Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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r Lette 8. Die Wahrheit M. 2. mations-Gottesdienste, erwähnt ferner das befriedigende Ergebnis der Betfitzvermietungen, die Veranstaltung eines Gottesdienstes anläßlich der hohen Feiertage in einem temporären Betlokale und fährt dann in folgender Weise fort: „Ohnedem Referate des Herrn Kasseverwalters vorgreifen zu wollen, fei nur konstatiert, daß die Opferwilligkeit unserer verehrten Mitglieder und Tempelbesucher sich auch heuer bei den Spenden an den hohen Feiertagen auf das glänzendste bewährt hat, und ergaben die Spenden an Sabbaten und Feiertagen, wie Sie später hören werden, einen Betrag von fast 12.000 K, also noch mehr als im Vorjahre; dieser günstige Erfolg wurde auch durch die munifizente Spende von 1000 K unseres verehrten Vorstands-Kollegen, Herrn Kommerzial-Rat Max Eisenberger, beeinflußt, wofür wir auch an dieser Stelle verbindlichst danken wollen. Unseres treues Mitglied, Herr Philipp Weiß, spendete Uns anläßlich 'der glücklichen Genesung seines Sohnes von schwerer Krankheit eine kostbare silberne Jad für die Thora, wofür wir ihm wärmstens danken. Unser Vereinsmitglied, Herr Hof- und Gerichts-Advokat Dr. Moritz Pollitzer, stiftete zur Erinnerung an seine verstorbenen Eltern Max und Katharina Pollitzer, je eine Jahrzeit- Stiftung im Gesamtbeträge von 800 K; die Herren Vereinsmitglieder Adolf, Markus und Moriz Mittler eine Jahrzeit- Stiftung für ihre verstorbenen Eltern Julius und Netti Mittler, gleichfalls mit dem Kapitalsbetrage von 800 l< und eine weitere Gedächtnis-Stiftung mit dem vinkulierten Kapitale von 800 K, deren Verwaltung wir aus Pietät gegen unser treues ehemaliges Mitglied, Herrn Julius Mittler, gerne übernommen haben. Die Zinsen der von Ihnen ins Leben gerufenen Max Fleischer'schen Wohltätigkeits-Stiftung kamen im abgelaufenen Jahre zum ersten Male zur Verteilung und wird es Sie gewiß befriedigen, daß ein armer, im Bezirke anfäßiger Gewerbsmann mit zahlreicher Familie, der Sohn eines ehemaligen Cantors im Mariahilfer Tempel, der erste Nutznießer dieser Humanitären Stiftung geworden ist. Wir ergreifen hiemit freudig die Gelegenheit, um unseren geehrten Mitgliedern und allen Förderern unseres Vereines und des Gotteshauses, unfern innigsten und herzlichsten Dank abzustatten, für das Wohlwollen, das sie dem Verein und uns entgegenbringen, für die freundliche Unterstützung, die wir stets bei ihnen gefunden haben und für das Vertrauen, mit dem sie uns beehrten. Wir sind beglückt und entschädigt für unser mühevolles Walten im Dienste des Vereines und seiner heiligen Sache, wenn wir erkennen, daß unser gute Wille und unsere Tätigkeit Sie befriedigen und Sie veranlassen, jene Opfer zu bringen, welche die Erhaltung unseres Gotteshauses und unseres Gottesdienstes Ihnen auferlegt. Nochmals unseren innigsten Dank und vergelt's Gottl Hochgeehrte Versammlung! Bevor wir, wie stets üblich, dem Herrn Delegierten des Kultus-Vorstandes fiir sein freundliches Erscheinen bei unserer Versammlung auf das verbindlichste danken, wollen wir unserer besonderen Freude Ausdruck geben, daß es gerade unser sehr verehrtes, tteues und um unseren Verein verdientes Mitglied, Herr Salo Cohn, dieser großmütige Gönner und Förderer aller gemeinnützigen Bestrebungen unserer Glaubensgenossen, ist, der, wie feit einer langen Reihe von Jahren, auch heuer wieder den löblichen Kultns-Vorstand bei unserer General-Versammlung vertritt. Wir bitten ihn, er möge beim Kultus-Vorstand der Dolmetsch unserer Gefühle für ein einttächtiges und ersprießliches Zusammenwirken zwischen der Muttergemeinde und unserem Vereine sein, auf daß wir unsere hohe Aufgabe im besten Sinne erfüllen vermögen. Wir werden nach wie vor bemüht bleiben, für einen würdigen, dem Judentume und der Gemeinde zur Ehre gereichenden Gottesdienst zu sorgen, und wollen auf dem heiklen Posten, aus den wir gestellt, gebührend Wacht halten, zur Ehre Gottes und zum Wohle unserer Gemeinde!" (Lebhafter Beifall.) Kultusvorsteher Salo C o h n dankt für die freundlichen Worte, mit welchen der eben verlesene Bericht seiner gedachte. Es bereite ihm alljährlich eine besondere Freude, in dieser hochansehnlichen Versammlung als Vertreter der Kultusgemeinde erscheinen zu können und dem Mariahilfer Tempelvereine, der es zu Stande bringt, durch harmonische Verbindung weiser Sparsamkeit und edlen Wohltätigkeitssinnes den an ihn herantretenden Aufgaben gerecht zu werden, seine besondere Sympathie zu beweisen. Er fühle sich gedrängt, die anerkennenden Worte des Präsidenten der Kultusgemeinde über die mustergiltige Verwaltung des Vereines hier zu wiederholen, und glaube nicht besser schließen zu können als mit dem Wunsche, daß eine gütige Vorsehung den Vereinspräsidenten, Herrn Max Fleischer, diesen zartbesaiteten Menschen und ausgezeichneten Künstler, noch lange an der Spitze dieses Vereines erhalten möge. Redner bittet gleichzeitig, als persönlichen Dank für die ihm anläßlich seines 60. Geburtstages seitens des Vereines entgcgengebrachte Sympathiebezeugung die Spende von 1000 Kronen für den ..Max Fleischer-Fond" auzunehmen. (Lebhafter Beifall.) Der Kassaverwalier, kais. Rat Friedrich Pollak, legt hierauf den Rechnungsabschluß pro 1903 vor, der auch Heuer mit einem kleinen Gebahrungsüberschusse von lv 1400 schließt, von welchen 1300 L auf die Assekuranz-Reserve und der Rest auf den fundus instructus überschrieben wurden. Die Einnahmen und Ausgaben bewegten sich auf ungefähr gleichem Niveau wie im Vorjahre und nach einem Danke für die Opserwilligkeit der Mitglieder empfiehlt kaiserl. Rat Friedrich Pollak die Annahme des Rechnungsabschlusses. Nach Erstattung des Revisionsberichtes durch Herrn Ignaz Reschofsky wird dem Vorstande das Absolutorium erteilt und als Revisoren die Herren Ignaz Reschofsky, Leopold Stowasier, Ignaz Klein und Dr. Karl Löwy gewählt. Der Jahresbeitrag pro 1904 wird uneder mit 12 Kronen festgesetzt. Die aus dem Vorstande ausscheidenden Herren Kommerzialrat Max E i s e n b e r g e r, Dr. Jakob Engel, kaiserl. Rat Friedrich Pollak und Ernst S chüller bewerben sich, ersterer brieflich, letztere persönlich um eine Wiederwahl und wird dann zur Wahl geschritten. Als Skrutatoren werden die Herren David Kohn, Salamon Lemberger, Karl Reiß und Ignaz Klein bestellt. Als gewählt erscheinen: die Herren k. k. Kommerzialrat Max E i s e n b e r g e r, Dr. Jakob Engel, kais. Rat Friedrich Pollak einstimmig, und Herr Ernst Schüller mit 37 von 39 Stimmen. Ueber eine von Herrn kais. Rat RuLiäka gegebene Anregung wurde hierauf folgende Resolution einstimmig beschlossen: Der Vorstand des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau wird gebeten, im Sinne der in der General-Versammlung von Herrn kais. Rat RuLivka gemachten Ausführungen eine Vorstellung an den Vorstand der Kultusgemeinde dahingehend zu richten, daß in Hinkunft die Vornahme von Funktionen bei den Leichenbegängnissen für die Funktionäre des Mariahilfer-Tempel- Vereines nicht allein auf Mitglieder dieses Vereines beschränkt sei, sondern daß es den Angehörigen von in den Bezirken Mariahilf und Neubau wohnhaft gewesenen Verstorbenen ohne irgendeine Beschränkung freigestellt sein möge, die Funktionäre des Mariahilfer-Tempel-Vereines für die Funktionen bei den Leichenbegängnissen in Anspruch zu nehmen. Die General - Versammlung richtet gleichzeitig an den Kultus-Vorstand mit allem Nachdrucke die Bitte, dieser ebenso gerechten wie billigen Forderung Folge zu geben und die durch nichts gerechtfertigte Beschränkung, welche sich in unbegreif- > licher Weise eingebürgert hat, in kurzem Wege aufzuheben." Der Proreh m Kischenew. Gegen das Urteil der Odessaer Gerichtskammer im Kischenewer Prozeß wird, sobald dessen Begründung bekanntgegeben wird, Berufung eingelegt werden. Die in diesem Prozeß