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Die Wahrheit · 1904-04-29 · Heft 17 (29.4.1904) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 17 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 17. Wie«. Die dramatische Sängerin Fräulein Ella Bland, Tochter des Ersten Kantors Moritz Blatt, die gegenwärtig dem Stadttheater in Magdeburg angehört, wurde vom Jahre 1906 ab für sechs Jahre an das Hofoperntheater engagiert. Wie«. (Aus dem IX. Bezirke). Freitag, den 22. d. M. fand in unserem Tempel anläßlich der kürzlich stattgehabten Zentennarfeier Salomon Sulzers ein feierlicher Gottesdienst statt Die vorgetragenen Gesänge aus dem Schir-Zion kamen durch Obercantor Kläger, Cantor Pekaruik und den Chor ausgezeichnet zur Geltung, und auch die Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Gelbhaus fand allgemeinen Anklang. Bei dem Gottesdienste waren der gesamte Borstand mit dem Präses Bettelheim an der Spitze und zahlreiche Gemeindemitglieder anwesend. — die Tochter des Präsidenten des Tempelvereines, Herrn Gottlieb Bettelheim, Frl. Rosa Bettelhcim, hat sich mit dem Bankbeamten Herrn Hans Lemberger, Lieutenant i. R. verlobt. — Der Verein zur Beförderung der Handwerke der inländischen Israeliten in Wien, veranstaltete Sonntag den 24. d. M. im Tempel IX. Bez. ein Requien für den sel. Herrn Moriz Schwarz, welcher diesem Vereine ein namhaftes Legat hinterlassen hat. Die cantorale Funktion versah in ausgezeichneter Weise Cantor Pekarnik mit Orgelbegleitung und Prof. Antscherl hielt die Gedenkrede. An der Feier nahmen viele Lehrlinge des Vereines unter Führung des Sekretärs und Inspektors teil und der Vereins-Vorstand war durch den Vize-Präsidenten kais. Rat Moritz Hirsch vertreten. Wien. (Die Sommerkurse der jüdischen Toynbee-Hallc XX., Karajaugasse 20.) Die Kurse beginnen mit dem Buchhaltungskurs Sonntag, 1. Mai um 8 Uhr vormittags. Die übriger. Kurse sind bis auf weiteres wie folgt verteilt: Montag, Englisch (Beginn 2. Mai 7 Uhr abends >; Dienstag, Französisch und Deutsch (Elementarunterricht) (Beginn 3. Mai, 7 Uhr abends); Mittwoch, Deutsche Literaturgeschichte und Schnittzeichnen (Beginn 4. Mai, 7 Uhr abends); Donnerstag, Französisch (Beginn 5. Mai, 7 Uhr abends; Samstag, Deutsch (Elementarkurs) ev. Schnittzeichnen. (Beginn 7. Mai, 7 Uhr abends.) Der Stenographiekurs (Beginn 8. Mai) findet jeden Sonntag von .,10—^12 Uhr statt. Die Vortragenden sind: Für Englisch: Fr. Berliner. Französisch: Frl. Rosa Spielmann. Deutsch (Literatur): Frl. M. Friedmann. Deutsch ^Elementarkurs): Dr. Sieg. Werner. Stenographie: Hr. S. Wertheim. Buchhaltung: Hr. H. Berliner. Schnittzeichnen: Frl. I. Kohn und event. Frl. B. Hermann. Wien. Der sehr rührige Bildungs- und Unterstützungsverein „Bne-Bris, XX., Traunfelsgaffe 7, hielt am 13. d. M. seine Generalversammlung ab, welche zahlreich besucht war. Nach Begrüßung der Mitglieder und Gäste durch den Vereins-Obmann wurde die Gründung eines Witwen- und Waisenfondes beschlossen und weitere Vereinsangelegenheiten beraten. Bei der hierauf stattgehabten Wahl des Vorstandes wurden nachstehende Herren gewählt: Zum Obmann Bernhard Ober, Obmannstellvertreter Michael Chamaydes, Schriftführer Adolf Deutsch, Kassier Markus Goldstein; in den Ausschuß: A. Donn, L. Hajda, I. Münz, W. Kokosch, Eh. H. Kurier, Mark. Rothmann, M. Edel, Chaim Rappoport, L. Drock, M. Podhorcer. — In den Bethausvorstand wurden die Herren B. Ober als Obmann, B. W. Kokesch zum Kassier, Mich. Chamaydes Schriftführer, Markus Rothmann und als Verwalter L. Hajdn, M. Podhorcer, M. Seid, I. Münz, H. Nachbar, I. Kruk, E. Weiß und A. Donn gewählt. Wie«. Sonntag, den 1. Mai wird im literarischen Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" Fräulein Thekla Blech einen Vortrag über das Thema „Der jüdische Heine" halten. Beginn 3 Uhr. nachmittags im Kongreß-Saale, IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. Sonntag, den 8. Mai l. I., um 4 Uhr nachmittags, veranstaltet der Verein „Wahrheit und Friede" im Bethause, IL, Gr. Schiffgaffe 24, einen Trauergottesdienst für den jüngst verstorbenen berühmten Oberkantor Baruch Schorr aus Lemberg. Die Rede wird Herr Rabbiner Dr. Bach halten. Den gesanglichen Teil hat Herr Jos. Rosenblatt, Oberkantor aus Preßburg, mit seinem Chor übernommen. Das Reinerträgnis wird dem Witwen» und Waisenfonde zufließen. Biseuz. Freudige Befriedigung hat die Kunde wachgerufen von der Verlobung unseres vielverdienten Seelsorgers, des Herrn Dr. Josef Hoff mit Frl. Leontine Abel es aus Nikolsburg, dem aus allen Kreisen der Gemeinde herzliche Glückwünsche zuteil wurden. Die glückverheißende Verbindung wird am Pfingstmontag im Tempel zu Nikolsburg geschloffen werden, zu welchem Freudenfeste hier schon allenthalben gerüstet wird, da man allgemein das Bedürfnis empfindet, dem beliebten Rabbiner und Kanzelredner Beweise tiefgehender Sympathien entgegenzubringen. E. B. Stauislau. Sonntag, den 24. April fand, wie alljährlich, im hiesigen Tempel eine von der Hirsch-Stiftung veranstaltete Trauerandacht nach den verewigten Philanthropen, Baron Moriz Hirsch und Baronin Clara Hirsch, statt, an welcher die gesamte Schuljugend und der Lehrkörper der Hirsch-Schule, an der Spitze Inspektor Sperber und Direktor Blaustein, teilnahmen Herr Rabbiner Dr. Brande hielt eine ergreifende Ansprache an die Schuljugend und Oberkantor Löwensohn rezitierte mit dem verstärkten Chore die Trauerpsalmen in erhebender Weise. Brody. Welchen Fortschritt der menschenentfremdende Antisemitismus, diese schändliche Giftpflanze, in letzter Zeit auch in unserem Lande machte, und wie sehr er seine nur unheilbringenden Wurzeln und Fasern immer weiter ausbreitet, möge folgende bereits getroffene Anordnung bekunden, die ich vor Kurzem bei meiner Anwesenheit in Lemberg, der Hauptstadt des Landes, zu meinem Erstaunen in Erfahrung brachte, und die gewiß auch in den Provinzstädten Anklang und Verbreitung finden wird.. Die Hetzprediger unter der katholischen Geistlichkeit fanden es nämlich für zweckentsprechend, daß die christlichen Dienstboten der Arier Abzeichen tragen sollen, um dieselben leicht von denjenigen zu unterscheiden, die im jüdischen Dienste sind, und um letzteren bei jeder sich darbietenden Gelegenheit es Vorhalten zu können, so auch in der Kirche bei der Beichte, wo ihnen der Dienst bei den Juden aufs strengste untersagt wird. Viele Dienstboten treten trotzdem doch viel lieber und eher in den Dienst zu Juden, da sie von denselben weit menschlicher und mit mehr Schonung behandelt werden, und selbst in der Ausübung ihrer Religionspflichten an Sonn- und Feiertagen, wo sie sogarvon ihren Brotgebern zum Besuche der Kirche angehalten, werden mehr Freiheit genießen. Wie wird der Dienstbote bei den Christen behandelt?! Wahrlich meist als Sklave, ohne jede persönliche Freiheit, bei knapper Kost und viel geringerem Lohn. — In Anbetracht dieser Verfügung von Seiten der antisemitischen Geistlichkeit wäre es daher an der Zeit, auch bei uns in Galizien die brennende Dienstboten-Frage in Angriff zu nehmen, in den größeren Städten Dienstboten-Schulen zu errichten, um jüdische Köchinnen und Stnbenmädchen heranzubilden, die dann in jüdischen Häusern Verwendung und einen ehrlichen Nahrungszwejg finden würden, was Hunderte armer Mädchen vor Not, Bettelei und vor der schändlichen Prostitution schützen könnte. M. Markstein. Szenicz. Bei dem am 10. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnis der durch streng religiösen Sinn ausgezeichneten Frau Betti Schönmann, Tochter des berühmten Rabbi Inda Affod s. A., hielt nach der inhaltsreichen Trauerrede des Ober-Rabbiners I. Marmorsteiu, der hierortige Rabbinatsassessor Herr Eman. Feuer auch einen warmen Nachruf, welcher auf die große Trauerversammlung tiefen Eindruck machte. Budapest. (Königliche Gunst.) Am zweiten Tage des „chol hamoed schel peszach“ war das Leichenbegängnis der. Mutter des weltberühmten Malers Leopold H o r o w i tz. Der große Sohn, der auch ein treuer Sohn seines jüdischen Volkes ist, war von Wien — wo er kürzlich das Porträt Sr. Majestät und dasjenige weil. Ihrer Majestät der Königin Elisabeth in Angriff genommen hotte — an die Bahre seiner Mutter heimgeeilr. Der Wunsch des Künstlers, war, daß die irdischen Ueberreste seiner Mutter neben denen seines Vaters, am alten, jetzt nicht mehr in Benützung stehenden Friedhofes beigesetzt werden sollen. Die Behörde jedoch verweigerte auf das, entschiedenste die Bewilligung hiezu (Kassa ist die Heimatstadt des Malers, geboren wurde er in Rosgony bei Kassa.) Da wandte sich der bei Sr. Majestät in besonderer Gnade stehende Künstler telegraphisch an den König Franz Josef und siehe! unser erhabener, edler Monarch verfügte im Sinne des Bittstellers. Budapest. Der geschätzte Mitarbeiter dieses Blattes, Herr Albert Lö w, begeht am 1. Mai sein 25 jähriges Amtsjubiläum bei der hervorragenden Firma Gschwindt'sche Aktiengesellschaft und tritt mit gleichem Tage in Pension. Herr Albert Löw, der sich in seine Vaterstadt Holleschau zurückzuziehen gedenkt, ist ein äußerst fruchtbarer Schriftsteller, der mit hervorragenden Gelehrten anderer Konfessionen, wie Dr. August Wünsche,. Pastor Dr. Schwalbe in anregendem Briefwechsel steht, und er beabsichtigt auch fernerhin seine ausgezeichnete Feder in den Dienst des Judentums zu stellen. Budapest. (Sigmund L. B r e i t n e r.) „Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Sterblichen zuteil". Dieses Dichterwort erhielt erst jüngst im praktischen Leben die vollste Bestätigung. An demselben Tage,, an welchem die gesamte Tagespresse die Mitteilung brachte, daß des Königs Majestät dem Büdapester Großkaufmanne, Kommerzienrate Sigmund L. Breitner, das Offizierskreuz des Franz Joseph's Ordens verliehen hat, brachten dieselben Blätter die Trauerkunde von dem Ableben des Budapester Großindustriellen und Hausbesitzers weiland des Herrn Philipp Stern, in welchem Breitner seinen Schwiegervater betrauert. Durch diesen Todesfall hatte die Freude im Breitner'schen Hause einen mächtigen Dämpfer erlitten, ja sie wurde sogar in der ersten Trauerwoche gänzlich zurückgedrängt. Auch die Oeffentlichkeit, in der Breitner eine hervorragende Rolle innehat., mußte sich eine große Reserve auferlegen und konnte nicht so Vorgehen,. als sie wollte, aber auch als sie sollte. Es gingen nun dem gefeierten Manne und seiner hochedlen, vortrefflichen Frau Gemahlin Kondolenzen und Gratulationen en masse zu. Tausende waren in der Wohnung Breitners erschienen und unter ihnen bemerkte man die Besten und Vornehmsten der Büdapester Sozietät. Die Pester isr. Religionsgemeinde, die Breitner zu ihrem Borstandsmitgliede zählt, war durch ihren Präsidenten Hofrat Sigmund Kohner vertreten; die Pester Lloyd-Gesellschaft durch .Hofrat Reichsratsabgeordneten Berthold Weisz; der Beamtenkörper der Pester isr. Religionsgemeinde durch Universitätsprofessor Dr. Ignaz. Goldziher; die Chewra-Kadischa durch ihren Präsidenten Jacob Boschan; der Pester isr. Frauenverein durch seine Präsidentin Marie Herzl; der Ungarisch isr. Handwerks- und Ackerbauverein durch seinen Präsidenten Hofrat Reichsratsabgeordneten Dr. Armin Neumann und seiner Präsidentin des Damenkomitees Frau Fürst de Maroth; das Jsraelitenspital durch seinen Direktor Primarius Prof. Dr. Berthold Stiller; das Adele Brody-Kinderspital durch seinen dirigierenden Primarius Dr. Julius Grosz; das isr. Altersversorgungshaus durch seinen Präsidenten Karl Gomperz; das isr. Knabenwaisenhaus durch seinen Präsidenten Jakob Deutsch; der Budapester Talmudverein durch seinen Präsidenten Eduard Fleischmann; der „Concordia"-Verein durch seinen Vizepräsidenten Direktor Max Oesterreicher u. A. Jüngst war auch der Großhändler Sigmund L. Breitner Gegenstand einiger ihn hochehrender Ovationen. Seitens der Ungarischen Kauf-- mannshalle und des Büdapester Kreditorenvereines, welche zu seiner Begrüßung Deputationen ensendet hatten, wurden ihm die herzlichsten

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