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Die Wahrheit · 1903-11-13 · Heft 42 (13.11.1903) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 42 (13.11.1903)
Date
1903-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Drei Landboten brachten das Heldenstückchen zu Stande, aus gedeckter Stellung einen Ausfall auf die schwachen und wehrlosen jüdischen Mittelschüler zu machen. Die Bollführer dieser Heldentat heißen: Wilezkiewicz und Olszynski. beide Priester der Religion der Nächstenliebe, und Gras Tarnowski, der Präger des so gedankentiefen und herzweiten Begriffes des Asseinitismus. Dort, aus den kuiulischen Stühlen, läßt sich ungestraft über Juden und Judentum losziehen. Der Eine hob die Demoralisation der jüdischen Mittelschüler Hervor, der andere wieder ihre Gemeinschädlichkeit, und der gräfliche Akademiker erklärte die jüdischen Schüler als Gottlose und Atheisten! Wir galizische Juden haben uns längst daran gewöhnen inüssen, von der Intelligenz der polnischen Landsleute angegriffen zu werden, längst schon betrachten wir den Landtag als den Wetterwinkel, von dem aus alle Ranke gegen die verhaßten Juden gesponnen werden, einerlei ob dieses System der Verfolgungen von der Landstube, als dem Sitze der polnischen Herrlichkeit, sich in Form von Gesetzen, oder als Unterregierung die Judeuvernichtnug zur Aufgabe stellt. Wer kennt nickt die.Minirarbeit, den Juden Galiziens gede Ernährungsmöglichkeit zu unterbinden, um sie auf nicht auffällige, aber nichtsdestoweniger unmenschliche Weise zum Verhungern oder zur Auswanderung zu zwingen. Aber noch verwerflicher scheint uns das Beginnen, der zukünftigen jüdischen Intelligenz, die gegenwärtig kaum dem Kindesalter entwachsen ist, an einem so hervorragenden Orte, wie der Landtag es ist, Lin Brand- und Schandmal aufzudrücken! So die geistlichen Herren meinen, daß die armen jüdischen Volksklassen die Demoralisation herbeiführen, dann müßte dasselbe konsequenter Weise noch viel mehr auf die christlichen Studierenden zutreffen. Besuchen ja bekanntlich auch Söhne von Hausbesorgern und Holzhacken! rc., mit einem Worte Kinder aus den untersten Volksschichten, die Mittelschulen, und es wird wohl niemand behaupten können, daß oiese in ihren fuseligen Stuben mit oft sehr fragwürdigen Insassen die Moral in Pacht genommen haben, während die ärmpren jüdischen Volksklassen mit ihrem moralischen Familienleben demoralisierte Kinder an die Schule absetzen sollen. Aber auch jene Annahme, nach welcher die höhere sittliche Qualität bei jenen Individuen anzutreffen ist, die vom Hause aus vom Glücke begünstigt sind, wird bei uns Juden hinfällig; denn im Hause Israel hat sich stets die Jugend der ärmeren Leute als ein überaus tüchtiges und moralisches Volkselement bewiesen, und gerade aus diesen Schichten gierigen Männer hervor, welche ihr Volk mit Ruhm bedeckten und durch alle Zeiten unvergänglich als Sterne erster Größe leuchteten. Herr Wilezkiewicz zeiht unsere Kinder der Demoralisation, ohne diesen schrecklichen Vorwurf irgendwie zu präzisieren und ohne das geringste statistische Material hiefür zu bieten, auf daß man seine Behauptungen einer gebührenden Kritik unterziehen könnte. Die Unwahrheit dieser Anklage gebt schon daraus hervor, daß die zahlreichen Mittelschulen sich in Händen christlicher Lehrer befinden, unter welchen gar viele von ausgesprochen assemitischer Couleur sind. Diese würden aber sicherlich derlei gefährliche Subjekte im Allgemeinen, und jüdische insbesondere, in ihren Schulen nicht dulden. Zur Ehre der Gymnasial- und Realschule muß jedoch konstatiert werden, daß man von Massen - austreibungen und Masseubestraiungen solcher verkommener jüdischer Schüler bisher nichts gehört hat. Oder sollten die Herren im Landtage unter Demoralisation vielleicht harmlosere Dinge verstehen, wie etwa Lebhaftigkeit des Temparaments und ähnliches? Wie erklärt man dann aber den Antrag auf Ausschließung der jüdischen Jugend aus den Staätsschulen? Wenden wir uns nun zu dem Vorwurfe des gräflichen Akademikers Tarnowski, welcher die jüdischen Studierende>l des Atheismus und Sozialismus zeiht. Auch seine Aussagen sind der Nachprüfung nicht zugänglich, und wäre in diesen Auwürfen nurein Atom Wahrheit enthalten, so würden sie nur die bittere Not unserer jüdischen Mittelschuljugend beweisen, die sich schon frühzeitig verurteil: sieht, über ihre Situation nachzudenken. Aber dieses ernste Nachdenken über wichtige Leben»probleme führt die Charakterfesten und die national-jüdisch Erzogenen weder zum Atheismus noch zum Sozialismus, sondern in die heilsame Bahn des Zionismus. Und das können wohl weder der gräfliche Akademiker noch die geistlichen Herren ihnen als Demoralisation anrechnen. Wir würden gerne den Tadlern ungeteiltes Gehör, wenn auch nicht Glauben schenken, so dieselben rein aus Liebe zur Wahrheit und aus glühender Begeisterung für ihre eigene Nationalität den Wunsch geäußert hätten, die jungen polnischen

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