Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 42 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 \ Die Wahrheit ülr. 42 Spitzer, Profeffor Ehrmann und Teltscher, worauf folgende Beschlüsse -gefaßt werden: 1. Es soll im Laufe dieses Winters ein Cyclus von Vorträgen für die reifere Jugend abgehalten werden. Gegenstand dieser Vorträge fei die Geschichte der Juden in der Diaspora. Diese Vorträge sollen -allwöchentlich in einem noch zu bestimmenden Locale stattfinden. 2. Außerdem wird ein Cyclus von Vorträgen für Erwachsene aus jüdischer Geschichte, Literatur und Volkskunde in Aussicht genommen..— Nach Erledigung von Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. Wie«. (Sultanfcier.) Freitag, den 6. d. M. yz12 Uhr vormittags fand anläßlich des Geburtstages Se. Majestät des Sultan Abdul Hamid II. im Tempel der türk. Gemeinde ein Festgottesdienst statt, an welchem der laiserlich türkische Botschafter, Sr- Exzellenz Mahmed Bey, sammt den Botschaftsräten, der türkische Generalkonsul von Dirzstah, Polizeileiter Kende, Bezieksvorsteher Niebauer, Kultusvorsteher Ritter v Goldschmidt kais. Rath Dr. Lieben, der Präsident der österr. israel. Union Maximilian' Paul Schiff, die Rabbiner Dr. David und Dr. Feuchtwang, Bezirksarzt Dr. Ehrmann, die Vorsteher der griechisch-orientalischen Gemeinde u. v. A. Teilnahmen. Die Präsidenten Markus Ruffo und Licco Adult begrüßten, den Botschafter und die anderen Würdenträger und geleiteten dieselben auf ihre Ehrenplätze in den Tempel. Mit Vortrag des „Matowu“ durch Oberkantor Bauer unter Orgel-, Harfen- und Chorbegleitung wurde der Gottesdienst eing-leitet, worauf Rabbiner Papo die Festrede hielt Und Oberkantor das Gebet für den Sultan rezitierte. Zum Schluffe der überaus erhebenden und im gesanglichen Teile künstlerisch durchgeführten Feier sang der Chor unter Leitung des Dirigenten, Cantor I. Löwit, die türkische Hymne. Wie». (Volksküchenverein nach israelitischem Ritus, II., Krummbaumgaffe 8.) Schon lange war der Verein von der sehr wichtigen und dringenden Notwendigkeit der Errichtung einer Volksküche im XX Bezirk (Brigittenau) durchdrungen, konnte aber dieses Projekt beim besten Willen nicht durchführen, weil ihm die nötigen Mittel hiezu fehlten. Durch eine namhafte, hochherzige Spende der vor einiger Zeit verewigten Frau Rosa Hildesheimer, geb. Brodsky. wurde es dem Vereine möglich gemacht, eine den Bedürfniffen des genannten Bezirkes entsprechende jüdische Volksküche zu erbauen, welche für die vielen, nach Tausenden zählenden armen Juden dieses Bezirkes eine große Wohltat und ein Segen sein wird. Die neuerbaute Volksküche wird am 24. November ihrer heiligen Bestimmung zugeführt und an dem genannten Tage feierlich eröffnet werden. Der Vorstand des Volksküchenvereines wendet sich hiemit an den stets bewährten jüdischen Wohltätigkeitssinn edler Menschenfreunde, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten, ihn mit Spenden zu unterstützen und sein Emporblühen nach Kräften zu fördern. Nachdem die Gründung einer solchen Küche für den eingangs genannten Bezirk eine unabweisliche Notwendigkeit war und deren Erhaltung nicht geringe Geldmittel fordert, glauben wir bestimmt hoffen zu können, daß unser Appell, den wir hiemit wärmsteos an alle unsere Glaubensbrüder richten, nicht wikungslos verhallen, sondern von dem gewünschtem Erfolge begleitet sein wird. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Im Festsaale des nieder österreichischen Gewerbevereines fand Sonntag, den 8 d. M. die erste Plenarversammlung des Vereines in dieser Saison statt. Lange vor Eröffnung war kein Plätzchen leer. Kopf an Kopf standen die Zuhörer und folgten dem Vortrage mit größter Aufmerksamkeit. Vertreter der verschiedenen Körperschaften wie der Kolonialgesellschaft, kaufmänn scher Vereine, Obmänner mehrerer Tempelvereine, Vertreterinen vieler Frauenvereine, Professoren und Staatsbeamte, Industrielle und Gewerbetreibende fanden sich hier im gemütl'chen Kreise zusammen. Präsident Brod eröffnete die Versammlung und stellte die Vortragende, Ihre Exzellenz Freifrau von Mo.awetz-Dirkens. vor, welche einen Vortrag über „Korsika, die Perle des Minelmeeres" hielt. Vorerst jedoch berichtete der Präsident über die Tätigkeit des Vereines wärend der Sommermonate. Auch machte er Mitteiluirg von dem zahlreichen Beitritte neuer Mitglieder und der Schaffung einer Sektion im Vereine, die auch kaufmännische un>> Handelsinteressen zu vertreten die Aufgabe haben wird. Es wäre zu wünschen, daß Jedermann, ohne Unterschied des Standes, der wirtschaftliche Ziele ernstlich fördern wolle, oder dem das wirtschaftliche Gedeihen unserer Mitbürger am Herzen liege, unserem Gewerbevereine cus Mitglied beitrete. Die Vortragende erzielte mit ihren geradezu brillanten Ausführungen an der Hand von Lichtbildern einen glänzenden Erfolg Are«. lConstituierung des Vereines „Machsike Haoath".) Die dem überlieferten Judenrume anhängenden Glaubensgenossen, welche sich hier auf viele Tausende beziffern, haben es. längst als einen bedauerlichen Mangel empsungen. daß. bisher keine einheitliche Organisation existierte, die berufen wäre, ihre religiösen Interessen zu vertreten und Einrichtungen zu schaffen, die für ihren Fortbestand unerläßlich sind. Um diesem Uebelstande abzuhelsen, traten eine Anzahl für das Judentum.begeisterte Männer zusammen und riefen unter dem Namen „Machsike Hadach't l-iyen derartige Zwecke verfolgenden Verein ins Leben. Derselbe stellte sich folgende Aufgaben: Die Erweckung und Forderung jüdischen Lebens, die Pflege jüdischer Lehre, die Kräftigung jüdischen Bewußtseins und Stärkung des Gefühls jüdischer. Zusammengehörigkeit im Sinne des überlieferten Religionsgesetzes. Zu die,ein Behufe beabsichtigt der Verein unter anderem eine Lehrstätic zur Pflege des jüdischen Wissens zu gründen, welche gleichzeitig ortsfremden, würdigen Personen einen geistigen Sammelpunkt bieten soll. Sonntag, den 25. Oktober -1903 nachmittags 4 Uhr hielt der gedachte Verein seine konstituierende Versammlung im Restaurant Schwrtzer II. Leopoldsgaffe 49 ab. wobei' folgende Herren in den Ausschuß gewählt wurden: S. Meisrls. als Obmann, Dr. Daniel Fink Obmannstellvertreter und Schriftführer,- Sporer Kassierer, Josias Go/dichmidt Kaffiererstellvertreter, I. M. Bels und A. Kahane'als Kontrolore, Osias D-ärz Schristführerstellvertreter, ferner die Herren Jakob März, Markus Kronfeld, Meier Kriß, I. Mosberg, S. Komet, Kläger, I. Gänger und S. Frommer. Anmeldungen zum Beitritt nimmt der ObmaNn, Herr S. Meisels, III. Radetzkystr 3 entgegen. Der jährliche Beitrag beträgt 6 Kronen. ' Wie» Samstag, den 14. d. M. halb 8 Uhr abends findet im Kongreßsaale, IX., Türkenstraße 9, eine Versammlung sämmtlichrr zionistischer Mädchen- -und Frauenvereine statt. Referentin: Frau Rosa Feigenbaum, die über den VI. Kongreß und die daraus resultierenden Aufgaben der jüdischen Frau sprechen wird. Gäste herzlich, willkommen. Verschiedene Aachrichten. Wie«. Das Ministerium für Kultus und Unterricht hat den k. k. Religionslehrer an den Staats-Oberrealschulen im ersten und dritten Bezirke. Herrn Aron Kollek, ack personam zum wirklichen Lehrer an Mitelschulen ernannt. . Wien.- -Sonntag, den 15. -d: M., 3 Uhr nachmittags, findet im türkischen Tempel, IT., Circusgasse, die Trauung des Fräulein Lola Marmorek, Tochter der Frau Rosa Marmorek, mit, Herrn Dr. Jakob Scheu statt. Hovitschau. Fräulein Malvine Weiß, Tochter des hiesigen Cantor I. Weiß, hat sich mit Herrn D. E - Klein aus Wien verlobt. B«d«pest. (Barmizwahfeierlichkeiten.) Im großen Tempel in der Tabakgaffe fanden am letzten Sabbat nicht weniger als vier Barmizwahfeierlichkeiten statt. Als Mastir wurde der Sohn des Professors Dr. Berczeller zur Thora gerufen. Rabbiner Dr. Samuel Köhn ertheilte dem Confirmanden die Weihe der Religion und Oberkantor Professor Adolf Lazarus besorgte die Mischeberach's in künstlerischer Vollendung. Auch die Rombachsynagoge hatte ihr Ereigniß. Daselbst feierte der Sohn des Rabbiners Moses Feldmann das Fest seiner religiösen Mündigkeit. Derselbe wurde als Maftir zur Thora gerufen und entledigte sich seiner heiligen Pflicht in tadelloser Weise. Der geistig und körperlich gut veranlagte Knabe ist im hebräischen Wissen schon derart fortgeschritten, daß er bereits eine gewisse Meisterschaft im Vortrag sich angeeignet hat. Hiezu kommt noch, daß er über ein überraschend starkes und wohlklingendes Organ verfügt, das ihm , natürlich sehr zugute kommt. Wir haben noch wenige, vielleicht noch gar keinen Knaben gehört, der so seinen „Mann" gestellt hätte, als der junge, zu den schönsten Hoffnungen berechtigte Feldmann. In Anbetracht des illustren Publikums, welches als Festgäste der Feierlichkeit beiwohnte, besorgte Oberkantor Jakob Bachmann einen veritablen Festgotlesdienst, wobei er durch seinen seelenvollen Gesang die Anwesenden geradezu entzückte. Nach dem Gottesdienste fand die Gratulation in der Wohnung des Rabbiners .Moses Feldmann statt. Wir bemerkten unter den Erschienenen den Cultuschef und Gemeindevorsteher. Ludwig Adler, Tempelvorsteher Julius Adler, den gesummten Vorstand der Synagoge, den Präsidenten der Chewra Kadischa Jacob Voschan, den Präsidenten des Talmudvereines Eduard Fleischmann, die Oberrabiner L. Pollak und Dr. M. Kayserling, die Aushilfsrabbiner Dr. Julius Weißburg und Dr. Wllheim, die Vereinsrabbiner Kopfstein, Mayer Freund, Rosenberg und Weiß, viele hervorragende Gemeindemitglieder und deren Gattinen u. A m. Der Held des Tages, der junge Feldmann, hielt eine sehr gelungene Ansprache an die Festgäste im korrekten Ungarisch und ließ derselben einen hebräischen Vortrag folgen. Beide erhielten den reichsten Beifall der Anwesenden. D. H. k. tzisenstadt (Ungarn). Unsere Gemeinde und an ihrer Spitze unser ehrwürdiger, weithin bekannter und verehrter Oberrabbiner Kurna hat einen unersetzlichen Verlust zu beklagen. Vorige Woche verschied nämlich die ob ihrer Herzensgute, ihres Seelenadels und ihrer Selbstlosigkeit in den weitesten Kreisen hochgeehrte und beliebte Rabbinerin, Frau Katharine Kutna s A. Die ganze Gemeinde trauert wie eine Familie mit den Leidtragenden and ihrem ehrw. Oberhaupte, dem bewährten Vorkäippfer und Führer des orthodoxen Judentums in Ungarn. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer unposanten Kundgebung der Trauer u--d der Teil» nabme. Das Trauerhaus in allen seinen Räumen, sowie die ganze Jndengasse waren von teilnehmenden Juden und Nichtjuden dichtgefüllt. Aus den Nachbargemeinden Oedenburg, Mattersdorf, Deutsch-Kreuz, Neustadt u. m. a. G. waren größere Deputationen teils mit ihren Rabbinern herbeigeeilt, um der Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Im Trauerhause ergriff der älteste Enkel der Verstorbenen, Herr M. Aron Fürst aus Wien, das Wort, um von seiner Großmutter innigen, tiefergreifenden Abschied zu nehmen. Als in der Friedhofhalle der graingebeugte Gatt e, Oberrabbiner Kutna, in seiner redegewaltigen Weiie seiner langjährigen, treuen Lebensgefährtin einen erschütternden Nachruf hielt, blieb kein Auge tränenleer. Sie mit unserer Stammmutter Sarah vergleichend, würdigte er ihre großen Verdienste und herrlichen Tugenden, die sie als echte Tochter ihres großen Vaters, des R. Gottlieb Fischer s. A.; kennzeichneten. Herr Rabbiner S. Fürst aus Wien (Schtffsynagoge), der Schwiegersohn der Dahingeschiedenen, pries sie in beredter Weise als eine Frau, wie man sie' mit einer solchen Summe hehrer Eigenschaften unter Tausenden nicht finde; er dankte ihr für die geradezu rührende Sorgfalt, mit der sie ihm in den Jahren, die seiner rabbinischen Tätigkeit vorangegangen waren, das sorgenlose, ungestörte Thorästudium ermöglicht hatte, so daß ec seine heutige Stellung zum großen Teile ihr zu verdanken habe. Es folgte noch der ergreifende Nachruf des Oedenburger Oberrabbiners Grünwald, worauf die teure Leiche der Erve übergeben wurde. Der Schwager der Verblichenen, Oberrabbiner Fischer-Eperies, wüßte vor innerer Ergriffenheit aufs Wort verzichten^ Mag den erw. Oberrabbiner Kutna der Gedanke aufrichten, daß nicht nur seine engere Familie'und seine Gemeinde, -sondern alle Diejenigen, die diesen bewährten Führer in Israel verehren — und sie zählen in die vielen Tausende — mit ihm trauern.