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Die Wahrheit · 1903-12-04 · Heft 45 (4.12.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 45 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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OMt*. 3 Die Wahrheit Wir geben noch ein Verzeichnis der Namen und Familien, der bei den Excessen getöteten oder arbeitsunfähig gewordenenJuden: 1. Davidoff Meyer. Er hat eine kranke Witwe und einen Sohn von 14 Jahren hinterlassen. 2- Leykin Beer. Er hat eine Witwe und einen Sohn von 20 Jahren, der Tischler ist, hinterlassen. Z. Pjatitzki. Er ha! eine junge kinderlose Ehefrau hinterlassen. (Er hatte sich vor Kurzem erst verheiratet.) 4. Obermann Elie. Er hat eine junge Witwe hinterlassen die schwanger ist. 5. Elperin Chaim. Er hat gleichfalls eine Wiwe hinterlassen die schwanger ist, H. Edlin Wulff. Er hat eine Frau, 4 Töchter und 2 Söhne' hinterlassen. Da, wie es sich erwies, die Söhne als Handwerker ihre Existenz haben so wurde ihnen nichts gegeben. 7. Kuganski, Junggeselle. Da e^ jedoch er war, der seinen Vater und zwei Schwester unterhielt, so erhielt nach seinem Tode der Vater Unterstützung. L. Kowesch Beer. Er hat eine wohlhabende Familie hinterlaffen und ist daher derselben nichts gegeben worden. Was die Verwundeten anbelangt, so sind, abgesehen von «inigen leicht Be, wundeten, mehrere, die durch die erhaltenen Wunden außer Stande sind, sich ihr Brot zu erwerben. Das Bureau des Hilssvereines befindet sich in Berlin, W. Potsdamerstraße 39. _ Verschiedene Nachrichten. Wie«. Die Generalversammlung des „Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien", Wien, I., Tuchlauben 17, findet Dienstag den 8. Dezember 1903, 4 Uhr nachm., in den Lokalitäten des isr. Humanitätsvereines „Wien" B. B. I., Universitätsstrasse 4, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht der Vereinsleitung. 2. Bericht des Aufsichtsrates. 3. Antrag des Ausschusies bezüglich Abhaltung der Generalversammlung pro 1904. 4. Wahl in die Vereinsleitung, Wahl des Aufsichtsrates und des Schiedsgerichtes. 5. Anträge der Ortsgruppen. Wie«. Anläßlich des 40jähriqen Bestandes des Wiener Bet-Hamidrasch fand Mittwoch, den 2. Dezember (13. Kislew) 6 Uhr abends in den für festliche Veranstaltungen allerdings beschränkten Räumen desselben eine überaus zahlreich besuchte und für alle Theilnehmer wahrhaft erhebende Feier statt. Unter den Anwesenden bemerkten wir: die beiden Vicepräsidenten der Cultusgemeinde, Dr. Stern und Dr. Kohn, die Cultusvorsteher Dr. Berger, Fleischer, Dr. Spitzer, Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Rabbiner Dr. Schmied!, Dr. Gelbhaus, Dr. David, Dr. Feuchtwang, Dr. Taglicht, Dr. Bach, Dr. Kaminka. Kramer, Papo, Dr. Bauer, Reich-Baden, Dr. Landau, den I. Sekretär der Cultusgemeinde, kais. Rath Dr. Lieben, den Lehrkörper des Rabbiner-Seminars Rektor Professor Dr. Schwarz, Professor Dr. Büchler, Lektor Friedmann wnd Professor Dr. Jerusalem, die Bethausvorsteher Flaschner, Schramek und Wasiervogel, Vereinsobmann G. Bettelheim, die Obercantoren Bauer und Günmann, die Cantoren Rothwein und Pekarnik, Operateur Dr. Herzfeld, die Herren D. Braun u. Sekretariats-Adjunkt Braun, den Sekretär des Seminars und Beth-hamidrasch Herrn Fuchs und viele Andere. Die an geistvollen Apercus und sinnigen Auslegungen überaus reiche Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Schmiedl, der zunächst die Entwicklung und die Bedeutung des Beth-hamidrasch im Judenthum in großen Zügen zeichnete und nach einem kurzen geschichtlichen Rückblicke auf die Schicksale der Wiener Judenschast in den letzten Jahrhunderten auf die Gründung des Beth-hamidrasch durch Dr. Adolf Jellinek zu prechen kam. Hiebei würdigte er die großen Verdienste der beiden Lekoren Weiß und Friedmann und gedachte auch anderer Männer, die an . ieser Lehrstätte gewirkt und aus derselben hervorgeganaen sind. Ober- Rabbiner Dr. Güdemann brachte den Lehrern ani Beih-hamidrasch, insbesondere Herrn Rabbiner Dr. Schmiedl und den Lektoren Weiß und Friedmann, in kurzer, aber überaus wirkungsvoller Ansprache seine Glückwünsche dar, worauf dann Lektor Friedmann den Schehechejonu- Segensspruch sprach. Einen würdigen Abschluß fand die Feier durch Obercantor Guttmann, der einen „El mole racliamim“ für Dr. Adolf Jell>..°!in wirklich kunstvoller traditioneller Weise zum Vortrage brachter Mir«. Der Ausschuß des Verbandes der israel. Religionslehre an den österr. Mittelschulen gibt hiemit bekannt, daß der vierte Verbandslag (Generalversammlung) am 28. und 29. Dezember 1903 in Wien im Lokale der Religionsschule der Wiener Kultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 2, stattfinden wird. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Rechenschaftsbericht des Obmannes. 2. Rechenschaftsbericht des Kassiers. 3. Die Rechtsverhältnisse der israel. R eligionslehrer an den österr. Mittelschulen. (Referent: Der Obmann.) 4. Wahl eines Komitees zur Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes. (Referent: Rabb. Dr. Alexander Kisch, k. k. Professor.) Nr. 45 - 5. Wahl des Obmannes und Schriftführers. . 6. Wahl des Ausschusses. 7. Lerbandsorgan. (Refrrent: Rabb. Dr. Adolf Biach.) 8. Statutenänderungen. (Referent: Der Obmann.)Z 9. Freie Anträge. Am Abend des 28. Dezember findet um 8 Uhr eine gesellige, Zusammenkunft der Kollegen im Restaurant Kühner..(!., AdlergaffL 8 statt. Damen und Gäste willkommen. Die Eröffnung des Verbandstages erfolgt am 28. Dezember d. I. 10 Uhr Vormittags. Vorträge oder Anträge können bis längstens 8. Dezember beim Obmanne (Wien, IX., Seegasse 4) unter Bekanntgabe des Themas und der allgemeinen Tendenz angemeldet werden. Zugleich werden die Herren Kollegen darauf aufmerksam gemacht, daß die rückstä >digen Jahresbeiträge bei sonstigem Verlust des Stimmrechtes, sowie der Mitgliedschaft bis längstens 20. Dezember d. I. an den Kassier (Dr. Leopold-Goldhammer k. k. Professor I., Esslinggasse 15) eingesendet werden mögen.. Da es sich diesmal um sehr wichtige Standesfragen handelt, sowie um Statutenänderungen, die für den Fortbestand des Vereines von vitaler Bede: tuug sind und zu deren rechtsgiltiger Annahme die Anwesenheit vpn zwei Drittel der Mitglieder notwendig ist, wird dringend um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder gebeten. Wien, im November 1903. Für den Verbandsausschuß: Dr. Heinrich Pol lak, Dr. Adolf Weiß, k. k. Professor, Schriftführer. k. k. Professor, Obmann. Wien. Der „theologische Verein der Hörer an der isr. theyl. Lehranstalt". teilt allen Freunden und Gönnern mit, daß er am 15. Dezember, d. i. am 26. Kislew, anläßlich seines zehnjärigen Bestandes, im Festiaale des Hotels „Post" eine solenne Chanukka-Feier abhalten wird. Gäste herzlich willkommen! Wien Die neu gegründete Liedertafel der „Jüdischen Arbeiterveine" hält ihre Gasangsübnngen jede,; Montag und Donnerstag von 8 bis halb 10 Uhr abends in ihrem Vereinslokale II., Stefaniestraße 8. ab. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Neuanmeldungen werden dort selbst entgegengenommen. Wien. (Toynbeehalle). Samstag den 27. November wurde den Besuchern der Toynbeehalle ein außergewöhnlicher Conzert-Abend geboten, dessen Gelingen zunächst Frau Dr. Rabl zu danken ist, die ihre ganze musikalische Begabung in den Dienst der guten Sache stellte. Als Ein leitung wurde eine Ouvertüre vor, Frau Dr. Rabl und Herrn Dr. Albertglänzend gespielt, voraus Frau Dr. Rabl mit dem Vortrage einiger Lieder glänzte. Dann folgten 3 Quartette von Beethoven/ gesungen von von Frau Dr. Rabl, Frau Manzi Kestel-Bauer, Herrn Cantor Löwit u. Herrn Lamberti, die überaus exakt wiedergegeben wurden. Einige Solovorträge des Herrn Lamberti fanden wohlverdienten Beifall. - Zum Schlüße trug die Malerin, Frau Manzi Kestel-Bauer, einige Gedichte von Baumbach vor, welche stürmischen Applaus im Publikum hervorriefen. Wie«. (Literarischer Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria"). Samstag den 29. November hielt Herr Dr. Carl Lifczis vor einem überaus zahlreichen Publikum einen Vortrag über das Thema „Die Frauensrage im Judenmm". Der Referent besprach eingehend die, Stellung der jüdischen Frau in jeder Phase des Lebens und hob namentlich ihre sittliche und gerstifle Größe hervor, die nicht allein in der Familie, sondern auch im öffentltchen Leben die höchste Stufe erreicht hat. Der Redner beleuchtete ferner meisterhaft die Gegensätze der sozialen Stellung der Frau im Altertum und in der Gegenwart. Reichlicher Beifall lohnte Herrn Dr. Lifczis für seine vortrefflichen Ausführungen. Kien. Sonntag, den 28. November fand im Fugbachtempel eine Trauerandacht für das jüngst verstorbene, verdienstvolle Vorstandsmitglied Herrn M. Kraus statt, welcher nebst der Familie, der Verhaus- Vorstand mit dem Präses Ad. Schramek an der Spitze und zahlreiche Vereinsmitglieder beiwohnten. Rabbiner Dr. Fink hielt eiue ergreifende Rede und Obercantor Abramowirsch trug die üblichen Trauerpsalmen wirkungsvoll vor. Wien. Unter zahlreicher Betheiligung fand am 19. »November das Leichenbegängnis der Frau Hermine Gelber, Tochter des gewesenen Obercantor Brandweiner aus Austerlitz, statt. Die Verblichene war eine edle, fromme, gute Frau. Am Sarge trauert nebst dem Gatten und den Kindern, die einzige Schwester, Frau Cäcilie Glückselig aus:Jnzers« dorf bei Wien. Aatzersdorf. Der Ort Ratzersdorf bei Preßbnrg war einstens der Sitz . einer der ältesten und angesehensten Eultusgemeinden Ungarns. Allmählich hat aber die Zahl der Gemeindemitglieder' abgenommen, so daß jetzt nur mehr 12 Mitglieder daselbst wohnen. Trotzdem ist aber das Cultusleben in dieser Miniaturgemeinde nicht abgestorben und was dieses Dutzend wackerer Mitglieder leistet, ist geradezu staunenswert. Vor Kurzem wurde eine neue Mauer um den Friedhof gezogen, eine sehr schöne Ceremonienhalle daselbst errichtet und nun gehen, sie noch daran, einen neuen Tempel zu bauen. Zu diesem Behuse - sind schon einige Hunden Kronen in der Gemeindekaffe ausbewahrt, und da die Gemeinde den Ehrgeiz besitzt, nicht an fremde Hilfe zu appellieren, sondern Alles der eigenen Kraft zu danken, so gilt es, noch eine Zeit zu. sparen, um den Rest aufzubringen. Diese Opserwilligkeit der Ratzersdorser Geineinvemitglieder verdient vollstes Lob und unbeschränkte Anerkennung, und vielleicht sieht sich einer oder der andere Ratzersdorser in der Fremde beim Lesen dieser Zeilen veranlaßt, das Streben seiner wackeren Landsleute daheim zu unterstützen.

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