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Die Wahrheit · 1904-01-22 · Heft 4 (22.1.1904) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leite 8. Die Wahrheit Nr. 4. Ferner erbittet sich der Obmann von der Versammlung die Ermächtigung, dem Kollegen, Herrn Religionsschul-Jnspektor Dr. Leopold Langfelder, zur Vollendung seines 70. Lebensjahres die Sympathien des Verbandes in geeigneter Weise kundgeben zn dürfen. (Beifall.) Schriftliche Zustimmungslundgebungen sind der Versammlung zugekommen, von: Rabbiner Dr. Hillel in Leipnik, Rabbiner Dr. Friedmann in Linz, Rabbiner Dr. Schornstein in Leitmeritz, Rabbiner Dr. Biach in Brüx, Rabbiner Doktor Tauber in Prerau, Professor Dr. Herzl in Brody, Rabbiner Dr. Mandl in Neutitschein, Rabbiner Dr. Rabinowicz in Mähr.-Weißkirchen. Ihren Beitritt haben angemeldet: Rabbiner Dr. Bauer in Wien, Rabbiner Dr. Mandl m Wien, Rabbiner Dr. Abeles in Wien, Rabbiner Dr. Funk in Boskowitz, Rabbiner Dr. Hausner in Lemberg, Rabbiner Dr. Mandl in Neutitschein u. a. Zum ersten Punkt der Tagesordnung, „Rechenschaftsbericht des Obmannes", übergehend, begrüßt es der Obmann mit aufrichtiger Genugtuung, daß erst in den letzten Wochen vier Kollegen, davon zwei in Wien (Kollek und Goldhammer), zu destuitiven Religionslehrern an Mittelschulen ernannt wurden. Einem Aufträge des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde folgend, habe der Ausschuß den Entwurf eines Lehrplanes und einer Instruktion für den Religionsunterricht an Mittelschulen ausgearbeitet. Der Lehrplan wurde nach unwesentlichen Aenderungen von der Wiener Kultusgemeinde approbiert, indes die Instruktionen den besonderen Verhältnissen in Wien entsprechend, auf Grund weiterer mündlicher Beratungen, weitergehende Aenderungen erhielten. Der Obmann berichtet über die vorbereitenden Schritte, die zur Herausgabe einer Vierteljahrsschrift geschehen sind und über die Hindernisse, die bisher dem Erscheinen derselben im Wege gestanden. Indem der Obmann seinen Kollegen im Ausschüsse für ihre Arbeitsfreudigkeit, dem Verbände für das ihm entgegeugebrachte Vertrauen dankt, legt er sein Mandat als Obmann nieder, mit der Bitte, seinen Rechenschaftsbericht zur Kenntnis nehmen zu wollen. (Beifall.) Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes des Kassiers Dr. Goldhammer wird dem Ausschüsse das Absolutorium erteilt und dem Obmanne für seine dem Verbände erwiesenen großen Dienste aus Antrag des Professors Kanitz der wärmste Dank ausgesprochen. Vizepräsident der Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, begründet sein Erscheinen, sowie das seines Kollegen Dr. Gustav Kohn, mit dem Hinweis aus das rege Interesse, das die Wiener Kultusgemeinde den Beratungen des Verbandes entgegenbringt. Er erklärt sich bereit, das Material, welches der seit einigen Jahren begründete Bund der österreichischen israelitischen Gemeinden über die Erforschung der Zustände des Religionsunterrichtes gesammelt habe, dem Verbände zur Verfügung zu stellen, welche Bereitwilligkeit vom Obmanne mit bestem Danke entgegengenommen wird. Auf Antrag des Vorsitzenden werden die Punkte 3 und 4 der Tagesordnung (Berichterstattung über die Rechtstellung der Religionslehrer und über die Wahl des Komitees zur Abfassung eines einheitlichen Lehrplanes) erst nach der Neukonstituierung des Ausschusses und nach der Vornahme der notwendigen Statutenänderungen vorgenommen. Zum Obmann wird mit allen — gegen drei — abgegebenen Stimmen der bisherige Obmannstellvertreter Rabbiner Dr. Feuchtwang, zum Schriftführer Professor Dr. Heinrich Pollak gewählt. Rabbiner Dr. Feuchtwang dankt für das ihm durch seine Wahl zum Obmanne bekundete Vertrauen und erklärt, dieselbe anzunehmen, im Hinblicke darauf, daß der bisherige Obmann, Professor Dr. Weiß, infolge allzugroßer Ueberbürdung nicht mehr in der Lage sei, die Obmannschast weiter zu führen. Schriftführer Dr. Heinrich Pollak dankt für seine Wiederwahl zum Schriftführer, mit der Versicherung, seine Kräfte auch ferner in den Dienst des Vereines zu stellen. Punkt 6 der Tagesordnung: Wahl des Ausschusses. Eswerden per acclamationem gewählt, die Herren: Dr. Goldhammer (Wien), Professor Kanitz (Wien), Inspektor Langfelder (Wien), Dr. Grünfeld (Brünn), Professor Dr. Kisch (Prag), Dr. Biach (Brüx), Professor Dr. Weiß (Wien.) Dr. Kaminka stellt den Antrag, den gewesenen Obmann Dr. Weiß in Würdigung seiner um den Verband erworbenen Verdienste zum Ehreumitgliede zu erkennen, welcher Anrrag einstimmig angenommen wird. Professor Dr. Weiß dankt für die ihm dadurch erwiesene Ehre. Als Referent zum Punkt: Anträge zur Statutenänderung^ beantragt Dr. Weiß mehrere Aenderungen einzelner Paragraphe der Statuten, mit denen sich die Versammlung für einverstanden erklärt. Ein Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Kaminka auf Aenderung des § 9 der Statuten wird abgelehnt. Hierauf wird die Sitzung geschlossen. _ (Schluß folgt.) Fünfzigjähriges Fabriüs-Inbttimm. j Die k. u. k. Hof-Toilettenseifen- und Parfümerien-Fabrik! G o tt li e b T a uff i g in Wien beging vor einigen Tagen ihren fünfzig-! jährigen Bestand, aus welchem Anlasse der kommerzielle Direktor der! Firma, Herr Leopold Baß, in einem dem Senior-Chef und Begründer des Hauses, Herrn G o t t l i e b T a u s s i g, gewidmeten Prachtwerke in? Wort und Bild die Entstehung, Entwicklung und gegenwärtige Einrichtung j dieser zu den hervorragendsten industriellen Etablissements in Oesterreich j zählenden Fabrik schildert. Gerade in der heutigen Zeit, wo der jüdische Kaufmann so oft angefeindet wird, ist die Lektüre dieser interessanten Festschrift überaus lehrreich. Sie zeigt uns, wie Gottlieb Taussig, der nach zurückgelegten Lehr- und Wandcrjahren im Jahre 1854 in Gemeinschaft Mit seinem Vater Joel Taussig eine sehr bescheidene Seifensiederei begründete, sich zunächst durch eigene Kraft, besonders aber durch die Trefflichkeit und Solidität seiner Erzeugnisse zu einer hervorragenden Stellung in seiner Branche emporschwang und dann, als ihm in seinem Sohne, Herrn Alfred Taussig, und in der Person des kommerziellen Direktors, Herrn Leopold Baß, so ausgezeichnete Mitarbeiter erstanden, in die erste Reihe vorrückte und seinem Hause einen Weltruf zu verschaffen wußte. Die hervorragende kommerzielle Tätigkeit der Firmenchefs fand selbst an allerhöchster Stelle Anerkennung, indem Herr Gottlieb Taussig im Jahre 1892' mit dem goldenen Berdienstkreuze, im Jahre 1894 durch Verleihung des Titels eines k. u. k. Hoflieferanten, im Jahre 1900 durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josefs-Ordens, und Herr Alfred Taussig im Jahre 1694 durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet wurde. Die Fabrikate der Firma, welche über die ganze Welt verbreitet sind, wurden auf zahlreichen Ausstellungen prämiiert. Selbst aus dem Arbeiterstande hervorgegangen, ist Herr Gottlieb Taussig, und nicht minder auch dessen Sohn, seinen Arbeitern und Angestellten ein fürsorglicher Chef, und die Arbeiierfeste, die alljährlich gefeiert werden, geben ein beredtes Zeugnis von der Liebe und Hochachtung, deren sich beide erfreuen. An dieser Stelle mag auch anerkennend erwähnt werden, daß Herr Gottlieb Taussig trotz seiner angestrengten Berufstätigkeit immer auch noch Zeit gesunden hat, sich in Dienst seiner Glaubensgenossen zu stellen. Durch viele Jahre war er Präses der israelitischen Kultusgemeinde in Fünfhaus und nach deren Vereinigung mit der Wiener Kultusgemeinde wurde er in den Kultusvorstand gewählt, welcher Körperschaft er bis heute noch angehört. Gemeinde- und Pereinsbote. Wien. Die Beamten der Wiener Kultusgemeinde haben dem zurückgetretcnen Präsidenten, Herrn kais. Rat Heinrich Klinger, zum Ausdruck ihrer Verehrung und Dankbarkeit eine prachtvoll ausgestattete uich« von der gesamten Beamtenschaft gefertigte Adresse übermitteln lassen. Wien. Der Bethausvorstand der Wiener Kultusgemeinde hat in den letzten Tagen durch den Heimgang zweier verdienter Mitglieder überaus schmerzliche Verluste erlitten. Vorige Woche wurde, wie berichtet, eine junge Kraft, Herr Arthur Flaschner, und Montag, den 18. d. M. Herr Jacob Mohr, das älteste Mitglied dieser Körperschaft, zu Grabe getragen. Im Trauerhause und am Friedhofe bemerkten wir unter den zahlreichen Trauergästen: die beiden Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Stern und Dr. Kohn, die Kultusvorsteher Dr. Berger, Salo Kohn, M. Eisler, Architekt Fleischer, kais. Rat Wilhelm Pollak, Dr. Spitzer, Baurat Stiaßny, die Bethausvorsteher Jeiteles, Schramek, Steiner, Waffervogel, Winterberg, die Vorsteher der Chewra Kadischa S. Heit und Kann, die Rabbiner Dr. Schmiedl und Dr. David und Abordnungen verschiedener Vereine. Nachdem Oberkantor Singer unter Assistenz des Chorpersonales die üblichen Trauergesänge rezitiert hatte, würdigte Oberrabbiner Dr. Güdemann die mannigfachen Verdienste des Verblichenen. In der Zeremonienhalle und am Grabe sprachen noch Dr. Spitzer namens des Bethausvorstandes und Herr S. Heit namens der Chewra Kadischa.

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