Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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WttzeM neben emgehetidÄl.- hebräischen 'KettütniW 'fluch in ' MWien Fachern - - eine '. höhere Mldüng/Zuteil wetdfln - lassen AMken. Sv vollzog 'sich denn . nach - Bernahs, Tode (1849) Lürch EinMhrung- Mdfl)Matffchen, ' näftirwissenschaftlichen und sicüüdsprachlichen Unterrichtes allmählich eine Umwandlung der Schule in eine „Höhere Bürgerschule", die auch ihren urfprüug- ) kchen Charakter als Armenschule immer mehr verlor. 1851—-1888 wurde die Schule von den Hamburger Oberrabbiner Ä.' Stern sals ..Ephorus" geleitet und erlangte nach Heranziehung der 8 erforderlichen akademisch gebildeten Lehrkräfte 1868 die Bef rechtigung, Zeugnisse für den einjährigen Dienst auszustellen. t‘ Seit 1889 wird die Schule von Dr. I. Goldschmidt geleitet £ uud hat mit behördlicher Genehmigung den Titel . Realschule ' f. . angenommen. Sie wird von zirka 500 Knaben besucht, die von 10 akademisch und 10 seminaristisch gebildeten Lehrern — unterrichtet werden. Die Schule, deren Schülerstand sich aus den verschiedensten Schichten der Hamburger Gemeinde ich rekrutiert, übt schon durch diese Ausgleichung der Standesunterschiede einen bedeutenden erziehlichen Einfluß und erfreut sich auch wegen ihrer Leistungen großen Ansehens. Die 3 Schulen gesetzestreuer Richtung in Frankfurt a. M., Fmckh und Hamburg tragen viel dazu bei, in ihren Gemeinden ' jüdisches Wissen und jüdisches Leben rege zu erhalten und zu fördern. Die anderen vorher erwähnten Realschulen, das Philantropin (1868—1899 unter der Leitung von Dr. Bärwald, jetzt unter Dr. Adler) und die Schulen Seesen (jetzt unter Dr. Philipsohn) und Wolfenbüttel (jetzt unter Dr. Tachau), habe» in neuerer Zeit ihre frühere reformistische Tendenz aufgegeben oder doch stark gemildert und sind bestrebt, neben der allgemeinen Bildung auch jüdischen Geist und jüdisches Wissen zu verbreiten und deren Würdigung zu lehren. Zwei Vorzüge haben jedenfalls alle die Schulen gemeinsam, die für eine Wische Erziehung von hoher Bedeutung sind. Einmal ermöglichen sie ihren Zöglingen durch Freilassung des Sabbaths nab der jüdischen Festtage vom Unterricht die Beobachtung dieser heiligen Ruhetage, mindestens soweit, als die Schüler in ihren Elternhäusern dazu angehalten werden. Beim Besuch der öffentlichen Lehranstalten macht erfahrungsgemäß, wo nicht gerade die Prinzipien religiöser Toleranz in weiten Kreisen des Landes zur Anerkennung gelangt sind, die Beobachtung des Sabbaths die größten Schwierigkeiten und geht oftmals auch Söhnen religiöser Häuser durch die beständigen Versuchungen, denen sie in der Schule ausgesetzt sind, schon im frühen Alter gänzlich verloren. Andererseits werden die Religionsfächer, für die die Schüler staatlicher höherer Lehranstalten zumeist auf privaten, ~ in der Regel nicht sehr hoch geschätzten Unterricht angewiesen 7 sind, in den jüdischen Lehranstalten in dem Rahmen des allr> gemeinen Unterrichtes behandelt und dadurch schon als gleichwertig mit anderen Gegenständen angesehen. Es ist also mit £ Recht zu erwarten, daß bei sonst gleichen Vorbedingungen das Studium unserer heiligen Schriften bei den Zöglingen jüdischer D Lehranstalten eine weit größere Würdigung als bei anderen r finden wird. (Wie sehr aber eine gründliche Kenntnis des jüdischen Schrifttums der Heranwachsenden Generation not tut, bedarf gerade in unserer Zeit, wo die Lehren des Judentums so vielfach verkannt und verunglimpft werden, keiner besonderen K MLrterung. Beginnt doch jetzt gerade in weiten Kreisen unserer |/ Glaubensgenossen auch bei solchen, die sonst dem praktischen J7. Judentume ferner standen, eine Ahnung davon aufzudämmern, fsie der eigenen Würde und Selbstachtung schuldig sind, daß £ ' sich mit dem geistigen Erbe Israels vertraut zu machen und es 1 allen Anfeindungen zum Trotz hochzuhalten, nicht durch über- J trie&ene und lächerliche Assimilationssucht sich ihres wahren , Wertes feige zu entäußern.? _ OrMilisatiou des Indeatnms als ■.V.;/.-- religiöse Körperschaft. . Es wäre wohl die höchste Zeit, daß unsere: Seelsorger,- welcher. religiösen Schattierung sie, auch immer angehyren/ ' im Vereine mit den Gemeinde-Vorstehern sich zusammentäten, um unseren.Bedürfnissen in Schul-,. und Gotteshaus nüherzutreten. Es ist nicht meine Absicht, und ich fühle mich-auch nicht'berufen, beiden Teilen Vorwürfe darüber zu machen, 7 daß in den letzten Jahrzehnten im Gemeindeleben, in Schule und Gotteshaus, eine schlaffe, alles ertötende Gleichgiltigkeit sich breit gemacht hat. Aber wenn man in Erwägung zieht, was die Seelsorger der Vorzeit — wir wollen dabei nur auf 50 Jahre zurückgreifen — in Wort, Schrift und Tat in den einzelnen Gemeinden zur Zeit des Druckes und der Verfolgung im Gettho geleistet haben, so muß man sich erstaunt fragen: Wo sind die Männer der Gegenwart, und was sind ihre Leistungen für das jüdische Volk und für die Erhaltung seiner unschätzbaren Güter? Wir rührig ists ehedem in den jüdischen Lehrhäusern zugegangen! Die Sonne der Freiheit hat nur aufs äußere Leben, doch leider nicht auf die innere Entwicklung verbessernd und veredelnd gewirkt. Eine tötende Gleichgiltigkeit gegen alles Jüdische hat Platz gegriffen und das edle Streben zur Erhaltung, Befestigung und Hebung des jüdischen Lebens und der jüdischen Lehre ist leider geschwunden. Aber nicht als geistliche Zwingherren sollen unsere Führer zusammentreten, sondern als wahre Seelsorger, welche mit den Urkunden und der Geschichte des Judentum vertraut und mit reifen Erfahrungen im Amte ausgerüstet, die verschiedenen Bedürfnisse erkennend, in der Lage sind, den Gemeinden im Lande die nötigen Maßregeln vorzuschlagen und auf deren allgemeine Durchführung hinzuwirken. In der Vereinigung liegt die Macht und durch die Pflege einer geistigen Zusammengehörigkeit kann unser Glaube befestigt werden und jedem Anpralle widerstehen. Eine Organisation des Judentums als religiöse Körperschaft wäre der einzige Weg, zur Sanierung unserer traurigen Verhältnisse. Die orthodoxen Rabbiner in Krakau hatten mit ihrer Zusammenkunft eine Ahnung dessen, was not täte, aber es fehlte ihnen an praktischem Verständnis und autoritativer Kraft, bie Gedanken in Taten umzusetzen. Der Wille und das ehrliche Bestreben, die Institutionen zu erhalten und zu retten, verdienen wohl Anerkennung, aber Wert hätte für uns nnr die Tat. Und zu dieser müßten sich auch die Kapazitäten mit moderner Bildung aufraffen und die Orthodoxen zum Anschlüsse gewinnen. Eine Versammlung aller Seelsorger und aller Vorstände möge darum baldigst erfolgen, welche verständnißvoll die verschiedenen Ansichten und Erfahrungen austauschen soll. Man sehe nur, welcher Fleiß und welche Rührigkeit bei den andern Konfessionen herrscht! lind haben wir wirklich nichts mehr zu restaurieren? Ist unser Gebäude fest genug gegen alle Anstürme von innen und außen? Und haben wir mit der Errichtung schöner Gotteshäuser, die drei Tage im Jahre besucht werden, schon alles getan? Schreiber dieser Zeilen appelliert an das redliche Gewissen der Gemeinde-Vorsteher in Israel, rechtzeitig die ihnen obliegende Pflicht zu erfüllen und eine Notablenversammlung in irgend einer größeren Gemeinde einzuberufen. . Sollte es ihm gelingen, diese Anregung zum Wohle unseres Glaubens erfolgreich gegeben zu haben, dann wäre dieser Erfolg ein herrlicher Lohn für sein aufrichtiges und treues jüdisches Gemüt. Budapest. Albert Lö w. Weder Samson Wafael Hirsch. Wie den Mimen flicht die Nachwelt auch den Rednern keine Kränze. Dies gilt auch für Redner, die ihre Geistesprodukte in unsterblichen Meisterwerken der Nachwelt überliefern. Die todte Schrift kann nun und nimmer das lebendige Wort ersetzen. Haben doch die alten Griechen bekanntlich alle ihre Werke durch Schauspieler vortragen lassen! Dies geschah mit