Gemeindekasse fließen sollen, irgend welche Berücksichtigung gesunden hat. Der Vorsitzende konstatiert demgegenüber, daß im abgelaufeneu Jahre 12 Ehescheidungen und 76 Ehetrennungen waren. Die Parteien waren meist so blutarme Leute, daß von der Eiuhebung von Gebühren keine Rede sein konnte. Dr. Markus Spitzer wendet sich gegen die aus dem Rechnungsabschlüsse zutage tretende Tendenz, bei den wichtigsten Ausgabeposten, wie Kultus und Unterricht, Ersparnisse gegen das Präliminare zu erzielen. Hier sei Sparen am wenigsten am Platze, hingegen müsse Sorge getragen werden, das die Gemeindefinanzen schwer belastende Armeubudget herabzusetzen. Nach dieser Richtung erhoffe er sich von der allgemein gewünschten Dezentralisation der Armenpflege nach Bezirken Erfolge, da man in den einzelnen Bezirken Männer finden wird, die nicht nur den Armen Almosen geben, sondern auch durch sonstige Fürsorge für dieselben die Verarmung aufhalten werden. Im Unterrichtsbudget erscheint es ihm als Anomalie, daß für die Aushilfslehrer eine höhere Post eingestellt sei, als für die definitiv angestellten Lehrkräfte. Redner konstatiert weiter, daß in letzter Zeit auf dem jüdischen Friedhofe bei Beisetzungen in Familiengrüften Särge mit christlichen Emblemen zur Verwendung gelangten, und daß im allgemeinen durch den immer mehr zunehmenden Mangel der jüdischen Inschriften auf den Grabsteinen der Friedhof seinen jüdischen Charakter verliere. Nach beiden Richtungen möge der Kultusvorstand Abhilfe schaffen. Dr. Alfred Berger erwidert Herrn Kauders bezüglich der Kofcherfleifchfrage. Kais. Rat Jonas Weil anerkennt, daß auch im abgelausenen Jahre das Budget mit Vorsicht ausgestellt und einwandfrei gewirtschaftet worden sei, da fast überall Ersparnisse erzielt wurden, nur beim Spital seien größere Mehrausgaben zu verzeichnen. Redner könne sich dies wohl durch umfassende Adaptierungen erklären, frägt aber, wieso dieselben sich in so ausgedehntem Maße als notwendig erwiesen haben und ob dieselben nunmehr abgeschlossen seien. Oberfinanzrat Dr. Rappaport wendet sich gegen die von verschiedener Seite erhobenen Vorwürfe wegen ungerechtfertigter Sparsamkeit im Kultus- und Unterrichtsbudget. Ritter v. Taussig protestiert gegen die Ausführungen Dr. Spitzers, die geeignet wären, in der Oeffentlichkeir irrige Anschauungen bezüglich der Wirksamkeit des Vorstandes und des Vertreterkollegiums hervorzurufen. Wenn für Bethaussubventionen im heurigen Jahre mehr ausgegeben wurde als im Vorjahre, so könne man doch nicht von Abzwacken sprechen, und daß das faktische Ergebnis im Kultusbudget hinter dem Präliminare zurückgeblieben sei, erkläre sich ganz einfach aus dem Umstande, daß einzelne Posten, wie z. B. die Mikwa, nicht zur Ausführung gelangten und andere wieder, wie die Gehalte für die neuangestellten Rabbiner, für das ganze Jahr präliminiert waren, aber nur für die letzten Monate des Jahres in Anspruch genommen wurden. Er erwarte von der Loyalität Dr. Spitzers, daß er seine diesbezüglichen irrigen Behauptungen rektifizieren werde. Wenn Dr. Spitzer verlangte, daß man das Armwerden verhindern müsse, so möge er sagen, wie dies möglich sei, und er

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