Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. Die Wahrheit Seite 7. XIX. Bezirke ein würdiges Gotteshaus zu errichten, war der Vorstand zu seinem Bedauern nicht in der Lage, dem vorgelegten Projekte seine Zustimmung zu erteilen, da es nach einstimmiger Ansicht des Vorstandes sowohl hinsichtlich des Baues, wie auch hinsichtlich der Erhaltung des Tempels nicht entsprechend fundiert erscheint. Unter einem hat der Vorstand beschlossen, die Errichtung eines den Bedürfnissen des XIX. Bezirkes entsprechenden Bethauses, bei reduzierten Bau- und Erhaltungskosten, durch eine entsprechende Mithilfe zu fördern. Auf der Tagesordnung der öffentlichen Plenarsitzung vom 6. Jänner, in welcher I. Vize-Präsident Dr. Alfred Ster n den Vorsitz führte, stand die Wahl des Präsidiums, der Mitglieder des Vertreterkollegiums und die Wahl der Kommissionen. Nach Verlesung des Spendeneinlaufes widmete der Vor-! sitzende dem unvergeßlichen Dr. Adolf Jellinek, anläßlich seines 10jährigen Todestages, pietätvolle Worte des Gedenkens, die wir an anderer Stelle des Blattes wiedergeben. Hieraus brachte er ein Schreiben des bisherigen Präsidenten, Herrn kais. Rat Heinrich Klinge r, zur Verlesung, in welchem derselbe mitteilt, daß er sich mit Rücksicht auf seinen leidenden Gesundheitszustand gezwungen sieht, sich von seiner verantlvortungsreichen Tätigkeit zurückzuziehen und das ihm durch viele Jahre liebgewordene Mandat eines Knltusvorstehers uiederzulegen. Mit dem Ausdrucke des Bedauerns, ans dieser Körperschaft, in welcher so viel zum Wohle der Gemeinde geschaffen wurde, austreten zu müssen, verknüpft er den Dank an den Vorstand für das ihm während seiner Amtstätigkeit entgegengebrachte Vertrauen und für die ihm zu Teil gewordene Unterstützung. I. Vize-Präsident Dr. Stern teilt mit, daß die von ihm und anderen Mitgliedern des Vorstandes in den letzten Tagen unternommenen Versuche, Herrn kais. Rat Klinger von seinem-Entschlüsse abzubringen, leider erfolglos geblieben sind. Weiters schlügt er vor, hellte von der Wahl des Präsidenten abzusehen. Der hohen Bedeutung dieses Amtes entspreche es .nicht, sofort eine Neuwahl vorzunehmeu, welche große Ueberlegnng, eingehende Besprechungen und mannigfache Rücksichtnahme erheische. Sollte ihm die Ehre erwiesen werden, als I. Vize-Präsident wiedergewählt zu werden, so werde er in der Weise, wie es bis jetzt geschah, die Agenden des Präsidiums fortführen. Der Antrag des Vorsitzenden wird einstimmig angenommen und hierauf zur Wahl des I. Vize-Präsidenten geschritten, wobei Dr. Alfred Stern mit 24 von 25 abgegebenen Stimmen wiedergewühlt wird. I. Vizepräsident Dr. Alfred Stern dankt für die Wahl und glaubt sein Amt nicht besser von neuem antreten zu können, als mit der Bitte, dem allverehrten vormaligen Präsidenten, Herrn kais. Rat, Heinrich Klinger, für seine jahrelange, ausgezeichnete und hingebungsvolle Tätigkeit im Dienste der Gemeinde den Dank des Vorstandes durch ein einmütiges Votum anszusprechen, und dasselbe Herrn kais. Rat Klinger schriftlich bekanntzugeben. (Allgemeine Zustimmung.) Bei der hieraus vorgenommenen Wahl eines II. Vizepräsidenten erscheint Herr Dr. Gustav K o h n mit 24 von 25 abgegebenen Stimmen wiedergewählt. II. Vizepräsident Dr. Kohn dankt für die Wahl. Nach wie vor werde er bemüht sein, die an ihn herantretenden Angelegenheiten expeditiv und in Ordnung zu erledigen. Auch er müsse sich mit Bedauern den Worten des Vorsitzeuden bezüglich des Scheidens des allverehrten Präsidenten anschließen. Bei den Wahlen in das Vertreterkollegium erscheinen als wiedergewählt: Dr. Felix Katzau, Theodor Ritter von Taußig, Moritz Hirsch, Theodor Ritter von Goldschmidt, Dr. Benjamin Rappaport, Dr. Max. Steiner, Wilhelm Stiaßny, und als neugewählt: Dr. Alfred Berger. Hierauf werden die Wahlen in die Kommissionen vorgenommen, die nur wenige Veränderungen gegen früher ergaben. Israel. Tempelverem für die Ge mrindebeürke MarmhUs «nd )lenban in Wien. In der vorletzten öffentlichen Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes, als einer der Redner auf die starke Belastung des Gemeindebudgets durch die Subventionierung der Tempelvereine hinwies, nahm der Präsident, kaiserl. Rat Heinrich Klinger, Anlaß, die ausgezeichnete Verwaltung des Mariahilfer Tempel- Vereines rühmend hervorzuheben, der aus eigener Kraft und ohne jemals die materielle Unterstützung der Muttergemeinde in Anspruch zu nehmen, in geradezu mustergiltiger Weise für alle seine Institutionen Sorge trägt. Sicherlich har auch dieser Verein gegen gewisse Erscheinungen anziikämpfen. wie sie durch die Ungunst der derzeitigen Verhältnisse in der Residenzstadt und durch den bekannten Jndifferentismus gegenüber religiösen Fragen und Bedürfnissen bedingt, allgemein zu Tage zu treten. Wenn er aber trotzdem von Jahr zu Jahr in seiner Entwicklung vorwärts schreitet, so ist dies einem Umstande zu danken, dem die öffentliche Anerkennung nicht voreuthalten werden darf, und das ist der harmonische Einklang, der zwischen der Vereinsleitung und den Vereinsmitgliedern herrscht und ans der einen Seite zielbewußte Tätigkeit und ans der anderen Seite unverdrossene Opferwitligkeit hervorruft. Ein solch erfreuliches Bild gemeinnützigen Zusammenwirkens bot auch die letzte, am 29. Dezember im „Hotel Savvy" stattgehabte Generalversammlung, über welche wir im Nachfolgenden berichten wollen: Der Vorsitzende, Präsident Architekt Max Fleische r, begrüßte nach Konstatierung der Beschlußfähigkeit der Generalversammlung zunächst den Vertreter der Knltusgemeiude, Herrn Knltnsvorsteher Salo Cohn, ferner die Vorstandsdamen des Mariahilfer Franen-Wohltätigkeits-Vereiues. Frau Dr. Engel, den Obmann des Vereines „Nachlatli Jescliunm“ Herrn Dr. Karl Löwy, sowie die anwesenden Vertreter der jüdischen Publizistik. Dr. Bloch (Oesterr. Wochenschrift/ und Dr. Löwy (Die Wahrheit). Nach Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung durch den Schriftführer, Herrn Hermann Liebermann, erstattet der Vorsitzende nachfolgenden Bericht: ..Hochgeehrte Versammlung! Ich beehre mich namens des Vorstandes am Schluffe des XXIX. Vereinsjahres, Ihnen Bericht zu erstatten über die Verhältnisse unseres Vereines und unsere Thätigkeit im abgelaufenen Jahre. Was die Mitgliederanzahl betrifft, hatten wir am Schluffe des vorigen Berichtsjahres 261 Mitglieder. Hievon sind 9 ausgetreten, 6 leider gestorben, verblieben somit 246, hingegen sind 23 neu eingetreten, so daß wir heute einen Stand von 269 Mitgliedern haben. Wie bereits erwähnt, hat uns der unerbittliche Tod 6 Mitglieder entrissen. Es sind dies die Herren: Josef Ascher, Alfred Eisenberger, Josef I. Hock, Jakob Köhler. Moriz Krakauer und kaiserl. Rat Hermann Robitsek. So viele Namen, so viele schwere unersetzliche Verluste für unseren Verein! Wir haben im abgelaufenen Jahre in 6 Plenar- und zahlreichen Sektions- und Komiks-Sitzungen die Geschäfte des Vereines erledigt. Einen breiten Raum in den Verhandlungen des Vorstandes nahm jene Frage ein, welche durch die in den letzten Jahren entstandene bauliche Veränderung in der Umgebung des Tempels an uns mit gebieterischer Notwendigkeit herantrat. Doch konnte diese Frage über das Stadium der ernsthaftesten Erwägungen nicht gebracht werden, weil noch früher ziemlich umfangreiche Vorarbeiten durchzuführen sind. Wir werden entsprechend der Wichtigkeit dieser Frage nur mit großer Behutsamkeit und nach gewissenhafter Abschätzung der uns zu Gebote stehenden Mittel an die Lösung derselben herantreten." Der Bericht beschäftigt sich dann mit der Frage der Ueberfüllung des Tempels bei außerordentlichen gottesdienstlichen Anlässen, bei Trauungen I. Klasse und dem Mädchen konfir-