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Die Wahrheit · 1904-03-04 · Heft 10 (4.3.1904) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Die Wahrheit;eite < Maßregeln gegen die Inden bewegen zu können glaubte. Jedoch Hochmut kommt vor dem Falle. So wie bei Haman verursachte ein edles Weib seinen Sturz. Leonorä de (Kuzman, eine schöne, geistreiche Dame am Hofe, welche der König mehr als seine Frau liebte, haßte den Günstling Gonzalo und klagte ihn an, daß er Uebles von seinem Kriegsherrn spreche. Der König wollte sich Gewißheit darüber -verschaffen und befahl Gonzalo, sich in Madrid vor ihm zu stellen. Gonzalo gehorchte nicht und wiegelte die Ritter des Alcantaraordens sowie die Bürger der ihm anvertrauten Städte gegen den König auf, er trat auch in Verhandlung mit dem König von Portugal, ja sogar mir dem Könige von Granada, dem Feinde der Christen, um ihm beizustehen. Der König Alfonso mußte .seine ganze Ritterschaft aufbieten, um den Rebellen in Valencia, an der Grenze von Portugal, zu belagern. Gonzalo war so töricht, Pfeile und Geschosse gegen den König schlendern zu lassen, wodurch ein Mann in der Nähe des Königs getötet wurde. Jedoch einige Ritter des Alcantaraordens verließen ihren Ordensmeister und überlieferten die Türme dem Könige. Gonzalo mußte sich ergeben und wurde als Verräter zum Tode verurteilt und verbrannt. So endete 1339 der Bösewicht, der den Juden Vernichtung geschworen hatte. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Predig t.) Freitag-Abends, den 4. d. M. im Ottakringer Tempel. Wien. (Vorträge aus jüdischer Geschichte.) Montag, den 7. März 1904, präzise 7 Uhr abends, im Festsaale des niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, Herr Dr. Max Grnnwald: Geschichte der Inden in Deutschland und Oesterreich. (Fortsetzung.) Mit Vorführung von Lichtbildern. Der Eintritt ist srei. Wien. Sonntag, den 28. Februar 1904 sand die diesjährige Generalversammlung des Brigittenauer Tempelvereines und die gleichzeitige Wahl von Vorstandsmitgliedern für die interne Sektion statt. Der Vereinspräsident, Herr Hermann Eltbogen, eröffnete die Versammlung, indem er die erschienenen Mitglieder begrüßte und gab hieraus folgende Erklärung ab: Nachdem gegen die in der Generalversammlung vom 28. Dezember v. I. erfolgte Wahl sowohl bei der k. k. Polizeidirekrion als auch bei der k. k. Statthalterei Protest erhoben und diesem Proteste auch seitens der Behörden Folge gegeben wurde, so schreiten wir heute zur neuerlichen Wahl. Zu Skrutatoren wurden berufen die Herren: Dub, Beruh. Langer, Adolf Feuer, Engel und Bernh. Pollak, welche sich sofort konstistlierten und Herrn Adolf Feuer zum Vorsitzenden wählten. Von 360 stimmberechtigten Mitgliedern erschienen blos 19i an der Urne. Gewählt ivurden mit dreijähriger Funktionsdauer die Herren: David Polatschek mit 163, Jacob Goldner mit 150, David Spitz mit 116 und Heinrich Weiner mit 113 Stimmen. ' Für die einjährige Funktionsdauer erscheint Herr Moritz Traube und in den Ersatzausschuß die Herren Josef Back, Bernhard Beck, Gabriel Engl, Sekretär Joses Kohn und Jg. Körner gewählt. Hoffentlich wird diese Wahl keine weitere Anfechtung erfahren. X. Cli. Wien. Montag, den 22. v. M. ist der in weiten Kreisen rühmlichst bekannte Philantrop, Herr Berthold Kohn, in Nervi, wo er Erholung erhofft hatte, verschieden. Die sterblichen Ueberreste des Entschlafenen wurden hieher gebracht und letzten Sonntag fand unter überaus großer Beteiligung das Leichenbegängnis statt. Unter den zur Ehre des Heimgegangenen Erschienenen bemerkte man Deputationen mehrerer Vereine, denen der Verblichene als Gönner und Förderer sich erwiesen, so den Vorstand des Bethansvereines „Montefiore", des Vereines „Nächstenliebe" rc. Nachdem Herr Oberkantor Singer die rituellen Gebete vorgetragen, schilderten Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann und Bereinsrabbiner Dr. Rosenfeld in warmen Worten den edlen Charakter und den vornehmen Sinn des stets hilfsbereiten, allzufrüh verklärten Menschenfreundes. Mit Berthold Kohn ist ein Repräsentant jenes echten jüdischen Wohltätigkeitssinnes dahingegangen, dessen Vertreter immer seltener werden, die es nicht lieben, bei jedem ihrer Liebeswerke die Sturmglocken der Oeffentlichkeit zu läuten, sondern deren innere Vorzüge und Tugenden durch edle Bescheidenheit überstrahlt sind. Ehre seinem Andenken! vr. R. Wien. Der Vorstand des Bethausvereines „Montefiore" veranstaltet Samstag, den 5. März 1904, 9 Uhr vormittags, im Bethanse, II., Taborstraße 38, einen Festgottesdienst zur Feier der Einweihung eines neuen Sefer-Thora. Wien. (Mä d ch e n - u. F r an e nv e r e in „Bikur Chaulim".) Sonntag, den 6. d. M.. nachmittags 1/A Uhr, findet im Schulzimmer der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, ein Vortrag des Herrn Dr. Isidor Fischer über „Frauenkleidung" (nur für Frauen und Mädchen) statt. Gäste, Damen, sind herzlichst willkommen. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen '„Moria" wird Sonntag, den 6. März anläßlich der Purim- und Schekeltage eine intime Feier veranstalten. Herr Dr. I. W. Marmorek hat den rednerischen Teil übernonimen, an der sich Deklamationen und musikalische Darbietungen anknüpfen werden. Beginn präzise 4 Uhr nachmittags im Kongreß-Saale, IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. Eine bemerkenswerte Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof in einer Chaliza-Angelegenheit getroffen. Bekanntlich darf eine kinderlose Witwe ohne „Chaliza" nicht heiraten. Es ereignete sich nun der Fall, daß der überlebende Bruder von seiner Schwägerin für die Abgabe dieser Erklärung 8000 X verlangte und auch tatsächlich bezahlt erhielt, worauf die Witwe sich neuerlich vermählen konnte. Nachträglich begehrte sie aber diesen Betrag im Klagewege zurück, wurde aber von den beiden unteren Instanzen mit der Begründung abgewiesen, daß die Abgabe der in Rede stehenden Erklärung keine unerlaubte oder im Gesetze verbotene Handlung, die Annahme einer Entlohnung hiefur laut Aussage der vernommenen Sachverständigen üblich, durch die Satzungen der Religion nicht verpönt sei und daß gemäß § 1432 a. b. G. B. die geleistete Zahlung einer bewußten Nichtschuld nicht zurückgefordert werden könne. Der Oberste Gerichtshof änderte jedoch die Entscheidung ab und erkannte im Sinne des Klagebegehrens. In den Gründen des oberftgerichtlichen Urteiles wird darauf hingewiesen, daß der Beklagte, wenn er sich vor Abhaltung der „Chaliza" einen Bermögensvorteil in der exobitanten Höhe von 8000 X versprechen ließ, unzweifelhaft die ihm bekannte Zwangslage der Klägerin zu Nutzen machte. Es erscheint sonach, da nach § 878 a b. G.-B ein Vertragsrecht nicht begründet ist, und da der Klägerin, welche unter psychologischem Zwange sich zu dem mehrerwähnten Versprechen herbeiließ, auch die Willensfreiheit mangelte (i?§ 869 und 870 a. b. G.-B.), jenes Uebereinkommen zur Gänze ungiltig. Ist dies aber der Fall, so hat, nachdem nicht das Versprechen, beziehungsweise die Leistung seitens der Klägerin, sondern die Annahme des Versprechens und der Leistung seitens des Beklagten unsittlich war, mithin eine grundlose Bereicherung des Beklagten stattfand, die Rückerstattung dessen, um was der Empfänger aus dem Vermögen der Klägerin bereichert ist, im Sinne des ß 869 a. b. G.-B. und in analoger Anwendung der Bestimmungen der §§ 1431 und 1431 a. b G.-B. zu erfolgen. Leipa. Im Tempel zu Leipa fand am 13. v. M. über Veranlassung des Geselligkeitsvereines eine interessante musikalische Aufführung (Orgel, Gesang und Violine) statt. In derselben wirkten die Opern- und Konzertsängerin Frau Leopoldine Linke, der Komponist und frühere Musiklehrer au der k. k. Blindenanstalt in Wien, Herr Josef Linke, und ans Leipaer Musikkreisen Frl. Jenny Bermann, eine Tochter des hiesigen Cantors (Violine) mit. Das durchwegs fesselnde Programm brachte u. a. „Die Allmacht" von F. Schubert, ein Violinsolo mit Orgelbegleitung aus den „Hebräischen Gesängen" von R. Schuman, Andante für Orgel von I. Linke, Gebet der Elisabeth aus R. Wagners „Tannhäuser" und Toccata für Orgel von I. Linke. Herr Linke erwies sich als ein Meister im Orgelspiele. Frau Linke verfügt über einen Sopran von einschmeichelnden Wohllaut, ihr Vortrag zeugt vom reifem Verständnis. Mit verhältnismäßig sehr hübschem Erfolge schloß sich auch Frl. Bermann den beiden Vorgenannten an^ Lemberg. (G e m e i n d e b u d g e t.) Der uns vorliegende Budgetvoranschlag der Kultusgemeinde pro 1904 erhält manch interessante Einzelheiten, aus denen man ersieht, wie vielseitig unsere Tätigkeit sein muß, um nur zum Teile den täglich überhandnehmenden jüdischen Bedürfnissen speziell auf dem Gebiete des Armenwesens gerecht zu werden. Der Gemeindefond als solcher, aus dessen Einkünften vor allem die Ausgaben für Seelsorge, rituelle Schlachtung, Restaurierung von Synagogen, rituelle Bespeisung (Soldaten, Subvention an die Volksküche, Svitäler rc.) wie auch die Kosten der Gemeindeverwaltung bestritten, der aber auch zur Subventionierung anderer Gemeindeinstitutionen (Waisenhaus, Spital, Siechenhaus und viele hiesige und auswärtige Vereine) herangezogen wird, präliminiert seine Erfordernisse mit 206.161 Kronen. Die Dotierung der Kultusbedürfnisse der fortschrittlichen Partei mir sage 4400 Kronen scheint uns allerdings allzu minimal bemessen, wie auch die Rubrik 2650 Kronen für Synagogen bei weitem hinter den tatsächlichen Bedürfnissen der hauvtstüdtischen Gemeinde zurückbleibt. Für Jugendgottesdienst, jüdisch-religiöse Erziehung der Mädchen ist noch immer nicht gesorgt. Aus der Rubrik „Subventionen" seien hier n. A. diejenige für den jüdisch-galizischen Hilfsverein in Wien im Betrage von 500 Kronen als zum ersienmale votiert bervorgehoben. Als wichtigste Einnahmsrubriken figurieren die Kultussteuer (53.500 Kronen) und die Taxen für rituelle Schlachtung (120.500 Kronen!. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes und die hiemir verbundene Heranziehung weiterer Kreise zur Entrichtung der Kultussteuer erscheint hiemit im finanziellen und moralischen Interesse der Gemeinde dringend erwünscht. Die Ausgaben des Schulfoudes sind mit 82.190 Kronen angesetzt und werden hievon in erster Linie die beiden Gemeinde-Bolsschulen und mehrere Fcoebelschulen erhalten, der Inspektor für den jüdischen Religionsunterricht dotiert, wie auch die Kosten des hebräischen Unterrichtes an mehreren städtischen Schulen bestritten. Die Erhaltung des jüdischen Religionslehrerseminars erfordert 7600 Kronen, wozu Stadt und Land je 2000 Kronen, verschiedene galizische Kulmsgemeinden etwa 1200 Kronen beitragen. Die Stadt Lemberg subventioniert die Fcoebelschulen mit 3000 Kronen. Der Waisenfond präliminiert seine Ausgaben mit 35.543 Kronen. In dem aus den Stiftungen der Familie Rosenstein und des Ehepaares Dr. Simon Schaff errichteten Waisenhause werden 48 Knaben und 24 Mädchen erhalten. Auch diese Anstalt subventioniert die Stadtgemeinde mit 6200 Kronen. Aus dem Bespeisungssonde endlich werden mit einem E? . «rrrry-'-i -«WSMMS»

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