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Die Wahrheit · 1904-01-22 · Heft 4 (22.1.1904) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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(Dfftfrr-mipr. Cautoreu-Zeitung. Nr. 4. Beilage plr Zeitschrift „Die Wahrljeit". 24. 3ahrg Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herrn Cantoren dringendst ersucht, das Abonnement umgehend zu erneuern und auch an den Begleich der Rückstände zu denken. Die Administration. Die traditionelle MnstK des Judentums Von E. I. Stark. Obercantor der Gemeinde „Emann-El", in San Francisco, Californien. (Schluß.) Die Musik ist unleugbar im reformierten jüdischen Gottesdienst ein sehr wichtiger Teil desselben geworden; aber obwohl die traditionelle jüdische Musik so eng mit der Geschichte unserer Rasse verknüpft ist, scheint es mit ihr, besonders in Amerika, doch abwärts zu gehen, dies muß zunächst dem Umstande zugeschrieben werden, daß das Amt des Kantors in vielen reformierten jüdischen Gemeinden in Amerika abgeschasft worden ist. Die Musik wird in solchen Fällen nichtjüdischen Organisten oder Chormeistern übertragen, die unmöglich den jüdischen Geist erfassen, noch den Reiz und das Charakteristische unserer alten Melodien würdigen können. Und so kommt es, daß eine von irgend einem dieser Leute verfaßte Komposition wohl vom musikalischen und theoretischen Standpunkte aus wertvoll sein mag, unmöglich aber die innere Begeisterung erwecken kann, die nötig ist, um das wahre Charakteristische dieser traditionellen Themen zum Ausdruck zu bringen. Wenn ich von der Unmöglichkeit der Erfassung des wahren Geistes der jüdischen Musik spreche, so schließt das noch nicht die auffallenden Fehler in Bezug auf die Aussprache der hebräischen Sprache ein, die so oft von den oben erwähnten nichtjüdischen Organisten oder Chordirigenten begangen werden, die sicherlich nicht dafür verantwortlich gehalten werden können, wenn die Musik nicht im Einklang sowohl mit der Bedeutung des Wortes, wie der grammatikalischen Richtigkeit gebracht wird. Derjenige Jude, welcher auf feine Religion stolz ist, j sollte nie zugeben, daß die traditionellen Volkslieder aus dem > Heim und aus der Synagoge verbannt werden, jene Weisen, die dem herrlichen Glaubensbekenntnis der jüdischen Religion erst den rechten Nachdruck verleihen. Der Einfluß in der Familie ist ebenfalls eines der Mittel, das dazu verhelfen würde, die traditionellen Melodien in dem Herzen des Kindes einzuprägen; denn wenn sie einmal in seiner Seele eingewurzelt sind, dann ist es uns gelungen, den Grundstein zu angenehmen Erinnerungen zu legen, die sicherlich den Erwachsenen, Mann oder Frau, stets das Andenken an eine glückliche Heimat vor Augen führen werden. Es gibt viele jüdische Lieder, die, wenn sie dem Kinde im Elternhause gelehrt werden, ihr Teil zur Beibehaltung der traditionellen Melodien beitragen würden. Es gibt noch einen anderen Weg, der die Kultivierung der traditionellen Musik bei dem reformierten jüdischen Gottesdienst fördern könnte, und dies ist die Sabbath- oder Religionsschule. Statt daß dort nur moderne und sehr oft profane Hymnen eingeführt werden, sollten unseren Kindern auch die charakteristischen Volkslieder unserer Rasse gelehrt werden. Der Sinn des Kindes ist besonders empfänglich für einfache Weisen. Was dem Kinde in der Schule gelehrt worden ist, wird ihm stets in lieber Erinnerung bleiben, selbst dann noch, wenn es den Kampf ums Dasein begonnen hat. Diese Lieder werden es von der Jugend bis zum reifen Alter begleiten. Sie werden dem Manne und der Frau als liebe Erinnerung im Gedächtnis bleiben, und diese werden sie wiederum ihren Kindern lehren. Es liegt wahrlich eine große Genugtuung in dem Gedanken, daß wir Juden behaupten können, unsere eigene Musik zu haben, daß dieselbe den Grundstein unseres modernen Gottesdienstes bildet, und daß unsere traditionelle Musik nicht nur typisch sondern auch im Gewände von Einfachheit und Schönheit gekleidet ist, wie sie in keiner anderen Kirchenmusik gefunden werden kann. Ich sage daher, laßt uns dieses Erbteil beibehalten und laßt uns es Hochhalten und eifriger kultivieren. Laßt uns es als ein teures Vermächtnis siir unsere Nachkommen betrachten. Es wird dem jüdischen Heim größeren Glanz verleihen und im Gotteshause Inspiration verbreiten, wo es zu allen Zeiten einen mächtigen Eindruck berufen wird und eine anziehende Beigabe zu dem jüdisch-reformierten Gottesdienst sein soll. Uerschiedenr Nachrichten. Wien. Sonntag, den 17. d. M. fand unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis des langjährigen Beamten der Anglo-Bank, Herrn A. de Majo, statt. Eine große Anzahl Beamten unter Führung des Herrn Direktors Schwarz waren erschienen, um den sehr beliebten nnd geachteten Kollegen die letzte Ehre zu erweisen: ebenso bemerkten wir unter den Trauergästen den Präsidenten der türk. Gemeinde, Herrn Markus M, Russo, sowie den im II. Bezirke bekannten Kaufmann Herrn Johann Kohn nebtz Angehörigen. Die Trauerfnnktion versahen Rabbiner Papo und Oberkantor Bauer unter Assistenz des Quartettes der türk. Gemeinde. Brünn. „Der Gesangsmeister Herr Leopold Schmidt, Professor an der hiesigen Musikoereinsschule, feiert am 1. Februar d. I. das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit als Chordirigent der israelitischen Kultusgemeinde in Brünn. Budapest. Eine angenehme Abwechslung ward den Besuchern des israelitischen Kultustempels in der Tabakgasse am vergangenen Freitag- Abend und Sonnabend früh zuteil. Der junge Oberkantor aus Neupest, Herr M. Matyäs, der über eine herrliche Tenorstimme verfi'igt, hat diesmal in dem genannten Gotteshause zur Probe vorgebetet. Dem Sänger, den so mancher Stern der Oper um seine Koloraten beneiden könnte, ging ein guter Ruf voraus, lind dem Unstande ist die Begeisterung zuzuschreiben, mit welcher man den jugendlichen Borbeter in diesem vornehmsten Bethause Budapests empfing. Herr Matyäs war auch besonders gut disponiert und seine herrliche Vortragsweise rief unter den Zuhörern allgemeinen Enthusiasmus hervor. Es ist auch alle Aussicht vorhanden, daß der Vorstand, den Wunsch des großen Publikums berücksichtigend, Herrn Matyäs engagieren wird. Berlin. Eine neuerliche Eingabe wegen Einführung des jüdischen Religionsunterrichtes an sämtlichen höheren Lehranstalten, die von Juden besucht werden, hat der deutsch-israelitische Gemeindebund an den Kultusminister abgesandt. Der Gemeindebund erbietet sich gleichzeitig, Fortbildungskurse zur Ausbildung akademisch gebildeter Lehrer der jüdischen Religion, wie sie bereits vor längerer Zeit bestanden haben, auf breiterer Grundlage in Berlin und in anderen Universitätsstädten einzurichten, um ausreichendes und genügend vorgebildetes Lehrpersonal zu schaffen. fiiMiniionm des öfterr.-img. Suntoreu-Dereines. Da der Tag, an welchem die Centennarfeier für Salomon Sulzer, in Wien abgehalten wird, vom Vorstande der Wiener Kultusgemeinde noch nicht definitiv festgestellt ist, mußte die für diese Woche angekündigte Veröffentlichung des Programmes und die Aussendung der Einladungen noch für einige Tage zurückgehalten werden. Die P. T. Mitglieder werden dringendst ersucht, die rückständigen Beiträge sowie den laufenden Jahresbeitrag an den Vereinskassier, Herrn Obercantor M. S chorr, Wien, JL, Ob. Donaustraße 47, einzusenden. Zur Aufklärung diene, daß die Aufnahmsgebühr K 4 und der Jahresbeitrag K 8 beträgt. D er Vorstand.

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