Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 14 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 14. sammlung mit dem Wunsche, es mögen die heute gefaßten Beschlüsse deu j Gemeinden und der gesamten mährischen Judenschaft zum Segen gereichen. > Hohenems. Am 22. März fand im festlich geschmückten Schulhause der hiesigen Kultusgemeinde die Ueberreichung des silbernen Verdienstkreuzes mit der Krone an den Oberlehrer Herrn Moritz Federmann | durch den Herrn k. k. Bezirkshauptmann v. Zigau statt. Dem Festakte! wohnten die Vertreter der Behörden und ein zahlreiches Publikum bei. Bei der Nachfeier im „Hotel zur Post" sprach Herr Rabbiner Dr. Tänzer! einen begeisterten Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser, dann toastirlen! die Herren Graf Schafgotsch, Bürgermeister Alois Peter, Schulleiter Ender,! Adolf Reis (namens der ehemaligen Schüler in humorvollen Worten) und Oberlehrer Gasser auf den Jubilar, dieser aus den Grafen Schafgotsch, Herr Menz (Kultusvorsteher) auf den Herrn Bezirkshauptmann, Dr. Tänzer auf den Bezirksschulinspektor, Herr Menz wieder auf den Bürgermeister und den Gemeindeausschuß usw. Der Verlauf der in allen Teilen gelungenen Feier zeigte, wie sehr die Auszeichnung des Kaisers hier wirkliches Verdienst belohnt hatte. Szeuicz. Am 20. d. M. wurde Herr Kanditenfabrikant Emanuel Deutsch unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Es war ein Leichenbegängnis, wie man es in der Provinz selten sieht. Gros; und Klein, Arm und Reich, Alles ohne Unterschied der Konfession, beteiligte sich bei dieser Leichenfeier. Herr Bezirksrabbiner Marmorstein würdigte die Verdienste des Dahingeschiedenen mit trefflichen Worten. Feuilleton. Königin Esther. Eine Ghettogeschichte von Dr. Max Grünfeld. (Fortsetzung.) Inzwischen weinte sich Rost an dem Halse Esthers herzlich aus. Awrom hatte das Gemach verlassen. Mordechai aber saß sinnend an der Tafel, und überblickte die Verheerungen, die hier Mayer angerichtet. Nun begann Esther: „Weine nicht, meine Tochter, alles wird noch gut werden. Verlasse dich auf deine mütterliche Freundin. Was deinen Vater anbelangt, so kannst du ruhig sein. Du hättest ihn, den guten Menschen, nicht reizen sollen. Er kann seine väterliche Autorität nicht ganz aufgeben. Mit diesem Herrn Doktor werden wir bald fertig werden; ich verspreche es dir. Sein Weib wirst du nicht, so wahr ich Esther-ha-Malka heiße und Eleasars Tochter bin." Mordechai war aus seinem tiefen Sinnen erwacht, näherte sich nun Rosl und sprach eindringlich und mit großem Ernste: „Fräulein Rosa, in mir sehen Sie Ihren besten Freund, der entschlossen ist, was in seinen Kräften steht, dazu beizutragen, daß Sie nicht unglücklich werden. Ich kenne die Gesinnung Ihres Vaters nicht, aber ich weiß, er ist ein guter Mensch, er will Ihr Glück; er ist nur irregeführt. An uns ist es, ihn auf den richtigen Weg zu bringen, ihm die Augen zu öffnen, und ihm zu zeigen, wo Ihr Glück blüht. Rosl, wollen Sie sich mir anvertrauen?" Schüchtern und keusch errötend, blickte sie in das Auge des geliebten Mannes, das so traut aus sie gerichtet war. Esther stand dabei, und Wehmut und Freude zugleich erfüllte ihr Herz. „Gebt Euch, Kinder, einen Kuß," rief sie aus, „und feiert Euere Verlobung. Ich bin Zeuge Eueres Glückes, ich, Esther, Rosls Mutter. So bin ich doch zu einer Verlobung gekommen. Was deinen Vater, mein Kind, betrifft, überlasse den nur mir, nicht umsonst nennt Ihr mich Esther, die Schlaue. Meine große Namensvorgängerin hat einst Haman entlarvt, ich werde mit unserem Haman, dem Doktor der Zukunft, der auf deine Mitgift spekuliert, auch fertig werden. Am Purim, der zum Guten kommt, soll dies geschehen, hier in dieser Stube, hier an der reichbesetzten Tafel. Küsset Euch, Kinder, und seid glücklich!" Dieser Aufforderung kamen Rosl und Mordechai mit Eifer nach. Und Esther saß inzwischen im Lehnsessel Awroms, und sinnend ließ sie ihren Geist in die Vergangenheit schweifen. Ihr war solches Glück nie zuteil worden, wie diesen Beiden, die auf dem Sopha neben einander saßen und sich soviel zu erzählen hatten. Esther dachte ihrer eigenen freudlosen Jugend, ihres Vaters, des verbitterten Kinderlehrers, der immer nachrechnete, ob man soviel verdient habe, um den Tag zu überleben, jenes Eleasar dachte sie, der sich von den Menschen abschloß und sich, seinem Weibe und Kinde das Leben verkümmerte. Wie ganz anders hatte sich das Leben im Hause Awroms gestaltet! Dieser schlichte Mann, dieser Ignorant, dachte nur daran, zu verdienen, um seiner Tochter später ein behagliches Dasein einzurichten. Und sie, die einsame Esther, sie, die niemals Männerliebe kennen gelernt, sie hielt es für ihre heiligste Pflicht, Rosl, ihr Herzblättchen, glücklich zu machen. Sie sollte es auch werden an der Seite Mordechais, für den Esther, die alte Jungfer, Gefühle hegte, über die sie sich selbst keinen rechten Bescheid geben konnte. Da hatte sie einmal vom Johannestrieb gelesen, dieser Blüte, in der Spätsommerzeit. Bei ihr war der Herbst bereits eingekehrt, ja, der Winter kündigte sich schon an, denn die Fünfzig waren überschritten. Die Tage waren gekommen, von denen es heißt, sie gefallen mir nicht. Was für Gefühle waren in dieser späten Jahreszeit bei ihr eingekehrt? War das die Liebe, die Vielgepriesene, die Vielbesungene, die Vielverherrlichte? Esther fühlte sich plötzlich jung, wenn sie in Mordechais Augen schaute. Aus dem Sofa dort flüsterten sie selig die beiden jungen Leute, und Esthers Auge umschleierte sich. „Pfui," sprach sie zu sich, „pfui, Esther, schäme dich. Bist wohl ein Mädchen von 18 oder 20 Jahren, girrst und sehnst dich nach Liebe. Deine Zeit ist längst vorüber, altes, dummes Mädchen. Was dir nie zuteil geworden, das Glück treuer, zärtlicher, liebevoller Ehe, suche es nur hierzu begründen, indem du diesen jungen Leuten den Weg ebnest. Wisch' die Träne vom Auge und raff' dich auf zur guten, Menschen erfreuenden Tat!" Es war dunkel im Zimmer geworden. Früh war der Winterabend hereingebrochen. Und doch, es ging wie eine Frühlingsahnung durch die Lüste. Der 15. Schebat war gekommen, der Tag, an dem nach alter, tiefsinniger Lehre die Kraft und der Saft in die Bäume schießen soll. Der Winter war auf dem Höhepunkte angelangt, aber es war der Anfang vom Ende gekommen, der Neujahrstag der Bäume, wie er in der uralten Mischna genannt wird. Das waren große Denker, diese alten Weifen, die so gut den Anfang an das Ende zufügen verstanden. (Fortsetzung folgt.) Kommerzielle Nachrichten. K. k. priv. Lemberg-Czernowitz-Jassy-Eisenbahn-Gesellschast. Der gefertigte Verwaltungsrat gibt sich die Ehre, die Aktionäre der k. k. priv. Lemberg-Czeruomitz-Jassy-Eisenbahn-Gesellschaft zu der am Montag, den 18. April 1904, um 10 Uhr vormittags, im Saale des Ingenieur- und Architekten-Vereines in Wien (I., Eschenbachgaffe 9) stattfindenden 48. (ordentlichen) General-Versammlung einzuladen. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Bericht des Verwaltungsrates über die Geschäftsführung im Jahre 1903. 2. Bericht des Revisions-Ausschusses über den Rechnungsabschluß pro 1903. 3. Antrag des Verwaltungsrates über die Verwendung des Reinerträgniffes. 4. Wahl des Revisions- Ausschusses. 5. Erneuerung des Verwaltungrates. Jene Herren Aktionäre, welche der General-Versammlung beiwohnen oder ihr Stimmrecht nach Maßgabe der Statuten ausüben wollen, haben ihre Aktien bis inklusive 9. April 1904 in Wien bei der k. k. privilegierten österreichischen Länderbank. in Prag bei der Filiale dieser Bank, in. Graz bei der Wechselstube der Steiermärkischen Eskomptebank und der Firma E. C. Mayer & Co., in Lemberg bei der galizischen Aktien-Hypothekenbank, in Krakau, Czernowitz oder Tarnopol bei den Filialen dieser Bank, in Berlin bei der Berliner Handelsgesellschaft, der Deutschen Bank, der Nationalbank für Deutschland oder der Firma Robert Warschauer & Co., in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Vereinsbank, in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinsbank, in Paris bei fcerBanque Imp. Boy. Privilegiee des Pays Autricliiens Succursale de Paris, in London bei der Anglo- Austrian-Bank und der k. k. priv. österreickiischen Länderbank mittelst doppelt auszufertigender Konsignationen (wozu Blankette bei den genannten Kassen unentgeltlich verabfolgt werden) zu erlegen und erhalten mit der Empfangsbestätigung hierüber die Legitimationskarte zur General- Versammlung. Im Vertretungsfalle müssen die auf der Rückseite der Legitimationskarten vorgedruckten Vollmachten unterfertigt werden. Wien, am 26. März 1904. Der Verwaltungsrat. W' In Folge des Peßachsestes erscheint die nächste Nummer unseres Blattes Freitag den 13. April. Die Redaktion.