Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 2. sei. Dafür bieten uns die Lichtgestalten Gewähr, die wir in unserer Mitte haben, und er verwies aus die Großherzigkeit Back's, auf die- Unermüdlichkeit von Schwarz, Boskowitz und Löwit, tat Erwähnung des Stifterbeitrags von Joses Groß, den er anläßlich des Scheidens aus seinem. Berufsleben bem Vereine weihte, und als er schloß, daß Gott der dreimalheilige Alle segnen möge, erhob sich ein minutenlanger Beifallssturm, der den ausgezeichneten Redner sowohl, als der Tendenz seiner glänzenden' Ausführungen galt. In trefflichen Worten feierte Löwit Herrn Prof. Nascher, dann sprachen unter stetem Beifall die Herren Bielitz, Dnldner, Engel, worauf Herr Hoffmann den Jahresbeitrag pro 1904 mit 60 Kronen fixierte, welchen Betrag unser hilfsbereite Herr Karl Fuchs auf hundert Kronen ergänzte. Von diesem zündenden Beispiel angcfeuert, strömten die freiwilligen Beiträge spontan dem Vereinsfond zu. Nun erhob sich Obmann Schwarz zum Schlußworte, um lebhaft akklamiert zu enunzieren, daß er sowohl wie sein Vertreter Herr Boskowitz, als Zeichen gemeinsamer Bewunderung für die hehre priestcrliche Gestalt des Rabbiners Dr. Schmied!, dem nach demselben benannten Stiftungssond zusammen 80 Kronen widmen, Herr Michael Back votierte 50 Kronen, Herr Hugo Popper dem gleichen Zwecke 20 Kronen, in Summe 150 Kronen, welche im Geleite eines schwungvollen Schreibens von Herrn I. Schwarz dem ehrwürdigen Herrn namens des Vereines übermittelt wurden, zur Erinnerung an die ganz vereinzelte Feier, deren Eindrücke mit unvergänglichen Zügen eingeschrieben sind in Herz und Erinnerung der Teilnehmer. Mit rührenden Dankesworten des Jubelgreises, dem Herr Albert Kohn das Festkleid , spendete, schloß das erhebende, denkwürdige Fest. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte und Volkskunde.) Mittwoch, den 13. Jänner 1904, präzise ^8 Uhr abends, im Festsaale des österreichischen Ingenieur- und Architekten- Vereines, 1., Eschenbachgaffe 9, Herr Dr. Armand Kaminka: „Josef Nassi, Herzog von Naxos." Der Eintritt ist frei. Wien. Sonntag, den 3. d. M., 12 Uhr mittags, fand in der Wohnung der Frau General-Konsul Thalberg die Trauung des Sohnes, Herrn Dr. August Thalberg, mit Fräulein Julie Straß, Tochter des verstorbenen Majors Straß, statt. Den Trauungsakt vollzog Rabbiner Dr. Gelbhaus, welcher eine sinnige Ansprache an das Brautpaar hielt, und die kantorale Funktion versah in erhebender Weise Oberkantor Kläger unter Assistenz des Kantors Pekarnik. Wien. Im Simmeringer Tempel wurde Samstag, den 26. v. M. der 70. Geburtstag des verdienstvollen Vorstandsmitgliedes, Herrn A. Nemschitz, festlich begangen. Dem Gottesdienste wohnten nebst vielen Mitgliedern der Gesamtvorstand des Tempelvereines mit dem Obmann, Kultusvorsteher Kauders, und dem Obmannstellvertreter Leopold Weiß, bei. Gleichzeitig wurde auch das Enkelkind des Jubilars „Bar-Mizwah". Der sehr beliebte Kantor Treuhaft hielt an den Jubilar eine schöne Ansprache, und der Vorstand überreichte Herrn Nemschitz eine prachtvoll ausgestattete Adresse. Wie«. Am 5. d. M. ist ein ausgezeichneter, wackerer Manu und ein guter, treuer Jude, Herr Bernhard Kanitz, von hinnen gegangen. Ueberall, wo allgemeine jüdische Jntereffen gefördert wurden, und besonders dort, wo wahre Wohltätigkeit in echt jüdischem Sinne gepflegt wurde, war auch der Verblichene zu finden, und so sahen wir ihn in der „Chewra Kadischa", in der „österr.-israel. Union" und in zahlreichen anderen Vereinen eine zwar stille, aber trotzdem nicht unbedeutende Tätigkeit entwickeln. Der Kranken-Unterstützungs- und Humanitäts-Verein „Gomle Chesed", deffen Präsident Bernhard Kanitz war, veröffentlicht nachfolgende, das edle Wirken des Dahingeschiedenen charakterisierende Parte: Von wahrhaft auftichtiger Trauer erfüllt, gibt der Unterzeichnete Vorstand die betrübende Nachricht von dem Hinscheiden des hochverdienten Vereins- Präsidenten, des Herrn Bernhard Kanitz, welcher Dienstag, den 5. Januar 1904, um 8 Uhr abends, nach kurzem, schwerem Leiden in ein besseres Jenseits entschlafen ist. Der Verblichene bekleidete durch volle 27 Jahre die Obmannsstelle in unserem Wohltätigkeitsvereine und hat während dieses langen Zeitraumes durch seltene Opferwilligkeit, fteudige Hingebung, rastlose, nimmer erlahmende Tätigkeit zur Hebung und Förderung unseres Vereines in eminenter Weise beigetragen. Er bekundete stets das lebhafteste Jntereffe und die innigste Anteilnahme für alle diejenigen, die,. von des Lebens Not und Sorge zu Boden gebeugt, sich um Hilfe und Rettung an unseren Verein wendeten, und in deren Erinnerung sowie im Gedächtnisse aller, die ihm im Leben näher gestanden, wird er fortleben als das Musterbild eines guten und edlen Menschen. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Friede seiner Asche! Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein „jüdischer Mädchen Moria".) Sonntag, den 10. d. M. findet der Vortrag des Fräulein Friedmann über das Thema: „Im jüdischen Ferienheim zu Tischno.vitz", statt. Beginn präzise */*4 Uhr nachmittags, im Kongreßsaale, IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. Der Mädchen- und Frauenverein „Bikur Chaulim" veranstaltet am Sonntag, den 10. d. M. im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, L, Seitenstettengaffe 4, einen Vortragsnachmittag, an welchem Herr Dozent Dr. Josef Pollak über „Hygiene des Ohres" sprechen wird. Beginn V-4 Uhr nachmittags. Gäste, Damen und Herren, sind herzlichst willkommen. Lemberg. Im Reiche des Weltfriedenmachers wird unserem Volke der ewige Krieg erklärt, und da kann es nicht Wunder nehmen, daß zahllose jüdische Familien vor den Grausamkeiten und Schrecken desselben die Flucht ergreifen. Besonders die Kischenewer Mordtaten haben die Ächswanderungsbewegung in ein rascheres Tempo gebracht und so wird jetzt zunächst Lemberg zum Stapelplatz der flüchtigen Scharen unseres Volkes. Das Elend, das man da zu sehen bekommt, ist ein geradezu entsetzliches, und da es bisher hier an organisierter Hilfe fehlte, wurde über Anregung des Herrn Oberkantors Jsak Halpern, den viele Unglückliche um Hilfe angingen, im Vereine „Schomer Israel" durch Herrn Dr. Vierer die Gründung eines Vereines beantragt, der unter dem /Namen: „Agudath tomche Jehudi russia b:Lwow" und unter besonderer Mitwirkung der hiesigen nicht unbeträchtlichen russisch-jüdischen Kolonie sowohl für die geistigen und materiellen Interessen der bereits in Lemberg weilenden jüdischen .russischen Untertanen, sowie für den gastfreundlichen Empfang und die Weiterbeförderung der unsere Stadt passierenden Emigranten Sorge tragen sollte. Die schöne Idee fand allgemeinen Anklang, und so zählt der Verein, der sich vorläufig eine provisorische Leitung gewählt hat. bereits 110 Mitglieder. Zu wünschen wäre nur, daß nicht nur die hiesigen Kreise sondern auch auswärtige Glaubensgenossen, besonders aber die großen jüdischen Wohltätigkeitsorgaulsarionen, wie Jea, Alliance re., das edle Streben dieses Vereines unterstützen. Nähere Auskünfte erteilen med. Dr. Rüben Vierer, Lemberg, Smolkaplatz 5. Oberkantor Jsak Halpern, Lemberg, Zamarstynowskagasse 20A, die Redaktion der „Wahrheit" in Wien und die Redaktion der „Drohobyczer Zeitung" in Drohobycz. And) werden an den genannten Stellen Geldspenden entgegengenommen. Budapest. Die u n g a r i s ä)-i s r a e l i t i s ch e literarische Gesellschaft hielt im Prunksaal der Pester israelitischen Knltusgemeinde unter Vorsitz des Direktors Dr. Joses Banosczy eine Vorlesnngssitzung, welcher ein zahlreid)es Publikum beiwohnte. Zuvörderst hielt der Györer Oberrabbiner Dr. Moriz Sä)warz einen instruktiven Vortrag unter dem Titel: „Alte illustrierte Manuskripte". Es ist dies ein interessanter Abschnitt der jüdischen Literatirr- und Kunstgeschichte. Vortragender legt auf Kodexen und Manuskripten aus dem XII. und XV. Jahrhundert befindliche Marginalbilder, schwarze und kolorierte Illustrationen vor. Ein derartiges Manuskript befindet sich auch im Nationalmusenm, es ist die Chronik Rabbi Mordechoi den Hillel's aus dem XIV. Jahrhundert, die auch ungarische Beziehungen enthält. Namentlich gibt es viele Hagada's (Erzählungen über den Auszug der Inden ans Egypten) mit Illustrationen spanischer, italienischer und deutscher Meister. — Der zweite Vortragende, Ignaz Peisner, sprach über den „Rassencharakter der Juden", ein Thema, mit dem sick) in neuester Zeit Gelehrte und Nichtgelehrte viel befaßten. Der Warsck)aner Anthropologe Judt hat ermittelt, daß die Juden in der Zerstreuung keinerlei physische Aendcrung erlitten haben und trotzdem so wesentliche Abweichungen vom semitischen Charakter zeigen, daß man sie kaum zu den Semiten zählen könne. Em anderer Forscher, der bekannte Ethnograph Stratz, ist auf ganz anderem Wege fast zu demselben Resultate gelangt. Er hat gefunden, daß jener Typus, den man gemeiniglich den semitischen nennt, bei allen Völkern, selbst bei den Japanesen, Kaffern, Chinesen 2C. vorkommt; er ist das Produkt der Aufhäuftlng gewisser individueller Eigenschaften, bitrd) starke, jahrhundertelange Skaud)t (Heiraten unter Verwandten und sonst physisch sehr nahe Stehenden). Stratz führt in seiner Studie (Was sind die Inden?) Vertreter aller möglichen Nationen vor, die jüdischer aussehen als Juden. In jüngster Zeit endlich haben sick) Neuropathologen der Frage bemächtigt: und gefunden, daß die Juden, obwohl im allgemeinen schwächerer Konstitution, sich dennoch durch geringere Sterblichkeit und größeren Widerstand gegen Erkrankungen auszeichnen, dagegen inklinieren sie in höherem Grade zu den Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems. Die letztere Eigenschaft soll typisch für die Juden sein. Demgegenüber weist Vortragender darauf hin, daß die Inklination zu Geisteskrankheiten die natürliche Folge dessen ist, daß die Juden mehr zu den intellektuellen Berufen Hinneigen. Als Beweis dessen führt P. an, daß von den Hörern der Budapester Universität ca. 30 Perzent Juden sind, während diese blos 42 Perzent der Gesamtbevölkerung Ungarns ausmachen. Vortragender kommt zu dem Resultate, daß die Juden keinerlei aparten Rassencharakter aufweisen, am wenigsten einen ausgesprochen semitischen. Was speziell die ungarischen Juden betrifft, haben ihnen Herz und Verstand längst gesagt, daß sie dem Glaubensbekenntnisse nach Juden, ethnographisch aber Ungarn sind, so gute, wie welch anderer Ungar immer. — Beide Vorträge fanden lebhaften Beifall. Maros-Basarhely. Der neue Rabbiner unserer Gemeinde Dr. Franz Löwy wurde vorige Woche in sein Amt feierlich eingesetzt. Der neue Rabbiner wurde bei seiner Ankunft von Dr. Lazarus Stein begrüßt. Sodann wurde der Seelsorger in langer Wagenreihe zum Tempel geleitet, wo die Vertreter des Komitats, der kön. Tafel, des Sck)ulinspektorats, der Staatsanwaltschaft, der Advokatenkammer und sonstigen Behörden versammelt waren. Nach den einleitenden Gesängen würdigte der Schwiegervater des neugewählten Rabbiners, der Oberrabbiner von Komaronr Dr. Hermann Schnitzer, die Bedeutung des Tages. Nad)dem der Choral des Männergesangvereins verklungen war, hielt Dr. Franz Löwy seine Jnauguralpredigt, die mit ihrem rhetorischen Schwünge auf die Zuhörer tiefen Eindruck machte. Das schöne Fest wurde mit dem Absingen des^ „Hinmusz" beschlossen. Auf dem darauf folgenden Bankett wurde das schöne Einvernehmen der verschiedenen Konfessionen in zahlreichen Trinksprüchen gepriesen. Berichtigung. In vorletzter Nummer, die noch in unserer früheren Druckerei gedruckt wurde, blieb die Notiz Troppau infolge einer Nachlässigkeit des technischen Personals unkorrigiert. Dadurch entstanden mehrere sinnstörende Druckfehler, und unter anderem wurde der Name des Herrn Oberkantors M. Singermann entstellt, was hiemit richtiggestellt und entschuldigt sei. Die Redaktion.