Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 6 (5.2.1904)
- Date
- 1904-02-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 6. keine Anstellung und bereute dann den Schritt, den er nach großem Seelenkampfe unternommen hatte und der ihn immer wieder verfolgte; und selbst auf seinem Krankenlager nicht verließ. Der Vortrag, der großes ' Wissen und besonderen Forschungseifer verrät und manche bisher nicht so j allgemein bekannte Details eröffnete, wurde von dem zahlreich erschienenen! Auditorium, das sich aus Mitgliedern und Gästen der rührigen Gesellschaft! rekrutierte, mit lebhaftem Beifall belohnt. Unter den Anwesendeu befanden j sich: Ober-Rabbiner Dr. Güdemann, der englische Botschastspsarrer Rev. j William H. Hechler, der evangelische Militärseelsorger Prof. Seberiny, der j Obmann des Wiener Komitees des in Paris errichteten Heine-Denkmales , Reichsrats-Abgeordneter Noske, der Vizepräsident der türkisch-israelitischen Gemeinde Herr Licco Adntt, Major Bardach von Chlnmberg, die Hofräte von Smolan und Taußig, die Großindustriellen David Ritter von Gutmann und Maximilian Paul-Schiff, die Kultusvorsteher Dr. Alfred Berger, Proseffor Dr. Ehrmann, Architekt Max Fleischer und Banrat Stiaßny, Direktor Heller, die Rabbiner Dr. Grunwald, Dr. Kaminka und Dr. Rosenmann, Obercantor Bauer. I. Cantor Don Fuchs, Dr. Bloch, Ober- Inspektor Engel u. a. m. E. I. — Mittwoch, den 10. Februar findet im gleichen Lokale, Festsaal des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I. Esch"ubachgasse 9, em Vortrag des Reverend William H. Hechler, königlich großbrittanischer Botschastspfarrer in Wien, über: „Die Palästina-Reise Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1898" statt. Wien, «Generalversammlung des Temvelbau- Vereines I o s e s st a d t.) Am 24. v. M. fand in der Zeremonienhalle des Josefftädter Tempels im VIII. Bezirk, Neudeggergasse Nr 12, die XX. Generalversammlung des Temvelbauvereines Josesstadt, statt. Der Präses des Vereines, Herr Michael Straffer, begrüßt die zahlreich erschienenen Gäste, darunter Herrn Dr. Alfred Berger als Vertreter der KultusgLmeinde und den Herrn Rabbiner Dr. Moritz Bauer, Nachdem Herr Sttaffer ersucht, in Anbetracht seines hohen Alters von einem Berichte seinerseits abzusehen, überträgt derselbe den Vorsitz dem Präses des Tempelvereines Herrn Hermann Beck. Sodann ergreift der Schriftführer Dr. Sigmund Goldberger das Wort, um in kurzen Umrissen die Geschichte des Tempelbauvereines zu erläutern. Redner erwähnt in erster Reihe des Gründers des Tempelvereines im VIII. Bezirke, Herrn Wilhelm Beck, der fruchtbaren und unermüdlichen Tätigkeit des Präses des Tempelbanvereines (Herrn Michael Straffer, ebenso des dahingeschiedenen Baron v. Königswarter, dem Protektor des Vereines, der zum Ankauf des Grundes 70.000 Kronen spendete. Weitere Förderungen wurden durch die mit sehr günstigem Erfolge im Jahre 1894 veranstaltete Lotterie, sowie durch die munifizente Subvention von 40.000 Kronen seitens der Kultusgemeinde herbeigeführt. Im Jahre 1895 wurde das Haus VHI., Neudeggergasse 12 für den Tempelbau angekauft. Nach vieljährigen großen Schwierigkeiten und Bauprozessen wurde der Baukonsens erteilt und konnte im Dezember 1902 mit dem Bau begonnen werden. Mit der Herstellung der Pläne und Leitung des Baues wurde der in Tempelbauten bewährte Architekt, Herr Max Fleischer, und der tüchtige Baumeister Carl Mayer betraut. Das Vorstandsmitglied Architekt Modern verwendete seine bedeutenden Fachkenntnisse zu den Bauplänen, wodurch er einen rühmlichen Anteil an dem gelungenen Werke hat. Dr. Goldberger drückt den genannten Meistern, sowie allen bei dem Baue mit vollstem Eifer Beteiligten, den wärmsten Dank aus. Die Kosten des Baues betragen rund 219.000 Kronen, hiezu die Kauffumme des Zinshauses mit 96.000 Kronen, so daß der Gesamtwert des Tempels 325.000 Kronen beträgt. Dr. Goldberger glaubt, daß der Tempelbauverein seine Pflicht vollkommen erfüllt hat und schließt seine s Ausfirhrungen mit der Bitte an die Anwesenden, das geschaffene Werk tatkräftigst zu unterstützen, damit dasselbe zur Ehre Gottes und zur Verherrlichung des Judentums erhalten werde. Herr Bizepräses Leopold Guttmann bittet die Generalversammlung, Herrn Dr. Goldberger für die hingebende und aufopfernde Tätigkeit im Laufe der Jahre den besten Dank auszusprechen, was mit Akklamation angenommen wurde. Herr Kultusvorsteher Dr. Alfted Berger entschuldigt zunächst die Abwesenheit des Herrn Architetten Fleischer und begrüßt es freudigst, daß der langgehegte Wunsch der Erbauung eines Tempels in der Josefstadt erfüllt ist. Damit, sagt der Redner, ist wohl ein sehr schwieriger, aber noch immer nicht der schwierigste Punkt gelöst. Die Hauptaufgabe des Vereines ist es, sehr weite Kreise, die sich bisher indolent zeigten, für die -.rhaltung des Tempels zu interessieren, und bei den bisher gemachten Angenehmen Erfahrungen ist der Redner überzeugt, daß der Tempel- ^auverein bestrebt sein wird, dieser Aufgabe voll und ganz gerecht bu werden. z Hieraus trug Herr Hermann Beck, der seit dem Bestände des Vereines die Kassagebahrung hatte, den Kassabericht des Tempelbauvereines vor und wurde, nachdem die Herren Revisoren die ziffernmäßige Richtigkeit des Kaffaberichtes konstatiert hatten, über Antrag des Herrn Architekten Modern d«s Absolutorium erteilt und dem Herrn Hermann Beck für seine aufopfernde und vieljährige Tätigkeit der wärmste Dank ausgesprochen. Den nächsten Gegenstand der Generalversammlung bildet die Statutenänderung des Tempelbauvereines in den Tempelverein. Es entsteht hierüber eine lebhafte Debatte, an welcher sich der Gesamtvorstand, sowie die Mitglieder L. Bitali und Dr. Zins beteiligten. Das Vorstandsmitglied, Herr Architekt Modern, bringt der Generalversammlung zur Kenntnis, daß Herr Dr. Sigmund Goldberger in Anbetracht seiner vieljährigen und außerordentlichen Verdienste im Tempelbauvereine zum Ehrenmitgliede einstimmig ernannt wurde und wurde diese Mitteilung mit allseitiger Befriedigung zur Kenntnis genommen. Nachdem sich keiner der Anwesenden mehr zum Worte gemeldet hat, schließt der Vorsitzende, Herr Hermann Beck, mit dem Ausdrucke des Dankes für das zahlreiche Erscheinen die Generalversammlung. Wie». «Denkmäler der T o n k u n st i n O e st e r r e i ch.) In der Sitzung der leitenden Kommission der „Denkmäler der Tonkunst in Oesterreich", die am 25. d. unter dem Vorsitze des Geheimen Rates Bischofs Dr. Mayer stattfand, wurde Fräulein Dr. Elsa B i e n e n f e l d zum wirklichen Mitglied ernannt. Prag. Das Kuratorium der Freiherrlich von Rothschildschen Künstlerstiftung in Wien hat Herrn Musikdirektor David Rubin in Prag, in würdigender Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen als Musiker und Synagogenkomponist, eine Künstlerstiftung im Betrage von X 600 verliehen. David Rubins Synagogengesänge, die in diesen Blättern von fachmännischer Seite wiederholt gewürdigt wurden, werden in vielen Gemeinden Oesterreichs, Deutschlandsund des weiteren Auslandes gesungen. Jungbunzlau. In der am 24. Jänner abgehaltenen Sitzung des erweiterten Kultusvorstandes wurde dem Rabbiner Herrn Phil. Dr. Max Hoch das Definitivum mit Stimmeneinhelligkeit verliehen. Budapest. (Silberne Hochzeiten.) In der ungarischen Haupt- und Residenzstadt feierten der Vägujhelyer Bankdirektor Moriz H e rz s e l d und Frau in intimem Kreise das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Diesen Anlaß benützten Verwandte und Freunde aus Nah und Fern, nm die Jubilare mit ihren Glückwünschen anfzusuchen. Die Vägujhelyer Kultusgemeinde gedenkt — wie man uns meldet Herzfeld, der jahrelang Präsident der Kultusgemeinde war und sich um die dortige isr. Real- und Mädcheubürgerschule bedeutende Verdienste erworben, in solenner Wesse zu ehren. Unter den Geschenken, die das Jubelpaar heute erhalten, befindet sich ein von einem Wiener Maler gefertigtes Bildniß eines Urahn's Herzfeld's, des Landesrabbiners Lippnian Heller, dessen Original sich in der kaiserlichen Bildergalerie in Wien befindet Herr Mathias Po la ko Vits, Mitchef der angesehenen Getreidefirma Schlesinger und Polakovits feierte das Fest seiner silbernen Hochzeit. Das Jubelpaar war aus diesem Anlasse Gegenstand der herzlichsten Ovationen und sind demselben aus allen Gesellschaftskreisen Glückwünsche zugekommen. Die hauptstädtischen und Provinz-Angestellten der Firma erschienen korporativ bei ihrem Chef und überreichten demselben ein mir den Unterschriften aller Angestellten versehenes silbernes Gedenkblatt. Der Sprecher der Deputation, Oberbuchhalter Adolf Török, verdolmetschte bei diesem Anlasse die Glückwünsche der Angestellten, indem er speziell darauf hinwies, daß die väterliche Liebe, die Herr Polakowits allen Angestellten entgegenbringe, diese zur ewigen Dankbarkeit verpflichte. Herr Polakovits dankte gerührt für die Ovation. Budapest. Hier ist vor wenigen Tagen Frau Manfred Weiß de Csepel geb. Alice v. Wahl nach mehrmonatlichem, schwerem Siechtum, gegen welches die aufopferndste Pflege und ärztliche Wissenschaft vergeblich anzukämpfen versuchten, gestorben. Frau v. Weiß, die Gattin des hervorragenden Großindustriellen Manfred v. Weiß und die Tochter des ehemaligen Generaldirektors der Alsöld-Fiumaner Eisenbahn-Aktiengesellschaft Albert Ritter v. Wahl, war eine Dame voll edlen Gemütes, von vornehmem Kunsinne und einer rührenden Herzensgüte, der es ein Bedürfnis war, Elend zu lindern und mit vollen Händen Gutes zu tun. Diese ausgezeichneten Charaktereigenschaften paarten sich mit seltener Liebenswürdigkeit und einem bescheidenen Wesen, und deshalb wird der schwere Verlust, den ihr Hinscheiden bedeutet, nicht nur von der weitverzweigten Familie, sondern auch von jenen Vielen schmerzlich empfunden, die Gelegenheit hatten, den Seelenadel und das Walten dieser Frau, die in jungen Jahren den Ihrigen entrissen wurde, in dem von ihr geschaffenen schönen und freundlichen Milieu kennen zu lernen. Den tiefen Schmerz des Gatteu, der Kinder, der greisen Eltern und nahen Verwandten teilen die Freunde des Hauses, die der Verewigten stets ein sympathisches Gedenken bewahren werden. L. Szt. Miklös. Die hiesige isr. Kultusgemeiude hielt am 24. Jänner unter dem Präsidium des Vorstehers Hermann Stark ihre ordentliche Generalversammlung. Aus der vorgeleseneu Schlußrechnung ist zu entnehmen, daß die Einnahmen 29.144 X, die Ausgaben 28.161 X betrugen. Das Verwaltungsjahr schloß also mit einem Kassensaldo von 983 X. Der Bericht wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen und dem Gesamtvorstande mit Begeisterung Vertrauen votiert. Es wurden wiedergewählt: .zum Präses Hermann Stark, zum Vizepräses Dr. Emanuel Steiner, zum Kassier Emanuel Schwalb. Breslau. Das hiesige jüdisch-theologische Seminar veranstaltete letzten Mittwoch im Festsaale der Lehranstalt eine Gedächtnisfeier für seinen am 27. Jänner 1846 in Breslau verstorbenen Begründer und gleichzeitig die Feier von Kaisers Geburtstag. Eingeleitet . wurde der Festaktus mit dem Gesänge des 16. Psalms durch den Seminarchor. Der Vorsitzende des Lehrerkollegiums, Herr Dozent Dr. S. Horovitz, hielt die Festrede. Alsdann wurden die geprüften Rabbinatskandidaten Dr. Julius Guttmann nnd Dr. Julius Lewkowitz durch den Seminarrabbiner Dr. Lewy, unter Ueberreichung ihrer Patente als Rabbiner, aus der Anstalt entlassen. Mit dem „Kaisergebet", das der Seminarchor zum Vortrag brachte, endigte die würdige Feier.