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Die Wahrheit · 1903-12-18 · Heft 47 (18.12.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 47 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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0:itC 8- Die N)abrbeit. Nr. 47 b) Bibliothek der Cultusgemeinde. c) Wöchnerinuen-Verband. ä) Stiftungs-Verleihungen. e) Währinger Friedhof. f) Jngerenz des Vorstandes auf die Bestellung von Vereinsrabbinern. Ikie«. (Vortragscyclus aus jüdischer Geschichte und Volkskunde). 23. Dezember (Mittwoch) präzise halb 8 Uhr Abends. Festsaal des Oesterr. Ingenieur- und Architekten-Vereines I. Bez. Eschenbachgasse 9. Herr Dr. D. Feuchtwang: ^Mar.affe ben Israel". Der Eintritt ist frei. Wie«. Den Cyklus der Vorträge, der über Veranlassung des Vorstandes der Wiener Cultusgemeinde über jüdische Geschichte und Volkskunde abgehalten wird, erösfnete Herr Rabbiner Dr. M. Gruuwald Montag, den 14 d. im Festfaale des Ingenieur- und Zlrchitektenvereines mit einem Vortrage über: „Die Juden in den Weltstädten des Alterthums". Der Redner, der über eine brilliante Vortragstechnik verfügt, schilderte einleitend die geistigen und sittlichen Differenzen zwischen den Juden, den Aegyptern, Griechen und Römern, gab dann ein Bild von dem weiten Arbeitsfelde,- auf dem die ersteren ihre physischen und psychischen Kräfte betätigten, und motivierte aus dieser Arbeitsamkeit ihre geographische Verbreitung, sowie den Einfluß, den sie überall gewannen, aber auch die nationalen, religiösen und sozialen Gegensätze, die sich hieraus entwickelten. Der Haß der Heiden kehrte sich gegen Christen und Juden in gleicher Weise. Redner schilderte die Situation der Jud.en in Rom und Alexandr-en und bot interessante Daten aus dem Handwerkerleben in Alexandrien wie über die Einrichtungen der Innungen und Zünfte. Mit der Mahnung, die Ideale der Menschenliebe und Barmherzigkeit durch die Einflüsse der Gegenwart sich nicht trüben lassen, fand der Vortrag einen wohlthuenden Abschluß und mit stürmischem Beifalle dankte das Auditorium dem Vortragenden. Zvicn. (Vorträge aus der Geschichte der Juden). Ueber Veranlassung des israelitischen Cultusvorstandes wird Herr Dr. Max Gruuwald eine Anzahl von Vorträgen für die reifere Jugend beiderlei Geschlechtes über „Geschichte der Juden in Deutschland und Oesterreich" abhalten. Diese Vorträge werden ein anschauliches Bild von den Schicksalen, dem Familienleben und Len Culturzuständen unserer Vorfahren 'im Mittelaller und in der neueren Zeit bieten und den Einfluß kennzeichnen, den dieselben auf die deutsche Cultur genommen und von dieser empfangen haben. Zur Erläuterung des Vorgetragenen werden Skioptikonbilder zur Anschauung gebracht.. Es soll hiedurch der Heranwachsenden Jugend Gelegenheit geboten werden, ihre Kenntnisse bezüglich interessanter geschichtlicher und ethnographischer Vorkommnisse in leichter und anregender Weise zu ergänzen. Ter erste Vortrag findet im Festsaale des nied.-österr. Gewerbevereines, I., Eschenbachaasfe U, Montag, den 2i. Dezember r>. I. präzise 7 Uhr abends statt. Die weiteren Vorträge folgen in Intervallen von 14 Tagen. Der Eintritt ist frei. Wien (Jüd. Frauen Wohlthäiigkeits-Verein in der Brigittenau). Ein kleines nettes Büchlein mit gelbem Umschlag, — unwillkürlich an die Eifersucht gemahnend, — kommt uns ins Haus geflattert; es ist dies der Jahresbericht pro 1903 einer Schar wackerer jüd. Frauen, welche im Dienste der Humanität stehen. Der Inhalt dieses Büchlei is, offenbar von zarter Frauenhand mit empfindungreichem Herzen und edlen Sinn verfaßt, ist eine kurze geschichtliche Darstellung' des Großstadtjammers, und .je mehr wir uns in die Lectüre des Heftchens vertiefen, umso warmer wirds uns ums Herz, während die Phantasie uns ein ganz eigenartiges Bild vorgaukelt. In abgetönten Farben, nicht allzugrell, dafür umso packender entrollt fich dieses Gemälde, gleich einer „Fata morganavor unserem geistigen Auge. Auf der Oberfläche der schönen, blauen Donau sehen wir viele Leute schwimmen; sie ringen und kämpfen mit dem' Element. Manche halten sich noch mühsam über Wasser; bei anderen sieht man, wie ihnen die Kräfte schwinden und sie dem Untergänge nahe sind. An den Usern stehen jüd.- Frauen in großer Zahl, eifrig bemüht, alle verfügbaren Zillen frei und flott zu machen. Emsig wird losgerudert, um nach Kräften zu helfen, zu retten. Hinterher kommen auch Männer und betheiligen sich umso freudiger an dem Rettungswerke, als sie sehen, daß ihre Frauen sich gar zu weit fortwagten und etwa selbst in Gefahr geraten könnten. Und so entlehnen wir dem Büchlein den hübschen Vers: „Eins muß in das andere greisen Wien. Der theolog. Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt bringt hicmit zur Kenntnis, daß das Vereinsmitglied, Hörer- Samuel Arje, Samstag den 18. December im Beth-Hamidrasch (Tempelgaße 3) beim Morgengottesdienste eine Predigt halten wird. Beginn der Predigt um 9 Uhr. Ikie». Der humanitäre Geselligkeits-Verein „Rudolfsbund", welcher seit mehreren Jahr.n seine Kinderbekleidung in ganz einfacher Weise in seinen Vereinslocalitäten ll. Praterstraße 66 veranstaltet, bekleidete im heurigen Jahre am 2. DeLember eine ganz stattliche Anzahl Kinder, und rs war herzerhebend zu sehen, wie wohl sich die Kleinen, sowie deren Eltern fühlten, als sie ganz unter sich und im Kreise einiger Gäste und Ausschuß-Mitglieder die für sie bestimmten Kleider und Wäsche in Emofang nahmen. Präzise 4 Uhr erröffnete der Obmann den Bekleidungs- Dct; die Kinder setzten sich nach Empfangnahme der Kleider zu den für re bestimmten Tischen, wo ihnen vom Casotier Hermann Krämer eine ipulente Jause geboten und ihnen außerdem noch Packete mit Lackwerk, Würsten, Obst etc. verabreicht wurden, Nach einer kurzen An§ spräche des Obmannes, worin er hervorhob, daß die Bekleidung beim „Rudolssbund" eine stille sei^und an die Vereinsmitglieder und Gönner den Appell richtete, trotzdem in ihrem Eifer nicht zu erlahmen, da gerade durch die stille Wohlthätigkeit das Gemüth. der Eltern und Kinder geschont werde, und die Kinder in warmen, zu Herzen gehenden Worten ermahnte, ihren, Eltern und Lehrern-zu gehorchen, sowie gute Patrioten zu werden. Die Rede klang in ein begeistertes Hoch auf Seine Majestät den Kaiser aus, welches begeisterten Widerhall fand. Die Kinder, sowie alle Anwesenden sangen sodann die Volkshymne. Ein Kind dankte, trotzdem es vom Obmanne nur ungerne hiezu zugelassen wurde, allen Gönnern des Vereines in warmen Worten für die in. so schöner Weise dargebrachien Spenden und rührte mit seinen einfachen Worten alle Anwesenden. Die Herren Or.sschnlrat Macak, Bezirksrat Mensch, die Armenräte Hoffmann und Husserl, das Ehrenmitglied des Vereines, Herr Obercantor Bauer, ferner Herr Weinwurm in Vertretung des Kranken» Vereines „M o n t e si o r e", Herr Elias Weiß in Vertretung des Waisenvereines „Montefiore", eine Vertretung des humanitären Vereines „Armenvater" beehrten den Verein mit ihrer Anwesenheit u d sprachen sich alle überaus lobend über die Art des Svendens aus und empfahlen das Vorgehen des Vereines auch anderen Vereinen. Herr Obercantor Bauer erfreute die Anwesenden durch den Vortrag des Schlußsegens und fand den lebhaftesten Beifall. Herr Armenrat -Josef Pollak, der den Verein schon durch so viele Jahre mit dem größten Eifer leitet, kann mit der Einführung der stillen Kinderbekleidung ans einen schönen Erfolg blicken und wünschen wir diesem Vereine auch fernerhin Wachsen und Gedeihen. Wie». (Liter. Gcselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria".) Samstag den 13. d. M. hat Herr Phil. Arthur Freud einen Vortrag gehalten. Referent gieng von den Zeiten der Makkabäer aus und kam bis aus den VI. Zionistenkongreß zu sprechen. In überaus fesselnder Weise behandelte er das Ostasrikaprojekt und motivierte seinen oppositionellen Standpunkt gegenüber demselben. An der eingeleiteten Diskussion bethciligte sich namentlich Herr med. Reumann. Dann wurden feierlich die Chanukalichtchen gezündet und von den anwesenden Herren das Chanukalied weihevoll angestimmt. Frl. Blanka Westrcich beschloß den schönen Nachmittag mit der Deklamation des Gedichtes „Chanukalichter" von M. Rosenfeld. Wien. Sonntag, den 20. Dezember, 4 Uhr nachmittags findet die Chanuka-Feier der Zöglinge des israel. Blinden-Jnstituts auf der Hohen Warte statt. Stockcran. Dienstag den 8. d. M. fand unter großartiger Betheilignng aus nah und fern die Einweihung des vom hiesigen Minjanverein erbauten Gotteshauses stalt. Rach exakter Absingung des Mah-Towu unter Chorbcglcitung durch Herrn Cantor Werdesheim wurde die Feier vom verdientvollen Obmann, Herrn Bernhard Schneider, mit einer begrüßenden Ansprache eröffnet. .Hierauf wurden die Thora-Rollen in die Bundeslade gebracht, worauf Herr Bezirks-Rabbiner Dr.R o senm an aus Floridsdorf die überaus eindrucksvolle, formvollendete Festrede hielt, in welcher er anschließend an das Prophetenwort: „Nicht durch Menge und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist allein" die Geschichte des israelitischen Glaubens in schwungvollen Worten schilderte. Das Kaisergebet und stimmungsvoller Choraesang schlossen die Feier. Eine angenehme Ueberraschung wurde der Gemeinde zutheil. als der anwesende Statthaltercirat Nagl das Wort sich erbat und in warmen Ausdrücken den Patriotismus der Inden feier:e. Im libersütlien Gottcshause bemerkte man außer dem obgenannten Herrn Statthaltereirat Oberstlieutenant Baron Fo gelsang in Vertretung des Regimentsobcrsten, Landesgerichtsrat Dr. K s i p p e r, Bürgermeister 2 ch a u m a n n, Vizebürgermeister W e i n e k und mehrere Gemeinvevertreter, d-e Doctoren S p il m a n und Hill er, die Vorstände der Sparkasse, Stationsvorstand B a u m g a r t, Schuldirector P r a n tn er, Cultuspräsident Dr. K ö n i g, Vizepräsident Emanuel Gruuwald sam'.nt Frau Gemahlin, Max e il man », Obmann der Cchewra Kadischa, Dr. Leopold Grünw ald, Obmann der Talmud Thora, sämtliche letztere ans Floridsdorf; die Minjan-Vorsteher M. S o f e r, E. L e d e r e r, L. Deuts ch und Cantor Zelinka aus Korneuburg, Herr Malisch, Vorsteher aus Oberhollabrunn und Cantor I e l t i n e k. An die offizielle Feier schloß fich eine gemütliche Unterhaltung, bei der verschiedene Toaste ausgebracht wurden, in welchen der Verdienste des Obmannes des Minjanvereincs, Herrn Bernhard Schneider und des Obmannes des Tempelbaukomitees, Herrn Cultusausschußes Em. Edelhoser, ur.d der anderen Herren H. Munk und S. Stern gedacht wurde. Frohgestimmi schieden die Teilnehmer mit dem Bewußtsein, ein herzliches, unvergeßliches Fest, das zugleich ein wahrer Kidusch-Haschem war, miterlebt zu haben. Batlekan. (Mähren). Am 10, d. M. geleiteten wir das älteste Mitglied unserer Gemeinde, den langjährigen Vorsteher unserer Chewra- Kadischa, Herrn David Antscherl, der in einem Alter von 84 Jahren am 8. d. M. das Zeitliche gesegnet hat, zu Grabe und gab ein sehr langer Zug von Traucrgästen dem Verblichenen das Geleite. Beim.Tempel sprachen au seinem Sar-ge Sr. Ehrw. unser Herr Rabbiner Dr. M. L. Stern und der Neffe des Verewigten, Herr Prof. Moritz Antscherl aus Wien, und gedachten in warmen, innigen Worten der Tugenden des Verblichenen, der bei ftng und alt in unserer Gemeinde und in der Umgebung sich besonderer Beliebtheit erfreute. — Möae sein Andenken gesegnet sein und der trauernden Witwe, den drei Söhnen und zwei Töchtern des Verewigten, die einen liebevollen, treuherzigen Gatten und Vater beweinen, himmlischer Trost zuteil ^werden.

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