Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 44 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 44 Die Wahrheit Seite 7 Mit vollem Rechte darf der Verband als eine Musterschöpfung erklärt werden, die auch in ihrer Beziehung zur gesamten Armenpflege die ersprießlichsten Folgen gezeitigt hat, indem sie zur Entlastung anderer Unterstützungszweige beiträgt. Ungeteilte, rückhaltsloseste und dankerfüllte Anerkennung gebührt daher jenen Personen, welche diese Schöpfung ins Leben gerufen und ihrer umsichtigen Leitung unterstellt haben, insbesondere Herrn kais. Rat Med. Dr. S. Kohn, dem geistigen Urheber und äztlichem Beirate, sowie dem rührigen Exekutiv-Comite, bestehend aus den Damen Präsidentin Baronin Charlotte von Königs wart er, Vize-Präsidentin Berta Kohn, Vize-Präsidentin Rosa Ziffer er, Schriftführerin Johanna Fröhlich, Beirätin Adele Edle von Mises, Beirätin Julia Stiaßny und Beirat Herr Theodor Ritter von Gold schmidt. Welche finanziellen Mittel stehen dem Verbände zu Gebote, wie deckt er die Kosten seiner Hilfsaktion? Der Verband selbst hat keinen Stammfond, kein eigenes Vermögen, er lebt, vulgär gesprochen, von der Hand in den Mund und bestreitet seine Auslagen aus den Beiträgen der Verband-Vereine, aus einer Subvention der Cultusgemeinde und aus spontan einlaufenden, besonders anläßlich freudiger Familienereignisse votierten Spenden. Aber diese Mittel sind angesichts der notorischen Notlage der armen jüdischen Bevölkerung, welcher wir in allen Gemeinde-Bezirken begegnen, ganz unzureichend und können selbst die dringendsten Bedürfnisse nicht befriedigen. Soll der Verband in der Lage sein, die glücklich inaugurierte Aktion weiter auszugestalten, soll er seinen Zwecken voll und ganz entsprechen und das Ideal erreichen, nicht eine einzige Bedürftige abweisen zu müssen, so bedarf es der nachhaltigen materiellen Förderung weiter Kreise. Mit Geld und Naturalien hat der Verband seine Schutzbefohlenen zu bedenken; Geld und Naturalien sollen ihm von den Wohltätern zugehen. Die Naturalien hat der Verband bisher stets neu angeschafft; doch der Vorrat reicht bei weitem nicht für den Bedarf. In dieser Hinsicht könnten dem Verbände mühelos aus Privatkreisen Mittel an die Hand gegeben werden. In vielen Häusern liegt gute, außer Verwendung gesetzte Wäsche im Kasten, welche für die Armen noch großen Gebrauchswert besitzt. Hier sind jüdische Frauen und Mütter berufen, Segen zu stiften, indem sie das nackte Elend bedecken und in dem Bewußtsein eines Werkes reiner Nächstenliebe reichlichen Lohn finden. Mögen diese Zeilen in unserer großen jüdischen Gemeinde dauerndes Interesse an der Wöchnerinnenpflege erwecken, Anklang und Beherzigung Hervorrufen! -i- Anschließend geben wir über Ersuchen des „Verbandes zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen" folgender Bitte Raum: Jüdische Frauen und Mütter! Gedenket Eurer armen Glaubensschwestern zurZeit ihrer schweren Stunde! Helfet den Armen in dem Momente, da sie hilflos in bedrängter Lage fremden Beistandes bedürfen! Geldspenden und für die Wöchnerinnen pflege geeignete Naturalien —auße r V erw end ung ges etzte Bett-, Leib- und Kind-Wäsche in hygienisch unbedenklichem, gebrauchsfähigem Zustande — werden erbeten an den „V erband zur Unterstützung arnier israelitischer Wöchnerinnen," I., Seitenste tt eng asse Nr. 4. Diese Gaben wollen mit N amen sne nn u ng aber anonym gesendet werden. Naturalien werden über Wunsch ab geholt. Die Jude» und der Talmud. XXII. Wie die Poesie ebenso fanden auch Musik und Gesang bei den Juden schon in der biblischen Zeit vielfache Pflege" und in erster Linie Anwendung zur Ehrung Gottes. Als erste Person, die zur Ehre Gottes' Musik und Lobgesang anstimmte, nennt die Bibel, nach Moses, Mirjam, die Schwester Moses, unmittelbar nach Beendigung seines Lobgedichtes für die Hülfe Gottes am Rotenmeere. (II. M. 15.) „Da nahm Mirjam, die Prophetin, die Schwester Arons, die Pauke in ihre Hand und alle Weiber zogen aus hinter ihr mit Pauken und Reigen. Und Mirjam stimmte ihnen an: Singet dem Ewigen, denn er ist hocherhaben, Roß und Reiter stürzte er ins Meer." Daraus ist zu ersehen, daß die jüdischen Frauen in Aegypten, trotz der drückenden Knechtschaft ihrer Männer, dennoch sich Sinn für Musik und Tanz bewahrt haben. Diese Neigung ist den Juden, besonders ihren Frauen, angeboren.*) Aber die Musik hat sich bei den Juden nur nach und nach entwickelt und zwar von Moses bis Salomo, d. i. 1575—1615. Moses ließ Blasinstrumente, Posaunen und Trompeten anfertigen, als Signal zur Versammlung des Voltes und im Kriege zum Angriffe gegen den Feind, wie auch zur Ankündigung des Jubeljasres. (III. 25. 9., IV. M. 10., 2.) Ganze Triumphchöre von Frauen und Jungfrauen gingen den Siegern unter dem Schall von Pauken und Triangeln, Gesängen und Tänzen entgegen. Alljährlich zogen die jüd. Töchter zu Schiloh ins Freie hinaus, in Reigen zu tanzen. (Richter, II. 11. 34; 21. 19. und 1. S. 18. 6.) Aber kultiviert konnte die Musik nicht werden, wegen der über 400 Jahre gegen die Kananiter geführten Kriege. Der Prophet Samuel, der die Feinde soweit besiegte, daß sie in Israels Gebiet nicht mehr einzudringen wagten, errichtete eine Prophetenschule, in welcher er die Jugend in der Gotteslehre, in der Poesie, in Musik und Gesang, wie auch in anderen Wissenschaften unterrichtete, um sie für ihren Prophetenberus tüchtig vorzubereiten.**) Da gewann die Musik einen bedeutend höheren Aufschwung, so daß neue Instrumente, Nebel und Chalil, von ihnen benützt wurden. (I. S. 10. 5.) Samuel war demnach der Begründer der kultivierten heiligen Musik. Unter König David hat die Musik in ihrem religiösen und weltlichen Gebrauche eine hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht. Nachdem er von Samuel zum König bestellt wurde, erglühte in ihm der Geist Gottes; er besuchte oft Samuel, um von ihm für seinen heiligen Köuiasberuf nötige Belehrung zu empfangen, er beteiligte sich am Musikunterrichte und wurde als Musiker so sehr im Lande bekannt, daß er dem König Saul empfohlen wurde, um ihn in feinen melancholischen Anfällen zu erheitern. (I. S. 16., 13—23. S. Vorwort zur Psaunc»-- Übersetzung von Mendelssohn.) Er erfand neue Musikinstrumente (II. S. 6., 5.). Zu seiner Zeit bestand das Orchester aus 4000 Sängern und Musikern, mit 288 Chorführern in 24 Ordnungen, deren Vorsteher Asaph, Heman, Ethan und Jeduthun waren. (I. Chron. 23, 5, 25. 1—7. Auch ein Musiklehrer Chauanja wird geuaunt. Das. 15. 22 ) Nebst bei den Männern von Berus waren Musik und Gesang unter dem Volke so sehr verbreitet, daß beim Einsühren der Gotteslade aus dem Hause Abinadabs David und das ganze Haus Israels alle Instrumente vor dem Ewigen spielten. (II. S. 17. 5.) Hieraus beziehen sich die Worte Davids. Pf. 68. 25—26 „Man schaute deinen Prachtzug, Gott, den Einzug meines Gottes, meines Königs, in sein Heiligtum. Die Sänger voran, Saitenspieler folgen nach, umgeben von ' Pankeuschlägerinnen." Unter Salamo florierten Musik und Gesang im Tempel, wie auch im Privatleben mehr als unter David, weil er noch pomphastereren Hofstaat führte als David. (II. Chron. 5. 12.) *) Jakobs Frauen und ihre Mägde kannten Pauken und Zither aus dem Hause Labans (1. M., 31., 27.) Sarach, die Tochter Aschers» sang vor Jakob in seiner Betrübniß über Josef und als sie erfuhr, daß Josef noch lebe, sang sie die Worte: noch lebt Josef, um Jakob nicht zu erschrecken. S. Sefer Hajaschar zu Gen. **) Die Einwirkung der Musik zur Inspiration des Propheten wird folgendermaßen mitgeteilt. Als der Prophet Elischa in seinem Zorne über den König Israels keine Inspiration fühlte, ließ er sich Vorspielen, und eS kam über ihn die Macht GotteS. (EL Kön. 3.. 14—15. Talmud Grub. 102 ü. Nedorim 21.)