Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 17 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 17. Albert Wertheimer und Joses Seisensieder. Nachdem die Generalversammluug über Antrag des Mitgliedes Dr. Ernest Muränyi mit Stimmeneinhelligkeit dem Präsidenten Armin Schwarz und der Gesamtdirektion, sowie dem leitenden Direktor Arnold Kohn Dank und Anerkennung votiert hatte, .erhob sich der Präsident des Aussichtsrates, Universitätsprofessor Dr. Bernhard Alexander, um dem Präsidenten Armin Schwarz, zu seinem bevorstehenden 80 Geburtstage uud zu seiner 35-jährigen Präsidentschaft die Glückwünsche der Generalversammlung und der gesamten Mitgliedschaft auszusprechen. Budapester Straßenbahn-Gesellschaft. Zu den bedeutendsten Verkehrsunternehmungen in den Großstädten Europas gehört sicherlich auch die Budapester Straßenbahn- Gesellschaft, welche die allererste und allergrößte Straßenbahn Ungarns ist und der mächtig ausstrebenden ungarischen Haupt- und Residenzstadt zum höchsten Ruhme und zum höchsten Wohle gereicht. Männer in den glänzendsten gesellschaftlichen Positionen sind in der Direktion dieser hochgeachteten Unternehmung tätig. Es sind dies ganze Männer, die voll Hingabe, mit nie ermüdendem Eifer, mit mustergiltiger Pflichttreue und mit nötiger Sachverständnis das Interesse ihrer Aktionäre wahren und das Unternehmen zur vollsten Blüte bringen. Diese wackeren Mäner, die gänzlich anspruchslos, jeder ihnen zugedachten Ehrung, sobald eine solche vor die Oeffeutlichkeit gebracht werden soll, peinlich aus dem Wege gehen, gehören in ihrer Mehrheit dem jüdischen Stamme an, und dies ist es, darob wir uns aufrichtig fteuen. Die große Budapester Straßenbahn-Gesellschaft durchquert bis aus den I. Bezirk, das ist die auf dem Festungsberge erbaute Omer Festung, allwo sich die stolze Königsburg, die eigentliche Residenz des ungarischen Königs erhebt, alle 9 Bezirke der ungarischen Metropole. Außerdem verbindet sie Ujpeft, Magyar.und Rakos-Palota mit Budapest, und ihre Vizinalbahnen dehnen sich bis nach Szent Endre, Lajosmizse Czinkota und Haraszti aus. Der Namen des letztgenannten Ortes bildet auch das Adelsprädikat des vielverdienten Gesellschaftspräsidenten und Generaldirektors Heinrich Jellinek de Haraßti, welcher als die Seele der hervorragenden Unternehmung gilt. Und mit Recht. Er ist ein genialer Mann, eine eminente Autorität aus dem Gebiete der Straßenbahnen und Vizinalbahnen, was auch von des Königs Majestät zu wiederholten gewürdigt wurde. Fügen wir noch hinzu, daß er ein Meister der Rede ist, dessen glänzende Redeweise von Jedermann aufrichtig bewundert wird, und daß er überdies noch hocherfolgreich an leitenden Stellen unseres öffentlichen Lebens wirkt und schafft, so können wir nicht umhin, der Budapester Straßenbahn-Gesellschaft das Kompliment zu machen, daß sie ihr Wohl den bewährtesten Händen anvertraut hat. Dem Generaldirektor zur Seite steht eine überaus tüchtige und gewissenhafte Beamtenschaar, mit dem vortrefflichen Oberinspektor Ignaz Jrsai und den nieermüdenden Zentralinspektor Carl Gül. In den jüngsten Tagen hielt nun die Budapester Straßenbahn-Gesellschaft ihre 39. ordentliche Jahresversammlung, in welcher der Präsident und Generaldirektor Heinrich Jellinek de Haruszti den Vorsitz führte. Der Direktionsdericht über das Jahr 1903, welcher die Basis der Verhandlungen in der General-Versammlung bildete, war klar und erschöpfend verfaßt. Derselbe schildert die Bauausführungen und Investitionen, welche den Erfordernissen des gesteigerten Verkehrs im Interesse des Publikums, sowie im Interesse der Gesellschaft bewerkstelligt wurden. Ferner entnehmen wir dem Bericht die folgenden Daten: 1903 wurden 43,377.428 Personen befördert, um 1,959.767 Personen mehr als im Jahre 1902. Der Personenverkehr hat daher eine Mehreinnahme von K 332.249 63 gegen das Vorjahr ergeben. Der Gesamteinnahme pro 1903 von K 8,994.401*81 stehen Ausgaben von K 5,993.094*30 gegenüber. Es stehen daher zur Verfügung der Direktion, resp. der Generalversammlung ein Ueberschuß von K 3,061.307*51. Nach einer kurzen Eröffnungsrede des Direktionspräsidenten v. Jellinek stellte er den Ministerialrat Konrad v. Reviczky als Vertreter der Regierung vor und konstatierte die ordnungsmäßige Einberufung und Beschlußfähigkeit der Generalversammlung, zu welcher 169 Aktionäre 19.522 Aktien deponierten. Mit der Führung des Protokolls wurde kön. Notar Dr. Bsla v. Güßner betraut und mit der Authentikation die Aktionäre Dr. Marzell v. Beck und Dr. Adolf Ehrenfeld. Es wird hierauf zur Erledigung der Tagesordnung geschritten: Der Präsident brachte den Bericht der Direktion und den Rechnungs-Abschluß zur Vorlage und eröffnete über dieselben, die Diskussion. Die Opposition, welche aus einer unansehnlichen Minorität besteht, und sich in den letzten Jahren, durch vage Verdächtigungen etwas ungestüm bemerkbar machte, ja sogar einen Bescheid des kön. ung. Handels- und Wechselgerichtes provozirte,. der jedoch selbstredend zu Gunsten der Budapester Straßenbahn- Gesellschaft ausgefallen, hat sich scheinbar eines Besseren besonnen und ist diesmal viel glimpflicher vorgegangen. So erkennt nämlich Aktionär Dr. Nico laus Kemäny, welcher als erster Redner sich an der Debatte beteiligte, an, daß der diesmalige Jahresbericht klar und übersichtlich ist. Namentlich mmmt. er mit Befriedigung zur Kenntniß, daß sein vorjähriger Antrag bezüglich Erhöhung der statutenmäßigen Reserve in der Bilanz, durchgeführt erscheint. Eine weitere eingehende Kritik und Bemängelung hält er jetzt nicht für angezeigt, da die Gesellschaftwichtiger Linien wegen in Verhandlungen steht und unter solchen Verhältnissen das Zusammenhalten der Aktionäre ein wesentliches Interesse der Gesellschaft bildet. Redner akzeptiert die Bilanz und die Betriebsrechnung, nimmt jedoch den Bericht der Direktion nichr zur Kenntnis und verweigert das Absolutorium. — Aktionär Dr. Emil O p p l e r erklärt, zur Leitung kein Vertrauen zu haben. Er bemängelt die Bilanz und den Bericht und wünscht die Umgestaltung der ausgelassenen Manipulatiousgebäude in Wohnungen. — Aktionär Dr. Wilhelm Schwarz empfiehlt der Direktion die weitestgehende Sparsamkeit sowohl in Personalangelegenheiten, als bei der Deckung des Materialbedarfes, er lehnt gleichwie der Vorredner die Bilanz und den Bericht ab. — Aktionär Josef Lukücs erklärt gleichfalls, gegen die Direktion von Mißtrauen erfüllt zu sein, biffifultiert einzelne Posten der Bilanz und verweigert das Absolutorium. ß Nachdem sich kein Redner mehr zum Worte meldete, reflektiert Präsident Jellinek auf das während der Debatte Vorgebrachte. Er beruhigt den Aktonär Dr. Kemeny bezüglich seiner ausgesprochenen Befürchtungen. Redner erwähnt, daß im laufenden Jahre wieder eine große Anzahl der Angestellten in ihren Stellungen definitiv ernannte wurde und die Pensionsberechtigung erhalten hat. (Lebhafter Beifall.) Es folgt hierauf die Abstimmung über den Bericht der Direktion und die Rechnungsabschlüsse, die mit 701 gegen 25 Stimmen akzeptiert wurden;, gleichzeitig wurde den Funktionären das Absolutorium erteilt. Der Präsident teilte sodann mit, daß die Dividende von K 26 per Aktie vom 26. d. M. angefangen zur Auszahlung, gelangt. Die Generalversammlung schritt hierauf zur Diskussion der von den Aktionären Dr. Wilhelm Schwarz, Dr. Emil Oppler, Samuel Löwy und Josef Lukacs eingebrachten Anträge auf Modifikation einiger Punkte der Statuten, mit welchen die Umwandlung der auf Namen lautenden Aktien auf solche „auf Ueberbringer" lautende bezweckt wird. Diese Anträge wurden in namentlicher Abstimmung mit allen gegen 25 Stimmen abgelehnt; ebenso die Anträge auf Vereinigung der Vizinalbahnen mit der Budapester Straßeneisenbahn-Gesellschaft. Schließlich wurde königl. Notar Sigmund v. Rupp in den Aufsichtsrat neugewählt; die bisherigen Ausschußmitglieder wurden wiedergewählt und hierauf die Generalversammlung unter lebhaften- Eljenrufen auf den Präsidenten geschlossen. D. H. Spitzer.