Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1904-03-11 · Heft 11 (11.3.1904) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3063212-3063223--02953-3069671
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Wahrheit i)cr. 10. jeite 8. Uenes «der Sörne.*) Der bekannte Biograph Börnes hat uns wieder ein fleißiges Werk über Börne geschenkt, diesmal getragen von dem Wunsche Goethes. Als Goethe Varnhagens Büchlein „Goethe in den Zeugnissen der Mitlebenden, Berlin 1823" in die Hand bekommen, äußerte er sich, man möge diesem noch ein zweites Buch „Goethe in den Zeugnissen der Uebelwollenden" zur Seite stellen und vervollständigen. Holzmann hat diesen Wunsch Goethes glänzend erfüllt und har ein sehr lehrreiches und fleißiges Buch geschaffen. Für uns Juden ist aber das Buch nicht um Goethes sondern um seines Gegners Börne willen interessant. Der größte Makel, den an Börne Freund und Feind bisher hängen ließen, ist der, daß Börne Goethes Größe nicht anerkannt und ..den Goethe" nicht verstanden hat. Nun können wir uns aber durch Holzmanns Arbeit überzeugen, daß damals nicht blos Börne allein ein Gegner Goethes war, sondern daß es auch an anderen mcht gefehlt hat. Nur tritt uns Börne als der ehrlichste und sympathischeste entgegen. Denn er hat Goethes Größe als Dichter und Gelehrter anerkannt. Nur gegen seinen Charakter hat er sich immer gewehrt, Goethe als Mensch hat er bekämpft, während andere Gegner gerade das Gegenteil getan haben und den Denker und Lyriker Goethe angegriffen haben. Wir können uns durch Holzmanns Schriftchen überzeugen, daß auch der Vater der alldeutschen Literatur, Menzel, zu Goethes Gegnern zählte und hat sich derselbe sogar fremde Gedanken angeeignet — ohne die Quellen anzugeben — um Goethe als Dichter zu kritisieren. Andere Kritiker haben sich sogar erfrecht, Goethes Gedichte nmzuarbeiten, und sich bemüht, Goethe über fein fehlerhaftes Deutsch zu belehren. Wie wir sehen, erfahren wir durch das Büchlein fehr viel Interessantes. Alles, was wir hier erfahren, spricht zu Börnes Gunsten; denn er war ein ehrlicher und charaktervoller Gegner Goethes. Börne hat weder seine Gedichte noch seine Genialität bekämpft, sondern nur seinen Charakter, was beim Schriftsteller, der sich ganz und gar ins politische Leben gestürzt hat, um für die Freiheit zu kämpfen, nicht wundernimmt. Wie gesagt, Holzmanns Verdienst ist es, Börne auch von diesem Makel, der bisher an ihm gehaftet, daß er Goethe nicht verstanden hat, wenn nicht ganz reinzuwaschen, aber doch so, daß er in einem reineren, feineren Gewände vor uns erscheint. Wir glauben, daß in keiner jüdischen Bibliothek das kleine Büchlein, wie auch die Biographie Börnes von demselben Verfasser fehlen darf. In dem Anhang bringt Holzmann viel Neues; am wichtigsten aber sind zwei ungedruckte Briefe Heinrich Laubes an Börne, woraus wir ersehen, daß nicht Heine sondern Börne auf Laube viel Einfluß gehabt hat. Es würde uns zu viel Raum nehmen, wollten wir dies hier ganz abdrucken. Möge jeder Leser das Büchlein selbst zur Hand nehmen. Er wird noch viel Interessantes, das wir aus Raummangel nicht bringen können, finden. —r. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Predigten.) Freitag-Abends, den 11. d. M. im Leopoldstädter Tempel, im Fünfhauser Tempel und Währinger Gemeindetempel, Samstag, den 12. d. M. im Ottakringer Tempel. Wien. (Währinger israelitischer Friedhof.) Der nächst der Stadtbahn „Nußdorfer Linie" gelegene Währinger israelitische Friedhof wird über Veranlassung der israelitischen Kultusgemeinde einer nmsassenden Restaurierung unterzogen, welche die Erhaltung der Gräber und Grabsteine, sowie die Ausgestaltung des Friedhofes zum Zwecke hat. Hiebei sind bei einzelnen Gräbern die Reparatur oder Instandsetzung von Grabsteinen, die Entfernung von dürr gewordenen und abgestorbenen Thujen, von Eseuranken und Schlingpflanzen, sowie andere derartige Veränderungen erforderlich. Angehörige von Verstorbenen, die aus dem Währinger isr. Friedhofe bestattet sind, werden sonach dringendst ersucht, etwaige Wünsche in Bezug auf die erwähnten Veränderungen dem Sekretariate der israelitischen Kultus gemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, *) Aus dem Lager der Goethegegner, mit einem Anhänge „Ungedrucktes von und an Börne" von Dr. M. Holzmann, Berlin "W 35, Behrs Verlag 1904, S. 224. I unverweilt bekannt zu geben, damit auf solche Wünsche bei den bereits in Angriff genommenen Restaurierungsarbeiten tunlichst bedacht genommen werden könne. Wien. Eine.kaiserliche Auszeichnung, die in den letzten Tagen einem durch sein künstlerisches und gemeinnütziges Wirken ebenso verdienstvollen als allgemein beliebten Glaubensgenossen zuteil wurde, ist in den weitesten Kreisen freudigst begrüßt worden. Se. Majestät der Kaiser hat nämlich dem Herrn Architekten Max Fleischer, Vorstandsmitglied der Wiener Kultnsgemeinde und Präsident des Mariahilfer Tempelvereines, den Titel eines k k Baurates verliehen. Montag, den 7. d. M. wurde Baurat Fleischer auch von Sr. Majestät in Audienz empfangen. Wien. (Verein zur ll n t e r st ü tz u n g israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender.) Mittwoch, den 16. März l. I., präzise 7 Uhr abends, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seiteustettengasse 4, 2. Stock, die 15. ordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Begrüßung der Mitglieder und der Gäste durch den Vereinsvorstand. 2. Vorlage des Jahresberichtes für das Vereinsjahr 1903 und Verlesung desselben durch den Schriftführer. 3. Bericht der Zensoren und Beschlußfassung über denselben. 4. Vortrag des Herrn kais. Rates Johann Lichtenstadt: „Arbeits-Vermittlung in den Vereinigten Staaten von Nord- Amerika." 5. Neuwahl von Vorstandsmitgliedern. 6. Wahl der Zensoren. 7. Eventuelle Anträge vou Mitgliedern. Für den Vereinsvorstand: Der Präsident: W. Stiaßny, k. k. Baurat. Der Schriftführer: Doktor B. T a u s s i g. Wien. iV e re i n zur Hebung der Gewerbe.) Sonntag, den 13. März l. I., präzise 7 Uhr abends, findet im großen Festsaale des niederösterreichischen Gewerbevereines, I. Eschenbachgaffe 11, ein Vortragsabend des Vereines statt: 1. Vortrag unseres Mitgliedes, Herrn Stadtbaumeister Victor Schwadron, über: „Hebung und Verschiebung von Gebäuden" (mit Skioptikon-Lichtbilderu.) 2. Vortrag des Herrn Dr. .srrr. Hugo Schöubrunn: „Der Günstling einer Königin". Damen, und Gäste willkommen! Während der Vorträge bleiben die Saaltüren geschloffen! Der Präsident: S. B r o d. Der Schriftführer: Alfred Kisch Wien. Einen hervorragenden Platz unter den Wiener Wohl tätigkeits-Jnstituten nimmt unstreitig der Verein „Tomech Ewjonim“ ein, der den schönen Zweck verfolgt, die Not dürftiger Glaubensgenossen zu lindern und besonders hungernde Durchreisende unentgeltlich zu speisen und zu laben. Durch menschenfreundliche Gönner unterstützt, hat der Verein auch ini abgelausenen Jahre 3151 würdige Bedürftige mit sabbath- und festtäglichem Freitisch und 231 Bittsteller-mit Geldunterstützungen bedacht, eine Tatsache, die in der am 6. d. M. stattgehabten General-Versammlung mit allgemeiner Befriedigung konstatiert wurde. Die Versammlung wurde mit einer Ansprache des unermüdlich tätigen und überaus verdienstvollen Obnrannes, Herrn Oberkantor Mayer Schorr, eröffnet und hierauf gelaugte durch den Schriftführer Herrn Arnold Rosenfeld der Rechenschaftsbericht zur Verlesung, nach dessen Kenntnisnahme dem gesammten Vorstände einstimmig vertrauungsvolle Anerkennung ausgesprochen wurde. Der Obmann-Stellvertreter, Herr Siegmund Figdor, hielt dem verstorbenen Ehrenmitgliede, Herrn Marcus Bondi, einen Nachruf, der von der Versammlung stehend angehört wurde. Bei der Wahl des Vorstandes und der Revisoren wurden die bisherigen Funktionäre nahezu einstimmig wiedergewählt, und so steht zu erwarten, daß der Verein, der der wärmsten Förderung seitens unserer vermögenden Glaubensgenossen würdig ist, in gleich ersprießlicher Weise wie bisher seine Tätigkeit fortsetzen wird. Wien. Der bisherige zweite Vorstand der Eskompte-Abteilung des Wiener Bankvereines, Herr Eugen Singer, Sohn des Herrn Oberkantor Josef Singer, wurde zum Direktor-Stellvertreter und Prokuristen der Lemberger Filiale des genannten Institutes ernannt. Wien. Am 7. März ist Herr kaiserl. Rat Alois Pollak, Chef der Firma D. R. Pollak & Söhne, Ehrenpräsident des Vereines reisender Kaufleute, nach langem Leiden im 60. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene erfreute sich infolge seiner hervorragenden kommerziellen Tätigkeit und seiner vielfach bekundeten gemeinnützigen Wirksamkeit allgemeiner Sympathien, die bei dem am 9. d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse durch imposante Teilnahme der weitesten' Kreise zum Ausdrucke kamen. Die Trauerfunktionen versahen die Funktionäre des Mariahilfer Tempelvereines, dem kaiserl. Rat Pollak viele Jahre angehörte. Nach Vortrag der Trauergesänge durch Oberkautor Dünmann, assistiert von Kantor Czuczka und dem Chore, schilderte Rabbiner Dr. Taglicht in einem Nachruf die mannigfachen Verdienste des Verblichenen, der die schönsten Charaktereigenschaften in sich vereinte. Namens des „Vereines reisender Kaufleute" sprach der Präsident kaiserl. Rat Wolfbauer, und als Dolmetsch der Angestellten des Hauses sandte Herr Bureauchef Schreiber dem dahingeschiedenen Prinzipal tiefempfundene Abschiedsworte in das Grab. Wien. (Mädchenu. Fr au env er e in „Bikur Chaulim".) Sonntag, den 6. d. hielt Herr Dr. Isidor Fischer, im Schulsaale der israelitischen Kultusgemeinde, vor zahlreich erschienenen Gästen und Mitgliedern einen mit großem Beifalle aufgenommenen, höchst interessanten Vortrag über „Frauenkleidnng". Wien. Dienstag, den 1. März, am Puriniabend. veranstaltete der „Brigittenauer israelitische Unterstützungsverein im Ballsaale des „Hotel Bayrischer Hof" eine Redoute, die bei starkem Besuche einen höchst animierten Verlauf nahm. Die Mehrzahl der Teilnehmer erschien in originellen Kostümen, und der Saal bot ein schönes, farbenreiches Bild. Für die originellsten Masken waren Preise ausgesetzt. Vor Verteilung derselben wurde dem Herrn Spediteur David Pollatschek, einem um die Förderung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.