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Die Wahrheit · 1903-12-18 · Heft 47 (18.12.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 47 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Die Wahrheit Seite 7 Math hat unser Verein bewiesen, indem er es überhaupt gewagt hat, dieses große Werk in Angriff zu nehmen. Eine gewisse Geschicklichkeit glauben wir bewiesen zu haben durch das, was wir bis jetzt geleistet haben, und die unerschütterliche Geduld werden diejenigen jüngeren Kräfte zu erweisen haben, die nach uns sorisetzen werden, was wir Alten, Ausgedienten begonnen haben. (Lebhafter Beifall.) Der Sekretär, Herr Dr. Alois Pollak, erstattet hierauf den Bericht, der erschöpfenden Details über die vom Vereine eingeführte»: Industrien, u.zw. die Haarnetzindustrie, die Spiel- und Drechslerwarenindustrie nnd die Patentknopferzeugung bietet. Greifbare Erfolge wurden bisher nur bei der ersten Industrie erzielt, während die anderen weniger günstige Resultate ergaben. Als fünfte Industrie wurde die Herrenkleiderkonfekzion eingeführt, und in Vorbereitung ist die Erzeugung von Schuhe» für den Export und solchen Spitzen, welche hauptsächlich große Exportartikel sind. ' Aus dem Berichte über die innere Organisation erhellt, daß der Verein 35 Ortsgruppen hat mit 3470 Mitgliedern und 221 Mitgliedern, die in verschiedenen Orlen wohnen, wo vorläufig noch keine Ortsgnippe besteht. Zusammen hatten wir also 3691 Mitglieder, welche K 33.600 23 als Mitgliedsbeitrage leisteten. Ansehnliche Spenden sind uns zugekoinmen vom Hilfskomitee für osteuropäisch: Inden in Frankfurt a. M., vom Hilfsvereine der deutschen Inden in Berlin nnd vom Kuratorium der Baronin Klara Hirsch-Stiftung. Zn unserem Bedauern können wir auf eine gleiche Opserwilligkeit der Wiener Kreise nicht hinweis.'n. . Im Jahre 1903 hatten wir 38 Ortsgruppen. Die Mitgliederzahl kann jetzt noch nicht angegeben werden, weil von den Ortsgruppen noch viele Juxten und Abrechnungen ansständig sind. Bis Ende November d. I. sind an Mitgliedsbeitrögen eingegangen K 30.748.—. Nene Ortsgruppen im Jahre 1903 haben sich konstituirt in Bohm.-Leipa, Friedek'Mistek, Gablonz, Komotau, Lobositz, Melnik, Olmütz, Smichow, Trautenau; in Vorbereitung ist die Konsistuirung der Ortsgruppen in Marienbad und Pardubitz. Spesen für Jndustrieeinführnng: Haarnctzindustrie K 20,112.64, Knopfindustrie K 121, Spiel- und Drechslcrwaren K 5299, Herrenkleiderkonfektion K 3300, Korb waren K 919, Prämien K 2282, Englischer Unterricht, Skole K 70. Neichsratsabgeordneter Dr. Byk erklärt zu dein Berichte, daß er alle Anerkennung habe für die Tätigkeit des Vereines, umsomehr, als die in so kurzer Zeit erzielten Resultate sich sehr abheben von der Erfolglosigkeit des meist bisher in Galizien Geschehenen. Er führt das tatsächlich auf ein gewisses geschäftliches Geschick zurück, das bisher bei ähnlichen Unternehmungen in Galizien gefehlt hatte. Zn den Ausführungen des Herrn Vorsitzenden bemerkt er: Die Frage, ob die Hebung der Kultnr- oder der Erwerbsverhältnisse wichtiger sei, läßt sich richtig wohl nur so beantworten, daß beide Faktoren in einer innigen Wechselwirkung stehen. Die Kultur ist eine notwendige Voraussetzung für die Erwerbs- und Konkurrenzfähigkeit, und Wohlstand ist nötig, um Kultur und Bildung zu verbreiten. Aus der Geschichte der Juden Polens ersehen wir, daß der Chassidismus erst entstand, als die Juden durch die Tartaren und Schweden gänzlich ausgeplündert und bettelarm geworden waren; als das Elend bis zur Hoffnungslosigkeit anzuwachsen begann, tauchten die Wunderrabbis auf. Obmannstellvertreter Lederer richtet einen warmen Appell an die Obmänner der Ortsgruppen; nicht nur Mittel, sondern auch Ideen und Anregungen zu Unternehmungen müssen dem Vereine von den Ortsgruppen zufließen. (Beifall.) Herr Bernhard Jerusalem, Vertreter der Ortsgruppe Hermanmestec, bringt den Dank und die Anerkennung seiner Ortsgruppe der Vereinsleitung zum Ausdruck; er spricht den Wunsch nach einer zuverlässigen Statistik der hilfsbedürftigen und arbeitsfähigen, jedoch erwerbslosen Juden in Galizien aus. Er weist sodann ans die hohe Bedeutung der Agrikultur hin, zumal Galizien ein Agrikultnrland ist, das bei rationeller Ausnützung seines Bodens um zirka 100 Millionen Klonen jährlich mehr produzieren könnte, als es jetzt der Fall ist. Auch für die Juden würde sich dann leichter Gelegenheit zu landwirtschastlier Arbeit und sonstigem Erwerb bieten. Besonders aber sei die Pflege der Landwirtschaft deshalb sehr wichtig, weil im Falle der Auswanderung die Jllden im Stande wären, Landwirtschaft zu betreiben, wodurch sie überall, wo dein Boden noch der Bearbeiter fehlt, als fleißige Arbeiter willkommen wären. Professor Schwarz ans Mähr.-Ostrau empfiehlt in geeigneten Orten die Errichtung von Lehrkursen für Handwerker. Der staatliche Gewerbeforderungsdienst wird gerne seine lluterstütznng durch Beistellung von Maschinen etc. bieten. Auch könnten die Gewerbetreibende» zu Genossenschaften organisiert werden, die in derselben Weise Unterstützung fänden. Nach einstimmiger Genehmigutig des Tätigkeits- und Kassaberichtes wird der Bericht des Ansfichtsratcs, durch Herrn Dr. Knöpfmacher erstattet und dern Ausschüsse das Absolu» torium erteilt. Der Antrag des Obmannstellvertreter Lederer, die Generalversammlungen mögen erst im Feber oder März stattfinden, wird einstimmig angenommen. In einer vom Ausschüsse etwas modifizierten Form gelangen zwei Anträge der Ortsgruppe Teplitz zur Annahme, Anregungen des Obmannes der Ortsgruppe Troppau und die in einer Zuschrift des Herrn Dr. Knöpfmacher dargelegten Anregungen der Wiener Ortsgruppenversammlung gelangen zur Verlesung. Der Vorsitzende spricht hierauf den erschienenen Delegierten und Ehrengästen den Dank aus und bittet, sich des B.reines bei jeder möglichen Gelegenheit anzunehmen und seiner eingedenk zu sein. Als Delegierter des Wiener Kultusvorstaudes ergreift Herr Baurat Ritter v. Gold schm {bt das Wort und spricht namens der Kultusgemeiude der Vereinsleitung den wärmsten Dank aus. In der Führung des Vereines zeige sich nicht nur Mut, Geschicklichkeit und Geduld, sondern auch ein warmes Herz für die gesammte Judenschaft. (Lebhafte Zustimmung.) Herr Dr. Zins spricht dem Vorsitzenden sowohl für die Leitung der Versainmlung als auch dem Vereine für seine gesammte Tätigkeit den Dank aus. (Allgemeine Zustimmung) Das Scrutinium ergab folgende Wahlresultate: In die Vereiitsleitung wurden gewählt die Herren : Doctor Max Böhm, Mähr.-Ostrau; Dr. M. Hammerschlag, Prag; Dr. Wilhelm Hersch, Wien; S. Edler v. Horowitz, Lemberg; Dr. Josef Jerusalem, Wien; Gottlieb Lederer. Wien; kais. Roth Dr. Theod. Lieben, Wien; Dr. Wilhelm Pappenheim, Wien; Dr. Alois Pollak, Wien; David Rotter, Wien; Ludwig Samek, Wien. In den Anfsichtsrath wurden gewählt die Herren: Julius Granichstädten, Wien; kais. Rath Moritz Hirsch, Wien; Dr. Leopold Kohn, Wien; Dr. Gustav Langstein. Wien; Ferdinand Löwy, Wien; Wilhelm Pappenheim, W:eu; Dr. Jsivor Samuely, Wien. In das Schiedsgericht wurden gewählt die Herren: Wil-. Helm Anninger, kais. Rath, Wien; Dr. Julius Bermann, Wien; Dr. Moritz Güdemann. Oberrabbiner, Wien; Dr, Alous Klemperer, Wien; Heinrich Klinger, kais. Rath, Wien; Isidor Popper juu., Wien; Leopold Sachs, kais. Rath, Wien; Julius Wolf. Wien; Josef Zucker, Wien. Schluß der Sitzung 7 Uhr, Gemeindennd Vereinsbote. Wie». (Israelitische Cultusgemeinde). Sonntag, den 20. Dezemb. findet eine öffentliche Plenarsitzung des Cultusvorsta n d e s im Sitzungssaals, I. S e i t e nst e t t en g a ss e 4, 2. Stock, statt. Tagesordnung: 1. Einlauf. II. Präsidialbericht. III. Berichte des Vertreter-Kollegiums: a) Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben der Israel. Cultusgemeinde, sowie sämtlicher unter der Verwaltung * der israel. Cultusgemeinde stehenden Fonds und Anstalten ' für das Berwaltungsjahr 1904.

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