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Die Wahrheit · 1904-01-29 · Heft 5 (29.1.1904) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5. Die Wahrheit Leite 5. Geschichtsschreiber erbringen. Eine Treue, die um so merkwürdiger erscheint, wenn man in Betracht zieht, mit welch ungeheuren Schwierigkeiten die Niederschrift wie die Anfbewahrnng verknüpft waren. Und wenn diese s schon bewundernswert erscheint, um wieviel ruhmvoller für uns Inden ist es, daß die Sprache unsere jüdische Sorache ist, die für alle Welt klar und deutlich über Taten spricht, die unser Volk eigentlich gar nichts angehen, sondern höchstens unseren Urvater, den Patriarchen A b r a h a m, der in Freundschaft mit jenem König des großen -Kulturvolkes lebte und als ein irossi eloüini, als ein „göttlicher Fürst" verehrt wurde. Und wenn nun dieses geschichtliche Moment seine Bestätigung findet, ist es da nicht merkwürdig, daß die Bibel s o gar n i ch t s davon spricht, daß die Erkenntnis eines einzigen Gottes auch bei den anderen Völkern eingedrungen wäre? Ist es nicht merkwürdig, daß ein Nichthebräer, Malkizeclek, ausdrücklich sagt, daß Abraham Diener eines El-eljann ist, eines höchsten Gottes? Muß es nicht dem blindeilen Auge auffallen, daß der Gott Abrahams denn doch ein ganz anderer Begriff ist als der Gottesbegriff der übrigen Völker??!! Und doch gesteht die Bibel es ehrlich zu, daß der jüdische Gottesbegriff so ganz unbekannt im Altertum nicht gewesen sein kann, wenngleich er auch nicht ganz in die Köpfe der Menschen eingedrungen war. Der Widerspruch aber, welcher in den von Gott an Moses im Ansange seiner Sendung gerichteten Worten liegt, ist nur ein scheinbarer und er wird schwinden, wenn wir ihn klar zu erfassen streben, woeroh el awrohom u. s. w. Jene zwei Knlturmomente nun sollen uns den Weg zeigen, den das jüdische Volk eingeschlagen und der es zu der Höhe gegebracht, die es zum Bahnbrecher der ganzen Welt werten ließ; und jenen Weg, den das große Babylon gegangen, indem es herabstürzte von jenem großen Bauwerke, von dem aus es lie Welt zu beherrschen gerächte, und statt dessen es ihm nur gelang, eine Verwirrung anzurichten, an der es selbst und auch die übrige Welt zn Grunde gehen mußte, weil es mit Naturnotwendigkeit nicht anders gehen konnte. Wie war wol die Situation, als Babel beschloß, „eine Stadt zu bauen und einen Turm, dessen Spitze in den Himmel reichen solle, damit wir uns einen Namen machen und nicht zerstreut werden über die ganze Erde", wie uns die Bibel erzählt? Und wir müssen die Situation sehr genau ins Auge fassen, wenn wir finden wollen, wo eigentlich das Knlturwidrige gelegen war, um desseutwilleu das große, in der Kultur soweit fortgeschrittene Babel verschwunden ist. Es ist dieses umso auffälliger, als die Bibel kurz vorher von der Sintflut spricht und von den Verderbnissen jener Zeit, um derentwillen die damalige Menschheit nutergegangen, während sie bei Babel von einer eigentlichen Sünde nichts sagt. In einer Ebene ließen sie sich nieder, erzählt die Bibel, als sie vom Osten kamen, um im Lande Sästnear zu wohnen. Welche Riesenarbeit rvar da gn bewältigen, ohne Steine jenen Riesenbau zn gestalten, der seine Baumeister berühmt machen sollte! Sehen wir nicht darin schon die Vorläufer, vielleicht die Zeitgenossen jener Pharaonen, deren Baudenkmäler uns heute noch zur Bewunderung hinreißen? Also in dem Turmbau als solchen finden wir gewiß nichrs kulturwidriges, aber der Zweck des Baues war kein ethischer, sowenig wie der Ban der egyptffchen Pyramiden es war, sondern er diente nur dazu, den Ruhm seiner Erbauer der Nachwelt noch dann zu künden, wenn von ihnen selbst nichts mehr vorhanden. Und das eben war das Verwerfliche! Nicht für die M e u s ch - heit war Babel, wollte Babylon sein, nur für sich, seinen eigenen Ruhm zn künden, war jener Turm geschaffen. Naasse lonu schein, uns selb st wollen wir berühmt machen. Nicht zum Ruhme eines höheren Wesens sollte jener Bau dienen, auch nicht um für die Menschheit Gutes zu stiften, nein, Babel selbst dünkte sich Gott — gleich! Und wahrlich! Professor Delitzsch hätte gar nicht nötig gehabt, erst lange aus den Tontafeln einen Gottesbegriff zu erforschen, das hätte er sich viel leichter machen können, wenn er nur die Bibel aufgeschlagen. Aber das tat er nicht, deshalb nicht, weil er die Bibel nicht versteht und vor allem, weil ihm j ja daran gelegen — auf allerhöchsten Befehl wahrscheinlich — den Nimbus des jüdischen Volkes und der jüdischen Bibel zu zerstören! Und wir müssen schon etwas zurückblättern, um in der Bibel den Gottesbegriff zu finden, schon in die Zeit vor der Sintflut. Die Bibel erzählt in den ersten 4 Kapiteln vom Werdegang der Menschheit, ihren Aufstieg und ihren Abstieg, bis zum ersten Brudermord, dem vor allen Dingen eine symptomatische Bedeutung innewohnt. Und da schließt sie mit den so vielfach kommentierten Worten: „os huchal likrau beschem ad . . .“ Damals begann man zu rühmen den Namen ad. . . ., denn 1 o und nicht anders bedeutet likrau beschem rt In vielen Uebersetznngen heißt es: damals begann man den Namen -n zn it e n it c n. Darin wäre nichts besonders gelegen. Den Namen 'n nennen oder ihn kenne;:, wäre kein Ruhm gewesen, denn : dann hätten jene Bibelerklärer Recht, die aus dem Verse herauslesen wollten, damals begann man, den Namen n zu entweihen. Nein! Nicht man kannte, sondern man anerkannte Gotl,; man rühmte ein höheres Wesen. D i e ihn aber rühmten, waren! gewiß nicht die Babylonier jener Zeit. Die kannten nur sich, ihr eigenes Ich! Und dock stehen wir vor einem merkj würdigen Dilemma._(Schluß folgt.) | Die ehemalige Indenstadt in der Leopoldstadl rn Wien. Die Sonntagsnummer der „Neuen Freien Presse" vom l 17. Jänner d. I. brachte eine historische Schilderung aus dem \ Jahre 1623, von der Besitzergreifung des Karmeliter-Klosters! in Wien durch die Jesuiten, welches ihnen von Kaiser Ferdinand! eingeränmt wurde. Zn jener Zeit waren Daniel Moser und! Simon Schmied Bürgermeister von Wien. Mit der Demolierung dieses Klosters schwindet ein Stück \ Geschichte der alten Ansiedlnng am unteren Werd. Dieser Teil i der Leopoldstadt mir allen Gassen und Gäßchen war die einst! bestandene Jndenstadt. Die Vorsteher und Judenrichter, wie! man diese nannte, waren damals Maier Perlhester, Joseph : Falk, und später um das Jahr 1634 Salomon Wolff Auerbach.! Im Jahre 1643 Zacharias Mayr, David Franke und Abraham! Hecht. In den Jahren 1654—1655 war Markus Schlesinger Judenrichter.! Von diesen Männern ruhen im alten jüdischen Friedhofe j Simon Wolff, Vater des Märtyrer Jakobs Sohn. Dieser , wohnte in der .verrengasse Nr. 108 und starb im Jahre 1638. Sein Grabstein ist unter Nr. 110 zn finden. Ferner Joseph? Falk wohnte Herrengasse 117, starb 1646. Das Rabbinat j versahen die Dajanim R. Joseph und R. Gerson ilnd der i Titular-Rabbiner R. Veit Munk, welcher das Haus Nr. 1,! Sperlgasse, bewohnte.! Die Gassen- und Hausbewohner dieser Judenstadt waren:! Sperlgasse: Beit Munk.! T a n d e l m a r k t g a s s e: David Malhan, Jacob Schneid, Joachim { Gerstl. Hirschl Mayr, Wolf Pindl, Israel Joachimb, Hirschl Recht, j Jnschall, David Malhans Enkel, Joseph Oberlender. ) Taborstrafte: Jacob Salomon. Tandel marktgasse: Abraham Hecht, Johann Gibis, Jeremia Mayr, Samuel Hecht, Jacob Zigeuner, Modl Puschk, Joseph Plaud, Abraham Stekhl, Samuel Israel. H e r r e n g a s s e: Israel Salomon, Jacob Hecht, Samuel Israel, Lemel Rists Kinder, Abraham Hecht, N. Pollak, Moses Aron Fränkl Badgasse: Abraham Fränkl, Copl Rist, Abraham Fleischhacker, Jsak Halles, Alte Moses oder Samson Ltadtschreiber, Lemel Rift. Tabor strafte: Jacob Schlesinger. B a d g a s s e: Moyses Kirschner, Perl Goldschmied, Honig Fränkl. Herrengasse: Copl Fränkl, Gemeinhans, David Ascherl. Große Pfarrgasse: Alte Synagoge, Jacob Herlinger, Lazar Khastes, Hirschl Samson, Joseph N., Mayr Perlhofer, Copl Frankl jun., Victor Lazarus. Rothe Krenzgasse: Copl Frankl. Große Pfarrgasse: Scheuchmandl, Modl Rist.

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