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Die Wahrheit · 1903-11-20 · Heft 43 (20.11.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 43 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seile 8 Die IDahrheN Nr. 43 Frau Dr. Sidonie Kohn, Präsidentin des ersten zionistischen Frauenvereines, hieß die überaus zahlreich versammelten Gäste willkommen und erteilte der Referent:» der Abends, Frau Rosa Feigenbaum, das Wort. Die Rednerin entrollte in seffelnder Weise das Bild des 6. Zionisten» kongresses und schilderte die Vorgänge der Verhandlungstage. Mit atemloser Spannug lauschte das.Publikum den vortrefflichen Ausführungen, speziell als Rednerin mit packenden Worten des Kischenewer Blutbades gedachte und aus die tristen, hoffnungslosen Zustände des Ostens hinwies. Mit beredten Worten begrüßte sie das Ostafrikaprojekt als sicheren Rettungsanker für unsere unglücklichen Glaubensbrüder, bevor ihnen das ersehnte Land der Väter gegeben wird. Referentin besprach ferner eingehend die Bedeutung des Nationalfonds und brachte die neue Auregung, Nationalfondsbüchsen, zur Sammlung der Gelder in jüdischen Familien unterzubringen. Diese Anregung wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen. Als dann die Präsidentin des Mädchenvereines „Moria", Frl. Berta Herrmann, der Rednerin mit herzlichen Worten für den ausgezeichneten Vortrag dankte und begeistert die Frauen und Mädchen zur eifrigen Betätigung aufforderte, zeichneten ausnahmlos die Anwesenden ihre Namen zur Aufnahme der Sammelbüchsen in ihre Familien. Wird doch mit jedem Heller ein Samenkorn für die Zukunft unseres Volkes in die Erde gesenkt! Hierauf beschloß Frau Dr. Kahn den gelungenen Abend mit einem warmen Appell um Hilfeleistung mit Kleidern und Wäsche für die sich hier auf der Durchreise nach Palästina befindenden Waisen aus Kischenew. A. n. Wien. Sonntag den 22. d. M., J/,4 Uhr findet im türk. Tempel die Trauung des Herrn Edmund Groß mit Frälein Theophile Pasternak, Tochter des Herrn Carl Pasternak statt. Wie« Am Sonntag fand die Beerdigung des ob seiner Frömmigkeit und Rechlschaffenheit in weiteren Kreise bestbekannter Aschar Schreiber, der im Alter oon 86 Jahren am Einzuge des Sabbattazes gestorben ist. Seine zahlreichen Freunde gaben ihm das letzte Geleite und Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Fürst widmete dem Hingegangenen einen ehrenden Nachruf. Wie«. Am 15. d. M. fand iu der Restauration Diamant unter dem Vorsitze des Präsidenten Adolf Lichtblau eine Generalversammlung des Synagogenbauvereines für die Bezirke Wieden und Margarethen statt, welche infolge mangelhaften Entgegenkommens, das der Verein beim Cultusvorstande bisher gefunden hat. die Auflösung des Vereines beschließen sollte. Als Vertreter der Cultusgemeinde waren Dr. Berger und Ritter v. Goldschmidt anwesend. Rach längeret Debatte wurde nachstehender Antrag angenommen: Die heutige Generalversammlung vertagt die Auflösung des Synagogenbauvereines für die Bezirke Wieden und Margarethen, bis von der israelitischeu Cultusgemeinde in Wien eine Antwort auf eine neuerliche motivirte Eingabe des SynagogenbauVereines herablangen wird, woraus zu erjehen sein wird, unter welchen Voraussetzungen der Cultusvorstand gewillt ist, einen Tempelbau generös zu unterstützen und zu fördern. Wien. Sonntag den 15. d. M. fand im türk. Tempel die Trauung des Fräulein Lola Marmorek, Tochter der Frau Rosa Marmorek mit Herrn Dr. I. Scheu aus Baden statt. Der Tempel war von Trauungsgästen überfüllt. Man bemerkte unter denselben die beiden Präsidenten der Badner Cultusgemeinde Herren Leitner und Schneider mit dem Rabbiner Reich, den Präsidenten der türk. Gemeinde Herr Markus Russo u. A. Den Trauungsakt vollzogen Rabbi Pape und Oberkantor Bauer. Wie«. (Todesfall.) Der im 20. Bezirk bestehende israel. Frauenverein hat dieser Tage durch das Hinscheiden der Frau Helene Bernkopf einen herben Verlust zu verzeichnen. Trotz des langjährigen Leidens überraschte denoch diese traurige Nachricht, da die Hingegangene erst im 30. Lebensalter fland und sich durch Menschenfreundlichkeit und humanen Charakter des besten Rufes und der größten Achtung erfreute. — Das Leichenbegängnis fand unter zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung vom Trauerhause statt. Wien. Dienstag verschied hier nach langem Leiden Herr Cantor Josef Mayer, derselbe war früher in mehreren größeren Genieinden Ungarns thätig und feit vielen Jahren sowohl in Ottakring, als auch im Bethause Landstraße als Cantor angestellt. Der Verblichene war ein geübter guter Vorbeter und ein verläßlicher frommer Schochet. — Das Leichenbegängnis fand Donnerstag den 12. d. M. unter zahlreicher Betheiligung statt. Heplitz. Am Sonntag, den 15. November fand Hierselbst die Einweihung des neuangelegten Friedhofes am Stadtwalde statt. Wie die hiesigen Tagesblätter ganz richtig bemerken, zählt der, die Zeremonienhalle und Verwaltnngsräume umfaffende Gebäudekomplex zu den schönsten Bauten unserer Stadt. Ein Denkmal den Toten, und zugleich ein, Zeichen der Kraft und Arbeitstätigkeit unserer sich immer größer gestaltenden Gemeinde. Von der Meisterhand des Architekten Max Fleischer aus Wien entworfen, ist der Bau mit allem notwendigen Komfort ausgestattet. Die Zeremonienhalle, ein zirka 800 Menschen fassender Raum, ist in gotischem Stil auf das Würdigste ausgeführt, auch die übrigen Räume stnd überaus zweckmäßig erbaut. Zur Einweihungsfeierlichkeit waren neben Vorstand und Repräsentanz auch die Spitzen der Behörden erschienen. Ein zahlreiches Publikum füllte den mächtigen Raum bis auf den letzten Pl tz. Die Feier wurde durch eine deutsche Hymne von dem Synagogenchor eingeleitet. Hierauf übergab der Erbauer, Architekt Max Fleischer, dem Synagogen-Vorstande den Bau und dankte all' denjenigen, die mit ihm an der Ausführung des Werkes tätig gewesen sind. Rechtsanwalt Schüller, der erste Vorsitzende der Gemeinde, hielt in seiner Erwiederung in kernigen Worten einen kurzen Rückblick über das Entstehen und die Vollendung des Baues. Nunmehr folgte der eigentlich religiöse Weiheakt. Als Weihegesang stimmte Oberkantor Davidsohn unter Assistenz seines Sinagvgenchores die Komposition keracliim ow al ~ bonim an. Herrlich klang die mächtige Baritonstimme durch den wohlaku stischen Raum. Nachdem der letzte Ton verklungen war, hielt Rabbiner Dr. Münz die tiefdurchdachte Weiherede, der er die Bedeutung der Worte bes aulom und bes hachajim zu Grunde legte. Mit einem Gebet schloß die ergreifende Rede. Der Psalm ehiwisi, von Oberkantor Davidsohn mit dem Chor ausgezeichnet zum Vortrag gebracht, bildete den Abschluß der gesamten Feier. Kger (Ungarn). Der Lehrer der israelitischen Religionsgemeinde in Eger, Moriz Lakner, der nach 48jähriger Lehrtätigkeit in den Ruhestand trat, würde am 7. d. von seinen Verehrern in würdevoller Weise gefeiert. Dem Feste wohnte die gesammte Intelligenz der Stadt bei. Schulinspektor Desider Scossa verdolmetschte' dem Gefeierten die Anerkennung des Kultusministers. Lakner war Gegenstand lebhafter Ovationen. Abends fand ihm zu Ehren ein Festmahl statt. Budapest. Montag den 9. d. M. stürzte ein Theil des Hoftractes des Orczy'schen Hauses ein. An demselben grenzt die Synagoge der aut. orth. Jsraelirengvmeinde, welche nun behördlich geschloffen wurde und bis Weiteres geschlossen bleibt, was für diese Gemeinde als ein schweres Ungemach zu betrachten ist. Vom historischen Gesichtspunkte ist erwähnenswerth, daß sich im Orczy'schen Hause der erste größere Tempel der Pester Israeliten — die »Orczy'sche Schule" — befand; noch heute dient derselbe als Gotteshaus der Orthodoxen strengster Observanz. Als Sitz des jüdischen Tempels war das Haus Jahrzehnte hindurch quasi der Mittelpunkt der Pester Judenheit. Hier befand sich das größte und gesuchteste jüdische Restaurant, dessen Inhaber viele Jahre hindurch Jonas Wassermann war; auch das im Hause untergebrachte Kaffeehaus war der Sammelpunkt der frömmeren Israeliten, besonders derjenigen, die zum Besuche der Jahrmärkte nach der Hauptstadt kamen. Aataegerszeg. Am 8. d. M. ist der Sekretär der hiesigen isr. Cultusgemeinde, Herr Samuel Jambor, der sich während seines 33 jährigen Wirkens als Sekretär und Religionslehrer in unserer Gemeinde unvergeßliche Verdienste erworben hat, im 66. Lebensjahre gestorben. — Das Leichenbegängniß fand am 10., 3 Uhr nachmittags unter sehr großer Theilnahme statt. Im Trauerhause versammelten sich viele Verehrer des Verstorbenen ohne Unterschied der Confessio», um dem Mann, der bei seinem Leben die Hochachtung seiner Mitbürger sich zusichern wußte, die letzte Ehre zu erweisen. Nach den Trauergesängen, die Oberkantor Eugen Weiß mit seiner klangvollen schöner Stimme unter Chorbegleitung in erhebender Weise exckutirte, trat Rabbiner Herr Dr. Rudoljer aus Lendvar der Schwiegersohn des Verstorbenen, an den Sarg und nahm tief gerührt im Namen der trauernden Angehörigen Abschied von dem geliebten Schwiegervater. Sodann bewegte sich der Trauerzug begleitet von einer großen Menschenmenge darunter die Repräsentanz der isr. Cultusgemeinde der Chewra Kadischa des Maskil el dal Wohlthätigkeitsvereines und noch viele andere Vereine nach dem Friedhose. Hier hielt Oberrabbiuer Englsmann eine tiefergreisende Trauerrede, in der er unter den vielen schönen Tugenden des Verblichenen dessen Patriotismus seine große talmudische Gelehrsamkeit und seinen Wohltätigkeitssinn besonders hervorhob. Stanista«. Der bereits vor einigen Jahren im Vereine Erez-Jsrael gegründete hebräische Klub Safa-Berura. dessen Zweck die Wiederauflebunq der hebräischen Sprache ist, welcher jedoch aus verschiedenen Gründen seine Tätigkeit seit einiger Zeit eingestellt hatte, wurde auf Verlangen des Vereines wiederum in's Leben gerufen. Samstag, den 7. d. am Abend, fand die erste Versammlung mit zahlreichem Besuche statt. Herr Herman Feiger, Kantor im hiesigen Tempel, eröffnete als Vorsitzender dieselbe mit einer inhaltsvollen hebräischen Rede. Atsdann hielt Herr A. Löwensart einen geistreichen Vortrag über den jüdischen Nationalfond, gleichfalls hebräisch. Nachdem die Versammlung sämmrliche auf der Tagesordnung stehenden Punkte erledigt hatte, wählte sie einstimmig Herrn Kantor Feiger zum Präsidenten, Herrn I. Kwittner zum Vize- Präsidenten und Herrn A. Löwensarr zum Schriftführer des Klubs. „mö“n bbn" Synagogengesänge für Solo, Soli, gemischten Chur, sowie Recitative von Obercantor Mayer Schorr, Wien. Dieses Werk, elegant ausgestattet, ist gegen Einsendung von K 5 - durch die _ k. k. Hofmusikalien-Handlung — Albert Qutmann (Wien, I., Opernhaus) zu beziehen. Handbuch für Cultusbeamte — zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Enthält sämmtliche Gebete und Regeln für Functionen in- und ausserhalb des Tempels sowie alle in’s Fach schlagenden Vorschriften und ein complettes alphabetisch geordnetes Verzeichnis aller männlichen und weiblichen hebräischen Famen und Mechunes, nebst. 2 Liedern mit ungarischem und deutschem Texte, componirt von Ober-Cantor M. Sonntag aus Temesvdr. Zu beziehen beim Verfasser Salomon Münz in Tavocz Szt. Mdrton (-Ungarn). Preis: brochirt 60 kr. im Prachtband 90 kr. franco Porto gegen Einsendung des Betrages.

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