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Die Wahrheit · 1903-11-20 · Heft 43 (20.11.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 43 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 7 Nr. 43 Wenn Ihr Noch hiuzusüget, daß dieses Bnch voll einer solchen Poesie ist, der keine menschliche Sprache jemals gleichen kannten/ dann müßet Ihr gestehen, daß nur Gott allein in der Bibel spricht. „Und die Juden in der Mitte aller Revolutionen, denen sie wahrend achtzehnhundert Jahren unterworfen waren, bewahrten die heilige Schrift, das Wort Gottes, in der Sprache Moses. Lebhaftes Wunder, das durch gar kein einziges anderes Volk hätte geschehen können! Denn wo sind denn die Annalen der über der ganzen Erde hin so sehr berühmt gewesenen Assyrir, Chaldäer, Phönizier, Egypter und Perser?? Die Zeit hat sie in das Meer der Vergessenheit begraben. Und tvaL sagt der Styl her heiligen Schrift? Keine menschliche Literatur vermag sich mit der Litteratur der. Hebräer zu vergleiche». „Die heilige Schrift, sagt Fenelan, übertrifft die profanen Autoren an Naivität, an Lebhaftigkeit und an Erhabenheit. Niemals näherte sich Homer der Erhabenheit Moses in seinen Gesängen, besonders seinen letzten, den die Kinder Israel auswendig lernen sollten. B. B. 31. 19 —32. 43. (Die poetische Kunstvollkommenheit des Liedes Moses nach dem Durchzug über das Rothe Meer weist Mendelssohn im Exod. 15 umständlich nach. D. E.) Keine griechische oder lateinische Ode konnte die Höhe der Psalmen erreichen; niemals glich Homer oder irgend ein anderer Poet dem Jesaia in seiner Schilderung der Majestät Gottes, in dessen Augen die Königreiche nur ein Staubkörnchen, und das Universum nur ein Zelt ist, das man ausstellen, Zusammenlegen und wegtragen kann. Oder was gibt es im Altertum, das gleichen könnte der Zärtlichkeit des Propheten Jeremias, wie er die Leiden seines Volkes beweinte? (Klagelied.) Oder dem Propheten Nachum. wie er im Geiste die prachtvolle Stadt Niniveh unter Anstrengung einer zahllosen Armee sinken sieht? Er läßt es «it Homer hinter sich; ebenso nicht dem Daniel, wie er dem Belsazar Gottes Strafgericht über seinen Hoch- und Uebermuth ankündigt. (Dan. V. 22—30.) „Die Personen in der heiligen Schrift bewahren ganz den Charakter, den sie haben sollen, sie drücken wahrhaft gefühlvoll ans, was göttlich ist; die anderen Autoren strengen sich an, sich zu ihnen zu erheben; aber sie lassen immer menschliche Schwäche schauen." Soweit Genoud. Wir können mit Recht hin.zufüzen, daß die Juden nicht nur in der biblischen Poesie, sondern auch in der nachbiblischen hebräischen Poesie, die bis heute einen Zeitraum von fast 2500 Jahren ausmacht, originell und unnachahmbar waren; ja sie waren und sind sogar die einzigen Poeten in dieser Sprache. (Zu der nachbiblischen Poesie gehören die inhaltsreichen Dichtungen in den Talmuden und Midraschim, in den Apokriphen, besonders in der Weisheit Salomons und im Ben Sirah, ferner die Dichtungen der Peitanim den für den Gottesdienst, an Feiertagen und außergewöhnlichen Sabbaten.) KeinNichtjude von Geburt hat sich, wie ich glaube, als Dichter oder als origineller prosaischer Schriftsteller in hebräischer Sprache hervorgetan. Es haben wohl seit Johann Reuchling mehrere Christen gründlich Kenntnisse in der hebräischen Sprache bekundet, auch als Ueberfetzer aus den hebräischen in die lateinische Sprache; jedoch als origineller hebräischer Autor dürfte keiner, oder gewiß sehr wenige 'Nichtjuden sich einen Namen erworben haben. Hingegen waren schon vor 2200 Jahren Inden berühmte originelle Schriftsteller in griechischer Sprache. So übersetzten unter Ptolomäus Philadelphia 72 jüdische G.'lehrte die Bibel in die griechische Sprache, die Septuaginta genannt, wozu gründliche Kenntnisse der griechischen Sprache nötig waren. Aristobul, der Lehrer des Ptolomeus Filopator, schrieb Erklärungen zum Pentateuch; Philo und Josefus schrieben über 30 historische und theologische Bücher in der griechischen Sprache. Und während des Mittelalters — durch fast 1000 Jahre — versaßen viele Hunderte Juden auch von Nichtjuden sehr geachtete Schriften in hebr., griech., lateinischer, arabischer, italienischer, englischer und in noch andern Sprachen Unter diesen Männern gab es viele, die mehrere Sprachen mit großer Fertigkeit beherschten. So z. B. Samuel Hanagid, (993—1055) den sich früher von einem Kramladen nährte, nachher Vezir des König Habus in Granada ward; er verfaßte für den König ein Lobgedicht in sieben Zeilen, von denen jede Zeile in einer anderen Sprache redete. Menasche ben Israel, (1604—1657) in Amsterdam, verstand es, in 10 Sprachen mündlich und schriftlich zu verkehren und verfaßte 27 Bücher in verschiedenen Sprachen. Diese und Andere sind gewiß ein mustergiltiges Zeugnis für die Genialität der Juden auf dem Gebiete der Linguistik. verschiedene Nachrichten. 2Sien. Am 15. d. fand im großen Saale der Fruchtbörse das in allen seinen Teilen geradezu erhebende Bekleidungsfest des „Vereines zur Bekleidung armer alter Männer israelitischer Konfession", statt. Dieser Verein, unter der Leitung des unermüdlichen Obmannes Isidor Schwarz stehend, entwickelte sich, Dank der trefflichen Mitwirkung des Obmannstellvertreters Carl D. Boskowitz, des rastlos tätigen Schriftführers Kantor Js. Löwit, und der hochherzigen Förderung des Ehrenmitgliedes Michael Back, ferner der Herren Karl Fuchs, Kassier Libesny, des stets hilfsbereiten Herrn Philipp Finkler u. 21., aus einer unscheinbaren Tischgesellschaft zu einem angesehenen Verein, der heuer bereits sechzig arme Greise vollständig auszustatten in der Lage war. Bereits um 5 Uhr war der große Saal von einem äußerst zahlreichen, distinguierten Auditorium gefüllt. Es erschienen die Bezirksräte Dr. Loschitzer und Mensch, der Obmann des Orischulrates Klebinder, 2lrmenrat Feldbauer, das erste Ehrenmitglied, der Vizepräsident der Badener Kultusgemeinde Anton Schneider sammt Frau, vom Präsidium des „Vereines Reisender Kaufleute" Herr Em. Frankl, die Herren Rabbiner Dr. Schmiedl und Dr. Rosenfeld, die Oberkantoren Bauer und Guttmann, die Vereinsobmänner Pollak, Schrämet u. a. Vertretungen und Korporationen. — Ein schwungvoller von Prof. Naschsr verfaßter Prolog, in geradezu hinreißender Form gespr'chen von dem überaus anmutigen Frl. Olga Fuchs, leitete den 2lbend vielverheißend ein, worauf Obmann Schwarz in vollendeter Rede die Ziele und Bestrebungen des Vereines kennzeichnete und die erschienenen Festgäste begrüßte. Nach einem stimmungsvollen Choral (am Harmonium saß der Kunsteleve Willy Löwit), vorgetragen vom Chorpersonal der türkisch-israelitischen Gemeinde unter ausgezeichneter Führung des Chordirigenten Isidor Löwit, hielt Rabbiner Dr. Schmiedl eine meisterhafte Rede. Der greise und weise Seelsorger entwarf ein fesselndes Bild der vielfach geübten Herzensgüte und wies auf den charakteristischen Zug hin, daß im Judentum weit über dem „Mitleid" die ethische Errungenschaft der „Mitfreude" stehe. Nach dieser überaus beifällig aufaenommenen Rede sa g Oberkantor Bauer in herrlicher Tonfülle die Festkantate. Nach den beredten Worten Dr. Emanuel Spitzer's folgte der rührende Dank des Herrn Moritz Löffler namens der beschenkten alten Männer, worauf lebhaft acclamierte Gesangsvorträge des Oberkantor Gllttmann und eine überaus launige Rede Prof. Naschör's kamen. Mit einem wirksamen Schlußchoral ende:e die schöne Feier. Die sechzig Greisen begaben sich zur Tafel für deren Fülle Herr Philipp Finkler auskam. Oberkantor Gurtmann rezitirte das Tischgebet und begab sich hierauf zur intimen Festtafel. an welcher eine überaus animirte Tafelrunde Gelegenheit harte, den eingesührten Gast, Herrn Rabbiner Dr. Frrnk, als trefflichen Redner kennen zu lernen. Das Präsidium hatte unser Ehrenmitglied Michael Back inne. Es folgten die beifälligst ausgenommenen Tischreden des Obmannes Schwarz, Karl Kaiser, Boskowitz, und die geradezu glänzende thetorische Leistung Prof. Naschörs gab den nichtosfiziellen Teil des Tages, an dessen Erfolgen die Herren Löwit, Fuchs, Klein, Boskowitz, Libesny reichen Anteil hatten, den wirksansten 'Abschluß. —a— ZSien. (Toynbeehalle). Sonntag ben iö. d. M. hatten die zahlreichen Besucher und Besucherinnen der jüdischen Toyndeehalle einen überaus genußreichen 2lbend, der allen Theilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung'bleiben wird. Herr Pfarrer Hechler von der englischen Botschaft hielt einen populären Vortrag üver das gelobte Land. Einleitend bemerkte der Vortragende, daß ihm im Jahre 1898 ein langgehegter Herzenswunsch in Erfüllung gegangen, als er den damaligen Prinzen of Wales und jetzigen König Eduard von Großbritannien nach Palästina begleiten konnte; habe er doch die Geschichte und Geographie Palästinas mehr als 30 Jahre emsig und gründ.ich studiert. Mit mne er Bewegung schilderte Pfarrer Hechler das beglückende Gefühl das ihn beseelte, als er den geweihten Boden betrat: „Von Jericho richtete ich meine Blicke gegen Morab, um jene Spitze zu erspähen, von welcher der große Moses das verheißene Land sehen konnte, es zu betreten, war ihm versagt worden, weil er dem göttlichen Willen zuwiderhandelte, indem er den Stein schlug, damit ihm Wasser entströme". 2ln der Hand zweier Landkarten von Palästina und einer 'Anzahl überaus wertvoller Modelle, vorwiegend Originale, demonstcirte der geistliche Redner in streng historischer und konziser Form alle Ereignisse seit der ersten Stiftshütte bis nach der Zerstörung des zweiten Tempels und schloß seinen Vortrag in Bezug auf das Judentum und die es überall umringenden Feinde mit der Rezitation des dritten Psalmes, der in den Worten ausklingt: Ladonai haj’schuah al amcho birchosecho seloh! Wien. (Sitter. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria".) Samstag den 14. d. M. hat der Mädchenverein „Moria" gemeinsam mit den zionistischen Frauen- und Mädchenveremen einen Vortragsabend veranstaltet.

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