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Die Wahrheit · 1904-02-26 · Heft 9 (26.2.1904) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 9. Wien. (L Wiener jüdischer Turnverein.) Am 20. d. fand im Hotel de France der dritte Unterhaltungsabend statt. Die durchwegs gediegenen Vorträge fanden den ungeteilten Beifall des zahlreich erschienenen Publikums. Herr Dr. Werner hielt eine kurze Ansprache und betonte in derselben die dringende Notwendigkeit eines jüdischen Turnvereines. Es folgten nun die Vorträge des Fräulein Alice Kohn, des Herrn Bogyganski, der kleinen Herta Wachsler vom Josefstädter Theater und das Duett des Fräulein Selma Liebermann und des Herrn Hermann Bettelheim. Alle Nummern gefielen außerordentlich. Den Schluß bildete ein animiertes Kränzchen. — Für das heurige Schauturnen, welches am 26. März im Ballsaale Ronacher stattfindet, sind die Vorbereitungen im vollsten Zuge und verspricht der Verlauf ein glänzender zu werden. Das Programm gelangt demnächst zur Veröffentlichung. Wien. Die bekannte Tanzschule Heimann und Singer veranstaltet am 1. März in den „Blumensälen" ein Kostümfest unter dem Titel „Strandfest an der Riviera", das höchst amüsant zu werden verspricht. Karten ä X 2.— sind im Tanzinstitnte, kl., Praterstraße 43, erhältlich. Stockerau. Der hiesige Tempelverein veranstaltet am 28. Februar im Pcachtsaale des Hotels „Bayrischer Hof", H., Taborstraße, einen Unterhaltungs-Abend verbunden mit Tanzkränzchen. Prag. (Rabbiner-Verband in Böhmen.) Am 15. und 16. d. M. fand im Hotel Bristol die ordentliche Generalversammlung des Rabbiner-Verbandes in Böhmen statt. Den Vorsitz führte der Obmann des Verbandes Rabbiner Dr. Kurrein (Teplitz). Gegenstand der Beratung bildeten Fragen auf dem Gebiete der Liturgik und Pädagogik. Es muß hervorgehoben werden, daß sich der Rabbiner-Verband gegen jegliche Veranstaltung von Musikaufführungen in Synagogen aussprach. Das Bestreben des Verbandes zielt dahin, die Einheit in der Synagogen- Ordnung und Jugendbildung anzustreben. Diesen Bestrebungen stellt sich naturgemäß das Nebeneinanderbestehen von 200 autonomen Kultusgemeinden ohne Existenz einer Zentralstelle hindernd entgegen. Die Selbstbestimmung der Religionsgesellschasten auf religiösem Gebiete ist ein heiliges, ein unantastbares Recht und Gut derselben, wenn aber dieses Recht so gehandhabt wird, wie dies tatsächlich in Böhmen geschah, nämlich, daß die einheitliche jüdische Religionsgesellschaft in 200 autonomen Vereinigungen zertrümmert wurde, in welchen nur Laien über religiöse Angelegenheiten, wenn auch unter vorhergehender Anhörung des Rabbiners, endgiltig zu entscheiden und zu beschließen haben, dann wird man in absehbarer Zeit kaum mehr von einer jüdischen Religionsgesellschaft, sondern nur noch von Religionsgesellschaften, die sich den jüdischen Glauben je nach Bedarf zugestutzt haben, sprechen können. Diese Autonomie birgt den Keim der Anarchie aus religiösem Gebiete in sich, denn es ist für die religiösr Idee mehr als bedenklich, wenn nur Laien die ausschließlichste und oberste Entscheidung in religiösen Angelegenheiten zustehen solle, wie dies heutzutage tatsächlich der Fall ist. Das Hindernis der vorhandenen Zerstücklung der jüdischen Religionsgesellschaft in Böhmen durch Aufteilung derselben in 200 autonomen Religionsgesellschasten, die untereinander in keinem organischen Zusammenhänge stehen, sucht ein Antrag des Dr. Reach- Raudnitz dadurch zu überwinden, daß er vorschlägt, es möge mindestens eine einheitliche Landesorganisation aller Religionsdiener geschaffen werden, d. i. aller derjenigen, denen ein Seelsorge- oder Lehramt in der Synagoge zugewiesen ist und diese Organisation möge sich weiter in Kreis- und Bezirksverbände (Konferenzen) gliedern. Die Rabbiner und Lehrer der Bezirke treten viermal im Jahre in Kreisversammlungen, die freigewählten Kreisoberhäupter einmal im Jahre unter dem Vorsitze eines freigewählten Landesoberhauptes zur Beratung zusammen. Nur durch eine derartige, gewiffermaßen fteiwillig übernommene Subordination kann dem drohenden Zerfalle durch die berufenen Träger und Hüter der religiösen Idee — die Rabbiner — entgegengearbeitet und begegnet werden. Der Rabbinerverband beschloß einstimmig, diesen Antrag einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und wies denselben einer Kommiffion zu. An Stelle des ausscheidenden Dr. Neumark wurde Dr. Hoffmann-Reichenberg in den Ausschuß gewählt. D. Adouy. Der hiesige allgemein verehrte Cantor, Herr Isidor Grünberg, hat einen äußerst herben Verlust erlitten, indem ihm seine einzige, kaum 19-jährige Tochter, Gattin des Cantor S. Friedmann in Dess, nach blos 10 monatlicher glücklicher Ehe gestorben ist. Ans diesem Anlaffe gab sich hier für Herrn Cantor Grünberg allgemeine Teiluahme kund. Kommerzielle Machrichten. Allgemeine Depositen-Bank Der Verwaltungsrat beehrt sich hiemit, die stimmberechtigten Herren Aktionäre der Allgemeinen Depositen- Bank zur zweiunddreißigst-n ordentlichen Generalversammlung, welche Samstag den 5. März 1904, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaale des Anstaltsgebäudes (I. Bezirk, Schottengasse 1) stattfinden wird, einzuladen. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1903. 2. Bericht der Revisoren. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahl von zwei Mitgliedern des Verwaltungsrates. 5. Wahl des Revisions-Ausschusses, bestehend aus drei Mitgliedern und einem Ersatzmanne. Die Herren Aktionäre, welche ihr Stimmrecht ausüben wollen, werden eingeladen, nach § 18 der Gesellschastsstatuten ihre Aktien wenigstens 8 Tage früher, d. i. bis spätestens inkl. 25. Februar 1904, bei der Allgemeinen Depositen-Bank in Wien (1., Schottengaffe 1) zu hinterlegen. Der Rechnungsabschluß pro 1903 wird den zur Generalversammlung legitimierten Herren rechtzeitig zugesendet werden. Wien, den 17. Februar 1904. Der Verwaltungsrat. Allgemeine österreichische Boden-Kredit-Anstalt. Die neununddreißigste ordentliche General-Versammlung der k. k. privilegierten allgemein enö st erreicht s che nBod en-Kr ed it-An statt findet am 6. April 1904 in Wien, I., Teinfaltstraße Nr. 8, vormittags 10 Uhr statt. Verhandlungsgegenstände: u) Bericht des Gouverneurs, b) Bericht der Zensoren, o) Beschlußfassung über die Gesellschaftsrechnungen und die Verwendung des Gewinnes (Art. 59, 66 und 67). d) Wahl von Verwaltungsräten, e) Wahl eines Zensors. In dieser General-Versammlung sind jene Herren Aktionäre stimmberechtigt, welche mindestens einen Monat vor dem Zusammentreten derselben, daher bis längstens 5. März l. I.. fünzig Aktien (Interims-Scheine) nebst Koupons im Sinne des Art. 24 der Statuten bei der Kasse der Gesellschaft in Wien (Teinfaltstraße Nr. 8) oder in Paris (Place Vendöme Nr. 16) deponieren. Erklärung. In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes hat Herr B. Hofbauer eine, die orthodoxe Bevölkerung in Wien betreffende Erklärung veröffentlicht, gegen welche die Gefertigten hiennt Verwahrung einlegen. Zur Kennzeichnung der diesfälligen Verhältnisse sei zunächst bemerkt, daß die orthodoxe jüdische Bevölkerung am hiesigen Platze sich nach vielen Tausenden beziffert. Dieselbe verteilt sich ans eine größere Anzahl orthodoxer Bethaus-Vereine, was nicht ausschließt, daß unter deren Mitglieder sich auch solche befinden, die in ihrem Privatleben sich nicht durchaus streng an den Vorschriften unseres heiligen Religionsgesetzes halten. Solche Elemente gab es 4m Judentume zu allen Zeiten, und in der Schiffschul, einem Verein von etwa 120 Mitgliedern, für welchen Herr Hofbauer in die Schranken tritt, liegen die Dinge nicht anders. Mit demselben Recht, wie die Schiffschul den Standpunkt des orthodoxen Judentums für sich in Anspruch nimmt, erklären die Unterzeichneten Vertreter orthodoxer Bethaus-Vereine und Korporationen, daß es einen im Judentume ganz unerhörten Vorgang bildet, wenn man in der Mitte einer nach vielen Tausenden zählenden orthodoxen jüdischen Bevölkerung, ohne von irgend einer Seite hiezu ermächtigt zu sein, sich erlaubt, den derzeitigen Vereins- Rabbiner der Schiffsschul als in rituellen Dingen allein maßgebend hinzustellen, und sich gar zu der Ungeheuerlichkeit versteigt, dieses Recht im vorhinein für alle dessen Nachfolger mit Beschlag zu belegen, ohne daß auch nur die dabei in Betracht kommenden Persönlichkeiten irgend jemandem bekannt wären. Die Unterzeichneten Vertreter der Mehrzahl der Orthodoxen von Wien erklären hiemit im Namen ihrer Gesinnungsgenossen, daß für sie in allen religionsgesetzlichen Angelegenheiten nur die Autorität des Herrn Rabbiners Mayersohn maßgebend in Betracht kommt. Bethaus-Verein „Beth Israel", Bethaus-Verein „Chassidim", Bethaus- Verein „Ohel Jakob", Bethaus-Verein „Liwias Chen", Verein „Kowea Jtim l'thora", Verein „Machsike Hadath", II., Nestroygasse 4, Bethaus- Verein „Gmilas Chessed", Bethaus „Chassidim", II., Kl. Schiffgasse 10. Bekanntmachung. Es wird hiemit bekannt gegeben, daß ausschließlich die Mazzoth- Bäckerei des Adolf Schmiedl (Friedmann's Eidam) XX., Marchfeldgasse 21 unter der Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde steht. Wien, im Februar 1904. E. Friedmann's Eidam. Verzeichnis der Merstoröenen vom 14. bis 20. Februar 1904. Ernestine Hitschmanu, Private, 68 I.; Heinrich Feldsberg, Privat, 77 I.; Elsa Holzer, Hausiererstochter, 7 Monate; Joses Schneider, Privatbeamtenssohn, 4 I.; Gisela Goldberger, Private, 35 I.; Charlotte Birkner geb. Meisels, Kaufmannsgattin, 54 I.; Salamon Berg, ohne Beruf, 80 I.; Alois Kraus, Agent, 56 I.; Josef Schuck, städt. Rechnungs- Revident, 55 I.; Hene Tyman recte Rein, Bedienerin, 53 I.; Richard Loschitz, Privat, 32 I.; David Guttmann, Kaufmann, zuletzt Insasse der Versorgungs-Anstalt, 74 I.; Babette Adler geb. Großlicht, Agentenswitwe, 73 I.; Lili Teich geb. Königstein, k. u. k. Regimcnts-Arztensgattin, 27 I.; Karl Lemberger, gew. Kaufmann, Privatier, 75 I.; Bruno Goldenthal, Kaufmannssohn, 10 I.; Hersch Hermann Dunkelblau, Bedienerinssohn, 11li I.; Josef Kraus, Fabrikant, 53 I.; Zäzilie Sternbach geb. Podolier, Prokuristensgattin, 58 I.; Julius Schröfl, Artist, 27 I.; Hermann Singer, Tempeldiener, 76 I.; Sarah Kallmus geb. Schulhof, Kaufmannswitwe, 80 I.; Isaak Rosenbaum, Hausierer, 55 I.; Maria Kleiner geb. Kleiner, 70 I.; Fanni Faast, ohne Beschäftigung, 44 I.; Marie Heller, Schneiderin, 26 I.; Anna Mellinger, Private, 20 I.; Alfred Perschak, 61/, W.; Babette Neumann geb. Adler, Agentensgattin, 63 I.; Samuel Heinrich Drucker, Schneider, 34 I.; Leopold Bohunsky, Lokoinvalid, Infanterist, 611.; Melanie Blaß, Kaufmanustochter, 6 Monate, Sigmund Trebitsch, Fabrikant, 75 I.; Katharina Altmann, Buchhalterstochter, l*°/i2 I.: Rudolf Perger, Fabrikant, 53 I.; Abraham Indem, Privat, 57 I.; Elsa Steckel, Tuchverschleißerstochter, 6 Wochen; Ernst Seligmann, Beamter der Länderbank, 26 I.; Markus Pohne, Kellner, 53 I.; Rosa Kahn, Näherin, 49 I.

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