Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1904-03-04 · Heft 10 (4.3.1904) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3062972-3063212-3063222--02942-3069659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Ocherr.-imgar. Cantoren-Leitung 10. Leitage Mr Zeitschrift ^Vie Wahrheit^. 24. Iahra- Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herrn Cantoren dringendst ersucht, das Abonnement umgehend zu erneuern und auch an den Begleich der Rückstände zu denken. Die Administration. Zur Suster-Feirr. Bei der am 24. Februar im Vereinslokale des österr.- ungar. Kantoren-Bereines stattgehabten Zusammenkunft der Wiener Kantoren und Vereinsmitglieder, in welcher über die Teilnahme derselben an der Sulzer-Zentennarfeier beraten wurde, waren nachfolgende Kollegen anwesend: Serebrenik, I. Schlesinger, R. Rotier, Schorr, Treuhast, Fuchs, Rothwein, Heimann, Schwarz, Guttmann, Bauer, Löwit, Baßl, Regner, Weißmann, Pekarnik, Dünmann, Czuczka, Schiller, Romann, Oesterreicher, Smorrizky, Blatt, Kulka, Edelmann, Quartin. Das vom Festkomitee vorgelegte Programm für die am 21. März stattstndende Festsitzung fand allgemeine Zustimmung und wurde auch gleichzeitig die Einteilung der Stimmen für die nach Enthüllung des Sulzerbildes aufzuführende Gesangspiece vorgenommen. Jene Kantoren, die an der Zentennarfeier in Wien teilzunehmen gedenken, werden dringendst ersucht, sich bei dem Vereinspräsidium oder dem Festkomitee baldigst anzumelden, damit die Zahl, der Teilnehmer rechtzeitig festgestellt werden kann. In einer Dienstag, den 1. März stattgehabten Sitzung des ..Jüdischen Museums" wurde die Abhaltung eines musikalischen Festabendes, anläßlich der Sulzer-Zentennarfeier, endgiltig für den 23. März beschlossen. Wie uns aus Halle an der Saale gemeldet wird, wurde daselbst am 23. Februar durch den dortigen Synagogen-Chor eine Sulzerfeier veranstaltet, die einen überaus würdigen und glänzenden Verlauf nahm. Nach Aufführung einiger Chöre hielt Herr Kantor Wolf die Festrede. Intzeu-erinnermrge«. Von Kantor Armin Wilkowitsch. Jüngst suchte ich unter meinen alten, längst ad acta gelegten Notenblättern herum. Wie pochte da plötzlich mein Herz, und als begegnete ich meinen besten Jugendfreunden, die mir Grüße von meiner Heimat brachten, und längst vergangene und verschollene Geschichtchen auffrischten, so sprachen mich diese vergilbten, nach Moder riechenden Notenblätter an. Es waren hunderte von ein- und mehrstimmigen Konrpositionen, gie ich mir von verschiedenen Chasanim auf meinen Meschorer- Wanderungen mit vieler Mühe erworben hatte. Darunter auch rusfiscke und jüdisch-deutsche Liedlein, selbst Sabbathsemiroth, wie Zur mischelo ochalnu, oder Job, ribbon olam, die ich in meinem Elternhause, im Vereine mit meinen Geschwistern, allsabbathlich sang. Später, als ich Einblick in die Harmonielehre gewann, gab ich den Semiroth regelrechte Rhythmen und bearbeitete sie für zwei Soprane und Klavierbegleitung. Unter diesen losen Blättern fand ich u. a. für Sabbath- Schekolim einen Eschkol, welcher als Introduktion eine längere, polonaiseartige Melodie vorgespannt halte und in einer „phrygischen"*) Tonart sich bewegte. Herr Oberkantor Singer- *) d, es, fis, g, a, b, cis, d. Warum die Chasanim diese Skala „phrygisch" nennen, weiß ich freilich nicht, vielleicht aber findet sich ein Kollege, der uns Aufschluß zu geben vermag. Wien nennt, wenn ich nicht irre, diese Skala „jüdische Tonleiter." Den russischen Chasanim ist aber meines Wissens keine jüdische Tonleiter bekannt und, wie gerne ich auch uns Juden eine Eigenart in der Musik einräumen möchte, muß ich trotzdem gestehen, daß ich dieser Skala schon bei mehreren kleinrussischen Volksliedern begegnete; auch das rumänische Volkslied dürfte wohl diese Tonart sich zu eigen gemacht haben.**) Daß Anton Rubinstein die Melodie für die Worte: „und der Sklave sprach", in seinem „Afra" einem jüdischen Chasan abgelauscht hat, möchte ich stark bezweifeln. Das eine ist jedoch gewiß, daß den Deutschen diese Intervalle fremd sind, aber deswegen sind sie noch nicht speziell „jüdisch". Bei diesem Eschkol verweilte ich lange, lange. . . . Habe ich doch denselben ..mitkomponieren" geholfen. Der Kantor in Rußland betet nicht jeden Sabbath vor, höchstens, daß er am Sabbath-meworachim Jehi rozön und Jechadschehu absingt, das weitere betet ein Balbos oder der Schammes, und hat der Chasan Chamckalichtlein mit den Meschorerim und Klesmorim entzündet, dann hält er seinen Winterschlaf, bis Sabbath-Sckekolim, der erste von den ausgezeichneten Sabbathen, ins Land zieht. Hui, wie tobt draußen der Sturm! Neue Schneeflocken häufen sich auf die längst zu Eis erstarrten und der grausame Winter herrscht noch mit unbeschränkter Macht. Was giltihm die Armut-? Was die Not? Despot ist Despot! — Aber im Herzen regt sich die Hoffnung: es kommen die ausgezeichneten Sabbathe, die den Eisbären bald aus dem Lande verjagen, und ein Frühlingsahnen überkommt die geplagte Menschheit. Es war Sabbath vor Schekolim. Wir, Meschörerim, saßen beim Chasan und halfen ihm zum Scholasch-sudos die länglichen, schmalen Stückes (Fischlein) vertilgen. Da sprach Schimschon, der Tenor: „Nu, Chasanleben, was wird sein mit eppes a neuen Eschkol? Wieder und aber die alten Trallalaikes?!" Der Chasan ließ sich Majim-acharonim zum „Benschen" geben und machte dann eine Handbewegung, die soviel heißen sollte, wie: „Bleibt alle hier!" Nach dem Tischgebet sprach er: „Paßt auf!" und fing leise eine Melodie zu singen an. Diese Melodie sangen wir, Soprane, einigemal nach, der Chasan sang indessen mit den Altisten die zweite Stimme, während die Tenöre und Bassisten sich nach eigenem Gutdünken ihre Stimmen bildeten. Und so entstand in zirka einer Stunde ein Eschkol fix und fertig, mit dem wir dann „die Welt eingenommen haben." 'Tempi passati! **) Ich hatte einst Gelegenheit, in Wien ein Familie kennen zu lernen, die mehrere Jahre in Bukarest gelebt hatte. Eine Tochter des Hauses, die sich dem Gesangsstudium widmen wollte, trug mir ein rumänisches Lied mit Klavierbegleitung vor, m welchem ich wieder derselben Tonleiter begegnete. Duoli^ationen lieg öflerr -ung. äuntoreii-iereines. Eingezahlte Mitgliedsbeiträge: Singer, Jungbunzlau, K 2, Bauer, Wieu, K 4, Rosenfeld Pisek, K 2, Lagodzinsky, Zwittau, L 2, Reiser, Neuern, K 8, Kulka, Wien, K 6, Holzer, Mißlitz, K 6, Guttmann, Wien, K 5, Heimann. Wien, K 4, Löwit, Wien, K 2, Goldenberg, Marienbad, K 5, Popper, Eger, K 4, Romann, Wien, K 8, Rotter, Wien, Iv 5, Serebrenik, Wien, K 6, Bassel, Wien, K 2, Oesterreicher, Wien, K 4. Guartin, Wien, K 6, Edelmann, Wien, lv 4, Czuczka, Wien, K 6. Auskünfte in Vereinsangelegenheiten erteilt das Vereinspräsidium, Wien I. Seitenstettengasse 4, an welches sich die geehrten Mitglieder mit allen diesbezüglichen Anfragen richten wollen. Der Vorstand.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.