Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Redaktion u. Administration: Wien, TLJ1 Novaragasse 27. Hnaöhängige Heitfchrifi für Mische -Bezugspreis-: Ganzjährig ... ff. 12.— Telephon Nr. der Druckerei Halbjährig ... ff. 6.— 15302. Inserate Antennen. Für Cultusbeamrc: 20 Hell, per Nonpareill,-Zeile. Ganzjährig . . . ff 10 — Erscheint jeden Areitag. Für Ausland: Abonnementsu. Jnsertionsbetrage sind in Wie» zahlbar Ganzjährig . . . S Mark. und klagbar. Motto: ..Das Siegel Gottes ist Wahrheit!*£ 8 Rubel oder 16 Fc». Uv. 2.Wien, 8. Jänner_1004. Inhalt: An unsere Leser. — Zum zehnjährigen Todestag Dr. Adolf Jellinek's. — Aus der Woche. — Zu den Verhandlungen des Religionslehrertages. — Aus der Wiener Knltusgemeinde. — Israelitischer Tempelverein für die Gemeindebezirke Mariahils und Neubau. — Der Prozeß in Kischenew. — Verschiedene Nachrichten. An unsere Leser! Bei dein Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse, die nicht nur mutvoll und unerschrocken den Kampf nach Außen führt, sondern auch im eigenen Lager strenge Wache hast. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, hat „Die Wahrheit" auch im abgelaufenen Jahre an ihrem Programme, das Interesse für die erhaöenen Ziele des Judentums in allen Bevölkerungsschichten zu wecken, festgehalten, und ihr Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet fein, jüdisches Leben in allen seinen Erscheinungen zu pssegen, die innere Organisation mit assen Kräften zu fördern, die Vorfälle im Kemeinde- und Dereiiisleben mit maßvoller und objektiver Kritik zu beurteilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Außen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Abonnierung unseres Mattes und durch möglichste Werbreitung desselben zu fördern. Durch Uebernahme des Druckes unseres Blattes seitens der bewährten Firma Woriz Waizner & Sohn, der bisherigen Herausgeber der „Meuzeit", wird auch eine vorteilhafte Veränderung in der äußeren Form unseres Blattes eintreten, die unseren geschätzten Lesern gewiß willkommen sein dürste. Abonnements-Bedingungen: Merteljährig Kr. 3.—, halbjährig Kr. 6.—, ganzjährig Kr. 12.—. Probenummern stehen zur Verfügung. Aie Weöaktion. Zirm lOjiihriger» Todestag Dr. Adolf Jellmeks. Am 28. Dezember 1903 sind zehn Jahre seit dem Tode dieses unvergeßlichen Kanzelredners und Gelehrten abgelaufen und aus diesem Anlasse widmete Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann in seiner letzten Freitag-Abend-Predigt im Stadttempel dem Andenken dieses wahrhaft großen Mannes pietätvolle Worte der Erinnerung. Der Redner sagte ungefähr folgendes: Wenn ich heute das Wort ergreife, so geschieht es zunächst, um den Namen eines der größten Männer in Israel zu ehren und seine Bedeutung in Euer Gedächtnis zurückzurufen. Heute sind es gerade zehn Jahre, daß mein unvergeßlicher Amtsvorgänger und Prediger unserer Gemeinde, der hochverdiente Dr. Adolf Jellinek — hier hatten sich alle Anwesenden von ihren Sitzen erhoben — von eben dieser Stelle ans, genau auf dieselbe Minute und zum gleichen Wochenabschnitte „Vajeehi“ das letztemal zur Gemeinde gepredigt hatte. Wenige Tage darauf war er zum ewigen Frieden entschlummert. Was Dr. Adolf Jellinek gewesen, brauche ich Euch nicht erst zu sagen. Ihr habet ihn ja alle gekannt, den Mann mit dem Feuereifer eines gottbegnadeten Priesters, dessen Wort hinreißend gewesen, dessen Predigt von zündender Beredsamkeit war, den Mann, der als Lehrer unserer Gemeinde in unseren Herzen sich tief und unvergänglich eingegraben hat. So wie es vom Erzvater Jakob zum Worte „Vajechi“ heißt, daß Jakob nicht gestorben ist, sondern uocf) weiter lebt in den Nachkommen seines Stammes, seines Volkes und in der Geschichte der Juden, die seine Tradition durch die Welt tragen, ebenso kann man von Dr. Adolf Jellinek sagen, daß er nicht tot, sondern am Leben ist: er lebt in den Herzen und Seelen aller, die diesen seltenen und ausgezeichneten Verkünder des Gotteswortes gekannt haben. Aber noch höher als es seine Bedeutung als Prediger, Gelehrter und Schriftsteller in der jüdischen Geisteswissenschaft ist, muß ich für meinen Teil einen anderen Charakterzug Dr. Adolf Jellmeks schätzen, der diesen wahren Priester ausgezeichnet hat. Ihm galt der Friede über alles. Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten in religiösen und liturgisch-synagogaken Fragen, die hie und da in der Gemeinde die Gemüter in Bewegung setzten, hatte er seine Meinung, ja sogar seine bessere