Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 11 -seile d. Die Wahrheit der Wohltätigkeit in der Brigittenau hochverdienten Manne, eine besondere > Ehrung bereitet, indem demselben nach einer Ansprache seitens des Vereinsobmannes, Herrn Josef Wünsch, das Diplom als Ehrenmitglied überreicht wurde. Große Heiterkeit erregte eine von Herrn Professor Nascher mit vielem Humor verfaßte Festschrift, die in der jugendlichen Gattin des Herrn Alfred Wünsch, Frau Emmy Wünsch, eine anmutige Verschleißerin fand. Zur Verteilung gelangten 5 Gruppen- und 3 Einzelpreise. Den I. Preis, 25 Iv, erhielten die Kapitäne der russischen Kriegsflotte vor Port Arthur, 3 Brüder Pollatschek, Söhne des Herrn David Pollatschek, Oskar Hauser und Arnold Trostli; den II. Preis, 20 K, j eine köstliche Gruppe weiblicher Wiener Schusterbuben: den HI. Preis, 15 K, weibliche Rauchfangkehrer: je 10 Kronen die Gruppen aus der Operette „Das süße Mädel" und Zigeunerinnen. Die drei Einzelpreise gewannen: I. Preis, eine goldene Damenuhr, Frl. Elsa Körner, II. Preis, ein goldenes Armband, Frau Emmy Wünsch, III. Preis, einen goldenen Ring, Frl. Selma Liebl. Auch der materielle Erfolg des gelungenen Purimfestes, der den wohltätigen Zwecken des Vereines zusließt, war ein äußerst befriedigender. X. Ch. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein j ü dis ch er Mädchen „Moria".) Der in der vorwöchentlichen Nummer für den 0. d. M. angekündigtc literarische Nachmittag hat bei zahlreicher Frequenz stattgefunden. Herr zur. Dr. I. W. Marmorek sprach über das Buch Esther und zog aus demselben Konsequenzen auf die gegenwärtige Lage der Juden und die Bestrebungen des Zionismus. Hierauf folgten musikalische und deklamatorische Vorträge, welchen seitens des kunstsinnigen Auditoriums, vorwiegend Damen, lebhafter Beifall gezollt wurde. X. Oll. Wien. Die Beliebtheit und Popularität, deren sich der Industrielle, Herr Heinrich Weiner, Vorstandsmitglied des Brigittenauer Tempelvereines, erfreut, zeigte sich am jüngsten Sonntag bei der Vermählung seiner Nichte Frl. Bertha Kurzholtz mit Herrn Arthur Grab aus Prag. Der hell erleuchtete Tempel war in allen Räumen überfüllt. Die überaus solenne Funktion versahen in erhebendster Weise Rabbiner Dr. Bach und I. Kantor Don Fuchs. Wien. (E r st e r Wiener Jüdischer T u r n v e r e i n.) Das heurige Schauturnen findet Samstag, den 26. März l. I. im Ballsaale Ronacher statt. Programm: 1. Freiübungen. 2. Stabübungen der Damenabteilung. 3. Keulenreigen. 4. Allgemeines Geräteturnen. 5. Sektiousturnen an 3 Barren, Au die Vorführungen schließt ein Tanzkränzchen an. Beginn des Festes präzise 9 Uhr abends. Karten a 2 K sind erhältlich: Im Turnlokale. I., Mölkerbastei 5, bei allen Komiteemitgliedern, im Cafe de France, I., Schottenring und an der Abendkassa. Wien. Sonntag, den 6. d. M., 8 Uhr abends, fand im Cafe Müller, II., Obere Donaustraße 87, nächst der Stefaniebrücke, die konstituierende Generalversammlung des „Humanitären Geselligkeitsvereiues der Vag-Szereder in Wien" statt. Beitrittserklärungen sind an Herrn Ludwig Steiner, II., Cireusgasse 52, zu richten. Znaim. Bei der jüngst stattgehabten Kultuswahl wurde der gesamte bisherige Ausschuß wiedergewählt. Es hat aber viel Mühe gekostet, den langjährigen, hochverdienten Kultusvorsteher, Herrn Hermann Steiner, zu bewegen, eine WieH^wahl anzunehmen. Ebenso gelang es, den bisherigen Kassier, Herrn. Jmob Schidlof, zu bewegen, seine Würde, die mit vieler Bürde verbunden ist, weiter zu bekleiden. Wer einigermaßen Gelegenheit hat, die ^Tätigkeit dieser Männer im Dienste der Gemeinde zu beobachten, wird^M.^reudige Stimmung begreifen, die jetzt allgemein bei uns herrscht, daß diese fast unersetzlichen Kräfte unserer Gemeinde erhalten blieben. Der Gesammtausschuß setzt sich nun wie folgt zusammen: Herr Steiner, Vorsteher: Dr. Rosenfeld und Johann Much, Beiräte: Jakob Schidlof, Kassier; M. Barth, Leo Kohn, Sigm. Steiner, Rudolf Wotzilka und Alex. Weiß, Ausschußmitglieder. Möge auch ihre weitere Tätigkeit zum Wohle unserer Gemeinde gereichen! Ung.-Brod. (P u ri m unte r h a l tu n g en.) Unsere Mädchen veranstalteten Montag, den 29. Februar im neuerbauten „Hotel Smetana" einen fröhlichen Geselligkeitsabend, an dem die jungen Damen in drei heitern Einaktern auftraten und reichsten Beifall ernteten. Dienstag, den 1. März fand in den Vereinslokalitäten der „Aguda" ein animiertes Kostümkränzchen statt. Brandeis a. E. In seinem 75. Lebensjahre starb hier^ nach kurzem Krankenlager Herr Abraham Pick, Chef und Begründer der Seifen- und Parfümerie-Fabriksfirma A. Pick's Söhne. Der nunmehr Verstorbene war eines der ältesten und angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde, in der er Jahrzehnte hindurch das Ehrenamt eines Vorstandsmitgliedes bekleidete. In gleicher Eigenschaft gehörte er auch der Chewra-Kadischa an. Pick war ein Mann der Arbeit, rastlos tätig, dabei höchst anspruchslos. Ec war kein Srreber und drängte sich nirgends vor, so daß er im öffentlichen Leben unserer Stadt nie irgend eine Rolle spielte. Pick lebte seinem Berufe, seiner Gemeinde und seiner weitverzweigten Familie, zeigte sich dabei aber stets als ganzer Mann, da er in cAen Lagen und Verhältnissen seines langen und schönen Lebens seine Pflicht auf das gewissenhafteste erfüllte. Von der Beliebtheit, deren sich Abraham Pick zu erfreuen hatte, gab dessen am Nationalfreudentage stattgefundene Leichenfeier das sprechendste Zeugnis. En pleine Parade waren ausgerückt die freiwilligen und die städtischen Feuerwehren, so auch die Veteranen des Kronprinz Rudolf Kriegervereines. Unter den Trauergästen, welche in großer Zahl erschienen waren, bemerkten wir den Landesgerichtsrat und Bezirksrichter Dr. Manak, die Mitglieder der Stadtrepräsentanz, den Gemeindevorstand unter Führung des Vorstehers I. 11. Dr. Richard Ullmann, den Vorstand der Chewra-Kadischa unter Führung des Präsidenten med. Dr. Sigmund Bondy u. A. Die Fabriksarbeiter wollten die Leiche ihres vielverehrren Arbeitgebers bis auf den Gottesacker tragen, was jedoch die Chewra- Kadischa nicht gestattete. Die Leichenfeier begann um 3 Uhr nachmittags. Der vierspännige Leichenwagen brachte die sterblichen Reste Pick's nach dem Tempel. Hier wurde Halt gemacht und Rabbiner Jakob Utitz, welcher gleiäizeitig als Obercantor fungierte, verrichtete ein Trauergebet. In der Zeremonienhalle des Friedhofes hielt Rabbiner Utitz einen würdevollen Nachruf in böhmischer Sprache, worauf der Sarg in's eigene Grab gesenkt wurde. Nach der Beerdigung begab sich das gesamte Trauergefolge, unter dem die christlichen Bürger die Mehrzahl bildeten, in den Tempel, allwo das Minchageber verrichtet wurde. Von da kehrten die Witwe, die 9 Kinder, die Schwiegersöhne und Schwiegertöchter, die Enkelkinder, die Verwandten und Bekannten des selig Entschlafenen in das Trauerhaus zurück, allwo für das Seelenheil des Verklärten Gottesdienst gehalten und das Kadischgebet verrichtet wurde. 8. Budapest. Seine Majestät hat dem Ogpallaer Bezirksrichter Herrn Josef Emanuel in Anerkennung seines vieljührigen treuen und eifrigen Dienstes den Titel eines königlichen Tafelrichters verliehen. — Durch allerhöchste Entschließung wurde auf Vorschlag des königlich ungarischen Finanzministers die neuerdings auf vier Jahre erfolgte Wahl der Generalrüte Sigmund Gold v. Tata, Ignaz Schreiber und Mathias Pfeiffer v. Iva zu Generalrüren der österreichisch-ungarischen Bank bestätigt. — Der Fachschriftstellec und Redakteur Herr Joief Spitzer hat in Budapest Damyanichgasse 32, ein kommerzielles Bureau für Import und Export errichtet. Budapest. (Brüderlichkeit.) Tie israelitische Kultusgemeinde ' in Ujvidek beabsichtigte, ein neues Gotteshaus zu erbauen. Die im Schoße der Gemeinde veranstaltete Kollekte ergab jedoch ein unzulängliches Resultat. Da kamen denn die übrigen Konfessionen der jüdischen Gemeinde zu Hilfe und sammelten auch ihrerseits zum Baue des israelitischen Tempels. Unter den christlichen Spendern befinden sich Biele, die mehrere hundert Kronen zeichneten. Dieser seltene Akt wahrer Brüderlichkeit verdient in der Zeit des künstlich gezüchteten Rassen- und Klassenhasses besonders erwähnt zu werden. Budapest. Letzten Sonntag reichte im großen Tempel in der Tabakgasse der hiesige Bankbeamte Julius Feher dem Fräulein Melanie Salamon, Tochter des renommierten Spediteurs Hugo Salamon, die Hand zum ewigen Bunde. Aus diesem Anlasse war das herrliche Gotteshaus stark besucht. Unter den Anwesenden bemerken wir den Oberrabbiner von Altofen Dr. Jlles Adler, den Reichstagsabgeordneten Dr. Karl Morzsanyi, denTempelvorsteherBerthold Herzmann, den Stadtreprüsentanten Gustav G. Ehrlich u. A. Den gesanglichen Teil der Feier besorgte Obercantor Professor Adolf Lazarus in gewohnter Meisterschaft, wobei ihm das Chorpersonal assistierte. Den eigentlichen Trauakt vollzog Rabbiner Dr. Samuel Kohn, der eine gehaltvolle Ansprackie an die Neuvermählten richtete. D. H. S. Magdeburg (Im Verein für jüdische Geschichte und Li tera tu r) sprach Mittwoch abends, den 24. Februar, Herr Dr. M. Spanier unter dem Titel: „Drei jüdische Historiker" über das Leben und Wirken von drei der jüngsten Vergangenheit angehörenden berühmten jüdischen Gelehrten Dr. Leopold Zunz, Dr. I. M. Jost und Dr. Heinrich Graetz. Sie haben sich um die Wissenschaft und Literatur des Judentums unvergängliches Verdienst erworben. Aus einer kurzen Schilderung ihres Lebensganges ging hervor, daß sie alle drei fast fortwährend mit Not und Entbehrungen zu kämpfen hatten, aber kraft ihrer ungewöhnlichen geistigen Begabung, ihres unermüdlichen Wissensdranges und edlen Strebens alle ihnen entgegenstehenden Hindernisse zu besiegen verstanden. Leopold Zunz >1794—1886), ein Mann von erstaunlichem Wissen und Scharfsinn, widmete sich vornehmlich der Erforschung des jüdischen Altertums, der Entzifferung alter Urkunden und Schriftwerke u. dgl. In seinem berühmtesten Buche „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden" - Berlin, 1882) führte er den Nachweis, daß von jeher die Predigt in dem geistigen Leben der Juden eine wichtige Rolle gespielt habe. Jost (1793—1860) gebührt das Verdienst, zuerst eine jüdische Geschichte verfaßt zu haben (in 9 Bänden, Berlin 1820—1829). Das Bedeutendste auf demselben Felde jedoch leistete Professor Dr. Graetz (1817—1891). Auf Grund neuer, scharfsinniger Forschungen und Quellenstudien schuf er in seiner 11-bändigen, glänzend geschriebenen „Geschichte der Juden" ein Meisterwerk, das in unseren Tagen sowohl bei christlichen als jüdischen Gelehrten die größte Anerkennung geftinden hat. Der Redner schloß seine vielfach mit Zitaten aus den Werken der gefeierten drei Gelehrten geschmückten Ausführungen unter dem lebhaften Beifall der Zuhörer. „Gibeat Saul", ein mit 18 photographischen neuen Aufnahmen geziertes Werk über das gegenwärtige Palästina von S. Hornstein. Besonders geeignet als Geschenk für die intelligente Jugend und für diese ermäßigt der Herausgeber obigen Werkes den Preis dz. auf 1 fl. ö. W. Gegen Einsendung dieses Betrages an den Verfasser Samuel Hornstein, XX., Hannovergasse 10, wird das besonders empfehlenswerte Werk sofort prompt geliefert.