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Die Wahrheit · 1904-02-05 · Heft 6 (5.2.1904) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 6 (5.2.1904)
Date
1904-02-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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')lv. 6. Die Wahrheit Lene 9. Stern; endlich auf Grund stistbrieflicher Anordnung Carl Pollak senior und Johanna Spitzer. Nach Kenntnisnahme mehrerer vom Vertreter-Kollegium beschlossener Stiftnngsverleihungen und Erstattung einiger Referate in Friedhof-Angelegenheiten durch den Obmann der Friedhoskommission, Herrn Baurat von Goldschmidt, wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Wien. Die Adresse, welche der Kultnsvorstand an den geivesenen Präsidenten Herrn kaiserlichen Rat K l i n g e r anläßlich seines Rücktrittes von der Prüsideutenstelle richtete, rat folgenden Wortlaut: „Mit geehrter Zuschrift vom 31. Dezember v. I. haben Sie den Entschluß, ob Ihrer erschütterten Gesundheit aus dem Knltusvorstande zu scheiden, bekanntgegeben. Vereinte Bemühungen, Sie in diesem Entschlüsse wankend zu machen und so durch Beibehaltung des Vorstandsmandates uns die Möglichkeit zu bieten, Sie wieder au die Spitze unserer Gemeinde zu berufen, sind leider erfolglos geblieben. Der Vorstand in seiner Plenarsitzung vom 6. Jänner l. I. mußte demnach diese Tatsache zu bedauerlicten Kenntnis nehmen. Der Vorstand mußte aber auch bei diesem Anlasse der hohen unvergänglichen Verdienste gedenken, welche Sie sich während einer Idjährigen Amtsführung als Mitglied des Vorstandes, des Vertreter-Kollegiums, als Vizepräsident und zuletzt durch 6 Jahre als Präsident um unsere Gemeinde erworben haben. Vor wcnig mehr als einem Jahre, anläßlich Ihres 70. Geburtstages, haben wir in einer Adresse und bei deren feierlichen Ueberreichung unserer vollen Anerkennung, unserem wärmsten Danke Ausdruck gegeben. All das neuerlich zu bekräftigen, neuerlich in einer Adresse — welche wir zu unserem Bedauern als Abschiedsadresse bezeichnen müssen — zum Ausdrucke zu bringen, hat der Vorstand in seiner Plenarsitzung vom 6. Jänner l. I. einhellig beschlossen. In den mehrfachen, obenerwähnten Stellungen, welche Sie in unserem Kollegium bekleideten, insbesondere aber als Oberhaupt der Gemeinde waren und blieben Sie sttets mustergiltig voranleuchtend, in tüchtiger, unermüdlicher, gewissenhafter, sorgsamster Amtsführung. Ihren Bestrebungen verdanken wir die Erhaltung des Ansehens, der Würde des Vorstandes nach außen, die Wahrung des Friedens im Innern des durch mancherlei Verschiedenheiten in religiöser Richtung und auch durch sonst mancherlei Parteien und Parteiungen bewegten Gemeindelebens. Der so überaus wichtigen Ordnung des Gemeindehaushaltes haben Sie Ihre stete besondere Obsorge zngewendet. Und wenn demselben eine durch die geänderten Verhältnisse gebotene neue Grundlage gegeben wurde, wenn den gesteigerten, drängenden Bedürfnissen entsprechend die Einnahmsquellen heute reichlicher stießen, so haben wir dies Ihrem bedächtigen, weisen Vorgehen in allererster Linie zu danken. Das Wohlwollen, welches Sie unseren gemeinnützigen Anstalten gegenüber betätigten, die freundliche Anteilnahme, welche die so zahlreichen Hilfsbedürftigen stets bei Ihnen fanden, die unausgesetzte Förderung alles Guten und Edlen werden Ihnen in unserer Gemeinde nie vergessen werden. Mögen Sie auch uns, den sämtlichen Mitgliedern des Vorstandes, welche sich stets Ihres kollegialen, freundlichen Entgegenkommens zu erfreuen hatten, ein freundliches Andenken bewahren, und möge Sie der Allmächtige Ihrer vortrefflichen Familie, Ihrem großen Freundeskreise, unserer dankbaren Gemeinde noch lange, lange Jahre in wiederhergestelltem, ungetrübtem Wohlsein erhalten." In der Zuschrift an den Kultusvorstand, mit welcher Herr kais. Rat Klinger diese Adresse erwiderte, sagt derselbe Folgendes: „In mich hochehremen Ausdrücken gibt die am 15. d. Mts. empfangene verehrliche Zuschrift eines löblichen Vorstandes, Z. 91 ex 1904, mir Kenntnis von dem in der Plenarsitzung vom 6. Januar l. I. aus Anlaß der Zurücklegung meines Vorstands-Mandates gefaßten Beschlüsse. Es sei mir hiemit gestattet, tief bewegt, für diese neuerlich mir erwiesene, weit über mein Verdienst hinausreichende Ehrung meinen ergebenen Dank auszusprechen. Nicht unterlassen aber kann ich es, der Bemerkung Raum zu geben, resp. es als Tatsache zu konstatieren, daß, was zur Zeit, da ich die Ehre hatte, als Präsident der Kultusgenieinde zu fungieren, erstrebt oder erziel: wurde, sei es die Wahrung des Ansehens und der Würde des Vorstandes, sei es zur Wahrung des so wichtigen Friedens in der Gemeinde, oder betreffe es die Herstellung der Ordnung im Gemeindehaushalte, nur durch die tatkräftige Mitwirkung und Unterstützung, und in vielen Fällen durch die Initiative seitens der hochgeehrten Mitglieder des Vorstandes ermöglicht worden. Die mir ausgesprochene Versicherung eines wohlwollenden Gedenkens seitens der geweseuen Herren Kollegen, wie nicht minder das Bewußtsein, die Führung der Angelegenheiten und der Verwaltung unserer Gemeinde so bewährt gewissenhaften Kräften, wie den Ihren, anvertraut zu wissen, mildern den wehmütigen Eindruck, welchen ich nachhaltig über das Scheiden aus Ihrer Körperschaft empfinde. Mit der Bitte, meinen herzlichsten Dank auch für Ihre Wünsche wegen Besserung meiner Gesundheit entgegenzunehmen, zeichne ich in vorzüglicher Hochachtung und Ergebenheit Heinrich Klinger." Wien. (P r e d i g t e n .) Freitag Abends, den 5. d. M. finden Predigten im Leopoldstädter und im Ottakringer Tempel statt. Wien. In einfacher, aber überaus würdiger Weise wurde der 50-jührige Bestand des Bethauses in der Schvnlaterngasse Sonnrag, den 31. Jänner bei dem daselbst stattgehabten Abendgorresdrenste gefeiert. Das kleine Gotteshaus konnte die Zahl der Festgäste kaum fassen. Nach dem Minchagebete hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann die Festrede, in welcher er nach einem Rückblicke auf die Geschichte dieses Bethaufes die Notwendigkeit der Einigkeit unter den verschiedenen religiösen Richtungen betonte und des seligen Rabbiners Lazar Horowitz besonders gedachte, l Cantor Weinstein rezitierte hierauf Psalm 100 und 111 und nach dem durch Rabbiner Friedmann vorgetragenen hebräischen Kaisergebete wurde die schlichte, aber erhebende Feierlichkeit mit dem ^Inaris-Gebete abgeschlofien. Wien. Samstag, den 30. Jänner fand im Stadttempel beim Hauptgottesdienste am Vormittag die Barmizwa des Paul Rofenthal, Sohn des Herrn Arnold Rosenthal und dessen Gattin Ottilie geb. Hirsch, statt. D.r Konfirmand, ein Enkelkind des Vertreters der Kultusgemeinde Herrn k.userl. Rat M. Hirsch, sprach die Benediktionen und die Hafthora mit großer Präeision und vielem Verständnis zur Freude seiner zahlreich anwesenden Verwandten. Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt an den Konfirmanden eine Ansprache und Obercantor Singer trug den üblichen Mischeberach vor. Die Angehörigen des Barmizwa widmeten aus diesem Anlasse namhafte Beträge zu wohltätigen Zwecken. Wien. Sonntag, den 7. d. M. 1 >8 Uhr nachmittags findet im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Irene Grünfel d, Tochter des Dozenten Dr. Josef Grünfeld und der Präsidentin des „Ferienheims" Frau Sofie Grünfeld, mit Herrn Maximilian Refchofsky statt. Wien. (Gesellschaft für L-ammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums.) Am 28. v. M. eröffnet? die genannte Gesellschaft ihren diesjährigen Vortragszyklus mit einer vorzüglichen und hochinteressanten Vorlesung des Rabbiners Dr. Elieser David über „Heinrich Heine und seine Stellung zum Judentum." Nach der einleitenden Bemerkung, daß es wohl nur wenige Lyriker gebe, deren Werke von so vielen Tondichtern in Musik gesetzt wurden, ging der Vortragende zu dem eigentlichen Thema über und zeigte, daß die Großeltern Heiners, namentlich der Großvater, sehr strenggläubig gewesen und letzterer sogar in Mitte der Repräsentanz der Düsseldorfer Judengemeinde eine hochachtbare Stellung eingenommen hat. Heinrich selbst war, obwohl er nur geringen Verkehr mit Juden hatte, in der Jugend trotzdem seiner Religion treu ergeben und zur Bestätigung dieser Tatsache erzählte Dr. David folgende Episoden: Es war an einem Sabbattage, als in der Nähe des Hauses, in welchem die Familie Heine ihren Wohnsitz hatte, ein verheerender Brand zum Ausbruche kam; die Feuerwehr war rasch zur Stelle und animierte die dort spielenden Knaben, sich an den Löscharbeiten aktiv zu beteiligen. Heinrich Heine aber erwiderte: Heute am Sabbat ist uns jedwede Arbeit verboten, wir dürfen uns demnach der Löschaktion nicht anschließen. Ein - anderer Fall, der die Hörer zu lauten Lachsalven veranlaßte, war folgender: Mehrere Schulkollegen spazierten, es war gleichfalls au einem Sabbate, I durch einen Weingarten; die Beeren hingen an den Stöcken, die Jungen | gelüstete es wohl nach dem schmackhaften Obste, aber das Gebot des > Sabbates war ihnen zu heilig - sie verließen den Garten mit wehmütigen > Gefühlen. Da plötzlich verläßt Heinrich seine Genossen, läuft in den i Weingarten zurück und beißt eine Beere nach der anderen ab, bis alle in I seinen Magen gewandert waren. Ans die Vorstellungen feiner Kollegen j antwortete er dann: Es ist wohl verboten, die Trauben abzureißen, aber j sie abzubeißen, ist uns doch gestattet, und ich habe nur das letztere gethan! Im weiteren Verlaufe verfolgte Dr. David den Studiengang Heines an den höheren Schulen, bis Heine im Alter von 25 Jahren promovierte und auf vielseitige Anregungen den Uebertritt zur evangelischen Kirche vollzog, der damit motiviert wurde, daß er dann eine Staatsanstellung erhalten werde. Allein es blieb nur bei der Versicherung, Heine erhielt

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