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Die Wahrheit · 1904-04-29 · Heft 17 (29.4.1904) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 17 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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O eilen-ungar. Cantoren-Zeitung. Daruch Scharr. Als ich die erschütternde Nachricht von dem jähen Hinscheiden Barnch Scborrs in den Zeitungen las, dachte ich an den Tod des großen Sängers der Psalmen. Ein Midrasch berichtet, König David erbat sich von Gott seinen Sterbetag zu erfahren. „An einem Samstag," lautete die Borhersagung. Nun galt es, dem Malach hamowes die Möglichkeit zu benehmen, sich an sein Leben heranzuwagen, und er beschloß, künftighin jeden Samstag bis zum Abend im Tempel zu verweilen, geistig in Gott aufzugehen, ihn zu loben und ihm zu singen. In der Tat konnte auch der Todesengel des Königs nicht habhaft werden und er mußte zu einer List seine Zuflucht nehmen. In der Gestalt eines Dieners trat er in den königlichen Garten, schüttelte die Bäume und pflückte die köstlichsten Früchte ab. Als der König durchs Fenster dies bemerkte, entbrannte in ihm der Zorn über den Frevler, der den Sabbath entweihe, und er trat hinaus, um ihn zurechtznweisen. In diesem Moment ereilte ihn der Tod. Barnch Schorr hat den Tempel nie verlassen; überall wo er weilte, beschäftigten sich seine Gedanken mit Gott, ihm zu singen, ihn zu preisen, war sein ständiges ununterbrochenes Streben, nnd der Tod vermochte auch nicht ihn zu fassen. Die .göttliche Allmacht selbst mußte ihm, während er vor dem Altar stehend dem Herrn sang, den Erlösungskuß geben. Baruch Schorr ist 84 Jahre alt geworden nnd bis an sein Lebensende ging der Greis wie ein Jüngling aufrecht; sein durchgeistigtes Antlitz strahlte von Glück und Zufriedenheit. .Wenn wir aber einen Rückblick auf sein Leben warfen, so gewahren wir, daß dasselbe überreich an Entbehrungen und Ent-! täuschungen, Mühen und Kämpfen war. Seine Gemeinde, die ' .Hauptstadt Galiziens, bot ihm niemals die nötigen Subsistenz-! Mittel, um ruhig und beschaulich leben zu können; dazu hatte er eine zahlreiche Familie, die dadurch eine Erweiterung erfuhr, daß die Armen der Stadt, deren Wohltäter er stets war, zu dem .Kreise seiner Familie gehörten. Durch mehrere Monate im Jahre ..pflegte er mit seinen Meschorrim von Ort zu Ort zu wandern, er war selbst der Apostel der sich ihm offenbarenden göttlichen Macht des Gesanges. Der Meister mag wohl gedacht haben, daß ein anderer Ehasen seine Kompositionen nicht wirkungsvoll genug wiederzugeben vermöchte. Ein Schüler fragte ihn einmal, wie denn die Art seines .Komponierens sei. „Ich arbeite nur auf den Text," war seine Antwort. „Wenn ich den Sonnenaufgang oder -Untergang, das Schäumen der Wellen auf stürmender See, die Trauer und die Freude besingen soll, so muß ich das dem Zuhörer durch meinen Gesang und die Art des Vortrages anschaulich vor Augen und zu Gemüte führen." Und erst vor vier Jahren, als wir den 80jährigen Meister, aus Amerika zurückkehrend, auf der Durchreise in Wien hörten, hatten wir herzerquickende Proben dieser seiner Sangeskunst. — Ja Amerika! Nicht Eitelkeit oder Gewinnsucht war es, .was diesen bescheidenen Mann nach Amerika trieb, sondern chauvinistisch-fanatische Jntriguen seiner Landsleute brachten den alten Mann dazu, weit weg von der Stätte seiner 40jährigen Wirksamkeit über den atlantischen Ozean in den neuen Weltteil Lu fliehen, um dort zu sagen und zu singen, geliebt und bewundert zu werden. — Mußte er den unheilvollen Gedanken gehabt haben, eine Oper ..Samson" zu schaffen, welches Werk zweifellos in dem Repertoir unserer Hofoper einen ehrenvollen Platz einnehmen würde. Als diese Oper von einem jüdischen Ensemble in Lemberg aufgeführt wurde, beging der Meister die Unvorsichtigkeit, dieser Aufführung anzuwohnen, und als zum Schluffe die Begeisterung und der Jubel des nicht blos jüdischen Auditoriums kein Ende nehmen wollte, beging er den zweiten Fehler, persönlich von der Bühne herab zu danken. Die Ehassidim fielen nun wie die hungrigen Wölfe über ihn her: ein Renegat, ein Abtrünniger, kurz ein Frevler wurde er genannt und da ihm kein genügender Schutz gegen diese Angriffe zuteil wurde, ging er nach Amerika. Vor vier Jahren nun kehrte er nach Lemberg zurück, wo er mit großen Ehren empfangen und in sein Amt wieder eingesetzt wurde, und vor wenigen Tagen wurde er, wie es einem Großen in Israel gebührt, zu Grabe getragen. Was Baruch Schorr in der langen Zeit seines Lebens auf dem Gebiete des Synagogengesanges geschaffen, seine zahlreichen musikalischen Werke und deren Bedeutung in künstlerischer wie in liturgischer Beziehung, bleibt den Fachgenossen zu würdigen Vorbehalten, wir alle aber, die wir uns an seinen herrlichen Gesängen erfreut haben, sind von dem Wunsche erfüllt: Zeoller zadclik liwrocho. N. Eh ameides. Ueber die Richtung beim Gebet. In Nr. 15 Ihres geschätzten Blattes versuchte Herr S. „nach eingehender Forschung" den ms (nicht) zu begründen, warum sich der Vorsänger beim Kiddusch mit dem Gesichte zur Gemeinde wendet. Dazu ist folgendes zu bemerken: 1. Wo gibt es ein m-a, in welchem der Kiddusch mit der zweiten Hälfte des Verses 31 in Genesis I begonnen wird? Im n-sraan -i£c, Seite 115, wird vielmehr der Minhag begründet, warum der Kiddusch hu ava mit der B'rochoh beginnt. 2. Wenn Genesis I, 31 ff. schon eine an die Gemeinde gerichtete Erzählung (8io!) sein soll, dann möchte ich und mit mir wohl auch Herr Dr. Kahan-Znaim die Quelle kennen, aus welcher hervorgeht, daß man sich bei Erzählungen mit dem Gesichte zur Gemeinde wendet! Nach La-, 'd n»K ist der Kiddusch im ms ursprünglich der avniK halber eingerichtet. Vielleicht wendete sich der Vorbeter der Türe zu, um die nvmK, die in der letzten Reihe, resp. bei der Eingangstüre standen, auf den Kiddusch aufmerksam zu machen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß man sich bei Kiddusch im 3“ro umgewendet, gerade wie bei oibL'2 ntis, um gewissermaßen den Empfang des rat? durch „Entgegengehen" anzudeuten, rrriabv nst? rxnpb ix-q (Traktat Sabbath). Hierzu sei noch bemerkt, daß wohl der Kiddusch mit '&vn ar* begonnen wird, um die ersten zwei Buchstaben des Tetragrammatons, den andern zwei, die in den Anfangsbuchstaben von crom ibsn enthalten sind, anzufügen, daß aber auch npa \-m mp rni leise gesprochen wird, nach dem Grundsätze des Talmud: rrpivs br rrm ntws 'ipoa 2C. Daß aber erst nach den Späteren der Kiddusch mit iba-i beginnt, während die Früheren, wie z. B. Rambam, Hilchoth Schabbos, Abschnitt 29, Hal. 2, den Kiddusch mit ibm überhaupt nicht kannten. P. b. P. |)uMilntionen des öfterr-img. Suntoreu-leteines. Ergebnis der Sammlungen: Durch M. Singermann- Troppau X 70; durch M. Kriener-Galgocz X 36; durch Kurzweil- Falken au X 36; durch I. Saller-Poszony Szelleskuty X 1318. Den geehrten Spendern und den geehrten Kollegen, welche sich um die Sammlungen bemühten, wird hiemit der Dank des Vorstandes abgestattet, und gleichzeitig werden die übrigen Herren Kollegen dringendst ersucht, das Ergebnis ihrer Sammlungen baldigst einzusenden. Eingezahlte Mitgliedsbeiträge: Landau, Wr. Neustadt, X 4, Grünblatt, Jägerndorf, X 8, M. Singermann, Troppau, X 4, Kriener. Galgocz, X 4, Weißmann. Wien, X 4, Rosenberger, Komotau, X 4, Grünfeld, Wien, K 4. Haas, L. St. Miklos, X 2, Schwarz, Wien, X 4, Treuhaft, Wien, K 6, Balogh, Wien, K 6, Schreibstein, Wien, X 5, Pekarnik, Wien, K 4, Jurberger, Wien, K 4, Blatt, Wien, X 4, Bauer, Wien, K 2, Smotrizky, Wien, X 6, Kirschbaum, Oedenburg, X 4, Rotter, Pisek, X 3, Weiß, Jglau, X 4, Seifert, Baden, X 8, Rosenfeld, Raab, X 6, Abramovicz, Wien, X 3, Khuner, Tulln, X 4, Teltsch, Wien, X 8, Kornfeld, Wien, X 8.

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