Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Die Wahrheit Leite 9. des Religionsunterrichtes Subventionen bewilligt. Herr Dr. Kaminka berichtete über die Lage der Juden in Rußland, Rumänien, Serbien und Palästina und teilte u. A. mit, daß die Anträge der zur Revision der Rechte der Juden in Rußland von der dortigen Regierung vor einiger Zeit eingesetzten Kommission*) eher eine Verschlimmerung als eine Verbesserung der Situation anstreben. Der „Ansiedlungsrayon" soll mit seinen engen Grenzen beibehaltcn werden und der Aufenthalt im ganzen Reiche verboten bleiben. Die polnischen Gouvernements sollen hinsichtlich des Verbotes, Land zu erwerben, dem Innern des Reiches gleichgestellt werden. Als günstig sei nur zu betrachten, daß die Aufhebung des Verbotes für die Juden innerhalb 50 Werst von der Grenze zu wohnen, vorgeschlagen wird. — Es werden hieraus für Rumänien der Schule „Or Thora“ in Bvtoschani eine Subvention von 500 Francs, dem jüdischen Privat-Untergymnasium in Bukarest 500 Francs, für das laufende Jahr und der .Gemeinde Stefaneschti 400 Francs als einmaliger Beitrag zum Bau der dortigen jüdischen Schule, ferner 600 Francs als Beitrag zur Linderung der Not zahlreicher Familien bewilligt. Subventionen erhielten ferner für das laufende Jahr die akadcniischen Vereine „Lar Kochba" <galizisch-jüdische Studierende), „Erez-Israel" (rumänisch-jüdische Studierende) „Leo Pinsker", (russisch-jüdische Studierende) in Wien und „Charitas" in Graz. — Herr Dr. Kaminka berichtete ferner über eine in Budapest stattgefundene Konferenz zur Regelung der Rückwanderung, bei der er die Allianz vertreten hat, und über verschiedene literarische Publikationen, denen Beiträge zu beu Druckkosteu bewilligt wurden. Endlich wurden über seinen Antrag die Herren Moritz Krasny in M.-Ostrau und Dr. Emil Farkas in Budapest zu korrespondierenden Mitgliedern gewählt. Wien. «Israelitischer S y n a g o g e n - V e r e i u „B e t h Israel.") Sonntag, den 28. Februar, 3 Uhr nachmittags, findet im Sitzungssaale, II., Leopoldsgasse Nr. 29, die diesjährige ordentliche Generalversammlung mit nachfolgender Tagesordnung statt: 1. Nekrolog für den verstorbenen Obmann Herrn Arthur Edlen von Mises s. Ä. 2. Verlesung des Rechenschafts- und des Kassaberichtes. 3. Bericht der Rechnnngsrevisoren. 4. Wahl des Obmannes 5. Wahl von 2 Vereins- Vorstehern, 5 Bethausvorstehern, 3 Rechnungsrevisoren und 3 Schiedsrichtern. 6. Eventualien. Wien. Sonntag, den 34. Jänner 1904 fand die Generalversammlung des Bethausvereines „am Bolkert", II., Fugbachgasse 7, statt, bei welcher als Vertreter der Kultusgemeinde Herr Dr. Marcus Spitzer anwesend war. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes und Erteilung des Absolutorinms wurde die Wahl von sechs Vorstandsmitgliedern mit dreijähriger und eines Mitgliedes mit einjähriger Funktionsdauer, sowie zwei Revisoren, vorgenommen, lieber Anregung eines Mitgliedes betonte Herr Dr. Marcus Spitzer in seiner Ansprache, die Kultusgemeinde sehe wohl die Notwendigkeit der Erbauung eines Tempels in dieser, meist von Juden bewohnten Gegend cm, könne aber aus prinzipiellen Gründen nichts hiezu tun, werde aber nicht ermangeln, wenn sich eine größere Zahl von Männern an die Spitze stelle, ihr Wohlwollen für diesen alten, bewährten Verein in jeder Weise zu bezeugen. Bei der hierauf erfolgten Konstituierung wurden gewählt, die Herren: Adolf Schramek, Obmann, Hermann Ehrenfeld, Obmannstellvertreter, Ignatz Reiser, Schriftführer, Julius Beck, Schristführerstellvertreter, Josef Fischer, Kassier, Elkan Bauer und Hermann Kaiser, Kontrollore. Wilhelm Bandler, Salomon Beck, Jakob Mittler und Jacob Singer zu Bethausvorstehern, Ignatz Freundlich, Moritz Jellinek, Bernhard Reicher, Bernhard Pick, Bernhard Fischer, Ludwig Cantor, Emanuel Piowati zu Ausschüssen, Isidor Kraus und Simon Wessely zu Revisoren. Wien. Mittwoch, den 24. d. M., 6 Uhr abends, fand im österr.- ungar. Kantorenverein, unter dem Vorsitze des Obmannes des Festkomitees, Vizepräsident I. Bauer, eine Besprechung über die Beteiligung der Kantoren an der Sulzerfeier statt, an welcher fast sämtliche Wiener Kantoren teilnahmen. Wien. („M achsike hadath.) Trotz der kurzen Zeit seines Bestandes hat dieser Verein bereits eine Reihe segensreicher Institutionen ins Leben gerufen, die es wohl verdienen, daß die jüdische Oeffentlichkeit von ihnen Notiz nehme. In dem Hause, H., Nestroygasse 4 hat der Verein ein geräumiges Lokal ausgenommen, welches außer den Wohnräumen für den Diener 3 schöne Zimmer enthält. Zwei derselben sind den Zwecken des Beth-hamidrasch gewidmet und eines für Unterrichtskurse in hebräischer Sprache, durch welche die Jugend für die Tendenzen des Vereines gewonnen werden soll. Nebstdem hat der Verein eine Institution ins Leben gerufen, welche die altehrwürdige jüdische Tugend der Gastfreundschaft zu neuen Ehren bringen will. Gewiß fehlte es auch bisher nicht an Vereinen und Institutionen, welche sich der leiblichen Notdurft unserer armen Brüder annahmen, allein während jene sich auf eine Ausspeisung beschränken, will der Verein „Naehsiks hadath" dieser Wohltat auf die echt jüdische Würze hinzufügen, indem er den Aermsten noch die seelische Erhebung bietet, die nur in der häuslichen Behaglichkeit genossen werden kann. Es ist für jedes jüdische Gemüt ein erhebender Anblick zu beobachten, wie am sabbatlichen Tisch über die verdüsterten und finsteren Züge der Armen allmählich ein Heller Schimmer herautzieht und die Gesellschaft schließlich in gehobener Stimmung die üblichen Tischgesänge anstimmt. All diese Errungenschaften sind in erster Linie dem Eifer des verdienstvollen Obmannes, Herrn Salomon Meisels, zu danken, der zwar ein Greis an Jahren, aber an Begeisterung es mit jedem Jüngling aufnehmen kann. Er widmet dem Verein nicht blvs seine nie *) Nach den neuesten, bei der Allianz eingelaufenen Nachrichten hat sich die Kommission in Folge des Krieges vertagt. (Die Red.) rastende Fürsorge und Tätigkeit, sondern auch einen großen Teil der Mittel, deren derselbe bedarf. Mögen alle edlen Menschenfreunde und Gesinnungsgenossen auch ihrerseits dem Vereine mit einem Schärflein beispringen, zumal gerade in der ersten Zeit die Schwierigkeiten und Anforderungen groß sind, und insbesondere ergeht an alle Glaubensgenossen die Bitte, alle irgendwie entbehrlichen jüdischen Bücher dem Vereine zur Verfügung stellen zu wollen. Wien. Vorige Woche Freitag ist der Großindustrielle Sigmund Trebitsch gestorben, ein Mann von seltenem Wohltätigkeitssinn, der in hervorragender Weise viele wohltätige Institutionen förderte und für Arme und Notleidende eine stets offene Hand hatte. Wie sehr es ihm innerstes Herzensbedürfnis war. von den ihm reichlich beschiedenen, aber zumeist durch eigene Kraft erworbenen Glücksgütern der wahren Menschenliebe den schuldigen Tribut zu leisten, geht, abgesehen von seinen unvergeßlichen Llebcswerkeli, auch aus den einleitenden Sätzen seines Testamentes hervor, in denen er vorerst dem Schöpfer dankt, daß er ihn allezeit den Weg der strengsten Rechtlichkeit wandeln ließ und er nach kemer Richtung beim Abschlüsse des Lebens sich Vorwürfe zu machen brauche, — und daß seine Arbeit, vom Segen begleitet, ihm die Möglichkeit bot, manche Not der Mitmenschen zu bannen oder dock) zu lindern. „Meines Wissens," so sagt er, „habe ich nie die Menschenpflicht vergessen." Und er ermahnt alle, die ihm nahe gestanden, in der gleißnerischen Welt denselben Weg der Geradheit und Rechtlichkeit, frei von Hochmut und Selbstüberhebung, zu wandeln und nie zu vergessen, „daß Staub unser Ursprung und unser Ende — alles andere äußere Hülle rmd Tand ist." Das Leichenbegängnis dieses edlen Mannes fand Sonntag den- 21. Februar unter überaus zahlreicher Beteiligung der angesehensten Wiener Kreise und Vertretungen vieler Korporationen statt. An der Spitze des Trauerzuges schritten Zöglinge des israel. Waisenhauses, dem der Verblichene als Vizepräsident durch viele Jahre ein warmer Förderer war. Wien. (Allgemeiner Kranken-Uuterstützungs-Verein Nächstenliebe.) Die diesjährige 36. ordentliche General-Versammlung dieses Vereines findet Samstag, den 27. Februar 1904, 1jß Uhr abends, im Hotel Guth, II., Stefaniestraße 14, statt. Wien. (Mädchen- und Frauen-Verein „Bikur Chaulim".) Sonntag, den 21. Februar 1904 fand im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde ein Vortrag des Herrn Dr. Rieger über „Zahn- und Mundpflege" mit Vorführung von Lichtbildern statt, welcher von den zahlreich erschienenen Gästen und Mitgliedern mit großem Beifalle aufgenommen wurde. — Nach dem Vortrage fand eine Plenarversammlung statt. Trotz sehr geringer Mithilfe von Seiten der Vereinsmitglieder wurden von Anfang Oktober 1903 bis Mitte Februar 1904 67 Spitäler besucht und dabei wöchentlich 150 bis 200 Patienten mit Erfrischungen beteilt. Beim Verlassen des Spitales wurden 30 Rekonvaleszenten mit warmen Winterkleidern versehen. Sieben Patienten erhielten durch Intervention des Vereines Ausnahme in verschiedenen Wiener Krankenanstalten. Mit einem warmen Appell an die Erschienenen, dem Vereine auch ferner das Wohlwollen zu erhalten, schloß die Vize-Präsidentin die Versammlung. Wien. Der Studentenverein „Esperanza" veranstaltete Samstag, den 20. d. M. unter dem Protektorate des Präsidenten der türfifctieu Gemeinde, Herrn Marcus M. Russo, ein Kostümfest, welches glänzend ausfiel. Der Prachtsaal des Hotels Continental war reich dekoriert. Besonders geschmackvoll war die Estrade mit einem türkischen Zelte, in welchen! die Honorationen Platz nahmen. Die meisten Komiteedamen erschienen in spanischen und orientalischen Kostümen. Während der Kotillon- Onadrille wurde ein Blumenwageu von spanischen Granden hereingezogen, in welchem eine Komireedame, die „Esperanza" vorstellend, saß. Um sie herum wurde dann von den Damen Danon, Kalderon und Lews, den Herren Adutt, Canetti und Asriel eine „Tarantella" sehr graziös getanzt. Üeberhaupt konnte das ganze Fest als sehr aniniiert und überaus gelungen betrachtet werden. K,. B. Wien. Sonntag den 21. d. M. fand im Tempel des X. Bezirkes die Trauung des Frl. Marie Jellinek mit Herrn Julius Gallia, Mitchef der altbekannten Firma Fabian Gallia & Sohn in Aspern a. D. statt. Unter den zahlreichen Hochzeitsgäften. die sich im Tempel eingesunden halten, bemerkte man Herrn kais. Rat Vogl, Vorsteher Straßberg, Obmann Seligmann, Fabrikant Theumann und Sohn, Dr. Julius Weiß. Ingenieur Grünspan, Oberkantor Bauer, Dr. Adler rc. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Dr Mandl und Oberkantor Josef Schlesinger, letzterer unter Assistenz des gutgeschulten Chores, welchen Kantor Weißmann dirigierte. Wien. Sonntag den 21. d. M. fand im Leovoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Sabine Scherlag mit Herrn Oberkantor Josef Reiner aus Karlstadt stark. Den Trauungsakt. dem ein äußerst zahlreiches Publikum beiwohnte, vollzogen Rabbiner Dr. Schmied! und Overkantor Guttmann. Wien. (E i n z e l v e r e i n „W i e n" des Zion.) Am Samstag den 27. Februar 1904 veranstaltet der Einzelverein „Wien" des Zion in Herlinger's Saal „Zum goldenen Widder," II., Taborstraßc 36, eine Purimfeier verbunden mit Borträgen und Tanzkränzchen. Beginn 8 Uhr abends. Das Reinerträgnis wird dem jüdischen Nationalfonde zugewendet. Wien. Vorige Woche hielt Herr Architekt Fleischer im Jngemeur- und Architektenverein einen Bortrag über „Jüdische Synagogenbauten", in welchem er sich unter anderem auch auf die von ihm in Wien erbauten Synagogen im gothischen Stile bezog. Bemerkenswert ist, daß bei der dem Vortrage folgenden Diskussion ein bekannter Wiener Architekt die Frage aufwarf, wozu denn bei jüdischen Synagogen Türme gebaut würden, wenn sie keine Glocken haben.