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Die Wahrheit · 1903-12-18 · Heft 47 (18.12.1903) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 47 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Besterr.-rmgar. Canloren-Zeitnng Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." Ar. 47. 23. Jakra Zur Wege der jüdischen Sangeskunst. Wir werden um Aufnahme des nächstfolgenden Aufrufes ersucht. An die verehrtichen Geineiiideinitgtieder der Mezirke 12—15- „Wer einen Hauch von der Gottesbegeisteruug der Psalmen in sich aufnrhmen könnte! Was sind die Hymnen Pindarsgegen die Psalmen! Ein Volkj das aus sich einen Dichter, wie König: David einer ist, und die Provheten hervorgehen sah, darf sich mit stolzem Aewußtsein rühmen, ein erwähltes zu sein?' Friedrich Hebbel unter dem Eindrücke der Kunst Sal. S u l z e r s auf dem Wiener israelitischen Friedhöfe. E u e r W o l g e b o r e n : In wenigen Monaten vollendet sich ein Jahrhundert seit dem Tage, der uns den Meister des .SchirZion" geschenkt hat. Unter den Auspizien dieses Namens und im Geiste dieser Schöpfung werden wir für die Pflege der jüdischen Sangeskunü in unseren Bezirken. Im Liede uns vcn dem Leid der Zeit die Seele zu ent< lasten, in einer geistesengeu Gegenwart uns die Brust zu weiten und das Herz zu stählen in Tönen, welche den Worten unserer Psalmisten, der. Kunde von den Taten und Leiden der Väter die Tiefen des Gemütes erschießen, sür den Gottesdienst Verständnis und Teilnahme zu wecken und zu vertiefen, der Jugend Begeisterung für unsere Vergangenheit einzuhanchen und in ihrem Gemüte unsere Zukunft vorzubilden, das ist unser. Plan. Sei es zu ernster Mitarbeit, sei es zu wohlwollender Förderung in lveiterem Verbände, begrüßen wir srendigst jede Kraft, die sich in den Dienst der edlen Sache stellt. In der gewissen Zuversicht, dstß die Hebung des religiösen und sozial-ethischen Sinnes in unseren Bezirken auch Ihnen am Herzen liegt, richten wir an Sie die innige Bitte, unseren Bestrebungen durch Ihren Beitritt Ihren geschützten Beifall zu ' bezeigen. Ar. War Grnnwald, Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde. Holtlieö Gansfig, Eultusvorsteher. Kais. Mat ZSiltzelm Molkak, Eultnsvorsteher. Salomon Meer Obmann der Bezirkskommission. Samuel Steiner Obmann ves Bethausvorstandes Ar. S. Krenöerger Obmann des Einzelvereines Fünfhans des „Zion". Anmeldungen werden an die Gemeindekauzlei der Wiener j Knltusgemeinde XV., Tnrnergasse 22, erbeten.! Verschiedene Nachrichten. Wien. Der „Verein der Hörer an der israel. theolog. Lehranstalt in Wien" veranstaltete Dienstag, den 15. d. im Festsaale des Hotels „Post" eine Makkabäerfeier, verbunden mit der Decennarseier seines zehnjährigen Bestandes, die in allen Theilen als überaus gelungen bezeichnet werden könnte, wenn nicht einige Taktlosigkeiten vorgekommen wären, die darauf schließen lassen, daß die jugendlichen Herren vom Arrangirungscomite im Kapitel «Derech Erez« noch vieles nachzulernen haben. Unter anderem schien es uns höchst befremdend, daß diejenigen, die dereinst berufen sind, vereint mit den Eantoren am Tisch des Herrn za wirken, schon in ihren Lehrlingsjahren die Neigung zeigen, die Spche gegen die Eantoren zu wenden, indem sie gegen anwesende Vertreterdes Eantorenstandes die schon ihrem Berufe gebührende Berücksichtigung außer Acht ließen.* Der Besuch des Festes war ein überaus zahlreicher. Unter den Anwesender. , bemerkten wir: den Präsidenten des Curatoriums der theol. Lehranstalt Herrn Moritz Edler von Kuffner, den Vicepräsidenten der Cultusgemeindr Dr. Gustav Kohn mit den Cultusvorsteh.rn Architekt Fleischer, Dr. Marcur Spitzer und Baurath Stiaßny, vom Lehrkörper des Seminars Rektor Dr. Schwarz, Professor Dr. Büchler, Lektor Friedmann, den Seminar sekretär Fuchs, die Rabbiner Dr. Bach. Dr. Bauer, Dr. David. Dr Mandl, Dr. Rosenfeld, die Obercantoren Singer, Bauer, Schorr, I. Canto, Schiller, die Cantoren Oesterreicher und Silbermann, den Vorsteher de, Chewra-Kadischa S. Heit, Dr. Marcell Hoffmann, Professor Kellner, Ab. Ordnungen verschiedener studentischer Vereine rc. Rach Begrüßung der Festgäste durch den Vereinsobmann, Herrn Gustav Sicher, zündete I Cantor Don Fuchs, in Vertretung des erkrankten Obercantor Gurtmann die Chanukalichter an und dann folgten lebhaft acclamirte Reden und Vorträge. Unter den gehaltenen Reden fanden die des Rektors Dr. Schwär, und des Lektor Friedmann besonders stürmischen Beifall. Rach dem offiziellen Th ile des Festes kam der gemütliche, wobei der aufgeführte Ult „Der Probekandidat" viel Heiterkeit erweckte. Wien Die Leitung der „Toynbeehalle" hatte Sonntag den 13. d. M am Eingang des Chanukafestes einen ihrer schönsten Tage. Um das bedeutungsvolle Makkabifest in wahrhaft jüdischem Sinne zu begehen und! weiteren Kreisen recht drastisch vor Augen und zu Gemüte zu führen. : was jüd. Geist, was jüd. Gemeinsinn bedeutet, wurde an diesem Tagefür die Jungen, wie für die Alien in der ausgiebigsten Weise gesorgt.. Am Rachn.ittag fand eine Kinderjause statt, an welcher circa 600 Kinder,; (Knaben und Mädchen) theilnahmen. Herr Dr. Werner, der die Leitung! übernommen hat und es in keiner Weise an Mühewaltung fehlen läßt» hielt den Kindern eine Rede, in welcher er die Bedeutung des Tages in? einer dem kleinen Volke verständlichen Art auseinandersetzte. Dies sielt' dem tüchtigen Schriftsteller und Arzte, der die Psyche der Kinderseelek > kennt, wohl nicht schwer. Ein Terzett der Geschwister Saphir, Kinder i des Clavierbauers Herrn Josef Saphir, Thekla 14 Jahre (Clavier),! Friedrich 12 Jahre (Cello) und Richard 1 t Jahre (Violine) spielten Piecer aus der Fledermaus, Puppenfee, und von Haydn und wurden ihre Dar' | bietungen von dem kleinen Publicum mit reichem Beifall überhäuft. DaH^ 7 Jahre alte Töchterchen Johanna des Hausierers Nathan Roth, ei,Ä puppenhaft aussehendes Kind, trug ein größeres Gedicht: „Die dretz! Spinnerinnen" überaus exact und stimmungsvoll vor und erregte ge*j radezu Bewunderung auch bei den anwesenden erwachsenen Personen. So wechselten Vorträge der Knaben und Mädchen und alle wurden, von der Verwaltung mit einer guten Jause und sonstigen Leckerbissen! betheilt. Auch am Abend fand sich ein zahlreiches distinguirtes Publikum^ ein und war der Saak geradezu überfüllt. Oberkantor Bauer eröffnet^ den Abend indem er unter Clavier- und Chorbegleitung das Weiheliech in entzückender Weise vortrug und das erste Lichtlcin anzündete. Hierauf ergriff der Rector des theol. Seminars und Präsident der Toynbeehallej Herr Pros. Dr. Adolf Schwarz, das Wort, um den Sprecher des Abendsf Herrn Lcctor Friedmann, der Versammlung vorzustellen. Es war geradezu ein überwältigender Moment, als Lector Friedmann sich anschickte, der^ Katheder zu besteigen. Herr Professor Dr. Schwarz schritt ihm entgegen^ dessen Hand erfassend und festhaltend, huldigte er der agadischen Wissens schast und dem Repräsentanten derselben. Und in der That, was Lectoß Friedmann in der Dauer einer Stunde sagte, als er uns die Geschichte oes Josef und seiner Brüder erzählte, oder von der Zerstörung des Tempels sprach, es war nicht blos eine homiletische und literarhistorisch^ Causerie, sondern es waren deutlich warnehmbare Pulsschläge aus deich Organismus des jüdischen Volkes. Nachdem der Thee gereicht warf sang noch zum Schlüsse Herr Oberkantar Bauer, „Das bettelnde Kind's> von Gumpert, und seine Stimme, wie der meisterhafte Vortrag enthusiasf mirten) in dem Maße die Festgäste, daß er uolens volons „Das Mädchen von Juda" als Daraufgabe singen mußte. Es war ein schöne erhebender Abend, der allen Theilnehmern noch lauge in angenehme ^rinnerung-bleiben wird^ N. CH. Eins durch das andere wachsen und reisen". Der Brigittenauer Frauen Unterstützungs-Verein tritt nun in daH 9. Jahr seines Bestandes ein. In der verflossenen Periode wurden ich Ganzen K 64.899 19 wohlthätigen Zwecken zugesührt. Im abgelaufenen Vereinsjahre hat derselbe einen großen Schritt nach vorwärts gethach zumal sich die Mitgliederzahl in diesem Jahre verdoppelte und nur noch wenige fehlen um das erste Tausend voll zu machen. Es konnten auch in diesem Jahre 744 Personen mit zusammen K 6077 unterstützt werden^ Darunter auch erhielten einzelne, besonders Berücksichtigenswerte UnteH stützungen in der Höhe von K 40, 50, 75. 170 bis K 244. — Wtz wünschen dem Frauenvereine in der Brigittenau auch für künftighin bestes Gedeihen. N. Ch. *) Die unliebsamen Vorfälle, auf die wir uns beziehen, fanden" ü der Donnerstag, den 17. d. stattgehabten Vorstandssitzung des österr.-ungar Cantoren-Vereines scharfe, aber vollkommen berechtigte Verurtheilung. K I »A, M 48%. U Jr t't .I4r .r-' tv:

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