Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063212-3063213--02824-3069532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 1. Die Wahrheit Sette 9. wit dem Ma-Tauwoh Gebet, welches Herr Kantor Meisel aus Mähr.- Ostrau, der über besonders schöne Stimmittel verfügt, mit einem Männerchore vortrug. Hierauf folgte das Zünden der Chanuka-Lichter. Nachdem Der Chor das LIoau8-2rir gesungen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. I. Spira die Festrede, welche in dem Wunsche ausklang, es möge stets eine wahre Chanuka, eine wahre Weihe aus diesem Gotteshause ausströmen. Nach dem Gottesdienste fanden sich die Vertretung der Knltusgemeinde M.-Ostrau und sämtliche Herren im anschließenden Sitzungs- Zimmer zusammen und der Präsident Herr Dr. Alois Hilf hielt eine Ansprache, in welcher er das Wirken des Zabreher Bethausvereines hervorhob und insbesondere das des Herrn Ignaz Goldberger, der durch unermüdlichen Fleiß an das Werk der Tempelrenovierung schritt. Dr. Hilf schloß mit dem Wunsche, die Zabreher Jndenschaft möge auch fernerhin das Interesse für ihren Glauben bewahren wie bis nun. Teplitz. Sonntag, den 3. Jänner 1jA2 Uhr vormittags, findet im israel. Tempel zu Teplitz-Schönau die Trauung des Fräulein Lollo Simon mit Herrn Max Kohu statt. Der derzeit hier wohnhafte Vater der Braut ist der bekannte Pädagoge, Herr Schuldirektor Simon, der bis vor zwei Jahren in ausgezeichneter Weise in Wien wirkte und sich als Mitglied des Wiener Kultusvorstandes um die Neugestaltung und Hebung des Religionsunterrichtes hervorragende, allgemein anerkannte Verdienste erworben hat. Budapest. Die Familie des jüngst verstorbenen Millionärs Kommendatore Landau, des Vertreters des Hauses Rothschild für Italien, hat über 100 000 Lire für wohltätige Zwecke gewidmet. Landau, ein gebürtiger Budapester, hat auch seiner Vaterstadt namhafte Beträge, darunter der kön. ungar. Akademie der Wissenschaften, gespendet. — Herr Dr. Karl Ritter v. Fuchs wird demnächst das Frl. Irene Szende, Tochter des Herrn Karl Szende, Subdirektors der Ersten Ungarischen Allgemeinen Assekuranz-Gesellschaft, zum Traualtäre führen. — Direktor Ladislaus Beöthy hat die im Wiener Carl-Theater mit so großem Erfolge aufgeführte Operette „Der Mameluk" von Bernhard Buchbinder gleich nach der Generalprobe für das Königstheater erworben. — Der Fachschriftsteller Herr Joseph Spitzer hat sein Lustspiel „Der Bankbeamte" bei der Direktion des Lustspieltheaters eingereicht. Das Theaterstück wird Anfang Mai in Berlin in deutscher Sprache erscheinen. — Die zionistischen Universitütshörer in Budapest haben am 20. Dezember eine glänzende Makkabäerfeier veranstaltet. — Der Ministerpräsident wird einen jüdischen Großkanfmann und Fabrikanten zum Magnatenhausmitglied Sr. Majestät Vorschlägen. Budapest. (C h a n u k a f e i e r l i ch k e i te n.) Im israelitischen Mädchenwaisenhause wurde eine Chanukafeier veranstaltet. Der Ausschuß des Pester Israelitischen Frauenvereines war vollzählig erschienen. Die Feier begann mit einem Gottesdienste. Dann gelangte ein äußerst abwechslungsreiches, interessantes Programm znr Ausführung: musikalische Produktionen, deklamatorische Piscen, lebende Bilder und eine kleine Theatervorstellung. Ein Zögling des Instituts hatte die artistische Leitung. Alles war trefflich studiert und klappte prächtig. Das letzte Tableau war eine allegorische Verherrlichung des segensreichen Wirkens des Frauen- Vereines. Im Vestibül bewunderte das distinguierte Publikum das dort aufgestellte Modell der Bürtfaer Statue der Königin Elisabeth; der Schöpfer des Denkmals, Bildhauer Julius Donath, hat das Modell dem Waisenhause zum Geschenk gemacht. Nach der Feier wurden die Kinder mit einem von Menschenfreunden gespendeten Imbiß bewirthet und dann reich beschenkt. — Aehnliche Feierlichkeiten fanden auch im isr. Knabenwaisenhause und im isr. Landes-Taubstummeninstitute statt. — Der Ungarisch-israelitische Handwerks- und Ackerbauverein veranstaltete seinen Zöglingen ebenfalls eine großangelegte Chanukafeier. Derselben wohnten nebst dem Präsidenten Hofrat und Reichstagsabgeordneter Dr. Armin Neu mann zahlreiche Mitglieder des Vorstandes und des Ausschusses, sowie viele vornehme, aus Damen und Herren bestehende Festgäste an. Nach dem rituellen Teile der Feier, wobei der Religionslehrer Max Knttner die Festrede hielt, wurden an 7 ehemalige Handwerkszöglinge (2 Bäcker, 1 Goldschmied, 1 Handschuhmacher, 1 Maurer, 1 Mechaniker und 1 Tapezierer) zum Zwecke ihrer selbstständigen Etablierung aus den Pollak'schen und Siuger'schen Stiftungen Unterstützungsbeiträge von 300—1000 Kronen, insgesammt 3600 Kronen ausgefolgt und an 9 freigesprochene Gesellen Prämien (Taschenuhren und Sparkassebücher) verteilt. Zum Schluffe wurden sämmtliche 350 Zöglinge, unter denen auch mehrere schmucke wettergebrüunte Ackerbauzöglinge zu bemerken waren, mit einer vom Damenkomitä gespendeten opulenten Jause bewirtet, wobei die Präsidentin Frau Jakob Fürst de Maroth und die wohltätigen Mitglieder des Damenkomitos die Honneurs machten. — Endlich haben wir noch von einer, in Verbindung mit einem Lehrerjubiläum, stattgefundenen Chanukafeier zu berichten- Der Schuldirektor der Pester aut. orthod. isr. Kultusgemeinde Adolf Feuerlöscher feierte im Kreise seiner früheren Schüler und seiner Verehrer das Jubiläum seiner vierzigjährigen Lehrtätigkeit und seiner dreißigjährigen Funktion als Lehrer der Budapester aut. orthodoxen Kultusgemeinde. Eine Reihe der einstigen Schüler des Jubilars hatte sich im Saale des orthodoxen isr. Jugendvereines eingefunden, um im Rahmen einer erhebenden Chanukafeier und eines darauffolgenden animierten Bänkets die Verdienste Feuerlöschers zu feiern. Von den Festrednern sind hervorzuheben: Rabbiner Eckstein, Fabrikant Lebowitsch, Großhändler Kramer und Deutsch u. s. w. Die Jugend intonierte unter Führung des Cantors David Hartmann verschiedene Choräle. S. Gyöv. Der Raab- und Raabszigeter israelit. Frauenverein hielt kürzlich am Chanukaseste die Winterbekleidungs-Feier für 141 arme Schulkinder. Bereinspräsidentin Frau JohannajHerzl-Keppich war mit gewohnter hochherziger Aufopferung bestrebt, diesen edlen und humanen Akt zu inaugurieren. Bei dieser Gelegenheit hielt Oberrabbiner Herr Dr. Moriz Schwarz eine solenne Ansprache an die Schuljugend, selbe zu Dankbarkeit, Fleiß und gute Sitten aufmunternd. Den Dank der Bekleideten sprach sodann ein Knabe und ein Mädchen aus. Die schöne Feier schloß mit einer opulenten Jause, mit welcher das Präsidium und der Vereinsausschuß die armen Kinder bewirtete. — Am Tage nach der Bekleidung führte Frau Präsidentin das aus Milch und Semmel bestehende warme Wiuterfrühstück an der Schule ein, an welchem vorläufig zirka 40 arme Schulkinder beteiligt werden. Schließlich war es ihrer Energie und Umsicht zu verdanken, daß Heuer 135 arme Familien mit Winterholz versehen werden konnten. Literarische Uachrichte« Erinnerung an weiland Dr. Wilh. Neurath, Professor der Hochschule für Bodenkultur in Wien. — Nur dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze; dem Manne der Wissenschaft aber, der nicht blos für den Augenblick gelebt und gewirkt, sondern auch dauernde Werke der nach Wahrheit und Erkenntnis strebenden Menschheit hinterlassen hat, dem wird die Nachwelt den schuldigen Tribut gewiß nicht versagen. Und darum ist es Pflicht der ehrlichen Kritik und aller Theoretiker auf dem Gebiete der Volkswirtschaftslehre, sich mit den Schriften Neuraths zu beschäftigen und ihren Standpunkt überall dort, wo Nenrath neue Lehren entwickelte, zu präzisieren. Es dürfte vielleicht in weiten Kreisen bekannt sein, welch eigenartige Individualität Nenrath verkörperte, wie nicht minder, daß der ausgezeichnete Lehrer und Menschenfreund, der gleich einem Propheten immer lehrend und schaffend unter uns gewandelt, nur aus und durch sich selbst zu einer so eminent wissenschaftlichen Kapazität geworden ist. Selbstlos und bescheiden ging sein Streben bis zum letzten Atemzuge dahin, die Wahrheit zu erforschen und der physisch und geistig arbeitenden Menschheit Dienste zu leisten. Als volkswirtschaftlicher Schriftsteller und Lehrer hat sich Neurath schon dadurch ein großes Verdienst um die Wissenschaft der Nationalökonomie erworben, daß er derjenige war, der diese Lehre aus ihrer Isoliertheit befreite, indem er den Satz anfstellte: „So wertvoll und richtig es sein mag, daß jeder Zweig der Forschung in seinem begrenzten Gebiete sich halte, so ist es heute doch notwendig, daß die fortschreitende Wissenschaft endlich auch in jene Kanäle vordringt, durch welche die verschiedenen Kreislaufsysteme miteinander kommunizieren." Wenn nun Neurath die Forderung austrebte, daß auch in der Nationalökonomie die historische Auffassung nicht hinter der sich absolut gebenden Theorie zurücktrete, so erhoffte er hievon nicht nur Gewinn für Wissenschaft und Praxis sondern auch einen solchen für die oft verhöhnte Gemütsbildung und die Vertiefung der Seele. Und so sei denn darauf hingewiesen, daß kürzlich zwei wertvolle Bücher Neuraths im Buchhandel neu erschienen sind. Eine wahre Perle literarischer Schöpfung ist der bei Friede. Vieweg & Sohn in Braunschweig verlegte Band national-ökonomischer und ethisch-sozialer Essays. Eine Sammlung formvollendeter Vorträge, die der verblichene Gelehrte in den Jahren 1881—1899 im Wiener kaufmännischen Verein und im Jngenieur- und Architektenverein gehalten hat. Von diesen seien hervorgehoben: „Die volkswirtschaftliche Sittenlehre im Jugendunterricht", „Moral und Politik", „Adam Smith im Lichte heutiger Staats- und Sozialauffassung", „lieber die Begründer des physiokratischen Systems", „Franz Ouäsnay und Turgot", „Das Recht auf Arbeit", „Die wahren Ursachen der Ueberproduktionskcisen" und „Das Hauptproblem der modernen Volkswirtschaftslehre", in welch letzteren Abschnitten der Verfasser seine neuen Lehren zur Beseitigung der großen Wirtschaftskrisen entwickelte und sich eingehend mit Edw. Bellamys „Gleichheit" beschäftigte. In der Manischen Hofbuchhandlung erschien ferner in vierter Auflage das Hauptwerk Neuraths „Die Elemente der Volkswirtschaftslehre", welches Werk der Verfasser kurz vor seinem Ableben wesentlich umgestaltet hat. Diese beiden literarischen Erscheinungen zeigen uns Neurath als Sozialphilosophen in seiner wahren Gestalt und soll die Aufmerksamkeit aller gebildeten Kreise durch diese schlichten Worte eiries einstigen Schülers und Bewunderers der Seeleugröße Professor Neuraths hiemit erweckt werden. X. Ch. Sichron Nahum, Festpredigten, Kasualredeu und ans synagogalen Vorträgen entstandene Zeitungsartikel von D r. I. I. N i e m i r o w e r. Verlag von M. Poppelauer. Berlin 1903. Wenn es einen Literaturzweig gibt, bei welchem man Neuerscheinungen mit geringem Interesse, ja fast mit Mißtrauen begegnet, so ist es der der jüdischen Homiletik. Und nicht zu Unrecht. Denn meist soll nicht das Buch den Lesern etwas bringen, sondern die Leser sollen dem Verfasser zu bestimmten Zuhörern verhelfen, in deren Gemeinde er sich um eine Stelle bewirbt. Und so hat mau sich schon fast gewöhnt, bei jeder neuerscheinenden Predigtsammlung zu fragen: Ja, wohin will denn s der Verfasser kommen? Zu welchem Zwecks hat er das drucken lassen? I Um so erfreulicher ist es, von einer Predigtsammlung, wie den I vorliegenden 28 Reden des Dr. Niemirower berichten zu können, deren