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Die Wahrheit · 1904-01-22 · Heft 4 (22.1.1904) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 4, Die Wahrheit Leue 9. Wien. (Jüdisches Museura.) Donnerstag, den28.Jänner 1904, präzise 7% Uhr abends, findet im Festsaale des niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Elieser David über „Heinrich Heine und seine Stellung zum Judentume" statt. Die geehrten Mitglieder der Gesellschaft wollen die ihnen zukommenden Karten zu dieser Vorlesung Mittwoch, den 20., oder Donnerstag, den 21. Jänner 1904, von 10—12 Uhr vormittags, im Bureau der Gesellschaft I, Krugecstraße 8, 3. Stock, oder im Museum für jüdische Altertümer, UL, Praterstraße 23, in der Zeit von 2—4 Uhr nachmittags beheben, oder ihren Bedarf an Eintrittskarten schriftlich im im Bureau der Gesellschaft anmelden. Nichtmitglieder können die etwa noch vorhandenen Karten Donnerstag, den 21., oder Freitag, den 22. Jänner 1904, von 2—4 Uhr nachmittags, im Bureau der Gesellschaft, eventuell Samstag, von 11—1 Uhr mittags, im Museum für jüdische Altertümer entgegennehmen. Sämtliche Karten sind unentgeltlich. Für die nächste Zeit sind die folgenden Vorträge in Aussicht genommen: Reverend Wilhelm H. Hechler, kömgl. großbritt. Botschafts-Pfarrer tu Wien: „Die Palästina-Reise Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1898". Oberrabviner Dr. Immanuel Löw-Szegedin. Rabbiner Dr. M. Grnnwald-Wien. Adolf von Sonnenthal. Wien. Der „Brigittenaner Franen-Unterstütznugsverein", der unter der Leitung der im Dienste der Humanität sich geradezu aufopfernden Präsidenten Frau Dr. A. Weiß und anderer ihr nachstrebender Borstandsdamen, wie insbesondere Frau Anna Goldner und Frau Marie Kohn, steht, hat sich durch sein überaus gemeinnütziges Wirken eine außerordentliche Popularität errungen. Dank diesem Umstande war die letzte Veranstaltung des Vereines, die am 10. d. M. im Ballsaale Ronacher stattfand, sehr zahlreich besucht, und allgemein hörte man aufrichtige Worte der Anerkennung für das ausgezeichnete Arrangement, da, ohne Mühe und Kosten zu scheuen, das Beste geboten wurde. Der Abend wurde mit einem Konzert des Neuen Orchester-Vereines, den Kapellmeister Fuchs meisterhaft dirigierte, eingeleitet, worauf ernste und heitere Vorträge von ersten Kunstkräften der Wiener Theater folgten. Nach Absolvierung des Akademie-Programmes trat der Tanz in seine Rechte, der von Herrn Dr. M. Saxl mit Fräulein Ella Goldner, Herrn Heinrich Hagen mit Fräulein Nenv Berger, Herrn Dr. Armin Süß mit Fräulein Emma Weiß, Herrn Dr. Heinrich Schreiber mit Fräulein Julie Steiner und den übrigen Komiteemitgliedern eröffnet wurde. Der von Professor Julius Singer nrrangierte Kotillon wurde lebhaft akklamiert. Unter den erschienenen Festgästen bemerkten wir Frau Baronin Türk-Rohn, Herrn Dr. Feuchtwang samt Gemahlin, Dr. .Gelbhaus und Gemahlin, den Vorstand des Brigittenaner Postamtes, Dr. N. Weinstein und Gemahlin, Herr und Frau Bernhard Kaiser, De. Roth, Dr. Hopfinger, Dr. Leopold Stern und Herrn Offizial Kraus mit ihren' Gemahlinnen u. v. a. Die gelungene Veranstaltung brachte ein ansehnliches Reinerträgnis. K Ch. Wien. Der Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande versendet seinen Jahresbericht, dem wir Nachstehendes entnehmen: Im abgelaufenen Jahre verpflegte der Verein 112 Personen gegenüber 142 im Jahre 1902. Die Verpflegskosten betragen K 14.066'48; auf 4032 Berpflegstage berechnet, stellen sich die Kosten per Kopf und Tag auf K 3-485. Der Fehlbetrag von K 1520 wurde wie im Vorjahre aus den Zinsen der Bettstiftungen ergänzt. Zur Aufnahme meldeten sich 269 qualifizierte Personen, von denen 112 ausgenommen wurden, während mangels der nötigen Mittel 157 Petenten zurückgewiesen werden mußten. Diese Ziffern sprechen beredt genug, als daß der Verein es nötig hätte, des Näheren darzulegen, wie schwer die Erfüllung der Aufgabe ist, die er sich gestellt hat. Nach Erstattung des Dankes an die Wiener Kultusgemeinde und die Baron Hirsch-Stiftung für erteilre Subventionen gedenkt der Bericht der aufopfernden Tätigkeit des Herrn Dr. Johann Perl, Kurarztes in RoLnau, und des Vorstandsmitgliedes Herrn Dr. M. Koranyi, welcher sich der Mühe unterzog, die Pfleglinge in RoLnau zu besuchen und sich persönlich davon zu überzeugen, daß die Wohnungs- und Verpflegsbedingungen günstige und zweckentsprechende waren. Im Hinblick auf die diesfalls gemachten Erfahrungen hat der Vereinsvorstand beschlossen, in Hinürnft für die Aufnahmsgesuche zur Verpflegung die Präklusivfrist bis zum 15. April eines jeden Jahres festzustellen, worauf die geehrten Stifter des Vereines besonders aufmerksam gemacht werden. Später einlaufende Gesuche können leider nicht berücksichtigt werden. Zum Schluffe appelliert der Bericht an die gütige Unterstützung nicht nur der geehrten Vereinsmitglieder, sondern aller Menschenfreunde, damit der Verein, dem angestrebten Ziele nähergebracbt, auch in der Folge im Interesse der leidenden Menschheit mit Erfolg tätig sein könne. Wien. Samstag, den 23. d. M. begeht der Religionsschul-Jnspektor Dr. Leop. Langfelder die Feier seines 70. Geburtstages. Der Jubilar erfreut sich in Gelehrtenkreisen wegen seines fachmännischen Wissens eines hohen Ansehens, die Bürgerschaft des 6. und 7. Bezirkes aber verehrt in ihm den ausgezeichneten Lehrer, der durch mehrere Generationen der Jugend ein treuer Führer war. Wien. (K a m p f u m eine Erbschaft.) Vor sechs Jahren starb in Lipto-Szt-Miklos der reiche Jude Samuel Herz- Bei Gelegenheit der Inventarisierung des Nachlasses wurde außer einigen alten Kleidern nichts gefunden. Der Präsident der israelitischen Gemeinde schenkte die alten Kleider dem Diener der Kultusgemeinde, der eines Tages in einem alten Kleidungsstück eingenäht ein Packet Wertpapiere im Werte von 500.000 Kronen fand und diese Papiere sofort dem Präsidenten der Gemeinde übergab. Laut dem Testamente entfielen ein Drittel des Betrages auf die israelitische Gemeinde, zwei Drittel auf den jüdischen Verein Chewra Kadischa. Die erstere sollte von dem Gelde eine Schule errichten, die Chewra Kadischa aber wäre verpflichtet, die Armen zu unterstützen. Die Seitenverwandten des Verstorbenen hatten wohl dieses Testament angcfochten, doch ohne Erfolg. Im vorigen Jahre kamen die Gemeinde und die Chewra Kadischa dahin überein, daß die gesamte Verlassenschaft auf die Errichtung eines staatlich subventionierten israelitischen (!) Gymnasiums verwendet werde. Der Kultusminister verweigerte jedoch die staatliche Subvention mit Hinweis darauf, daß das Gymnasium die Bürgerschule schädigen würde. In neuester Zeit ist wieder ein heftiger Konflikt zwischen der Gemeinde und dem Verein entstanden. Die Gemeinde möchte um jeden Preis eine Schule erbauen, während die Chewra Kadischa jüdische „Arme" unterstützen will. Bei der letzten Generalversammlung kam es zu stürmischen Szenen. Der Präsident ließ — während die Gegenpartei sich entfernte — durch seine Anhänger die Errichtung einer Schule um den Preis von 80.000 Kronen aus dem Herz'schen Nachlasse votieren. Die Gegenpartei bereitet deshalb eine heftige Gegenaktion gegen den Präsidenten der Gemeinde vor. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein „jüdischer Mädchen Moria".) Sonntag, den 24. d. M. wird Herr Professor Dr. Leon Kellner einen Vortrag über das Thema „Aus dem Leben Benjamin Disraelis" halten. Beginn präzise 3V„ Uhr nachmittags, tut Kongreßsaale, IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlichst willkommen. Zabreh. Am 3. d. M. veranstalteten die Zabreher Zionisten eine imposante Makkabäerfeier. Der Abend, welcher durch die Begrüßungsrede des Herrn L. Regenbogen eingeleitet wurde, brachte mehr, als man erwartet hatte. Der Obmann des mähr.-schles. Distriktskomitees, Herr Max Hickel aus Brünn, hielt eine wirkungsvolle Festrede. Herr Kantor David Meisel aus M.-Ostrau sang mit der in unserem Orte bereits bekannten Kunstfertigkeit drei Lieder: „Mein Jerusalem wird wieder fröhlich, „Der Asra" und „Ö, schließ' in dein Gebet mich ein." Außerdem gelangte das Theaterstück „Im dritten Stock" zur Aufführung, und endlich dürfen auch die gehaltenen Vorträge, wie: Die Landstreicher, Der jüdische Mai und Sturm von Rosenfeld nicht unerwähnt bleiben. Der schöne Erfolg lohnte vollends die Mühe der Veranstalter. Zwitta« (Mähren.) Eine recht schöne und erhebende Feier fand am Samstag, den 16. d. M. in unserer Kultusgemeinde statt. An diesem Tage wurde der vom Vorsteher, Herrn Fabrikanten Josef Stein und seiner Gattin Frau Bertha Stein geb. Zifferer gespendete Thora-Borhang (Porauchess) unserem neu errichteten Gotteshanse feierlichst übergeben, woran sich die Barmizwah-Feier des einzigen Sohnes unseres Vorstehers anschloß. Aus diesem Anlasse war unser Gotteshaus, namentlich vom Damenpublikum, sehr stark besucht; man sah außer dem gesamten Kultusvorftande auch einige Gäste aus Wien, so Herrn Fabrikanten David Neumann, Dr. Heinrich Friedlünder und Max Zifferer, Bruder des Gemeinderates Herrn Donat Zifferer in Wien u. v. a. Sämtliche zur Thora Gerufenen spendeten namhafte Beträge für die hiesigen diversen Wohltätigkeitsanstalten, und als Herr Vorsteher Josef Stein zur Thora gerufen wurde, trug unser Kantor, Herr Samuel Lagodczinsky, einen eigens von ihm verfaßten ^Ii8oüsI»6raLd vor, der auf alle Anwesenden großen Eindruck machte, wie überhaupt alle musikalischen Darbietungen des genannten Herrn Kantors reichen Beifall fanden. Diese schön verlaufene Feier wird allen Besuchern des Gotteshauses noch lange in Erinnerung bleiben. — dz—. Budapest. Die Aufnahmen in der „Chewra Kadischa" wurden heute, Rosch Chodesch Schewat, beendet. Aus diesem Anlaß fand im Hause des „heiligen Vereins" in der Laudongasse eine Schlußfeier statt, bei welcher 25 Personen unentgeltlich ausgenommen wurden. Die Feier verlief in dem mit wertvollen, goldgestickten Thorarollen und Tempelreliquien rc. geschmückten Prunksaale des Vereins, woselbst die Notabilitäten der israelitischen Konfession: Reichstagsabgeordnete, hohe Ministerialbeamte, Bankdirektoren, Großindustrielle. Künstler und Schriftsteller, ferner Deputationen der Ofner und Altofner isr. Religionsgemeinde rc. erschienen. Die Präsidenten der Religionsgemeinde und des heiligen Vereins, sowie deren Sekretäre, Vorsteher und Rabbiner uahmen unter einem prächtig dekorierten Baldachin Platz. Sekretär Dr. Franz Mezei unterbreitete den Bericht, laut welchem 2082 Mitglieder ausgenommen wurden, 156.575 K an Einschreibegebühr entrichteten und 11.300 K zu wohltätigen Zwecken spendeten. Die Aufnahmsgebühren an die isr. Gemeinde betrugen 52.000 X. Präsident Jakob Boschan gedachte dankbaren Herzens des Eifers des Vorstandes, insbesondere des Hofrats Sigmund Kohner, dessen Verdienst es ist, daß sich so zahlreiche neue Mitglieder meldeten und zu Förderern der humanen Institution geworden sind. Den Worten des verdienstvollen Präsidenten folgten langanhaltende Eljenruse. Hierarf verlieh Hofrat Sigmund Kohner, der heuer bereits zum zweiten Male bei der Mitgliederaufnahme die Funktion eines Präsidenten versieht, seiner Freude darüber Ausdruck, daß trotz der schweren Geschüftsstockung die Zahl der sich Meldenden stets anwächst. Kohner würdigte dann mit schönen Worten die demokratischen und Humanitären Prinzipien des heiligen Vereins. Die erhebende Rede wurde mehreremals durch frenetischen Applaus der Zuhörer unterbrochen. Als Letzter ergriff Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn das Wort. Er sieht im heiligen Verein und deren Vorstehung den Schutzwall des israelitischen Glaubens, da er seine Mitglieder Menschenliebe und Barmherzigkeit lehrt. Seine, der heiligen Schrift entnommenen Zitate wurden von den Glaubensgenoffen mit ungeteilter Andacht angehört. Mit einem Abendgebet schloß die erhebende Feier.

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