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Die Wahrheit · 1904-02-26 · Heft 9 (26.2.1904) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Wahrheit Redaktion u. Administration: Wien, H/j Novaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei 15302 Inserate 20 Hell, per Nonpareillr-Zeile. Abonnementsu. Jnsertio'nsbeträge sind in Wie» zahlbar und klagbar. Mbhängige Aeiischnft für Mische Interessen. Erscheint jeden Areitag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Ve;ugspeeis: j i Ganzjährig . . . K. 12> Halbjährig . . . K. 6.—!!! Für Cilltnsbeamte: Ganzjährig . . . K. 10 —! Für Ausland: Ganzjährig . . . Mark, j 6 Rubel oder io Fcs.! jtf. 9.Wien. 26. Ledrnar 1904. Inhalt: Aus der Woche. — Professor Adolf Harnak und Lektor M. Friedmann. — Die Lrgel beim jüdischen Gottesdienste. — Glossen zur modernen Literaturgeschichte. — Es ist erreicht! — Verschiedene Nachrichten. — Inserate. — Kantoren-Zeitung: Ueber die Musik der Juden. Ans der Woche. Das „Deutsche Volksblatt" setzt anläßlich des Mädchenmordes in Prag mit ungeschwächter Kraft, durch keinen Staatsanwalt behindert, seine Ritualmord-Kampagne fort. Der Mord wird um jeden Preis zu einem Ritualmord gestempelt und die Polizeibehörde, deren Nachforschungen ein siir die Fruktifizierung dieser Lüge unbrauchbares Material zu Tage fördert, wird in der frechsten Weise verdächtigt. Die aufhetzende, aufreizende Wühlarbeit des „Deutschen Volksblattes" muß die antisemitischen Leser in dem Wahn bestärken, der schon im Gerichtssaal von Polna einen solch grauenhaften Triumph gefeiert hat. Es ist aber auch zu befürchten, daß der Terrorismus der antisemitischen Preßbande schließlich seine Wirkung nicht nur auf die Leser üben wird . . . Und diese antisemitische Brunnenvergiftung darf fortgesetzt ungescheut öffentlich betrieben werden! 11 Die Mitteilungen der „Wiener Sonn- und Montagszeitung" über die Art und Weise, in welcher bei den Gremialschulen der Wiener Kaufmannschaft die christlich-sozialen Lehrer favorisiert und die freisinnigen zurückgedrängt werden, haben selbstverständlich die Frage veranlaßt: Wie erging es den jüdischen Lehrern, die sich mit dem Ansuchen um eine Stelle an der Gremialschule an den Präsidenten des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Herrn Leopold von P o l l a ck, wandten? Nun, nach den uns zu teil gewordenen Informationen können wir mit freudiger Genugtuung konstatieren, daß die jüdischen Lehrer sich einer ganz außerordentlichen Berücksichtigung zu erfreuen hatten. Trotzdem sie nicht nur mit dem Makel der F r e is inn i g k e i t behaftet, sondern überdies Juden waren, erhielten sie doch auf ihre Gesuche eine — höfliche Ablehnung. Das ist ja wirklich höchst erfreulich in einer Zeit, wo die jüdischen Lehrer kaum an eine solch artige Behandlung mehr gewöhnt sind. Dieses Verdienst soll dem Herrn v. Pollack nicht vergessen werden. * * * Eines der bösesten, aufhetzendsten Schlagworte, welches der Judenhaß geprägt, besagt: Der Jude will keine schwere Arbeit leisten, er will gar nicht oder nur leicht arbeiten und dafür schweres Geld einheimsen ... Wir empfehlen den tückischen Verbreitern dieser gefährlichen, aufreizenden Lüge die Lektüre eines englischen Parlamentsberichtes, aus dem folgendes zu entnehmen ist: Mr. Markham hat bekanntlich vor einiger Zeit an den Staatssekretär des Innern die Anfrage gerichtet, ob er Kenntnis davon besitze, daß in den Kohlenbergwerken Englands 4000 polnische Juden arbeiten, die der englischen Sprache nicht mächtig sind und infolgedessen eine dauernde Gefahr für die Sicherheit iu den betreffenden Kohlenwerken bilden. An diese Anfrage war der Wunsch geknüpft, der Minister möge die notwendigen Schritte unternehmen, um die fernere Verwendung solcher Elemente in den Kohlengruben zu verhindern. — Aus dieser Anfrage geht zunächst wohl mit überzeugender Klarheit hervor, daß wieder 4000 polnische Juden in ihrer bekannten Arbeitsscheu, insbesondere aus Haß gegen die schwere Arbeit nicht eher ruhten, bis es ihnen gelungen war, sich die mit so vieler Behaglichkeit, Sicherheit und hohen Löhnen verbundene Sinecure in den englischen Kohlenbergwerken zu sichern. Beschäftigung in den Kohlengruben, das ist das Ideal aller Faullenzer, die noch keine Millionäre find, aber im Handumdrehen es werden wollen. Ja, das schmeckt den polnischen Juden, deren Arbeitsscheu so oft den Neid der armen, ausgebeuteten, antisemitischen Hetzer erregt . . . Aus der Antwort, die der Staatssekretär Mr. Äkers Douglas auf die erwähnte Interpellation erteilte, ist zu ersehen, daß die 4000 polnischen Juden sich noch fernerhin dem dolce far niente in den Kohlengruben hingeben dürften. Er erklärte nämlich, daß seinen Informationen gemäß, die polnischen Juden in den schottischen Kohlenwerken in keiner Weise eine Gefahr für die anderen Arbeiter d a r st e l l e n. Der Staatssekretär fügte hinzu, daß er selbst sich davon überzeugt habe, daß die fremden Arbeiter in den Gruben über ihre Pflichten belehrt werden und keinerlei Anlaß für ihn vorhanden sei, gegen dieselben irgend welche Schritte zu unternehmen . . . Die polnischen Juden werden also weiter in den Gruben ihr Stückchen Brot in harter, lebensgefährlicher, gesundheitvernichtender Arbeit verdienen dürfen. Das infame Schlagwort von der Arbeitsscheu der Juden wird aber darum weiter lustig fortleben. Zwei Telegramme, die in den letzten Tagen in den Journalen zu lesen waren, sind geeignet, seltsame Gedanken über das Schicksal der Juden, insbesondere aber der russischen, zu erwecken. Die eine Nachricht lautete: In Kischenew haben die Juden in ihren Synagogen Festgottesdienste veranstaltet, bei

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