Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 17 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. Die Wahrheit Seite 5. das deutsche Reich 1897, Seite 23, dienten im Jahre 1895 in! der Armee und Marine 603.012 Unteroffiziere und Gemeine;? abzüglich rund 83.000 Unteroffizieren und Militärpersonen gleichen Ranges verbleiben rund 520.000 Gemeine, Gefreite und! Einjährige. Darunter befanden sich nach der Statistik des 1 deutschen Reiches, Neue Folge, Band 111, Seite 72, Text-; feite 13, 2878 Israeliten. Das sind 0-553%, während die Juden im Jahre 1900 1*04% der Bevölkerung Deutschlands bildeten. Demnach betrug im Jahre 1895 der Prozentsatz der Juden in Heer und Marine genau die Hälfte ihres Prozentsatzes in , der Bevölkerung. Das ist schon das Doppelte des von Liebermann v. Sonnenberg behaupteten Prozentsatzes. Trotzdem ist > die Differenz mit ihrem Prozentsatz in der Bevölkerung immer ' noch zu groß, um aus Auswanderung und Uebertritt zum! Christentum allein erklärt werden zu können. Die Haupterklürung i für die Differenz liegt darin, daß die größere Hälfte der Juden als Einjährige dient. Der hohe Prozentsatz der Einjährigen unter den jüdischen! Soldaten bildet aber nur die Haupterklärung für den geringen * Prozentsatz der Juden im stehenden Heere. Es spielt bei dieser; Erscheinung aber noch eine ganze Anzahl anderer Momente — und zwar zum Teil nicht unwesentlich — mit. Das Wesent- ' lichste dieser Momente ist der ganz andere Altersaufbau der jüdischen Bevölkerung. Derselbe steht zum Teil im Zusammen- ■ hang mit ihrer Berufstätigkeit. Der Altersaufbau der im Handel Erwerbstätigen, in dem 62-28% der männlichen Juden erwerbstätig sind, ist nämlich ein ganz anderer als in den übrigen! Berufen. Im Alter von 16—30 Jahren, in dem sich fast 93% j bei der Armee und Marine befanden, befanden sich bei den i männlichen Erwerbstätigen aller Berufe 36%, bei den im; Handel Erwerbstätigen aber nur 33-63%. Eine Bevölkerung, i in der die höheren Altersklassen stärker besetzt sind, muß natür- ' lich in den jüngeren Altersklassen niedrigere Prozentsätze aufweisen. Aehnliche Verhältnisse finden sich aber in noch stärkerem Maße bei der jüdischen Bevölkerung. Sind durch geringere Kindersterblichkeit die unteren, durch andere Verhältnisse die oberen Altersklassen bei den Juden stärker besetzt als in der übrigen Bevölkerung, dann befindet sich in der dienstpflichtigen Altersklasse bei den Juden natürlich auch ein geringerer Prozentsatz als bei der übrigen Bevölkerung. Aus denselben Gründen entfällt bei den Juden auch ein geringerer Prozentsatz auf das heiratsfähige Alter. Dadurch werden auch die aus hier nicht weiter zu erörternden Gründen ohnehin stark zurückgehenden jüdischen Geburten vermindert. Das mag zunächst, was die Besetzung der untersten Altersklassen anbelangt, die geringere Kindersterblichkeit ausgleichen. Diejenigen aber, die im Jahre 1895 ihrer Dienstpflicht genügten, sind in den Siebzigerjahren vorigen Jahrhunderts geboren, und damals war der Prozentsatz der jüdischen Ehen sowie derjenige der jüdischen Geburten, unter Berücksichtigung der Mischehen und der Kinder aus denselben, fast derselbe wie der Prozentsatz der Juden in der Bevölkerung. Der inzwischen fast auf die Hälfte des letzteren zurückgegangene Prozentsatz der jüdischen Geburten hat also im Jahre 1895 aus den Prozentsatz der im dienstpflichtigen Alter befindlichen Juden noch keinen Einfluß ausüben können. Aber ein anderes Verhältnis noch hat mindernd auf die Zahl derselben eingewirkt: das sind die Mischehen, und zwar namentlich aus folgendem Grunde: Von den im Jahre 1900 in Preußen gezählten 335.2OO Mischehen waren 4052 1-21% jüdische Mischehen. Letztere sind also schon an sich um 0-07% oder ein Siebzehntel stärker vertreten bei den Juden als in der Gesamtbevölkerung. Das kommt insofern in Betracht, als die Mischehen zu einem großen Teil kinderlos sind. Während dies aber bei den nichtjüdischen Mischehen 22%. sind, sind von den jüdischen Mischehen 37% kinderlos. Die restlichen 63% der jüdischen Mischehen hatten 5786 Kinder 2 27 Kinder pro Ehe. Hingegen hatten die restlichen 78% der mit Kindern gesegneten (258.093) nichtjüdischen Ehen 696.710 Kinder 2 70 Kinder pro Ehe. Während aber von diesen 696.710 Kindern der nichtjüdischen Mischehen nur eines als jüdisch rubriziert ist, sind von den 5786 Kindern der jüdischen Mischehen 4385 oder drei Viertel nichtjüdischen und nur 1401 Kinder oder noch nicht ein Viertel jüdischen Religionsbekenntnisses. Kommt es nachher zum Militärdienst, so vermehren also die Kinder der jüdischen Mischehen den Prozentsatz der Nichtjuden und vermindern den der Juden in der Armee. Berücksichtigt man alle diese Momente, dann ist es sehr wohl möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß, wenn trotz alledem im Jahre 1895 der Prozentsatz der jüdischen Soldaten noch halb so groß war wie derjenige der jüdischen Bevölkerung, in dieser Hälfte bereits eine stärkere Militärtauglichkeit der Juden im Vergleich zu derjenigen der übrigen Bevölkerung ausgedrückt ist. Diese Wahrscheinlichkeit wird durch einige Zahlen unterstützt, die das „Berliner Tageblatt" vom 20. März aus dem Werk ..Die Juden als Soldaten" anführt. Danach hat 1870/71 die kleinere Hälfte der Gemeinden 4700 jüdische Mitkämpfer ins Feld gesandt. In dieser Hälfte fehlen aber gerade die größeren Gemeinden, darunter Berlin, Breslau, Hamburg, Posen und viele andere. Nun wohnen aber, wie wir schon vorhin gesehen haben, die Juden gerade in den großen und größten Städten. Hat nun aber schon die kleinere Hälfte der Gemeinden 4700 Juden gestellt, dann sind wahrscheinlich etwa 15.000 Juden ins Feld gerückt. 1870/71 sind außer 33.101 Dfsizieren, unter denen sich nur wenig Juden befunden haben dürften, 1,113.254 Mann ins Feld gerückt. Darunter befand sich noch eine Zahl von Feldwebeln, Unteroffizieren :c., die nicht mehr ins Feld gezogen wäre, wenn sie nicht kapituliert hätte. Wenn man dies berücksichtigt und den damaligen Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung mit 1*3% unter Berücksichtigung ihres Altersaufbaues rc. zu Grunde legt, dann hätten sich höchstens 12—13.000 Juden im Felde befunden haben können. Wenn aus 134 Gemeinden von 2531 jüdischen Soldaten berichtet wird, daß 83 derselben das Eiserne Kreuz erhielten, also 3'28%, so erscheint diese Ziffer sehr hoch angesichts der im ganzen verteilten 48.574 Eisernen Kreuze erster und zweiter Klasse. Wenn ferner berichtet wird, daß von den erwähnten 2531 jüdischen Soldaten über 200 befördert wurden, so spricht das auch für die Militärtauglichkeit, denn das sind wenigstens 8%, ein Prozentsatz, der wohl nur aus dem hohen Prozentsatz an Einjährigen zu erklären ist. In Rußland, wo die Militärtauglichkeil der Juden weder durch einen hohen Prozentsatz an Einjährigen noch durch zahlreiche jüdische Taufen und Mischehen statistisch beeinflußt sein kann, und wo ihre wirkliche Militärtauglichkeit durch jämmerliche wirtschaftliche Verhältnisse, schlechte Ernährung und Behausung außerordentlich herabgedrückt ist, ist die Militärtauglichkeit der Juden nach offiziellen statistischen Zahlen immer noch um 39% größer als diejenige der übrigen Bevölkerung. Das ergibt sich aus folgendem. Nach der Volkszählung von 1897 bildeten die Juden 4-13% der russischen Bevölkerung, Nach dem offiziellen Regierungsanzeigen (1902, A 34) waren bei der Rekrutenaushebung im Jahre 1901 5-73% der Ausgehobenen Juden. R. E. Mey (Hamburg). Moses Mendelssohn nnd die deutsche Aesthrtilr.*) Es ist beschämend, daß eine Spezialarbeit, wie die vorliegende noch nicht überflüssig gemacht worden ist. lieber Mendelssohn hat sich lange eine schiefe und falsche Beurteilung erhalten und seine historische Gestalt hat eine Zeitlang in einem *) Moses Mendelssohn und die deutsche Aesthetik, von L. Goldstem, Königsberg i. Pr. 1904. Verlag Gräfe & Unzer. (Teutonia, heransgegeben von Uhl, Heft 3, S. 240)