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Die Wahrheit · 1904-01-15 · Heft 3 (15.1.1904) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Die Wahrheit Seile 9. Klauen waren nicht gespalten und die Klauen werden nicht ges spalten sein und womit die Thora die Fehler und Gebrechen eines Wesens ichonungsvoll als nicht immer anhaftend gebrandmarkt wissen will, sondern .zwei der Zeiten ausschließt, wo Fehler und Gebrechen wegzudenken seien. Mehr als Hundert Werke und Abhandlungen hat Jellinek veröffentlicht und die Fülle seines reichen Denkens und Wissens hat er aus dem ewigen Borne des jüdischen Schrifttums geschöpft. Eine schöne talmudische Parabel wendete dann der Redner auf Dr. Jellinek an. Im Talmnd wird erzählt, daß ein Mann junge, zarte Obstbäume in seinem Garten großzog. Eines Tages kam er in den Garten, aber die ganze Pflanzung war verschwunden. Ein über Nacht hereingebrochenes Hochwasser hatte die Bäumchen entwurzelt mrd weggeschwemmt. Kurze Zeit darauf wird dem Mann die Kunde, daß seine geliebten Bäume auf deni Acker eines entfernt wohnenden Landmannes eingepflanzt stehen. Er geht dahin, erkennt seine Pflanzung und verlangt sie zurück. Der zweite Besitzer will sie ihm nicht vorenthalten, meint aber, auf die nächste Ernte den Anspruch erheben zu dürfen, weil die Bäume jetzt auf seinem Boden gewachsen wären. Beide Männer treten vor den Richter, welcher über den Fall zu entscheiden hatte. Dieser fragt den Finder, ob er die Bäume kahl oder belaubt ans dem Wasser gezogen. „Die Bäume waren kahl, nur an den Wurzeln haftete noch Muttererde, in der sie gestanden und so habe ich sie in meinen Garten verpflanzt" war die Antwort. O, dann gehört die nächste Ernte auch nicht dir, sagte der Richter, sondern dem rechtmäßigen Eigentümer. Diese an den Wurzeln haftende Muttererde war stark genug, um den Bäumen ihre Nahrung .und Triebkraft zu geben. Der neue Boden deines Grundes war bloß die Hülle und hätte Wachstum und Gedeihen nicht bewirken können. Auch Dr. Adolf Jellinek zog seine Nahrung zuerst aus dem Mutterboden der jüdischen Wissenschaft, aus der Thora, aus dem Talmud, aus dem Midrasch; dies waren die unversiegbaren Quellen seines Geistes. Er hatte sich in der talmudische» Wissenschaft ganz vertieft und alles aus ihr geschöpft. Das übrige war Hülle von untergeordneter Bedeutung. Trachten wir darnach, daß auch aus unserer Mitte Jünger erstehen die im gleichen Geiste zum Ruhme Israels die rechten Schüler Jellineks werden: das walte Gott! Die Rede Dr. Schmiedls hatte einen großen Eindruck gemacht und wurde der Redner von allen Seiten beglückwünscht. Hierauf stimmte Herr Cantor Blatt das Ol-araole an und Herr Lektor Friedmann verrichtete den Xackäiseii derabbanan, womit die Feier beendet war. I. Beruh. Straffer. Uerfchiedene Nachrichten. Wien. („O e st e r r e i ch i s ch - i s r a e l i t i s ch e Uni.o n".) Donnerstag, den 21. Jänner, präzise V2S Uhr abends, findet im Saale des „Hotel Guth", II., Stefaniestraße 14,. eine Bereinsversammlung der „Oesterreichisch-israelitischen Union" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mitteilungen des Präsidiums. 2. Bortrag des Landesrabbiners Dr. A. Tänzer aus Hohenems: „Die Selbsthilfe — ein Naturgesetz." 3. Diskussion. Wien. Der Ausschuß des Berbandes der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt am 10. Jänner d. I. unter dem Vorsitze. des neugewählten Obmannes, Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang, die erste Sitzung ab. Zu Beginn derselben richtete der frühere Obmann Prof. Dr. Weiß an den Vorsitzenden warme Begrüßungsworte, welche derselbe mit herzlichen Worten erwiderte. Zum Obmannstellvertreter wurde Prof. Dr. Weiß, zum Kassier Prof. Dr. Goldhammer bestimmt^ Der Vorsitzende gibt bekannt, daß Seine Exzellenz, der Herr Minister für Kultus und Unterricht, für die während seiner Krankheit vom Berbandsausschusse ihm bewiesene Teilnahme, seinen Dank freundlichst übermittelt hat. Betreffs der bei der Generalversammlung beschlossenen Aenderungen der Statuten werden die hiezu nötigen Schritte ehestens unternommen werden. Prof. Dr. Weiß wird mit der Abfassung einer Petition betreffs der Rechtstellung der Religionslehrer an den Mittelschulen betraut. Dieselbe soll nach eingehender Beratung des Ausschusses in Druck gelegt und an alle im Religionsunterrichte wirkenden Lehrer zur Unterschrift versendet werden. Es wird beschlossen, regelmäßige Monatssitzungen abzuhalten und die gefaßten Beschlüsse in der „österreichischen Wochenschrift" in der „Wahrheit" und im „Jüdischen Bolksblatt" zu veröffentlichen. Die Jahresbeiträge werden in Zukunft durch Mahnbriefe eingefordert und an die Mitglieder die Frage gerichtet werden, ob sie gestatten, dieselben durch Postauftrag einzuheben. Von der Anregung, die für Religionslehrer wichtigen Verordnungen, Gesetze und Erlässe herauszugeben, beschließt der Ausschuß, mit Rücksicht darauf Umgang zu nehmen, daß eine solche Publikation von maßgebender Seite in Aussicht gestellt wurde. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Wien. Der theologische Verein der Hörer an der israelitischtheologischen Lehranstalt bringt hiemit zur Kenntnis, daß das Vereinsmitglied Herr Dr. S Zimmels Samstag, den 16. Jänner, um 9 Uhr, beim Morgengottesdienste im Beth-Hamidrasch (Tempelgasse 3) eine Predigt abhalten wird. Wien. Der allgemeine Krankenunterstützungsverein „Nächstenliebe" veranstaltete am 9. d. im Prachtsaale „Zur Post" ein Ballfest, das wie alljährlich überaus animiert verlief und ein namhaftes Reinerträgnis abwars. Wien. Der „Brigittenauer Frauen-Wohltütigkeitsverein" veranstaltete Sonntag, den 10. d. im Ronacher-Saale eine Akademie mit Tanzkräuzchen, die allgemein als vollkommen gelungen anerkannt wurde. Ueber den Verlauf des schönen Abendes werden wir nächstens eingehender berichten Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein „jüdischer Mädchen Moria".) Sonntag, den 23. d. M. findet un Hotel Central, II., Taborstraße 8, eine Akademie mit anschließendem Tanzttänzchen statt. Ein reichhaltiges Programm ist durch die freundliche Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte gesichert. Einzelkarten ä 2 K, Familienkarten ä 6 K, Studenten-, (Arbeiter-) Karten sind im Kongreßbureau, IX., Türkenstraße 9, Redaktion der „Welt", bei der Präsidentin, Frl. Berta Herrmann, VIII., Josefstädterstraße 9, sowie bei sämtlichen Komitemitgliedern erhältlich. Wien. Vorigen Samstag beging Oberkantor Schorr die Barmizwaseier seines vorjüugften Sohnes. Der Konfirmand, ein Schüler des Religionslehrers Dan. Skutezky, zeigte sowohl im Gotceshanse, wo er den Maftirabschnitt der Parafcha und die Haftora glänzend vortrug, als auch durch die Festrede und einen talmudischen Borrrag im Hause, daß er nebst dem im Elternhause empfangenen ticfreligiösen Bewußtsein auch trotz seiner Jugend schon ein gutes Stück jüdischen Wissens sein eigen nennt. Die große Zahl der Festgäste im Hause des Festgebers, wo wir den gesamten Vorstand des Vereines „Beth-Jsrael", mehrere Knltusvorsteher, zahlreiche Rabbiner und Kantoren bemerkten, sowie die Unzahl der schriftlichen Gratulationen beweisen die allgemeine Beliebtheit und Hochachtung, deren sich Oberkantor Schorr in den weitesten Kreisen erfreut. Wien. Jäh und unerwartet ist Samstag, den 9. d. M. das Mitglied des Bethausvorstandes der Wiener Kultusgemeinde, Börsenrat Arthur Flaschner, nach kurzem Krankenlager verschieden. Das Leichenbegängnis dieses allgemein beliebten Mannes fand Montag, den 11. d. unter sehr zahlreicher Beteiligung statt. Im Trauerhause, Untere Donaustraße 29, waren unter anderem erschienen: Hofrat Professor Dr. D. H. Müller, landesfürstlicher Kommissär Sekrionsrat Dr. Müller mit dem Mmisterialsekrerär Dr. Hofmeister. Regierungsrat Dr. Bachrach, Landesgerichtsrat Rittermann, Oberrabbiner Tr. Güdemann, die Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Stern und Dr. Kohn. fast sämtliche Mitglieder des Knltusvorstandes und des Bethausvorstandes. der Vizepräsident der Chewra Kadischa mit den Vorstandsmitgliedern S. Heit, Emil Horner und Kann, Professor Dr. Königstein, der Vizepräsident der Börse für landwirtschaftliche Produkte, kaiserlicher Rat I. Weil, mit den Kammermitgliedern und mit Vertretern des Schiedsrichterkolleginms, eine Abordnung des Zentralverbandes der Mühlenvertreter, ferner kaiserl. Rat Vogel, kaiserlicher Rat Anspitzer, Oberkantor Singer, Architekt Melcher, Dozent Dr. Pollak u. v. a. Nachdem Oberkantor Gutmann die Tranergebete in ergreifender Weise zum Vortrage gebracht hatte, wurde die Leiche auf den Zentralfriedhof überführt, woselbst Rabbiner Dr. Schmied! eine das gemeinnützige Wirken des Verblichenen würdigende Grabrede hielt. Kaiserlicher Rat I. Weil sprach noch namens der Produktenbörse und Herr D. Braun namens des Zentralverbandes der Mühlenvertreter tiefempftlndene Abschiedsworte, worauf die sterblichen Ueberreste Arthur Flaschners zur ewigen Ruhe gebettet wurden: Pohrlitz. Sonntag, den 10. d. M. wurde hier der nach kurzem Leiden im 77. Lebensjahre verstorbene ehemalige Kantor und Religionslehrer, Herr Max Adler, unter Beteiligung fast sämmtlicher Gemeindemitglieder zu Grabe getragen. Mit ihm verlor unsere Gemeinde einen Mann von lauterstem Charakter, umfassender Bildung, wahrer Religiosität und glühender Begeisterung fürs Judentum Einer hochachtbaren Familie entstammend — sein Vater war der ob seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit hierorts seinerzeit allgemein geachtete Herr Josua Adler s. A., sein Bruder der als Mensch und Arzt in unserer Gemeinde unvergeßliche Herr Dr. Salomon Adler s. A. — absolvierte Max Adler seine gymnasialen Studien mit ausgezeichnetem Erfolge und pflegte dabei mit besonderem Eifer auch die hebräischen Disziplinen. Bon dem idealen Srreben beseelt, seine tiefe Religiosität auch praktisch zu betätigen, entschloß er sich Kantor zu werden, und er faßte sein Amt so auf, daß er in dem Kantor durchaus nicht den nach äußerem Effekte haschenden Sänger, sondern den in einem höheren Dienste stehenden Priester erblickte, in dessen Tun und Lassen sich auch stets die Pflichten gegen seinen heiligen Beruf ausdrücken sollten. So lange Max Adler das Amt eines Kantors versah, und er wirkte als solcher durch fast 25 Jahre erfolgreich in mehreren hervorragenden böhmischen Gemeinden, ist er dieser feiner Auffassung treu geblieben und hat in weihevoller, äußerst würdiger und darum herzerhebender Weise und mit peinlichster Gewissenhaftigkeit seine kantoralen Funktionen verrichtet. In gleich erfolgreicher Weise wie als Kantor wirkte er aber auch als Lehrer und Prediger, für welch letzteres Amt er durch sein umfaffendcs Wissen und seine rednerische Begabung geradezu prädestiniert erschien, und seine Leistungen haben zu wiederholten Malen glänzende Anerkennung gefunden. Seit einer längeren Reihe von Jahren lebte Max Adler in seiner Vaterstadt Pohrlitz, still und zurückgezogen, sein Glück in einem wirklich frommen, gottgefälligen Leben, in seiner Familie und in geistiger Beschäftigung suchend, und manche wertvolle Arbeit in deutscher und hebräischer Svrache entstand während dieser Zeit. Mit ihm ist einer der letzten jener ehemals zahlreichen Männer unserer Gemeinde verschwunden, die hohes Wissen mit wahrer Religiosität und begeisterter Liebe zum Judentum vereinten, r.'z'z'i r Bndapest (E in neuer u n gari s ch er j ü d i s ch e r B a r o u.) Das Amtsblatt vom 9. d. M. verlautbart die Verleihung der ungarischen Baronie an den Großindustriellen und Großhändler Peter Herzog de Csete in folgender Weise: „Auf Vorschlag Meines mir der zeitweiligen Leitung des Ministeriums um Meine Person betrauten ungarischen

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