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Die Wahrheit · 1904-04-01 · Heft 14 (1.4.1904) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 14. überall an der Arbeit, wo Gutes und Edles angestrebt und geschaffen - wurde. Welch großer Beliebtheit sich der Dahingeschiedene erfreute, das i zeigte sich an der imposanten Teilnahme der weitesten Kreise an dem! Leichenbegängnisse, das Montag, den 28. am Zentralfriedhofe stattfand. | Die Zeremonienhalle konnte die Zahl der Trauergäste nicht fassen. An-! wesend waren die Mitglieder der Familie, der Kultusvorstaud unter i Führung der beiden Vizepräsidenten Dr. Stern und Dr. Kohn, Vertreter! der verschiedenen Bethausvereine und Wohltätigkeitsinstitute rc. Nachdem! Obercantor Singer unter Assistenz des Chores das „Hazur tomim" erj greifend rezitiert hatte, hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann einen das! vielseittge Wirken des Verblichenen rühmenden Nachruf. Wieder erklang j ein Trauecchoral, und dann sprach I. Vizepräsident Dr. Alfred Stern! namens des Kultusvorstandes folgende tiefbewegte Worte: „Wenige! Monate ist es her. seit wir, die Mitglieder des israelitischen Kultus- J Vorstandes hier die Bahre eines lieben dahingeschiedenen Kollegen umstanden, und wieder versammeln wir uns heute hier, um einem uns allen j teuren lieben Kollegen das letzte Geleite zu geben. Jung an Jahren ist | er dahingegangen, jung an Altersauch jung an Dienstjahren; denn j kaum zwei Jahre hat er dem Vorstande der Gemeinde angehört. Aber j als er in unsere Mitte trat, als er seinen Platz an unserem Beratungstische einnahm, da war er uns allen längst kein Fremder. Wer in unserer jüdischen Gemeinde kannte nicht den Namen Heinrich Teltscher! Wem war es unbekannt, das; überall dort, wo in unserer Gemeinde Gutes und Nützliches zu schaffen, zu erhalten war, in unseren Kultus einrichtungen wie in unseren \ Wohltätigkeits-Instituten, Heinrich Teltscher, wenn der Ruf an ihn erging, i dienstbereit zur Seite stand, und so wußten und empfanden wir es im i Kultusvorstande, daß der Mann, wann er das Wort ergriff, auf Grund! reicher Erfahrungen, in voller Kenntnis der Sachlage, und einem guten,! edlen Herzen, warmer Empfindung entquellend, seinen Ueberzeugungen Ausdruck gab. Und so hörten wir auf ihn, nicht selten folgend seinen Meinungen und Anschauungen und entsandten ihn als Vertreterdes Vorstandes in die hervorragendsten Wohltätigkeits-Institute unserer Gemeinde. — Es ist uns herzensleid, wir klagen Leid um Dich, Du edler, treuer Glaubensbruder! Du warst uns allen lieb und freundlich. Wir danken Dir für das, was Tu für unsere Gemeinde getan! Wir bewahren Dein Angedenken! Es sei gesegnet!" Wehmütige Abschiedsworte sprachen noch Professor Dr. Königstein namens des ,,Bnei-Brith" und Dr. Klemperer namens des „Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" und dann wurde unter den üblichen Trauergesängen Heinrich Teltscher zu Grabe getragen. " 's 'r Wien. (Zur Sulzerfeier.) Die in der Vorwoche so schön und erhebend verlaufenen festlichen Veranstaltungen anläßlich der Zentennarfeier Salomon Sulzers wurden am letzten Samstag beim Jugendgottesdienste für die Mittelschüler durch eine überaus wirkungsvolle improvisierte Gedenkfeier ergänzt. Herr Religionsschuliuspektor Professor Kanitz, der die Exhorte hielt, nahm hiebei Anlaß, mtt vom Herzen kommenden und zu Herzen dringenden Worten der Jugend das bedeutungsvolle Wirken Salomon Sulzers zu schildern, und die Ausführungen des Redners waren so lebendig, daß Alle, und besonders die Erwachsenen, die Sulzer noch gekannt hatten, sich für einen Moment in die Nähe des Meisters gerückt fühlten, der von dieser heiligen Stätte aus in so unvergleichlicher Weise inbrünstige Gebete für die Gemeinde zum Altar Gottes emporsandte. Nach dem Gottesdienste drängten sich die jungen Leute um die am Eingänge der Synagoge angebrachte Gedenktafel, die den Namen des Reformators des Synagogengesanges den spätesten Geschlechtern überliefern soll. j Wien. Die im „Museum für jüdische Altertümer" EL, Praterstraße 28, ausgestellten Sulzer-Erinnerungen, üben allseitig das größte | Interesse aus und ist der Besuch der Sammlungen, namentlich während der letztverfloffenen Tage, ein ungemein reger gewesen. Um nun das Gedenken an den Altmeister des Synagogengesanges weil. Oberkantor Professor Salomon Sulzer, weiteren Kreisen zugänglich zu machen, wird das Museum, j das durch das Aufstellen des über Auftrag des österr.-ungar. Cantoren-; Vereines von der Meisterhand der Frau Manzi Kestel-Bauer ausgeführten prachtvollen Oelportraits Sulzers eine außerordentliche Bereicherung erfahren hat, nebst der gewöhnlichen Besuchszeit, Samstag von 11-1 Uhr und Sonntag von 3—5 Uhr, auch am Ostermontag, 4. April, von 3 bis 5 Uhr nachmittags geöffnet sein. Wien. (Verein zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender.) Am 16. d. M. fand im großen Sitzungssaale der Kultusgemeinde die XV. Generalversammlung dieses Vereines unter dem Vorsitze des Präsidenten Baurates Stiaßny statt. In der zahlreich besuchten Versammlung, deren Mitglieder der besten Wiener Gesellschaft angehören, nahmen Vertteter hervorragender Wiener Humanitätsvereine teil. Es waren erschienen: In Vertretung des Kultusvorstandes Herr kais. Rat I. Weil, für den Verein zur Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten, dessen Präsident Herr Ortsschulrat S. Heit (gleichzeitig für die Chewra Kadischa), für die I. Wiener Suppen- und Tee-Anstalt, Präsident Dr. Moriz Singer, für den „Frauenhort" Präsidentin Frau Gemeinderat Zifferer und die Vorstandsdamen Frau Martha Stiaßny und Frau Baurat Stiaßny, für das Kaiser Franz Josefs-Ferienheim Frau Präsidentin Dr. Grünfeld und Frau Kommerzialrat Adele Neumann und viele andere. In seiner Begrüßungsansprache gab der Vereins-Präsident Baurat Stiaßny eine kurze Skizze der 15jährigen Tätigkeit des Vereines, welchem Legenwärtig noch eine große Zahl der Gründungsmitglieder angehören. Schriftführer Dr. Bela Taussig erstattete hierauf den Jahresbericht. Demselben entnehmen wir, daß im verflossenen Vereinsjahre als stiftende Mitglieder beigetreten sind: k. k. Kommerzialrat Alfted Pollak Ritter von Rudin, Leopold Kern s. A.. dann die Herren Friedrich und Rudolf Kohn. Im abgelaufenen Jahre wurden 33 Gesuche um Darlehen im zustimmenden Sinne erledigt und insgesamt 4170 K an Darlehen gegeben. Eine große Anzahl von Gesuchen mußte abschlägig beschicken werden, teils weil dieselben nicht in den Rahmen der Vereins-Statuten paßten, teils, und es muß dies mit tiefem Bedauern hervorgehoben werden, weil die Mittel des Vereines nicht hinreichend waren. Seit dem Bestände des Vereines wurden bis zuin Ablaufe des Jahres 1903, also im Zeiträume von 15 Jahren, 586 Darlehen im Gesamtbeträge von 87430 X bewilligt. Im Vereine besteht außerdem eine Baurat Stiaßny-Stiftung, welche am Schluffe des Vorjahres eine Höhe von 4224 K erreicht hat. Der Bericht hebt die rühmliche Tätigkeit des Damen-Komitees hervor und gedenkt der Verdienste, welche sich Vize-Präsident Dr. Arthur Kuranda um die rechtsfreundliche Vertretung und Rechnungsführer Gustav Frankl um die Kaffaverwaltung erworben haben. Beide Ansprachen wurden mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. Die ausscheidenden Funktionäre, die Herren k. k. Baurat Max Fleischer, Emil Jelinek, kais. Rat Kohnberger, Doktor Arthur Kuranda, Karl Taglicht, wurden einstimmig wiedergewählt und für die erledigten Stellen die Herren k. k. Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Alois Klemperer und Apotheker Benno Rothziegel neu gewählt. Die bisherigen Revisoren, die Herren Bezirksrat Jakob Mensch und Fabriksbesitzer S. Steiner, wurden wieder bestätigt. Herr kais. Rat I. Weil beglückwünschte den Verein zu seiner erfolgreichen Tätigkeit, namens des Kultusvorstandes in schwungvollen Worten und wünschte ihm auch für die Zukunft eine gleich ersprießliche, segensreiche Tätigkeit. Frau Gemeinderat Zifferer gedachte in herzlicher Ansprache der gemeinsanien Tätigkeit dieses Vereines mit denk Vereine „Frauenhort" und anderen humanitären Institutionen, wodurch in vielen Fällen eine ausgiebige Unterstützung, ja eine gesicherte Existenzgründung herbeigeführt wurde. Nunmehr hielt Herr kais. Rat Johann Lichtenstadt, Mitglied des Vereins-Vorstandes, einen Vortrag „Arbeitsvermittlung in den Bereinigten Staaten von Nord-Amerika," welcher mit allseitigem lebhaftem Beifalle ausgenommen wurde; wir werden noch Gelegenheit nehmen, auf den Inhalt dieses hochinteressanten Vortrages, der im Wortlaute in dem demnächst erscheinenden Jahresberichte veröffentlicht werden wird, zurückzukommen. Nach 11/2 ständiger Dauer schloß die Generalversammlung, welche einen glänzenden, würdevollen Verlauf genommen hatte. Wien. Der Verband der israelitischen Neligionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt am 20. März unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang eine Ausschußsitznug ab, bei welcher auch Herr Rabbiner Dr. Kisch aus Prag anwesend war. Nach Begrüßung desselben berichtet der Obmann, daß den am Verbandstage zu Ehrenmitgliedern ernannten Herren Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und Prof. Dr. Adolf Weiß die Ehrendiplome überreicht wurden. Herr Vizepräsident Dr. Kohn hat in einem an den Obmann gerichteten Schreiben dem Verbände den besten Dank ausgesprochen und zugleich in warm empfundenen Worten der hohen Aufgaben und Ziele gedacht, welche der Religionslehrerstand an Mittelschulen zu erstreben hat. Hierauf gelangten die weiteren Einläufe zur Verlesung, darunter ein Schreiben des Rabbiners Dr. Hillel aus Leipnik, worin derselbe die Fertigstellung eines allgemeinen Lehrplanes für Mittelschulen dringend wünscht. Vizerabbiner Dr. Brettholz aus Triest meldet seinen Beitritt zum Verbände an. Rabbiner Dr. Kisch beantragt neuerlich die Herausgabe einer Vierteljahreszeitschrift und betont die Notwendigkeit einer solchen. Der Ausschuß beschließt, diesem Anträge Folge zu leisten, wenn die hiefür nötigen Mittel genügend vorhanden sein werden. Zum Schluffe verliest Prof. Dr. Weiß einen Entwurf der an das hohe Ministerium zu richtenden Petition; dieser Entwurf soll an alle Ausschußmitglieder versendet werden, damit sie zu demselben ihre Amendements machen, über welche dann der Ausschuß zu beraten und zu beschließen haben wird. Der Vorsitzende dankt dem Referenten herzlich für das gründliche und schöne Referat und schließt hierauf die Sitzung. Wien. Der „Verein zur Bekleidung armer alter Männer" hielt am 25. d. M. in Sohr's Restaurant-Saal unter Vorsitz des verdienstvollen Obmannes Herrn Isidor Schwarz die ordentliche Generalversammlung ab. Der Rechenschaftsbericht wurde vom Schriftführer l. Löwit verlesen und konstatiert, daß der so überaus rührige Verein bereits 250 Mitglieder zählt und im abgelaufenen Vereinsjahr 61 alte würdige Männer bekleidet wurden. Die Michael Back-Stiftung hat eine Höhe von 2500 X erreicht. Zu Ehrenmitgliedern wurden einstimmig Ehrwürden Rabbiner Dr. Schmiedl, der beliebte Obmann Isidor Schwarz und der Gründer der Back'schen Stiftung, Herr Michael Back, gewählt. Wien. (Schlußfeier in der jüdischen Toynbee-Halle.) Die heurigen Wintervorlesungen der Toynbeehalle fanden am 28. März d. I. einen überaus solennen Abschluß. Es galt nicht allein der Leitung dieses Institutes für das viele außerordenllich Schöne und Gute, das in diesem Semester geboten wurde, seitens des Stammpublikums Dank zu zollen, sondern vielmehr noch von einem Manne Abschied zu nehmen, der diese Institution in Oesterreich, beziehungsweise in der Metropole des Reiches geschaffen hat und nunmehr einer Berufung als Professor der Czernowitzer Universität folgend, demnächst Wien verlassen wird. Prof. Dr. Leon Kellner, der durch die Begründung einer wahren Volksstätte für geistige Erholung und Zerstreuung zum Sorgenbanner vieler Hunderter geworden ist, ein Mann, von seltenem Seelenadel, soll nun künftighin von den Besuchern der Toynbeehalle,.. in deren Herzen er sich einen Altar der Liebe und Verehrung gebaut hat, vermißt werden. Alle, die Jungen ivie die Alten, die seit vier Jahren Belehrung und Erholung nach den Tagesmühen in den bescheidenen Räumen dieser Volksuniversität gesucht und in reichem Maße gefunden haben, waren sich der großen Bedeutung dieses Abschiedes im

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