Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1904-03-25 · Heft 13 (25.3.1904) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063212-3063225--02980-3069700
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

:»tr. 13. Die Wahrheit Lette 9. gewesen, als die Art, in welcher Herr von Pollack die gegen : ihn erhobenen Vorwürfe abzuwehren unternahm. Herr von! Pollack hatte nämlich in der letzten Gremial-Sitznng den Einfall, : statt der Pose der Selbstverteidigung die desAngriffes einznnehmen. > Er drehte den Spieß um und hieb noch extra auf die — frei- ’ sinnigen Lehrer los, die er abgewiesen, denn, so meinte er, die! Politik müsse von der Schule ferne gehalten werden? Also um; angeblich die Politik von der Schule ferne zu halten, müssen die | von den Prinzipien der Humanität und der Gerechtigkeit erfüllten ' Männer verdrängt werden, um den Vorkämpfern der In- 1 toleranz und des Judenhasses Platz zu machen! Das heißt wahr-! hastig zum Schaden den Spott hinzufügen. Herr v. Pollack hat! es sich nur selbst znzuschreibeu, wenn die freisinnigen Lehrer! gegen diese merkwürdige Auffassung in einer so entschiedenen , Weise Stellung nahmen und unter anderem folgende Worte der! Zurückweisung fanden: „Die Versammlung spricht über die nn- , qualifizierbare Erklärung Herrn Pollacks, durch welche die perj sönliche und berufliche Ehre der freisiunigen Lehrerschaft Wiens; auf das tiefste verletzt wurde, ihre Entrüstung ans." j '* -i-! * 1 - In einer Sitzung der Wiener Pädagogischen Gesellschaft l erörterte kürzlich der Lehrer Derr S> Kraus die Unzulänglichkeit der offiziellen Statistik des österreichischen Volksschulwesens, aus der man beispielsweise nicht ersehe, daß es, trotz der gesetzlichen ' allgemeinen Schulpflicht, n o ch eine M i l l i o u s ch u l - . pflichtiger Kinder ohne Schulunterricht gebe. Das ist eine horrende Zahl von Analphabeten! Da darf wohl : mit Genugtuung daran erinnert werden, daß bei unseren Glanbeusgeuossen auch in den traurigsten Zeiten der Bedrückung und; Verfolgung, der Armut und des Elends dafür Sorge getragen wurde, daß die Kinder nicht als Analphabeten heranwuchsen. Dieses einzige Moment spricht Bände und widerlegt in der . glänzendsten Weise die von Böswilligkeit oder Borniertheit! — oder von beiden zugleich — geleiteten Judenfeinde, welche die jüdische Rasse als eine degenerierte, kulturell minderwertige bezeichnen. Wenn man einst den Verbrauch an Seife als den Maßstab der Kultur erklärte, so darf mau wohl auch die Zahl der Analphabeten als solchen gelten lassen. * * Ad vocem Rassensrage. In einem wissenschaftlichen Streite — es handelt sich um die Inferiorität der gelben Rasse — welcher gegenwärtig in Paris zwischen zwei der größten Antropologen ausgefochten wird, finden wir den Hinweis auf das folgende berühmte Wort Lamarcks: „Die Natur hat weder Klassen, noch Gruppen, noch Familien, noch Gattungen, noch feststehende Arten hervorgebracht, sondern einzig und allein Individuen." Diese These des genialen Lamarck - vernichtet alle Theorien der Rasfenfanatiker. Uerschiedeue Nachrichten. Wien. (Predigten.) Predigten finden im Ottakringer Tempel statt: Donnerstag, den 31. März a. c., als am ersten Tage des Peßachj festes vormittag und Donnerstag, den 7. April a. c., als am letzten ' Tage des Peßachfestes vorniittag; Peßach am ersten und letzten Tage im Währinger Gemeindetempel. Wien. Der Bethausvorstand hat in seiner am 15. d. M. stattgehabten Sitzung beschlossen, am ersten Tage des Pessachfestes, das ist Donnerstag, den 31. März a. c., beim Mussafgottesdienste aus Anlaß der Wiederkehr des 100. Geburtstages des verewigten Oberkantors Salomon Sulzer im Kultustempel Ottakring eine Feier zu veranstalten. Wien. Montag, den 28. März, 6 Uhr abends, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultnsgemeinde, I., Seitenstcttengasse 4, 2. Stock, die VI. ordentliche Generalversammlung des Vereines „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" mit nachfolgender Tagesordnung statt: 1. Erstattung des Jahresberichtes pro 1902 und 1903. 2. Kassabericht und Rechnungsabschluß. 3. Revisionsbericht. 4. Ergänzungsmahlen in den Vorstand. 5. Wahl von drei Revisoren und Skrmatoren. 6. Bortrag des Herrn Universitäts-Dozenten Dr. Zappert: „Was leistet der Verein Ferienheim kür das Studinni der öffentlichen Schulhygiene in Wien?" Wien. Samstag, den 19. d. M-, besuchte Se. Exzellenz Graf Rosenberg-Orsini, Obersthofmeister Sr. kaiserl. Hoheit Erzherzog Rainer, das Atelier der Malerin Frau Manzi Kestel-Bauer und sprach den Arbeiten der Künstlerin, besonders dem eben vollendeten Sulzerbilde seine vollste Anerkennung ans. Wien. Mittwoch, den 16. März, 7 Uhr abends, fand im Sitzungssaale der Wiener Kultusgemeinde unter überaus zahlreicher Teilnahme die XV. ordentliche Generalversammlung des „Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender" statt. Den Vorsitz führte der Beremspräsident Baurat Stiaßny. Nach Erledigung der formalen Tagesordnung hielt Herr kais. Rat Johann Lichtenstadt einen überaus intereffanten Bortrag über: „Arbeitsvermittlung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika". Wien. Samstag, den 26. März, 71/., Uhr abends, findet im Hotel Europe, II., Asperngasse, die ordentliche General-Versammlung des „Ung. Ostraer Woyltätigkeits-Bereines in Wien" statt. Wien. Im Beth-Hamidrasch Ohel Abraham, IX., Grüne Thorgaffe 28, findet am 30. d. M. morgens 3/47 Uhr, nach dem Morgen- Gottesdienste ein Sium statt. In demselben Bereinslokale finden folgende Vorträge» morgens nach dem .-v-u-n? Gebete, um 7 Uhr statt. Am 26. d. M. die und Predigt von Herrn Rabbiner I. L. Abeles, einer. Rabbiner aus Privigye, Ungarn; am 1. April r.zzb -= =r Predigt des Herrn Rabbiner Dr. G. Freudmann, Wien; am 7. April rzz p-o» Predigt des vorerwähnten Herrn Rabbiner I. L. Abeles. Wien. Der Verein „Tefilas-Hanorim" iJugendandacht) veranstaltet am bevorstehenden Pessach-Feste im Bethause des „Bet-Hamidrasch", II., Tempelgasse Nr. 3, einen Gottesdienst für die Jugend, welcher an folgenden , Tagen stattfinden wird: Mittwoch, den 30. März, abends ‘;27 Uhr; Donnerstag, den 31. Mürz, morgens 8 Uhr und abends 3/^7 Uhr; Freitag, den 1. April, morgens 8 Uhr; ferner Dienstag, den 5. April, abends SIJ Uhr; Mittwoch, den 6. April, morgens 8 tthr und abends 3/^7 Uhr; Donnerstag, den 7. April, morgens 8 tthr. Wien. Sonntag, den 20. d. M., fand im Tempel des XX. Bezirkes in der Klnckygasse die Trauung des Herrn Josef Gmeiner mit Frl. Therese Wünsch. Tochter des in weitesten Kreisen bestbekannten und wegen seines humanitären Wirkens allgemein geachteten Bauunternehmers Herrn Josef Wünsch statt. Aus diesem Anlasse war das Gotteshaus in einen Blumeuhain umgewandelt worden und ein sehr vornehmes Publikum, das aus den verschiedensten Wiener Bezirken zusammenströmte, füllte den Tempel in allen seinen Räumen. Unter Orgel- und Harfenklängen vollzogen Herr Rabbiner Dr. Bach und Oberkantor Herr Jg Oesterreicher, assistiert vom Chorpersonale, den Trauungsakt in wahrhaft weihevoller und erhebender Weise. X. Ch. Wien. (I ü d i s ch e r F r a u e n - W o h l t ä t i g k e i t s v e r e i n „Z ufluch t".) Im Hotel Guth fand am 19. d. M. die dritte ordentliche Generalversammlung dieses Humanitären Vereines statt und nahm einen würdigen Verlauf. Der junge Verein hat es merkwürdigerweise in kirrzer Zeit zustandegebracht, ein bedeutender Faktor in der Armenpflege Wiens zu werden. Er zählt jetzt laut Jahresbericht bei 1200 Mitglieder, die, wie die Versammlung bewies, durchaus den besseren Ständen angehören. Viele der Mitglieder haben sich zum Worte gemeldet und in anerkennender Weise die Verdienste der Vereinsleitung rühmend hervorgehoben. In den Vorstand wurden wieder gewühlt die Damen: Laura Goldschmidt, Berta Antal, Dr. Fanny Rappaport, Josefine Tischler, Jda Figdor, Jlka Reiß, Szerene Löwy, Dr. Berta Hopfinger, Dr. Ella Neufeld, Dr. Jenny Finkler, Käthe Teichtner, Hermine Ferber, Jeanette Abeles, Adele Lewie, Ernestine März, Klara Borger und Anna Kolieb. Neugewählt wurden die Damen: Kais. Rat Wilhelm, Dr. Julie Eisenstüdter und Paula Alt. Es wurden ferner die Herren Berthold Figdor und Siegfried Lewie als Revisoren und die Herren Dr. Salo Rappaport, Dr. Joses Finkler, G. Marburg und Ignatz Stern als Beiräte gewählt. Der Verein Zuflucht, der das eminent praktische Ziel verfolgt, in Not geratenen oder gefährdeten Existenzen wieder aufzuhelfen und, wie dem Jahresberichte zu entnehmen ist, auf diesem Gebiete auch Hervorragendes bereits geleistet hat, verdient demnach die weitgehendste Förderung, Brünn. (Sülze r-G edenkfeier beim Ingen d-G ottesdienste.) Am Sabbath Wajikra gedachte in seiner Nachmittags-Exhorte Herr Religions-Professor Dr. M. Grünfeld des verewigten Salomon Sulzer. Ausgehend von dem Opferdienste, der in der Sidra geschildert wird, entwickelte er die Bedeutung des Gottesdienstes für die Israeliten unserer Tage und zeigte, wie das Gotteshaus in einer Zeit des Kampfes nicht nur eine Stätte der Andacht, sondern auch der Belehrung und der friedlichen Bereinigung sein möge. Nun rühmte er in schwungvollen Worten den Schöpfer des „Schir Zijon". Die jungen Leute lauschten den begeisternden Worten mit wahrer Ehrftrrcht und Andacht. Es ist nur zu bedauern, daß unserem Jugend-Gottesdienste von Seite der dazu berufenen Faktoren so wenig Interesse entgegengebracht wird. Würde dies in erhöhterem Maße geschehen, dann erst würden sich die Worte des Propheten bewahrheiten: „Das Volk, so ich mir gebildet, meinen Ruhm sollen sie verkünden." Judaeus. Ledeö. Seit dem im August v. I. erfolgten Amtsantritt unseres jetzigen Religionsweisers Herr M. Mandl ist hier zur Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins und Zusammengehörigkeitsgefühles sehr viel geschehen. Die Assimilationssucht und der alles zersetzende Jndifferentismus hatten hier, besonders bei der Jugend, großen Schaden angerichtet und es bedurfte bedeutender und zielbewußter, energischer Kleinarbeit, um der Zerfahrenheit iu religiöser Hinsicht mit sichtbarem Erfolge zu steuern. So veranstaltete Herr Mandl z. B. anläßlich des verflossenen Chanukafestes einen wahrhaft erhebenden Jugend-Gottesdienst iin Tempel und hielt eine sehr belehrende Ansprache, die begeisternd wirkte und die Jugend zum Festhalten an Bäterglauben und Sitten anspornte; schon lange ist die „Moaus Zur"- Hymne in unserem schönen Tempel von der Schuljugend nicht so andächtig gesungen worden. Aber auch auf dem Gebiete der Geselligkeit ist Herr Mandl bestrebt, die Gemeindemitglieder einander näher zu bringen. Dies

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.