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Die Wahrheit · 1903-11-13 · Heft 42 (13.11.1903) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 42 (13.11.1903)
Date
1903-11-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Die Wahrheit. Nr. 42. Schüler, fern Von jeder weltlichen und gesellschaftlichen Berührung, in die Lektüre -er Werke römischer und griechischer Heiden einzuschließen; allein der Pferdefuß kann unmöglich verdeckt werden. Und dieser Pferdefuß ist nichts anderes, als der zum Afsemitismus herangereifte und ausgewachsene Jesuitismus. Fallen;a die Herren Referenten mit unberhohlener Beserkerwut besonders über iene Männer her, denen es geglückt (!?) ist, von wissenschaftlichen Berufen zu leben. Diese Herren gönnen also den Juden höchstens den Erwerb mit alten Hosen, und selbst das nicht ungeschmälert, da man ja das Hausiergesetz schuf, um die armen nichtakademischenjüdischen Bürger in den Hungertod zu treibe,'. Wir wollen uns jedoch mit diesen Expektorationen frommer Seelen hier nicht weiter beschäftigen und kommen zum Hauptautrag „auf Errichtung sogenannter konfessioneller Mittelschulen in Galizien". Dieses sehusüchlige Verlangen seitens frommer katholischer Seelen, zu einer Zeit, da Staat und Kirche unter Hoch- und Niederdruck sich auf die Propaganda fidea unter den so arg beleumundeten und unterdrückten Inden verlegen, dieser Wunsch nach Ausscheidung der jüdischen Kinder aus den christlichen Schulen bleibt uns unbegreiflich, denn gerade die Erfüllung desselben würde die jüdischen Kinder aus den Netzen der Seelenfängerei befreien. Der Verein „Schomer Israel" trat daher dem Studium dieser Frage in mehreren Versammlungen noch im verflossenen Winter näyer, und siehe da: les extremes se touchent. nach eingehenden Diskussionen gelangten wir von nachstehenden Gesichtspunkten zu fast gleichem Resultate: die konfessionell-jüdische Schule als einen bleibenden Gewinn für die jüdische Sache zu erklären und anzustreben. Zunächst tragen alle österreichischen Volks- und Mittelschulen das unzweifelhafte Gepräge christlich - konfessioneller Schulen, welche dem christlichen Kalender angepaßt, den jüdischen Feiertagen und Sabbaten gar nicht, oder nur im beschränktestem Maße Rechnung tragen und den Unterricht in der jüdischen Lehre, seiner nationalen Sprache, Geschichte und Liturgie höchst stiefmütterlich bedenken, während denselben Gegenständen der christlichen Völker das größte Stundenausmaß zugewendet wird. Da ist es nicht zu verwundern, wenn unter solchen Verhältnissen unsere Jugend, welche die Mittelschulen verläßt, baar jedes Judentums ist mid dadurch dem Atheismus oder dem Katholizismus geradezu in die Arme getrieben wird. In nationaler Beziehung lastet, diese staatlich katholische Mittelschulerziehuug wie ein schwerer Alp auf dem jüdischen Volke, zumal der Nachwuchs unter einer derartigen antijüdischen, geistigen Dressur sich in Contrast stellt zum historischen Judentum, ja sogar zu seinem kaum vergangenen Geschlechte, während bei den christlichen Schülern der Nachwuchs organisch untrennbar bei seinen Altvorderen bleibt. Aber auch in materieller Beziehung erleidet unser Volk bedeutenden Verlust dadurch, daß die jüdischen Lehrkräfte nur äußerst selten zur Verwendung gelangen, während die tausenden Kinder unseres Volkes zumeist von feindlichen Lehrern unterrichtet werden, welche weder die Fähigkeit nock die Eigenart des Kindes verstehen und sie auch gar nicht verstehen wollen. Auf diese Weise haben wir ein doppeltes Defizit an Intelligenz und an Familien in gesicherter Stellung, was den Pauperismus und den Verfall beschleunigt. Mil Rücksiar darauf, daß viele Erwerbsquellen dem galizifchcn Juden vollkommen abgeschnitten sind, weil die Klerikalen, die Schlachra und nicht zum gelingen Theil auch das polnische Volk den Erwerb unmöglich machen, wäre daher die Errichtung confessioneller Volks- und Mittelschulen in Galizien von hohem, sittlichem, ökonomischem, socialem und materiellem Interesse. Der Ausfall und Ueberfall der Mächtigen seitens der Alliance der Grafen und Priester gegen die Schwachen, und Wehrlosen würde sich auch dann in Wohlwollen und zu beiderseitiger Zufriedenheit aus lösen, und die jüdische Schule würde uns jene Talente wiedergeben, welche aus ihr eil,st zum Heile und zur Ehre unseres Volkes entstanden sind. Also nur zu, Ihr Herren Priester und Grafen, Ihr modernen Bileamiten! Auch Euer Fluch wird, weuu Euer Herzenswunsch, iu Erfüllung geht, zu unserem Segen ausschlagen. Sie haben ja- Recht, Herr Graf Taxnowski, der Jude bleibt Jude! Aber er verlangt für seine Gut- und Blutsteuer seine Rechte und seinem Antheil an allen Institutionen des Staates und des Landest Samuelsohn» vom letzte« Nabbinerrongreß in Krakau. Im August dieses Jahres wurde ein „Allgemeiner Rabbiner-Congreß" in Krakau abgehalten, über welchen die jüdischen Blätter und unter diesen auch „Die Wahrheit", eingehende Berichte veröffentlichten. Die Beurtheilung, die damals der Congreß gefunden, war im Allgemeinen keine besonders günstige, und vielfach wurden Stimmen laut,die behauptuen, dast der Congreß seinen Zweck nicht erfüllt habe. Zur Richtigstellung des öffentlichen Urtheiles hat nun der Sekretär des Congresses/ Herr Oberrabbiner I. Horowitz in Alsökubin, den besten Weg. gewählt, indem er an der Hand der in hebräischer Sprache abfaßten Congreßprotokolle einen authentischen Bericht iu deutscher Sprache in Buchform herausgab, um so eine getreue Darstellung über den Verlauf des Cougresses und ein richtiges. Bild vom dem Geiste seiner grundleitenden Gedanken zu liefern. Als vor-' nehmster Akt des Congresses galt die Eidesleistung der Rabbiner in der Synagoge und ihre feierliche Verwahrung gegen die Blutlüge. Da gegen die Zmeckmäßigkeit dieser Aktion mannigfache Einwänve erhoben wurden, wollen wir aus dem lesens- .werthen Berichte jene Stelle, welche in einem Historischen Ueberblicke die Nothwendigkeit der Eidesleistung darzuthnu sucht, in Nachstehendem wiedergeben : „Wenn alles dies, was ich angeführt habe, noch nicht genügt, die Gemeinheit dieser Anklagen zu beweisen, nun, so nehme ich in dieser schrecklichen Lage meine Zuflucht zu einem Schwur beim Ewigen. Ich schwöre beim höchsten Gott, beim Schöpfer des Himmels und der Erde, der sein Gesetz dem Volke Israel offenbart hat, ich schwöre in meinem Namen und im Namen von ganz Israel, daß ich nie bis auf den . heutigem Tag einen solchen Gebrauch in meinem Cultus gesehen habe, daß nie eine ähnliche Lehre zu finden war, weder in der heiligen Schrift, noch in dem mündlichen Gesetze, noch in den Schriften, von Gelehrten, noch in der Tradition, noch in irgend einem Gebrauch, daß sie nie weder aufgesührt, noch versucht wurde,, daß ich nie etwas so Schändliches, nie eine solche Grausamkeit aus dem Munde eines Juden gehört habe, daß ich sie nie weder in irgend einem Buche, noch sonst in einer Schrift gelesen habe. Uno so ich lüge, möge mich aller Fluch treffen, der in Leviticus und im Deuteronomium ausgesprochen ist! So will ich weder den Segen noch den Trost Zion's sehen! So möge ich auch gar keinen Anteil an der Unsterblichkeit der Seele haben! Amen!" Diese Worte richtete der weise, fromme Manasse beu Israel in seiner Bitte an den Protektor Cromwell um Wiederaufnahme der Juden in England, von wo sie unter der Regierung. Eduard's I; wegen der schrecklichen Anklage, daß sie bei der Feier des Passa-Festes sich des Blutes von Christen bedienen,, iu grausamer Weise vertrieben worden waren. Ein Jahrhundert später sprach Moses Mendelssohn: „Die Civilisation hat sich von diese« elenden Legenden noch nicht losgesagt. Noch vor Kurzem sind zu Posen die Juden eines gegem ein Christenkind verübten Mordes angeklagt worden, und zwei fromme Rabbiner, die Oberhäupter ihrer Gemeinde, sind zu. Tode gemartert worden. Beim barmherzigen Gott! Sie waren ebenso unschuldig, wie ich. Diesen wichtigen Eid der Purifikation^ den Manasse in seinem und in Jsrael's Namen abgelegt hat, leiste auch ich heute in der Reinheit und Unschuld meines Gewissens.- Und als im Jahre 1840 Moses Montestore die Reise nach Damaskus antrelen sollte, um die unschuldig gefesselte« Söhne seines Volkes zu befreien, erhielt er von seinem Seelsorger, dem Oberrabbiner von Großbritanni-'n R. Salomo« Herschel. folgendes Begleitschreiben:

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