Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 14 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Lette 9. Die Wahrheit vollsten Sinne bewußt. Alle Herzen waren gleich gestimmt» die Pulse vibrierten und erwartungsvoll harrte die Menge, Kops an Kops gedrängt, des Erscheinens Prof. Dr. Leon Kellners. Präzise Uhr abends betrat derselbe, gefolgt von seiner Familie, den mit Blumen und Reisig geschmückten Saal, und da konnte man sehen, was wahre Liebe. Verehrung und Dankbarkeit vermögen. Dieser Jubel der Begeisterung ist geradezu unbeschreiblich,^ das mußte man sehen, um mitempstnden und würdigen zu können. Herr Herrmann Berliner als Vorsitzender erössnete den Abend mit kurzen kräftigen Worten und bat den Gefeierten das Wort zu ergreif'». Herr Prof. Kellner dankte zunächst für die ihm dargebrachte Ovarion und hielt hierauf einen einftündigen Bortrag, den er als eine „Plauderei" be- .zeichuete, über die kulturelle und wirtschaftliche Stellung und Bedeutung der Inden als Gäste unter den Wirtsoölkern der Erde. „Wir Juden genießen wohl allenthalben blos Gastrecht, denn wir haben die Scholle nicht mit dem Schwert und dem Psluge erobert, aber wir sind nicht aufdringliche und lästige, sondern gebetene und verlangte Gäste, die viele Länder der Erde, welche früher wirtschaftlich brach und zerfahren waren in blühende Emporien umgcwandelt haben." Nach den lichtvollen und glänzenden Ausführungen Prof. Kellners kam eine ganze Reihe von Rednern zu Worte. Der 80 jährige Schriftsteller und Mitarbeiter unseres Blattes, Herr Adolf Steinschneider, sprach namens der Besucher der Toynbeehalle in bewegten Worten Dank und Anerkennung sowie Segenswünsche für die neue Laufbahn Prof. Kellners. Der jugendliche Chemiker Herr Brendl gab als Dolinetsch der Jugend deren Gefühlen beredten Ausdruck. „Wir sind", sagte er u. a., „als Jünglinge scheu und zaghaft in die Toynbeehalle gekommen, uni zu hören, was man uns hier sagen will, und sind zu wahren und begeisterten Juden erstarkt, und wir werden das jüdische Banner stets hoch und fest halten". In launiger und geistsprühender Weise sprach Schriftsteller Vork-Steiner, ferner Frl. Friedmann, Herr Schacherl und Andere. Der Präsident, Rektor Prof. Dr. Adolf Schwarz, hat wiederholt während des Abends das Wort ergriffen und zum Schlüsse mit Prof. Dr. Kellner, dem nunmehrigen Ehrenpräsidenten, den Bruderkuß ausgetauscht. Es war ein denkwürdiger Semesterabschluß der Toynbeehalle der allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. N. Chameides.- Wien. Sonntag, den 28. März d. I. veranstaltete der Verein „Ferienheim" im Saale der jüdischen Toynbeehalle eine Kinderjause, welche Frau Rosa Feigenbaum in gewohnter liebenswürdiger Weise leitete und an welcher mehr als 300 Schulkinder, Knaben und Mädchen, teilnahmen. Die Künstlergeschwister Saphir, Kinder des Klavierbauers Herrn Jos. Saphir, über welche wir bereits einmal im abgelaufenen Winter aus gleichem Anlasse ausführlicher berichtet haben, besorgten das Konzert für das zahlreiche jugendliche Publikum. Die Borstandsdamen des Vereines Ferienheim, mit der Präsidentin Frau Dozent Dr. Grünfeld an der Spitze, wohnten der Jause bei. N. Ch. Wien. Vergangenen Samstag fand im Bethaus „Montefiore" ein feierlicher Gottesdienst statt. Den Anlaß dazu gab die Einweihung eines Sefer-Thora, welches von wohltätigen Frauen dem oben genannten Vereine gespendet wurde. Das Hauptverdienst um das Zustandekommen der Sammlung, die das wohltätige Werk zustande brachte, gebührt dem Borstandsmitgliede, Herrn Jakob Sputz, welcher rührig der guten Sache zum Erfolge verhalf. Die Feier begann mit dem schönen Gesänge eines Psalmes durch Herrn Kantor Soldan, wobei Herr Rabbiner Dr. Rosenfeld, die Herren Obmänner I. A. Wasservogel, Pollack, Elias und Jakob Weiß mit Torarollen dem das neue Sefer-Tora tragenden Herrn Sputz entgegengingen. Herr Sputz übergab hierauf dasselbe in die Obhut des Obmannes I. A. Wasservogel, welcher den edlen Spenderinnen, wie auch besonders dem Herrn Sputz Dank abstattete. Beim Vorlesen aus dem Sefer wurden nahmhafte Spenden zu verschiedenen wohltätigen Zwecken gemacht, wobei sich der bekannte Philantrop, Herr Jakob Weiß, besonders hervortat. Den Höhepunkt der Feier bildete die ausgezeichnete Festpredigt des Herrn Rabbiner Dr. Rosenfeld. Am Abend fand in der Restauration Herlinger, II. Taborstraße 36, ein Bankett statt, bei welchem vom Obmanne. Herrn. I. A. Wasservogel, sowie von den Herren Rabbiner Dr. Rosenfeld, Obmann Pollack, Dr. L. Brady und Jakob' Winter treffliche Tischreden gehalten wurden. An die offizielle Feier schloß sich eine gemütliche Unterhaltung mit Tanz an. Wien. Am 20. di M. fand im schön dekorierten Tempel im XI. Bezirk die Trauung des Frl. Jenni Bachus mit Herrn H. Engel unter großer Beteiligung statt. Anwesend waren der Kultusvorsteher und Bereinsobmann, Herr Sigm. Kauders, Obmann-Stellvertreter Herr Leopold Weiß und Kassier H. Nemschitz u. A. Den Trauungsakt vollzog Herr Rabbiner Dr. Abeles und den gesanglichen Teil der Funktion versah Herr Kantor M. Treuhaft mit dem gut geschulten Chore des Herrn Ober- Kantor Schorr. Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der isr.-theol. Lehranstalt.) Unser Vereinsmitglied, Rabbinatskandidat Herr M. G. Mehrer, wurde am 21. d. M. zum Doktor der Philosophie promoviert. Die demzufolge am 24. d. M. veranstaltete Doktorkneipe nahm einen glänzenden Verlauf, wobei auch für den Nativnalfond gesammelt wurde. Wien. Dienstag, den 29. d. Ai. fand unter zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis des in der Leopoldstadt bekannten Kafetiers Moritz Koppel statt. Der Verblichene war langjähriger Kassier des Krankenvereines „Montefiore" und Vorstandsmitglied mehrerer humanitärer Vereine, er besaß ein gutes warmes jüdisches Herz. Der gesamte Vorstand des Vereines „Montefiore" mit dem Obmann Herrn Josef Pollak gab ihm das Geleite. Die Funktion versah Oberkantor Guttmann. Am Grabe hielt Rabbiner Dr. Rosenfeld einen tiefempfundenen Nachruf. Wien Unter zahlreicher Beteiligung fand Montag, den 28. d. im Sitzungssaale der israelitischen Knlrusgemeinde die Generalversammlung des Vereines „Ferienheim" unter dem Vorsitze' der Vereinsprüsidentin, Frau Sofie Grünfeld, statt. Nach erfolgter Begrüßung der Anwesenden gab die Vorsitzende ui kurzen Zügen eui Bild der Ereignisse, dre der Verein in deu Jahren 1902 und 1003 zu verzeichnet hat, und hierauf trug die Schriftführerin des Vereines Frau Adele Zins, den Bericht über die vom Vereine m den Berichtsjahren unterhaltenen Kolonien vor, den die Versammlung mir lebhafter Befriedigung zur Kenntnis nahm. Den Kassenbericht erstattete die Vereinskassierin, Frau Martha Popper, und der vom Revisor Herrn Moriz Graf gegebene Revisivusbericht führte zur Erteilung des Absolutoriums. Nunmehr ergriff die Bize-Präsidentm Frau Sofie Onittner das Wort, mir der Gründerin und Präsidentin des Vereines Frau Sofie Grünfeld innigen Dank zu sagen, ivobei sie der Generalversammlung den Beschluß des Bereiusvorstandes bekanntgab, im Vestibüle des Kaiser Franz Josefs-Ferienheim in Tischnowitz das von Künstlerhand in Marmor auszuführenve MedailloubildniS der verdienstvollen Präsidentin anbriugen zu lassen. Diese Enunziatiou rief den lebhaftesten Beifall und die Zustimmung der Versammlung hervor. Der Borstandsbeschluß, d:e Präsidentin Frau Sofie Grüufeld zur Ehrenpräsidentin zu erwählen, konnte nicht zur Ausführung gebracht werden, da die Präsidentin diese Ehrung dankend ablehnre, da ihr das ersprießliche Zusammenwirken mit dem Veremsvorstande genugsam zur Ehre gereiche. Namens des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde brachte Baurat R. v. Goldschmidr dem Bereinsvorstande Dank und Anerkennung für sein ersprießliches Wirken in schmeichelhaften Worten zum Ausdrucke. Die hierauf per Akklamation vorgenommenen Wahlen ergaben die Wiederwahl der auSscheideuden Fnuktionärinneu. Zn Revisoren wurden gewählt die Herren: Wilhelm Freiberg, Moriz Graf und Direktor Alois Weishut und zum Ehrenmitglied die langjährige ehemalige Vizeprüsidentln des Vereines, Frau Julie Fialla. Hierauf hielt der Beirat des Vereines, Herr Dozent Dr. Julius Zapvert, den angekündigten Vortrag: „Was leistet der Verein Ferienheim für das Studium schulhngienischer Fragen in Wien'?" Nach Beendigung desselben ergriff Rabbiner Dr. David das Wort, um das Verdienst der Frauen ans dem Gebiete der Humanität zu würdigen und mit einem warmen Appell die Anwesenden aufzufordern, die eminent wohltätigen Bestrebungen des Vereines zu fördern. Mährisch-jüdischer LandeSmassesondS. Die Montag den 14. d. abgehaltene Generalversammlung der Delegierten zur Verwaltung dieses Fonds war von 40 Gemeindevertrecern besucht. Der zum Vorsitzenden gewühlte RegierungScat Dr. Svitzer gedenkt nach Begrüßung der Versammelten und Konstatierung der Beschlußfähigkeit des Ablebens eines langjährigen Delegierten, des Herrn Samuel Königstein aus Bisenz, dessen Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrt. Der Rechnungsabschluß des Fonds nebst dem Rechenschaftsberichte des Kuratoriums für das Jahr 1903, der den allmählichen Rückgang des Fondserträgniffes beklagt, dem die steigenden Ansprüche der Gemeinden gegenüberstehen, wird nach Verlesung deS RevisionSbcrichtes durch den Delegierten Bittner genehmigt und es wird dem Kuratorium die Entlastung erteilt. Hierauf erstattet der Vorsitzende einen Bericht über den Stand der Versicherungsaugelegenheit der Gemeinde-Angestellten, wornach 28 Gemeinden den Beitritt der Versicherung derselben bei der Mährischen Landesversicherungsanstalt angemeldet haben, einige bedingt beitraten, während von 16 Gemeinden noch kein endgültiger Beschluß vorlicgt. Zu den Kosten der Versicherung der bisher angemeldeten 88 Angestellten, denen ihre bereits vollstreckte Dienstzeit entweder ganz oder zum Teil angerechnet werden soll, hat der Fonds vorläufig eine jährliche Annuität von 4404 X durch 40 Jahre beizutragen, die sich nach dem Beitritt der weiteren Gemeinden eventuell bis zum Maximalbetrage von 10.000 K erhöhen wird. Der Vorsitzende betont, daß mit dieser Aktion eine hervorragende sozialpolitische Aufgabe gelöst wurde und daß sich die Delegierten mit diesem Beschlüsse einen gerechten Anspruch auf den Dank der Gemeindebeamten wie auch der Gemeinden selbst erworben haben, da die soziale Stellung und die Arbeitsfreudigkeit der Beamten hierdurch gehoben wurden. Kurator Dr. Körner spricht sich im selben Sinne aus und befürwortet wärmstens die Annahme der bezüglichen Anträge des Kuratoriums. Bittner beantragt eine interne Versicherung, die auf Grund der jährlichen Dotation von 10.000 X günstigere Ergebnisse für die Angestellten ooraussetzen ließe Nach längerer Debatte wird unter großem Beifall beschlossen, das Kuratorium zum Abschlüsse der Versicherung für die bisher beigerretenen Gemeinden zu ermächtigen, die gedachte Beitragsqnote aus den Fonds zu - übernehmen, und die Verhandlungen mit den übrigen Gemeinden wegen ihres Beitrittes fortzusetzen. Da die verfügbaren Mittel des Fonds für die Uebernahme dieser neuen Last nicht auSreick-p, wird eine Statutenänderung in dem Sinne beschlossen, daß die I.sherige jährliche Dotation . des Reservefonds mit 5 Prozent des FaxtdeZerträgniffes zu entfallen habe. Es wird hierauf in die Beratung dLs^Voranschlages pro 1904 eingegangen . und dessen Posten im einzelnen und in den Summen genehmigt. Bei der! Post Bildungs- und Humanitütsanstalten werden außer den bisherigen! einige kleinere Subventionen neu bewilligt. Die Subvention für die jüdisch-! theologische Lehranstalt in Wien per 2000 X, die seinerzeit auf 10 Jahre! bewilligt war, konnte wegen der anderweitigen Inanspruchnahme der Fondsj mittel, namentlich durch die Versicherung der Gemeindebeamten der aller i Anerkennung der Notwendigkeit und ersprießlichen Wirksamkeit dieser! Anstalt nur mehr mit dem auf die Hälfte herabgesetzten Betrage von i 1000 X eingestellt werden. Zu Revisionen werden die Herren Bittner,; Pollenz und Tandler wiedergewählt und nachdem Dr. Rokotnitz dem Vorsitzenden für seine Mühewaltung gedankt, schließt dieser die Ver-