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Die Wahrheit · 1904-02-19 · Heft 8 (19.2.1904) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8 Die Wahrheit Serie 9. Sie kamen vor einer Kunsthandlung vorüber. Da war das Bildnis Bismarcks ausgestellt, mit einem Jmmortellenkranze umgeben. Eine Anzahl Männer mit entblößten Häuptern, jedoch in zwei von einander getrennten Reihen, stand davor und blickte j andächtig ans das Bild. „Hier siehst Du", sprach Herr Hartkops, .Halbnarren, welche Bismarck als Heiligen anbeten, obgleich er sie bei Lebzeiten von seinen Rockschößen abgeschüttelt hat. Sie nennen sich Alldeutsche, sie verehren die altgermanischen Heidengötter Wotan, Locke, Freya, sie benennen die Monate nach dem altgermanischen Ritus. Trotzdem sind sie in zwei sich feindselig bekämpfenden Parteien gespalten. Hie Wolf, hie Schönerer. Ihre beiderseitige. Devise ist: ..Durch Reinheit zur Einheit". Von ihrer sittlichen Reinheit erzählt man Wunderdinge, besonders von Wolf, dem bedeutenden Führer der einen Fraktion, und von ihrer Einheit hast Du hier ein Beispiel gesehen. Wir Christlichsozialen hassen sie gründlich, weil sie unchristlich sind, aber wegen ihres Juden- > Hasses, der noch heftiger und wütender ist, als der unsere, dulden wir ihre Tollheiten." (Schluß folgt.) Erklärung. Ich erkläre hiermit, daß es mir völlig ferne lag, durch meinen in Nr. 7 der „Wahrheit" erschienenen „Offenen Brief", insbesondere durch den Passus: „Und wenn ja, sollte sich Frau Landeis diese nicht mindestens ebensosehr verdient haben, wie Sie, geehrter Herr Doktor, die zwei zionistischen Ehrendiplome, mit denen Sie sich vor noch nicht langer Zeit ..überraschen" ließen", Herrn Dr. Sal. Krenberger in seiner Ehre nahe zu treten. Insbesondere habe ich weder ihm imputieren wollen, daß er auf die Ueb erreich mig der Ehrendiplome irgend welchen, wie immer gearteten Einfluß geübt, noch daß das innerösterr. Districts-Comits oder der Einzelverein Fünfhaus sich bei deren Zuerkennung von solchen habe leiten lassen. Wenn nichtsdestoweniger wider meinen Willen und zu meinem größten Bedauern durch ein Wort oder eine Redewendung Herr Dr. Krenberger sich verletzt erachten sollte, bitte ich ihn diesbezüglich um Entschuldigung. Wien, 14. Februar 1904. Hermann Berliner. Wir erhalten in derselben Angelegenheit folgende Zuschrift: Verehrliche Redaktion der Wochenschrift ..Die Wahrheit'. In Nr. 7 der „Wahrheit" findet sich auf Seite 8 ein von Herrn Herm. Berliner Unterzeichneter ..Offener Brief" an Herrn Dr. Krenberger. An einer Stelle dieses Briefes ist auch von der Redaktion der „Welt" die Rede. Gestatten Sie, daß ich namens der Redaktion diesen Passus des Briefes richtigstelle. Die Angelegenheit bezüglich des Berichtes über Frau Landeis war bereits mit Herrn Dr. Krenberger geordnet, bevor Frau Berliner intervenierte. Im Einverständnis mit Herrn Dr. Krenberger wurde die Notiz zurückgestellt. Dies zur Steuer der Wahrheit. Genehmigen Sie die Versicherung unserer ausgezeichneten Hochachtung. Für die Redaktion der „Welt". D r. Werner. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Predigten.) Freitag abends, den 19. d. M. im Leopoldstädter Tempel und im Ottakringer Tempel. Wien. Der israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein in Wien, I., Seitenstettengasse 2, an dessen Spitze Frau Baronin Charlotte Königswarter steht, versendet soeben den Jahresbericht pro 1903, aus den wir in nächster Nummer ausführlicher zurückzukommen gedenken. Wien. Sonntag, den 21. Februar, findet im Beth-ha-Midrafch, H., Große Schiffgasse 8, eine Generalversammlung des Vereines „Adaß Jisroel" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mitteilung über Vereinsangelegenheiten. 2. Wahl von Vorstandsmitgliedern und Revisoren. Wien. (Allgem. Kranken- und Unterstützungs- Verein „M o n t e f i o r e".) Am 28. v. M. fand die 22. ordentliche Generalversammlung dieses seit 1882 bestehenden Beremes unter dem Vorsitze des Obmannes, Herrn Joses Pollak, in Anwesenheit einer großen Anzahl von Mitgliedern statt. Der einleitende Bericht des Vorsitzenden und der vom Revisor, Herrn S. Löwinger. erstattete Bericht über die Vermögensverwaltung des Vorstandes wurde von der Versammlung mit Befriedigung zur Kenntnis genommen und dem Vorstande einstimmig da- Absolutorinm erteilt. Als Zeichen besonderen Vertrauens wurden die statutenmäßig ausscheidenden 8 Vorstandsmitglieder, dann die 2 Ersatzmänner und die 2 Revisoreil von der Bersauunluug per Akklamation wiedergewühlt. Ans Grund dieser Wahlen konstituierte sich der Vorstand folgendermaßen: Herr Josef Pollak Ovmann, Herr Leopold Weinwnrin Obmann-Stellvertreter, Herr Edmund Hosmann Schriftführer, Herr Moriz Koppel Kassier, Herr Elias Weiß Kontrollor: die Herren Jg. Beckmann, Moriz Bondi, Will). Klepner, Emanuel Taub, Oswald Tauber, Jg. Wasservogel und Jakob Weiß als Vorstandsmitglieder. Bemerkenswert ist, daß der jetzige Vorstand schon seit Jahren an der Spitze unseres humanen Vereines steht, gewiß ein erfreuliches Zeichen und der beste Beweis, daß die Leitung desselben in bewährten Händen liegt. Es ist dem Vereine, welcher als eine Zierde unter den Krankenvereinen mit Recht bezeichnet werden kann, ein weiteres Gedeihen vom Herzen zu wünschen. Wien. (C h e w r a K a d i s ch a im XVIII. B e z. W ä h r i n g.) Am 21. Februar 1901, um 6 Uhr abends, veranstaltet der Vorstand für die seit dem Jahre 1881 verstorbenen Mitglieder im Tempel, Schopenhanerstratze 39, eine Seelenandacht, bei der Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. Feuchrwang die Gedenkrede halten wird. Wien. (Mädchen- und Frauen-Verein „Bi kur Chaulim".) Sonntag, den 21. Februar, nachmittags V21 Uhr, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I, Seitenstettengasse 4, ein Vortrag des Herrn Dr. H- R i e g e r über „Z a h n- und M u tt dpflege" (mit Vorführung von Lichtbildern) statt. Anschließend an den Vortrag Plenarversammlung mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit der abgelaufenen fünf Monate. 2. Anträge der Mitglieder. 3. Eventuelles. Wien. (Literarischer G e s e l l i g ke it s v e rein jüdischer Mädchen „M o r i a". Sonntag, den 21. d. M. findet im Kongreßsaal, DL, Türkenstraße 9, ein Bortrag des Herrn Dr. Egon Zweig statt. Beginn präzise 39, Uhr nachmittags. Gäste herzlich willkommen. Wien. Am 25. d. M. veranstaltet der „Verein zur Bekleidung armer alter Männer" im Festsaale des „Hotel Continental" ein Kostüm- Kränzchen (ohne Kostümzwang), welches sehr animiert zu werden verspricht. Das Komitee, bestehend aus den Herren Carl Fuchs, Ph. Finkler, Ed. Hosmann, Isidor Löwit und Jos. Groß, setzt sich unter Leitung des äußerst rührigen und opferwilligen Obmannes, Herrn Carl D. Bvskowitz, für das Gelingen des Abends wacker ein. Obmann Bvskowitz folgt gan; dem Beispiele seines Kollegen Isidor Schwarz und opfert viel Zeit für die Interessen des Vereines. Wien. (E i n z e l v e r e i n „L e o v o l d st a d t P r a t e r st r a ß e" des „Z i o it.) Donnerstag, den 25. Februar 1904, 8 Uhr abends, findet im reservierten Saale des „Cafe Orient", II., Praterstraße 66, der H. „Elternabend" statt. Gegenstand: „Kritik der Lehrpläne für den israelitischen Religionsunterricht." Referent: Herr Dr. phil. S. Krenberger. Wien Der „humanitäre Verein zur Unterstützung armer Witwen und Waisen" im XVI. und XVII. Bezirke veranstaltet Donnerstag, den ö. März in den Kuffuer'schen Saallokalitären, XVII., Frauengasse 27, ein Wohltätigkeitsscst zu Gunsten der Witwen und Waisen. Retz. Am 6. d. M., am Schaboth Jitro, feierte der Sohn Siegfried des beliebten und allgemein geachteten Kantors, Herrn S. Jellinek zu Oberhollabrunn, seine Barmizwa, wobei der Konfirmand die Haftora mit vielem Verständnis vortrug. Die kantoralen und rabbinischen Funktionen versah ans Gefälligkeit Herr Kollege Tschaßni aus Retz. Um 3 Uhr nachmittags hielt der Barmizwa seine Konfirmationsrede in Gegenwart fast sämtlicher Knltusgemeinde-Mitgliedcc und deren Frauen. Unter diesen befand sich unser verehrter Herr Kultusvorstand. Herr Max Wallisch und dessen Gattin, wie auch andere Herren des Knltusausschnsses. Der Bortrag, voll Verständnis gesprochen, übte einen nachhalrigen Eindruck T Szenicz. Am 11. d. M. ist hier Frau Bertha Schwartz, Gattin des hier allgemein geachteten Großgrundbesitzers Herrn Emanuel Schwartz, im Alter von kaum 45 Lebensjahren verschieden und ihr Ableben hat aufrichtige Teilnahme erregt. Die Verblichene, eine edle, ausgezeichnete Frau, eine Eschet'i chajil im vollsten Sinne des Wortes, war durch viele Jahre Kassierin des hiesigen Frauenvereines. Ihr Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession. Herr Bezirksrabbiner Marmorstein bewährte sich auch in diesem Falle als glänzender Redner und gab dem allgemeinen Schmerze in einer rührenden und erhebenden Rede trefflichen Ausdruck. Budapest. Der Szabadkaer Oberkantor K. Lifschitz bat Freitag abends und Samstag vormittags im israelitischen Kultustempel in der Tabakgasse einen Probevortrag mit vielem Beifall gehalten. Rzeszow. Mit Erlaß vom 16. März 1903 hat die galizische Statthalterei den israelitischen Kultusrat aufgelöst, wogegen der gewesene Obmann desselben rekurrierte. Der Rekurs wurde später zurückgezogen und die Bezirkshauptmannschaft in Rzeszow hat jetzt mit Erlaß vom 29. Jänner 1904 den Advokaten und Gemeinderat Dr. Josef Fechtdegen als Regierungskommissär eingesetzt und ihm die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde mit einem aus sechs Mitgliedern bestehenden Beirate übergeben.

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