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Die Wahrheit · 1903-11-27 · Heft 44 (27.11.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 44 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Die Wahrheit Nr. 44 Er ließ aus dem in großer Menge eingebrachteu Ebenholz Harfen und Psalter für die Sänger anfertigen. (I. K. 10. 12) Aber unter seinem Sohne Rechabeam und seinen Nachfolgern, die nicht im Wege Gottes wandelten, da verfiel der ehemalige prachtvolle Gottesdienst und mit ihm auch die Pflege von Musik und Gesang. Nur unter den wenigen ganz frommen Königen wie: Joschäfat, Chiskia und Ioschiohu blühten sie wieder auf. (II. Ehr. 20. 21, 25, 29 u. 35, 15.) Daß Musik und Gesang bei König David und Salamo wie auch beim Volke auch privatim gepflegt wurden, ist aus mehreren Bibelstellen zu ersehen. Barsilai sprach zu David: Vermag ich dennoch — bei meinem König David — zu hören die Stimme der Sänger und Sängerinnen? (II. S. 19, 36.) Salamo sprach: Ich verschaffte mir Sänger und SLugeriuiieu und andere menschliche Vergnügungen. Da ist Zither und Psalter, Pauke und Flöte und Wein ihr Gelage; aber auf das Tun des Ewigen blicken sie nicht und das Werk seiner Hände sehe» sie nicht. (Jes. 5. 2.) Die da spielen auf dem Psalter, wie David, achten sie das Instrument. (Amos 6, 4.) D. h. wie David Musikinstrumente zur Ehre Gottes erfunden hat, so erfinden sie Musikgeräte zu religionswidrigen Belustigungen. Im babil. Exil fanden bei den Juden Musik und Gesang keine Pflege. „Wie sollen wir Gottes Lied auf fremdem Boden singen?" (Ps. 137, 5.) Dennoch haben sie diese Kunst nicht ganz verlassen. Sie war ihnen ein Trost im Kummer. Überdies hofften sie ja auf die prophetische Versicherung, daß sie nach 70 Jahren in ihr Land zurückkehren werden. Daher ist es erklärlich, wie nach 70jährigem Aufenthalte daselbst mit den 44000 heimgekerten Exilanten 245 Sänger und Sängerinen den Söhnen Asaphs*) mitkamen, die bei Grundsteinlegung des 2. Tempels und Einweihung der Stadtmauer funktionierten. (Esra II. 65 III. 10. "ehemja 7, 67 u. 12, 27.) (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wie«. Sonntag, den 22. d. M. fand im türkiischen Tempel die Trauung des Herrn Edmund Groag, Neffe des Herrn kais. Rat Dr. S. Kohn, mit Fräulein Teophile Pasternak, Tochter des Herrn K. Pasternak, statt. Der Anblick des von den zahlreichen Hochzeitsgästen gefüllten Tempels war ein geradezu herrlicher, und das musterhafte Arrangement, das immer bei Trauungen und sonstigen feierlichen Anlässen im türkische» Tempel herrscht, fiel auch diesmal überaus wohltuend ins Auge. Unter Orgel- und Harfenklang wurde das Brautpaar mit dem Hochzeitszuge von den beiden Präsidenten der Gemeinde, den Herren Markus Russo und Licco Adutt, zu den Ehrenplätzen geleitet und hierauf begann der überaus erhebende Trauungsakt, den Rabbiner Papo und Oberkantor Bauer vollzogen. Der Chor bot, wie gewöhnlich, unter Leitung des Dirigenten Cantor I. Löwit eine treffliche Leistung. Wien. Am 22. d. M. ist Herr Albert Cohn, ein Bruder des Herrn Cultusvorstehers Salo Cohn, im kräftigsten Mannesalter gestorben. Das Leichenbegängnis fand unter außerordentlicher Teilname Dienstag den 24. 9 Uhr morgens vom Trauerhause, IX., Maria-Theresienstraße 5, statt. Neb't den Angehörigen und zahlreichen Freunden der Familie waren erschienen: Die Vizepräsidenten der Cultusgemeinde Dr. Stern und Dr. Kohn, die Cultusvorsteher Dr. Spitzer und kais. Rat P o l l a k, die Vorsteher der Chewra Kadischa Heit, Steiner u. Kann, der Vorsteher der Armenanstalt Josef I e l l i n e k u. v. A. In der Ceremonien- Halle am Centralfriedhofe sungirte Obercantor Sieg er unter Assistenz des ersten Cantors Schiller und des Chorpersonales in ergreifender Weise und Oberrabiner Dr. Gübemann hielt dem Verblichenen, der ihm ein langjähriger, treuer Freund war, einen tiefempfundenen Nachruf. *) Dies waren die Nachtommen jenes ,Asaph^, der schon unter König David und Salamo als Leiter der Tempelmusik fungierte. (II. Chron. 25, 1—8.) Demnach war die Tempelmusik durch 660 Jahre <1051—458) in Uebung, was auch ein Zeichen für die Wertschätzung des Singens und Spielens im alten Israel ist. Die bibl. Sprache hat 9 Wörter für singen und spielen und 4 Wörter, welche sich ausschließlich auf gewisse Jnstrumentebeziehen. . Wie«! Dienstag, den 24. d. M. 11 Uhr vormittags wurde in der Kluckygasse im 20. Bezirke eine, neue von Dr. Arnold Hildesheimer im Sinne seiner verstorbenen Mutter Rosa.Hildesheimer mit einem Gründungskapital von 110,000 K. gestiftete und vom israelitischen Volksküchenverein errichtete rituelle Volksküche eröffnet. Oberrabbiner Dr.Güdemann hielt als Vorsitzender des Vereines die Begrüßungsrede, Rabbiner Dr. Feuchtwang die Festrede. Es waren anwesend: in Vertretung des Polizeipräsidiums Regierungsrat Ritter v. Feyerfeil, Polizeibezirksleiter Dr. Tauber, der Abteilungskommandant der Sicherheitswache Freiherr v. Schönermark, der Vertreter des Bezirksrates Herr Peter Mayer, der Vizepräsident der Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Cultusvorstehern Dr, Berger Eltbogen und Dr. Steiner, die Rabbiner Dr. David und Dr. Gelbhaus^ Dr. Fialla, Vertretungen verschiedener Tempel-und humanitärer Vereine, der Gatte der Stifterin, Herr Leo Hildesheimer, und' die Schwester derselben, Frau Professor R. Mauthner, die Ehrenpräsidentin des Volksküchenvereines Frau Benvenisti, Frau kaiserlicher Rat Dr. Kohn, Frau Dr. Weiß, Frau Jda Diamant, Frau Eltbogen, Frau Amalie Beck, Herr Markus Bondi, Herr und Frau Heinrich Weiner, Hofrat Winternitz und Gemahlin, Regierungsrat Dr. Schlag, der Vizevräsident der türkischisraelitischen Gemeinde Licco Adutt, Schiedsgerichtpräsident I. L. Neufeld rc. Der moderne Bau wurde nach den Plänen des Architekten Fränkl vom Stadtbaumeister Melcher ausgeführt. Nach der Eröffnung wurden auf Kosten der Familie Hildesheimer 600 Personen ausgespeist. Als Ehrendamen fungierten die Damen Kadisch, Kohn und Trebisch, die von den anmutigen Töchtern des Herrn Regierungsrat Dr. Schlag (Grete u. Else) unterstützt wurden. Wien. Der litter. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" veranstaltet Sonntag den 29. d. M. einen Vortragsnachmittag. Referent . Herr Dr. Carl L i s c z i s wird über das Thema „Die Frauenfrage und das Judentum" sprechen. Beginn präzise 3 Uhr nachm, im Kongreß-Saal, H., Türkenstraße Nr. 9. Gäste herzlich willkommen! ' Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe, Wien. Am Montag den 30. crt. 7 Uhr abends unternimmt der Verein unter Führung seines Präsidenten Brod einen corporativen Besuch der Toynbeehalle XX, Karajangasse 20, an welchem die P. T. Mitglieder sich gefälligst bethei» ligen wollen. Wien. (Bet-Ha-Midrasch II. Tempelgasse 3.) Aus Anlaß des vierzigjährigen Bestandes dieses Vereines findet am Mittwoch, den 2. Dezember 1903 (13. Kislev) präcise 6 Uhr Abends im Vortragssaale II. Tempelgaffe 3 eine Festfeier statt, bei welcher der Vereinspräsident, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Adolf Schmied!, die Festrede halten wird. Zu dieser Feier werden Eintrittskarten in beschränkter Anzahl im Sekretariate II. Tempelgaffe 3 (9 — 10 Uhr Vorm.) ausgegeben.- Wien. Fräulein Elsa A s r i e l hat sich mit Herrn Alfred L. Russo, Sohn des Hern Licco M. Russo, verlobt.. Wien. Zu dem in voriger Nummer veröffentlichten Berichte üb^r das stattgehabte Bekleidungsfest der alten Männer im Festsaale der Produkten-Börse möge noch nachgeholt werden, daß'sich Herr Edmund Hofmann, der in uneigennütziger Weise den Festsaal dckorirte, sowie auch die Herren Ignatz Beckmann und Josef Groß um das Zustandekommen des Festes besondere Verdienste erworben haben. Berichtigung. Die Einweihung des nenangelezten jüdischen Friedhofes, über welche in voriger Nummer irrthümlich unter dein Schlag Worte „Teplitz" berichtet wurde, hat nicht in Teplitz sondern in Gleiwitz stattgefunden. „Israelitische jfäliaiiz m Wien.“ Der Verein bezweckt: 1. Die Volkserziehung bei den Israeliten durch Errichtung oder Unterstützung von Schulen und durch andere geeignete Mittel zu fördern; 2. Israeliten, wo sie ihres Glaubens •wegen zu leiden haben, eine wirksame Stütze zu bieten. Durch Leistung eines Jahresbeitrages von mindestens drei Gulden ö. W. wird man ordentliches, durch einmalige Zahlung von. hundert fl. ö. W. lebenslängliches Mitglied des Vereines. Anmeldungen zu Beitritt werden erbeten unter der Adresse: „Israelitische Allianz zu Wien“ I., Weifrburggasse 10, I. Stock

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